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IV. Das Werden des "Berlinischen"

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

Der Berliner kennt Friedrich, die Straßenjungen haben ja oft genug sein Pferd umtummelt, er hat vor den andern Bewunderern Friedrichs etwas voraus. Damals, als die Augen der Welt sich aufPreußen, auf Berlin richteten, mag jener gewisse, selbstbewußte, lokalpatriotische Zug bemerkbar geworden sein, den man dem Ber, liner außerhalb Berlins vorwirft. Jetzt verfaßt Nicolai eine viel gebrauchte „Beschreibung von Berlin und Potsdam" und zeichnet im Sebaldus Nothanker Berliner Sitten (z. B. den Spaziergang im Tiergarten). Durchblättert man die Zeitschriften, vom Ende des 18. Ihd., die „Berliner Zuschauer", „Beobachter" und wie sie sich nennen, so stößt man immer wieder auf Schilderungen von Berliner Originalen *), Einrichtungen, Gebräuchen, Volksfesten, namentlich dem Weihnachtsmarkt und vor allem dem Stralauer Fischzug, oder von sonstigen Vergnügungen der stets schaulustigen Menge, etwa 1788 Blanchards Luftfahrt. Die Lokalsatire, z. B. der oben erwähnte Sirius, findet ihre Leser. lul. v. Voß schreibt „Gemälde von Berlin im Winter 1806/7" (Berlin 1808). Seine „Begebenheiten einer französischen Marketenderin 1816" enthalten zehn Spaziergänge in die Umgebung Berlins. So unbedeutend diese Dinge sind, so dürfen wir sie doch in unserm Zusammenhang nicht übergehen. Aber wir gedenken auch der vertieften Form, in der das lokale Interesse im Anfang des 19. Jahrhunderts in der Berliner Romantik entgegentritt. Denn wenn man zu Friedrichs 11. Zeiten zunächst doch wohl mehr „fritzisch" fühlte mit den Weite, rungen, die daraus folgten, so haben in der Zeit von Preußens Unglück und den Befreiungskriegen viele gelernt, sich als Preußen zu fühlen. Ein tieferes Gefühl für die Heimat, genau wie nach dem Unglück des Weltkrieges, beobachtet man. Die Romantik, Aus, druck der Zeit, die die Aufklärung abgelöst hat, sucht deutsche Form und deutsches Wesen auf. Es genügt, hier die Namen Arnim, Kleist, Savigny zu nennen. Auch E. T. A. Hoffmanns Novellen finden ihre Wunder gerade in den Straßen und Ge, bänden Berlins. In Kleists „Berliner Abendblättern" verlangt (34. Abendblatt 8. Nov. 1810) A. v. Arnim (Steig, Kleists Ber, *) Chodowieckis bekannte Stiche (Planetenleser, Monddoktor usw.) waren z. T. Illustrationen hierzu.
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