Publication:
1926
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14181797
Path:

Nummer 49
ZENTRALBLATT DER BAUVERWALTUNQ
551
Um vollständig zu sein, verweisen k wir zur Förderung der Mal
technik wiederholt auch auf die enkaustischen Malereien, die Dr. Hans
Joachim Wagner in Berlin ebenfalls nach eingehendem Studium
der antiken Wandmalereien Pompejis ausgeführt hat (Jahrg. 1925
d. BI., S. 381). Dies Wagnersche Verfahren beruht nicht auf dem
Einbrennen von Wachsfarben, sondern auf dem Einbrennen ölhaltiger
Farbstoffe in den Putz. Auch diese Technik verdient ernste Be-
achtung. Die Schriftleitung.
Die Friesenbrücke über die Ems bei Weener.
Vom Reichsbahnrat Schenkelberg, Vorstand der Eisenbahn-Bauabteilung Weener an der Ems.
(Schluß von Seite 541)
4. Der Oberbau und die Fahr
bahnabdeckung. Die ehemalig oldenbur-
gische Staatseisenbahn ist von jeher auf dem
Qebiete des Oberbaues führend gewesen. Be
kanntlich • ist der oldenburgische Querrippen
oberbau eine der beiden neuen Reichsoberbau-
formen geworden. Es ist daher selbstver
ständlich, daß die Konstruktion des Oberbaues
auf der Friesenbrücke sich besonderer Sorg
falt erfreuen durfte. Im Gegensatz zu den
früheren preußischen Staatsbahnen verwendet
die oldenburgische Bahn seit langem auf eiser
nen Brücken eiserne Querschweilen, die
nach den bisherigen günstigen Erfahrungen
deshalb auch auf der Friesenbrücke verlegt
wurden. Für den Brückenoberbau ist nach
längeren Versuchen eine neue Schwelle aus
gewöhnlichem U-Eisen gewählt. Aus dem Steg
sind die -Querrippen herausgepreßt. Für die
Auflagerung sind unter den Flanschen beson
dere Auflagerplatten angeordnet und durch
Winkeleisen mit den Flanschen fest vernietet
(Abb. 25). Zur Dämpfung der starken Schall
wirkung bei Lagerung von Eisen auf Eisen
sind zwischen Längsträger und Auflagerplatte
elastische Gewebebauplatten der Firma Bial
und Marx in Berlin zwischengeschaltet. Die
gleichen Platten liegen zwischen Schienenfuß
und Schwellenoberkante. Die Schienen sind
genau wie beim gewöhnlichen Streckenober-
bau mit Klemmplatten befestigt. Diese Ober
bauform hat sich bisher glänzend bewährt.
Die Schallgeräusche teirn Befahren der
Brücke mit größter Geschwindigkeit sind
geringer als bei Brücken mit Holzscliwcllen-
oberbau; es sind also die am meisten gefürchteten Nachteile
des Eisenschwellenoberbaues vermieden, während alle Vorteile
desselben deutlich in Erscheinung treten, vor allem die tadel
lose Gleisanlage und die verminderte Untcrhaltungslast. An den
Gelenkstellen der Brücke sind Schienenauszüge nach den Vor
schlägen des Amtmannes Heimke der Reichsbahndirektion Olden
burg angeordnet, die sich bisher ebenfalls gut bewährt haben. Diese
Schiertertauszüge hätten es gestattet, von der Stoßverschweißung
Gebrauch zu machen, weil die Längenänderungen bei Wärme
schwankungen und bei wechselnder Belastung von den Schienen
auszügen aufgenommen werden können. Die von der Oldenburger
Direktion seit längeren Jahren angewandte lückenlose Stoßverbindung
mit Exzenterbolzen gab jedoch ein viel einfacheres und billigeres
Mittel an die Hand, die Stoßiücken zu beseitigen, ohne die Nachteile
der Stoßverschweißung in Kauf nehmen zu müssen. Die Anordnung
ist aus Abb. 25 zu erkennen. Durch exzentrisch angebrachte Nocken
auf den Laschenschrauben werden die beiden Schienenenden
aneinandergeholt und zusammengepreßt, so daß die Stoßlücke ver
schwindet und auch bei Abkühlung der Fahrbahn nicht klaffen kann.
