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Volume Nr. 71

Full text : Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Ausgabe 1921 (Public Domain)

Air.  il

.Zentralblatt  der  Bauverwaltung.

443

und  Gleis6  (zu  Abb.  12),
bezw,  4,8  m  Gleise  5/6
und  5,88  m  Gleise  6  7
(zu  Abb,  13).
Die  Entscheidung
darüber,  ob  die  Vorteile
der  Neigung  1:7  die
Vorzüge  der  Neigung
1:6  aufwiegen  können,
wird  erst  nach  eingehender ­
  Prüfung  zu  treffen
sein.  (Schluß  folgt.)

Vermischtes.

In  dem  Wettbewerb  für  Entwürfe  zu  einem  Werbeaushang
(Plakat)  für  die  Deutsche  Gewerbesclian  in  München  1922  (S.  200
u.  224  d.  Bl.)  waren  1118  Bewerbungsarbeiten  eingereicht  worden.
Der  Beurteilungsausscbuß  hat  die  vier  Preise  von  6000,  4000.  3000  und
2000  Mark  zuerkannt:  MaxEeohle  in  München,  Ernst  Heigenmoser
in  München,  Willi  Wolf  in  München  und  Friedrich  Kühn  in  Elberfeld; ­
  weitere  acht  Entwürfe  wurden  mit  Preisen  zu  je  1500  Mark
ausgezeichnet.
Eine  Kuiistiuesse  in  Frankfurt  a.  M,  ist  für  die  Zeit  vom  18.  September ­
  bis  9.  Oktober  d.  J.  geplant.  Zu  diesem  Zweck  sind  die  sämtlichen ­
  unteren  Räume  des  Römers  dem  Kunsthändel  in  einer  nach
Ständen  geordneten  Ausstellung  überlassen,  während  in  den  oberen
Räumen,  im  Kaiser-  und  KurfürstenBaal  eine  Ausstellung  mittelalterlieber
  Kunst  geboten  wird.  Die  Ausstellung  in  den  oberen  Räumen
umfaßt  in  der  Hauptsache  farbige  Nachzeichnungen  nach  mittelalterlichen ­
  Wandgemälden  aus  den  deutschen  Denkmälerarchiven,  ferner
deutsche  primitive  Bildteppiche,  Paramente  und  Tafelgemälde,  auch
Plastik  und  Kunstgewerbe.
Für  die  Frankfurter  Herbstmesse,  die  vom  25.  «September  bis
1.  Oktober  d.  J.  stattfindet,  ist  das  vorläufige  Verzeichnis  der  Aussteller ­
  erschienen.  Das  lieft  enthält  die  alphabetisch  geordneten
Firmennamen  der  bis  zum  1.  August  zugelassenen  Aussteller  nach
den  30  "Warengruppen  geordnet.  Ein  Vorwort  in  deutscher,  englischer
und  französischer  Sprache  gibt  dem  Einkäufer  über  alles  Wissenswerte ­
  Auskunft.
Die  Eutslchnngszelt  der  Westseite  des  Halberstädter  Domes.
Bei  der  Erstürmung  Haiberstadts  durch  Heinrich  den  Löwen  1172
geht  die  gesamte  Stadt  in  Flammen  auf.  Auch  der  Dom  verbrennt.
Der  Erzbischof  Wiohmaim  von  Magdeburg  schreibt  nach  Mainz  wie
folgt  r 1  2  * )
„W.  der  heiligen  Magdeburger  Kirche  Erzbischof  und  Domherr
der  einstigen  Halberstädter  Kirohe,  welche  schon  nicht  mehr  ist,
weil  sie  acb!  zu  Asche  gemacht  ist,  dem  Kapitel  der  Mainzer
Kirche  ewiges  Heil  in  dem  Herrn!
Über  das  schauerliche  und  unerhörte  Verbrechen,  welches  der
Herzog  von  Sachsen  gegen  Gott  und  die  Halberstädter  Kirche  begangen ­
  hat,  durch  Trauer  und  Schmerz  verzehrt,  bitten  wir  Euch,
daß  Ihr  Euch  der  Betrübten  erbarmt  und  Euch  als  Mauer  entgegenstellt
  für  das  Haus  Israel  und  stehet  in  dem  Kampfe  des  Herrn,
Weil  der  Herzog  die  Stadt  Halberstadt  von  Grund  aus  zerstörte,  hat
er  dag  Münster  des  hl.  Stephan  und  alle  Münster  und  Kirchen
durch  Feuer  einge&schert,  edle  Domherrn  und  ehrenwerte  junge
Schüler  und  mehr  als  500  Menschen  beiderlei  Geschlechts,  welche
schon  gefunden  worden  sind,  außer  denen,  die  unter  den  Trümmern
der  Häuser  und  unter  der  Asche  bis  jetzt  noch  verborgen  sind,  hat
er  in  den  Münstern  verbrannt“  usf.
Daß  sich  selbst  das  reiche  Halberstadt  nur  schwer  von  dieser
Verwüstung  erholt  hat,  dürfte  klar  sein.  Daß  aber  die  Wiederherstellung ­
  der  Holzdecken  des  Domes  nicht  bis  1220  gedauert  hat,
dürfte,  selbst  wenn  nicht  eine  Reihe  von  Urkunden  vorhanden  wäre,
welche  die  Benutzung  des  Domes  bis  dahin  dartun,  ebenfalls  selbstverständlich ­
  sein.  Wenn  also  erst  zum  16.  August  1220  die  Petersberger ­
  Chronik  von  einer  feierlichen  Einweihung  berichtet,  so  darf
man  sieb  an  dem  heutigen  Dom  nach  Bauteilen  von  1220  umsehen.
Sie  schreibt:
..Der  Halberstädter  Dom  wird  am  Tage,  welcher  der  Himmelfahrt ­
  der  Gottesgehärerin  folgt,  geweiht  durch  die  Bischöfe  Friedrich
von  Halberstadt,  Siegfried  von  Hildesheim,  Konrad  von  Minden,  den
von  Havelberg  und  Christian  von  Preußen,  im  44.  Jahr,  nachdem  er
vom  Herzog  Heinrich  verbrannt  worden  ist.“
Diese  Weihung  galt  einem  lange  schon  wiederhergesteliten  Dom.

