Publication:
1922
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14226424
Path:

Nr. *.
44
ZENTRALBLATT DER BAUVERWALTUNG 25. Januar 1922
Abb. 6. Entwurf von Arch. Lefranc in Paris.
Hauptansicbt am Boulevard Poissonniere.
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Abb. 7. Entwurf von Arch. Lefranc in Paris.
Erdgeschoß.
stärkt noch den Eindruck der Einhüftigkeit der beiden Straßen
fronten.
Ganz unmöglich erscheint aber der Entwurf von Lefranc-Paris.
Leidet schon der Grundriß an einer erheblichen Unklarheit (Abb. 7),
so wirkt die Ansicht geradezu wie eine Theaterarchitektur (Abb. 6).
Der Haupteingang vom Boulevard tötet jede monumentale Gliederung
der Ansicht. Der darübergesetzte Giebel müßte in der Ausführung
die Dachfläche, die durch schematisch eingeschnittene Fenster, noch
dazu in verschiedenen Breiten, schon unglücklich genug wirkt, völlig
zerreißen. Und während man der Ecklösung Patouillards eine gewisse,
wenn auch recht konventionelle Monumentalität noch zusprechen kann,
mutet sie bei Lefranc geradezu spielerisch an.
Die deutschen Architekten sollten aus diesem Wettbewerb doch
einige Lehren ziehen. Wenn sie, wie in diesem Fall, mit den „hervor
ragendsten Pariser Architekten“, zu einem ausländischen Wettbewerb
aufgefordert werden oder sich freiwillig an einem solchen beteiligen,
so sollten sie sich recht genau die Preisrichter ansehen, ob diese
fähig sind, ein sachliches Urteil abzugeben. Wenn deutsche Her
kunft und deutscher Charakter in den Augen solcher Preisrichter
den Wert eines Entwurfs herabmindern, so sollten deutsche Bau
künstler zu stolz sein, sich an derartigen Wettbewerben zu beteiligen.
Zu beachten ist in diesem Fall, daß die deutsch-schweizerische •
Herkunft des Bewerbers wohl noch den Spruch und die Entscheidung
gemildert haben. Gewiß wäre es falsch und kurzsichtig, zu behaupten,
daß die deutsche Baukunst die Baukunst schlechthin ist, und zu
verlangen, daß der Bauherr, die Rücksicht auf seine Kundschaft
beiseite lassend, nur der Kunst dient. Das Wesentliche an dieser
Entscheidung liegt nicht in dem Geschmacksurteil, sondern in der
Tatsache, daß der Entwurf zu „deutsch“ war. Und da entsteht für
deutsche Künstler ganz allgemein die Frage, sollen sie durch Beteiligung
an solchen ausländischen Wettbewerben verhetzten Fanatikern die Ge
legenheit geben, deutsche Geistesarbeit durch einen billigen Ankauf für
sich zu erwerben, den Preis aber nach nationalen Gesichtspunkten zu
verteilen. Die Antwort dürfte nicht schwer zu finden sein. M.