Für den Schienenübergang vom langen Arm der Klappe auf die feste
Brücke ist eine sehr sinnreiche, dabei einfache und sicher wirkende
Lösung erdacht, deren Ausbildung und Wirkungsweise aus Abb. 20
bis 22 (S. 540) zu ersehen ist. Gleichzeitig mit dem Hauptriegel
werden die beiden Schienenzungen, ähnlich den bei Weichen ge
bräuchlichen, beim Oeffnen nach innen zusammengezogen, also von
den Backenschienen entfernt, und beim Schließen sicher an die
Backenschienen angepreßt. Der Uebergang der Fahrzeuge von der
festen auf die bewegliche Brücke erfolgt daher vollständig stoßfrei.
Fiir die Fahrbahnabdeckung sind drei verschiedene Ausführungen
angewandt. Zwischen den Schienen der festen Brücke liegen Warzen
bleche auf eichenen Bohlen, auf der Klappe fest vernietete Riffel
bleche. Seitlich der Schienen ist bei der festen Brücke eine Ab
deckung aus Eichenholzriemen, auf der Klappe aus Streckmetall aus-
geftihrt. Der Fußweg des öffentlichen Verkehrs ist mit einer Eisen
betonplatte mit Asphaltdecke abgedeckt.
5. Die Baukosten und Bauleitung. Nach rd. zwei
jähriger Bauzeit wurde die Brücke am 27. Mai 1926 im Beisein des
stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn-Gesell
schaft sowie mehrerer Vertreter der holländischen Bahn eingeweiht
und auf den Namen Friesenbrücke getauft. Die Kosten des
ganzen Bauwerkes einschließlich des Abbruches der alten Brücke,
der erforderlichen Erdbewegungen, Wohnbauten und Streckenhebung
belaufen sich auf rd, 3 000 000 RM. Die Bauleitung wurde unter Auf
sicht des Reichsbahnoberrates Schlodtmann in Oldenburg vom
Verfasser ausgeübt. Es gereicht allen am Bau Beteiligten zur be
sonderen Genugtuung, daß kein ernster Unfall zu beklagen ist.
Doppelfenster aus wärmetechnischen Gründen.
Vom Regierungsbaurat Dipl.-Ing. Amos in Hohen-Dölzschen vor Dresden.
Als Grundlage für den Wärmeschutz von Wänden für Wohn-
räume gilt nach den Vorschriften die Normalzlegelwand mit lH Stein
Stärke und einer Wärmeleitzahl X = 0,60 (also bei homogener
Masse), einer Wärmedurchlässigkeit A (Wärmefortleitung in der
Wand) von rd. 1,50 und einer Wärmedurchgangszahl, also unter
Einschluß der Wärmeübergangswerte von Luft zur Wand und um
gekehrt von k = 1,18 —. Der Wärmebedarf eines Raumes
hängt nun zwar in der Hauptsache von der Wärmedurchgangszahl
der Außenwand ab, weil bei den Mittelmauern ein rascherer Tempe
raturausgleich durch die Außenluft nicht in Frage kommt wie in der
Regel auch für Decken und Fußböden. Dagegen muß der Einfluß
der Türen und Fenster besonders beachtet werden. Die Türen treten
aber, soweit sie nach dem Innern des Hauses liegen, gegenüber den
Fenstern für die Wärmehaltung zurück. Eine selbstverständliche
Forderung müßte es daher sein, von jedem Teil der Außenwände von
Wohnräumen den gleichen Wärmeschutz zu fordern. Ich habe bereits
in einem Vortrag in Breslau 1924 1 ) auf diese Lücke in unseren Aus
führungen und Vorschriften hingewiesen und zum Ausdruck gebracht,
daß Doppelfenster gefordert werden müßten.
Die Wärmeleitzahl von Glas kommt etwa der von Ziegelmauer-
1 ) Gehalten auf der Tagung des „Deutschen Ausschusses für
wirtschaftliches Bauen“, Mai 1924, in Breslau.
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