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VI. Grammatik des Berlinischen

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

Vorhergehenden. Gerade in dieser Gruppe hat sich manches nd. Gut erhalten. Die kleinen Partikeln sind bei Aufnahme des Hd. aus dem nd. Wortschatz als Alltagswörter beibehalten, wie die Sprach, geschichte stets zeigt, daß gerade diese Formwörtchen ihre eigene Rolle spielen, besonders schnell oder besonders schwer nachgeben. l. Präpositionen. Zur Rektion s. § 28, 2b. „an" an de Erde: auf die (der) Erde (fallen, bzw. liegen). „bei": 1. bei, 2. zu, vgl. z 28, 2b, Fr. II.: heulte werde beim Generahl Borken gehen. „ehr nächste Woche" s. u. 2 (Konjunktionen). vor: für, vor. Berlin konnte weder aus nd. noch aus md. Quellen zwischen für und vor") scheiden (8 28, 2b). Nd. hieß es in beiden Fällen vor, md. vor. Demgemäß besitzt Berlin nur ein Wort für beide: „vor": „vor^n Sechser", für einen Sechser; „vor de Dihre", vor die (der) Tür; „vor umsonst", „vor mir" was mich betrifft, „vor" neben Adverbien, die die Hochsprache selbständig braucht, ist in der Volkssprache weithin verbreitet, „vor bestimmt etwas sagen, tun". Ältere Beispiele: „Und sein noch nicht all zwey Jahr Daß in dieser Kirchen kein Stand man vor die Schüler verordnet fand" (Marienkirche, Ende des 16. Jahrhunderts). 1739 Intelligenzblatt: „Ein schön hochgegiptes Gewölbe . . vor einen Kaufs- und Handelsmann . . zu oermiethen; vor verdächtig halten." Fr. II.: 1748 „Recompence Vohr Seine lange dinsie; wan er keine bessere anschlege thun kan, sol er Sie vohr sich behalten." Es handelt sich in allen diesen Beispielen um die berlinische Gemeinsprache (wie die omd. und norddeutsche), sogar über die gesprochene Form hinaus. Die Mittel- und norddeutschen Grammatiker des 18. Jahrhunderts beschäftigt die Frage des Bereichs von „vor" und schriftsprachlich „für" in theoretischen Erörterungen, in praktischen Beispielen sehr stark. Wenn Moritz 178 1 für Berlin berichtet: „Nichts wird im Reden und Schreiben häufiger miteinander verwechselt als für und vor", so meint er damit nicht die eigentliche Volkssprache, sondern das von den oberen Kreisen geschriebene Berlinische, wo durch das schriftsprachliche „für" Schwanken eingezogen war: *) Die obd. Verteilung von für und vor war ursprünglich verschieden von der heutigen.
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