/
Vermischtes
Mit einer Modisch ulfoier, einem dies academicus, beging die
Technische Hochschule Berlin den 18. Januar. Das erhebende I^est
war die erste der in jährlicher Wiederkehr zu veranstaltenden Reichs
gründungsfeiern. Ein Festmarsch, vorgetragen vom akademischen
Orchesterverein, bildete die Einleitung. Darauf sprach der ordentliche
Professor Geheimer Regierungsrat Dr. Sch ef fers über Natur und
Technik. Der Rektor ’raagnificus Rothe übernahm sodann in einer
Ansprache die durch den Kongreß für Heizung und Lüftung 1911 der
Technischen Hochschule gestiftete Büste des Altmeisters Rietschel in
die Obhut der Hochschule, in deren Ehrenhalle sie Aufstellung finden
soll. Rietschel hat das Heizungs- und Lüftungsfach von einem be
scheidenen Gewerbe zu einer Wissenschaft erhoben; seine Arbeiten
und Forschungen haben ihm, der 25 Jahre an der Technischen Hoch
schule wirkte, und damit auch dieser selbst, weit über die Grenzen
Deutschlands hinaus Bedeutung und Anerkennung verschafft. So
dann überreichte der Rektor den zahlreich erschienenen Ehrenbürgern
der Hochschule eine an einer Kette zu tragende Ehren münze,
die mit den Bildnissen des Kaisers Wilhelm I., dem Begründer,
und des Kaisers Wilhelm II. geschmückt ist, dem anerkannten
Förderer der Technischen Hochschule Berlin und der gesamten
Technischen Wissenschaften überhaupt, dessen Weitblick und
Fürsorge die deutsche Technik Unschätzbares zu danken hat. Es
wurde sodann die Mitteilung von der am 18. Januar 1922 erfolgten
Gründung der Gesellschaft der Freunde der Technischen Hochschule
gemacht, die bereits 100 Mitglieder zählt und die sich die Förderung
der wissenschaftlichen und sozialen Bestrebungen zum Ziel gesetzt
hat. Es folgte eine Ansprache eines Vertreters der Studenten
schaft, über den Weg, der uns vom 18. Januar 1871 zum 9. No
vember geführt hat, und über das, was uns zu tun not ist. Seine
von reiner vaterländischer Begeisterung getragenen, zu Herzen
gehenden Ausführungen lösten das von der Versammlung gesungene
„Deutschland über alles“ aus, mit dem die würdige Feier ihren Ab
schluß fand.
„Pro Campagna«* Vor kurzem ist in Bern eine Gesellschaft ge
gründet worden, deren Tätigkeit geeignet sein dürfte, in Zukunft einen
wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung des schweizerischen Land
schaftsbildes im Sinne der Verschönerung desselben auszuüben. Der
Verein nennt sich „Pro Campagna“, schweizerische,Organisation für
Landschaftspflpge, und hat den Zweck, „die ästhetischen und kulturellen
Lebensbedingungen auf dem Lande zu heben und zur Förderung
aller damit verbundenen Bestrebungen beizutragen. Er zieht in den
Kreis seiner Aufgaben alles, was dazu dienen kann, das Land dem
Landvolk lieb und wert zu erhalten und das Familienleben zu fördern.“
Die „Pro Campagna“ will alle schweizerischen Organisationen umfassen,
die an der Veränderung des LandschaftsbiLles beteiligt sind, Einzel
personen können dem Verein nicht beitreten. Die schweizerische Re
gierung und die kantonalen Behörden unterstützen das Unternehmen
mit Geldmitteln. — Als erste Aufgabe zur Erreichung ihres Zieles
wird der Verein die Schaffung von Bauberatungstellen auf dem
Land in die Wege leiten, womit gleichzeitig der Wohnungsbau auf
dem Lande gefördert werden kann. Der Anreiz für die Bauenden
dürfte um so größer sein, a’s jedem Bauherrn und Ausführenden außer
der unentgeltlichen Beratung und etwaigen Neubearbeitung seines
Bauplanes noch eine Geldprämie oder ein größerer Beitrag zu den
Baukosten winkt, die „Pro Campagna“ ohne Beschränkung allen denen
verabfolgen kann, die mit ihren Bauten zur Verschönerung des Land-
sohaftsbildes beitragen. Der Verein unterstützt auch alle Bestrebungen
der Denkmalpflege und des Heimatschutzes, soweit das dem Verein
wünschenswert und zulässig erscheint. E. P.
INHALT: Wobnhaussiedlung in der Brandenburger Vorstadt in Potsdam. —
Zur Frage ausländischer Wettbewerbe. — Vermischtes: Hochschulfeier der
Technischen Hochschule Berlin. ~ „Pro Campagna.“
Für den nichtamtlichen Teil verantwortlich: I. Y. 2)c.-3ng. Nonn, Berlin.
Verlag von Wilhelm Ernst u. Sohn, Berlin.
Druck der Buchdruckerei Gebrüder Ernst. Berlin.
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