')  Schmidt,  Urkundenbuch  des  Hochstiftes  Halberstadt.  Leipzig
1883.  Teil  1,  S.  257  u.  f.
2 )  Mouumenta  Germ.  hist.  Ser.  XXUI.  Hannover  1874.  (Chronjcon
  montis  Sereni.)  S,  198.

Denn  vom  Bischof  Gardulf  wird  1195  berichtet,  als  er  sich  zur  Teilnahme ­
  am  Kreuzzug  verpflichtet:-)
„Deswegen  wurde  er,  während  er  sich  selbst  mit  ruhmvollem
Aufwande  aDgeschickt  batte,  die  Kirche  des  hl.  Stephan  zu  weihen,
die  nach  der  schrecklichen  Vernichtung  der  Stadt  noob  nicht  wiedergeweiht ­
  worden  ist,  wegen  seines  drängenden  Gelübdes  auf  den  geheimen ­
  Ratschluß  Gottes  hin,  an  diesem  Wunsch  behindert.“
Ersichtlich  waren  die  abgebrannten  Decken  und  Dächer  seit  1179
baldigst  hergestellt  worden  und  der  Dom  wieder  im  Gebrauch.
Der  Nachfolger,  Bischof  Konrad  (1205  bis  1209),  scheint  dann
diese  alte  romanische  Kirche  überwölbt  zu  haben.  Die  Halberstädter
Chronik  berichtet  von  ihm:
„Dieser  Bischof  förderte  das  auch  und  bewirkte  getreulich,  daß
die  Kirche  des  hl.  Stephan,  welche  ungestalt,  roh  und  verachtet  war,
sowohl  vergrößert  wie  auch  durch  ein  Gewölbe  auf  das
geziemendste  geziert  wurde.“'  (et  ampliata  et  testudine  decentissima
  est  ornata.)
Wo  haben  wir  die  Vergrößerung  zu  suchen?  Ersichtlich  im  Westen.
Dort  springt  der  jetzige  Dom  weit  über  den  am  Kreuzgang  liegenden
Saal  hervor,  und  zwar  gerade  um  das  neue  Turmpaar.  Unter  diesem
Bischof  Konrad  hat  man  die  Westtürme  wahrscheinlich  begonnen
(s.  a.  1896  d.  Bl.,  S.  425;  Zeitschrift  für  Bauwesen  1884,  S.  439,  Bl.  72;
Denkmalpflege  1912,  S.  89).
Aber  dort  stand  ja  noch  1227  der  uralte  Westchor,  wirft  mau
seit  einiger  Zeit  ein.  Die  Türme  sind  also  viel  später  entstanden.
Dieser  Einwand  beruht  auf  einer  Anzahl  Übersetzungsfehlern.  Es
hat  yor  1227  nie  einen  Westebor  zu  ebener  Erde  im  Halberstädter ­
  Dom  gegeben.  Aus  folgenden  Gründen:
In  dem  so  eingehenden  Bericht  der  Gesta  Episcoporum  Halberstadensium
 4 )  über  die  Einweihung  des  Halberstädter  Domes  im
Jahre  992  in  Gegenwart  des  jungen  Kaisers  Ottos  III.  heißt  es:
„1.  Üonsecravit  autem  domnus  Hildewardus  maius  altare
