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VI. Grammatik des Berlinischen

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

gestellt bleiben. Scheint es zuweilen, als ob „des" in betonter Stellung, „det" als Artikel vorgezogen wird, so läßt sich das an andern Stellen nicht aufrechterhalten. Trachsel scheidet „des" das, daß und „det" dieses, das. Jedenfalls ist die -t-Form, namentlich in neuester Zeit stark vorgedrungen und hat „des" so gut wie ganz verdrängt. Früher glaubte man, im Gebrauch von „des : det" ein dialektisches Scheidemittel innerhalb Berlins zu finden. So war es wohl nicht, sondern „det" ist die gröbere, aber vordringende, „des" die altüberlieferte, feinere, zurückweichende Form. Schon aus diesem Verhältnis ergibt sich, daß der Gebrauch in einzelnen Stadtteilen mit bestimmter Bevölkerungsverteilung allerdings abweichend sein konnte. So auch erklärt sich, daß RB. „des" für die gezierte Form anspricht. Häufig ist -s im angehängten Artikel geblieben: ausset Fenster, aus's Fenster; vons lerüsie jefalln. Unter den possessiven Pronomen sei erwähnt: „unse". „unse Vater, unse Mutter"; Akk. unsen Emil. Fr. I.: „unse guhte Sehlige königin". — Zur Wortstellung: „mein ener Schuh" der eine von meinen Schuhen, „mein ener Kropp" (Glaßbrenner). Fragefürwort: „wer; wat" (absolut, um das nicht Verstandene zu erfragen: na) was, warum. Wie „det" für „des", ist „wat" für „was" erst mit der jüngeren Zeitsirömung eingedrungen. Genitiv: „wen sein, wem sein, wems" und lautliche Weiterentwick, lungen: „wemsi". — „wat for" was für, „wat föan Ding ?" was für ein? „wat" heißt auch hinweisend: wie sehr: „Ne, was des hier doch enge is !" (Kalisch). „wat" am Schluß einer Frage : nicht wahr ? — „wat" in der Umschreibung s. 8 40. Unter den Relativen (rückbezüglichen Fürwörtern) ist auch „wo" zu nennen: 1739: „ein kleiner Seifkessel, wo ungefähr zwey oder drey Eimer Wasser gehen". Mündlich würde man sagen: „wo 2 Eimer rin jehn". Hinweisende Fürwörter (Demonstratioa) waren im vor, herigen schon mehrfach besprochen (z. B. der Artikel). Die bei Heynatz angeführte Form „bis" (dies, das) mit kurzem Vokal lebt weniger im eigentlichen Berlinischen (wo „det" ausreicht), als in der sonstigen Umgangssprache: „Na, dis ist mir doch zu arg!"
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