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Zentralblatt der Bauverwaltung.
26. Dezember 1914.
aus dem Jahre 1904. von der mühevollen Zusammensetzung aus etwa
2000 Bruchstücken durch Professor L. Lindeiischmidt im Jahre 1905,
und der Ergänzung und Aufstellung der getreuen Nachbildung der
Säule hei der Saalburg im Jahre 1912. Das Fundstück im Mainzer
Museum durfte nicht ergänzt werden. Der Gedanke kann daher nur
als glücklich bezeichnet werden, wenn es gelang, eine getreue Nachbildung
in demselben Stein (französischem Muschelkalkstein) herzustellen,
das Ganze zur richtigen Wirkung zu bringen und auf wissenschaftlicher
Grundlage die wenigen unbedingt dazu erforderlichen Ergänzungen
daran vorzunehmen. Eine Schenkung des Londoner Rechtsanwalts
A. Oppenheimer ermöglichte die Ausführung, die durch den
Bildhauer E. Sehmahl unter dem Beirat von Professor Noch und Geheimen
Baurat L. Jaeobi erfolgte. Der Aufbau mit seiner Umgebung
geht aus der Abbildung hervor. Zur Aufstellung ist ein Platz vor einem
Baumhintergrund gewählt, der für die künstlerische Wirkung des
Ganzen wesentlich beiträgt. Anders mag das Denkmal einst vom
Verkehr umspült im Emporium des alten Mainz gewirkt haben, zumal
da es, wie Farbspuren beweisen, bunt bemalt war und von
einer Bemalung der Nachbildung abgesehen wurde. Man hätte sich von
dem einstigen Aussehen dadurch wohl mehr entfernt als sich ihm genähert.
Das bekrönende Jupiterbild, von dessen Vorbild nur der
rechte' Fuß, das Blitzbündel, ein kleiner Finger und eine Klaue des
Adlers gefunden wurde, ist nach typischen Darstellungen ergänzt, in
Kupferblech getrieben und vergoldet. Die Höhe der Säule einschließlich
der Figur beträgt 12,65 m. Neeb widmet der Entstehungsgeschichte,
der kunstgeschichtlichen Stellung und dem bildlichen
Schmuck der Mainzer Säule noch je ein Kapitel. Gallische, in dem
Kulturkreis Massilias gebildete Künstler schufen es. Die Göttergestalten,
die allseitig neben einer Weihinschrift und dem Bilde des
Kaisers Nero das Denkmal bedecken, bewegen sich zur Hauptsache
in althergebrachten typischen Formen. Was Deutung und Bedeutung in
ihrer Gesamtheit anlangt, sind sie noch vielumstritten. Das vorhandene
Schrifttum darüber ist angeführt. — Neeb weist auch auf den Einfluß
hin, den dies Denkmal auf die am Mittelrhein im 2. Jahrhundert ja vielfach
vorkommenden rätselhaften Gigantensäulen gehabt haben mag.
Außer der vorstehend auszugsweise hier wiedergegebenen Mitteilung
Über die Jupitersäule teilt (las Jahrbuch weiter mit, daß in dem
südöstlichen Feld des Kastells hinter dem Horreum H. Jaeobi auf
Grund von Pfostenlöchern und „Grübchen" Lage und ungefähre Größe
von Mannsehaftsbaracken festgestellt hat. In Anlehnung an Beobachtungen
bei anderen Kastellen hat er den Versuch des Wiederaufbaues
einer Baracke gemacht. Den Funden gemäß waren es
Holzhauten mit Lehrastakung. außen verbreitert. Die breitgelagerten
Baracken sind in die für Contubernien (Körperschaften) nötigen
Kammern eingeteilt, an den Enden ist eine Wohnung für den Centurio
vorgesehen. Vor den Kammern liegt eine offene gedeckte Halle, davor
ein schmaler Hof. Der Wiederaufbau wird manche Kritik herausfordern,
die schlichte und sachliche Ausführung kann aber zweifellos
den ursprünglichen Charakter richtig treffen. Das preußische Abgeordnetenhaus
hatte 8500 Mark dazu bewilligt.
Die Berichte über Ausgrabungen und die immer noch reichlichen
Kleinfunde in und bei der Saalburg und dem Kastell Zugmantel
sind wie sonst mit größter Gründlichkeit gegeben und durch
klare Zeichnungen und Abbildungen veranschaulicht. Der Fund von
Konstruklionsteilen, vor allem eines hölzernen Triebrades, hat H. Jaeobi
den Anlaß gegeben, eine besondere Abhandlung über „Römische Getreidemühlen“
zu geben und naturgetreue Modelle herzustellen. Es
ist ein Beitrag zur Kenntnis eines Zweiges antiker Maschinentechnik,
wie sie im Mittelalter und heute noch im Orient und Nordafrika weiterlebt.
— Daß römische Ziegelsteine nicht nur zum Bauen, sondern auch
dazu da sind, um gegen liebe Nachbarn den Groll loszulassen, beweist
eine Untersuchung von F. Quilling über ein griechisches Graphit,
das sich auf einem Ziegel befindet und das er etwa so übersetzt: „üreus
und Monos sind hundsföttische Kaffern, noch mehr als der Laurentius“.
Das Jahrbuch schließt mit einem Bericht von ('. Thomas über die
Gickelsburg, einen in der Nähe der .Saalburg gelegenen vorrömischen
Ringwall. 1) K.
Die Jupitersäule bei der Saalburg.
Vermischtes
Bekanntmachung. Unter Beziehung auf § 27 Abs. 7 der Prüfungsvorschriften
vom 13. November 1912 werden die Regierungsbaumeister,
die im Jahre 1909 die zweite Hauptprüfung oder die Staatsprüfung
bestanden haben, sowie die Regierungsbauführer, die in dieser Zeit
die häusliche Probearbeit eingereieht, nachher die zweite Hauptprüfung
oder die Staatsprüfung jedoch nicht bestanden haben oder in die
Prüfung nicht eingetreten sind, aufgefordert, die Rückgabe ihrer für
die Prüfung eiligereichten Zeichnungen nebst Mappen und Erläuterungsberichten
usw. zu beantragen. Die Probearbeiten, deren Rückgabe bis
zum 1. April 1915 nicht beantragt worden ist, werden zur Vernichtung
veräußert werden.
in dem schriftlich an uns zu richtenden Anträge sind auch die
Vornamen und bei den Antragstellern, die die zweite Hauptprüfung
oder die Staatsprüfung bestanden haben, Tag, Monat und Jahr des
Prüfungszeugnisses anzugeben. Die Rückgabe wird entweder an den
Verfasser der Probearbeit oder an dessen Bevollmächtigten gegen
Empfangsbestätigung erfolgen; auch kann die kostenpflichtige Rücksendung
durch die Post beantragt werden.
Berlin, den 10. Dezember 1914.
Königliches Technisches Oberprüfungsamt,
Schroeder.