sancte  et  individue  Trlnitati  primoque  suo  militi  Stephano  ...  7.  Ad
occidentem  ecclesie  in  altioris  chori  medio  consecravit  altare  Hugo
Cidensis  episcopus  in  honore  martirum  Sixti  et  Felicissimi  et  Agapiti
  et  Januarii  ...  10.  Supremum  altare  dedicavit  Wilegisus
Moguntine  sedis  arehiepiscopus  in  honore  sanctorum  archangelorum
Mychahelis,  Gabrielis,  Rapbahelis  .  .  .“
Döring  übersetzte  wie  folgt: 5 )
„Hildewart  weihte  den  größeren  (!)  Altar  und  somit  die  ganze
Kirche  der  Dreieinigkeit  und  dem  b.  Stephanus  ...  Im  Westen
der  Kirche,  in  der  Mitte  des  hohen  (!)  Chores  weihte  Hugo  von  Zeitz
einen  Altar  zu  Ehren  der  hh.  Märtyrer  Sixtus,  Felicissimus,  Agapitus
und  Januarius  .  .  .  Den  Hochaltar  (!)  weihte  WiUegis  von  Mainz  zu
Ehren  des  h.  Michael,  Gabriel,  Raphael  und  aller  Übrigen  Engel  .  .  .“
Auf  dieser  nicht  richtigen  Übersetzung  haben  Dörings  Schüler
eine  noch  irrigere  Domgeschichte  aufgebaut.
Die  Übersetzung  lautet  aber;
„1.  Es  hat  aber  der  Herr  Hildewardden  Hochaltar  der  heiligen  und
ungeteilten  Dreieinigkeit  und  ihrem  ersten  Streiter  Stephan  geweiht  .  .  .
",  Nach  Westen  der  Kirche  in  der  Mitte  des  oberen  Chores  hat
Hugo,  der  Bischof  von  Zeitz,  den  Altar  zur  Ehre  der  Märtyrer  Sixtus
und  Felicissimus  und  Agapitus  und  Januarius  geweiht  ...  10.  Den
obersten  Altar  hat  Wilegis,  des  Mainzer  Sitzes  Erzbischof,  zur
Ehre  der  heiligen  Erzengel  Michael,  Gabriel,  Rafael  geweiht.  .  .
Es  gab  eben  im  westlichen  Turmbau  —  wahrscheinlich  über  dem
Eingang  —  einen  oberen  Chor  und  darüber  noch  höher  gelegen
einen  obersten  Altar  der  heiligen  Erzengel,  wie  dies  im  frühen
Mittelalter  Sitte  war.
In  ganz  ähnlicher  Weise  verhält  es  sich  mit  der  Übersetzung  der
3 )  Chronicön  Halberstadenae  bei  Leibnitz.  Ser.  Brunsv.  illustr.
Bd.  II.  Hannover  1710.  S.  139.
4 )  Monumenta  Germaniae  hist.  Scr.  XXIII.  Hannover  1874,
S.  85  u.  f.
•)  Beschreibende  Darstellung  der  älteren  Bau-  und  Kunstdenkmäler ­
  der  Kreise  Halberstadt  Land  und  Stadt.  Halle  1902.  S.  228.
            
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