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Volume Nr. 78

Full text : Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Ausgabe 1905 (Public Domain)

Nr.  78,

Zentralblatt  der  Banverwaltung.

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bei  der  folgenden  Untersuchung  abgesehen  werden  soll,  beteiligen
sich  sowohl  die  wagerechten  Verbände  wie  auch  die  lotrechten
Träger  an  der  Aufnahme  des  durch  die  Seitenkraft  H  hervorgerufenen
Drehmomentes.
Sind  für  den  Fachwerkträger  mit  obeuliegender  Fahrbahn  die
Querschnitte  der  oberen  und  unteren  Gurtungen  F 0  und  F«>  ist
ferner  S  der  Schwerpunkt  der  gesamten  Gurtquerschnitte  mit  dem
F
Abstande  c 0  =  c  A.  von  «-l'o
  H-  —j,  iV*
der  oberen,  cu~c  0

Fo  +  Fu  ]
von  der  'unteren  Gurtung,  ist  ^
ferner  X,  X  das  durch  das  J
Moment  der  Seitenkraft  H  in  j
den  wagerechten  Verbandsebenen
  hervorgerufene  Kräftepaar ­
  mit  dem  Moment  X.  c,
und  Y,  Y  das  Kräftepaar  der
Tragwäude  mit  dem  entsprechenden ­
  Moment  Y.b,  so  erge-  p
ben  sich  für  die  Ermittlung  tt
der  beiden  Unbekannten  X  i
und  Y  die  folgenden  Bezie-  |Y
hungen  (vgl.  Abb.  4):
1)  X.  c  Y  ,b  =  H  {h  c 0 )  und

Abb.  4.

2)

da.

4«  2  A,

c  b
da‘o  und  dxu  die  Verschiebungen  des  oberen  und  unteren
Windverbandes  in  der  Richtung  der  Kräfte  X,  X,  positiv  genommen
in  der  Richtung  von  II  (hervorgerufen  durch  Ifo^H C ™  -j-X  und

H U ^R

Co

■X),

dy  die  Verschiebungen  derTragwände  durch  Y  und  schließlich
(p  der  Verdrehungswinkel  ist.
Unter  Voraussetzung  gleicher  Stützweite  l  # fi.ir  die  lotrechten
Tragwände  wie  für  die  Windverbände  ergibt  Gleichung  2)  mit
p
d  =  fc-j,  worin  k  eine  Konstante,  F  die  angreifende  Kraft,  J  das
konstante  Trägheitsmoment  der  widerstehenden  Trag  wand,  und  zwar
-'•*
für  den  oberen  Windverband  J 0  =  F 0  ,
z
1/2
für  den  unteren  Windverband  J U  =  F U  und

für  die  lotrechten  Tragwände

y  Fq  .  Fu  0
Jv -F 0  +  l^ C >

2  ^  +  icj  2k{^s:^  —  xj

<p-F

 0  .  b 2

F u .  b*

2  k.Y(F 0  +  F u )
F 0  .F u .  c*  .b

y  2  k(F 0  4  y  2  ^  (F 0  4-  F„)
nAeT  X  r.Ir.K.  f»  =  Y TTöTFT^  1  alS °
F

=  —  oder  X.c=Y.b.

X
b  c
Das  durch  die  äußere  Kraft  H  hervorgerufene  Drehmoment  wird
also  von  jedem  Tragwandpaar  zur  Hälfte  aufgenommen.
Werden  nun  die  vorstehenden  Beziehungen  in  Gleichung  1)  eingesetzt, ­
  so  ergibt  sich
x  —  W+Üt>_  und  Y  —  ^^^  •
2  c  2  b
Der  obere  Windverband  übernimmt  also

H„  =  H^-  +  X  =  H

('•+i+D-C

  '  C
und  wenn  bei  gleichen  Querschnitten  der  oberen  und  unteren  Gurtungen ­
  Co  —c«,

H 0  =  H

während  allgemein
fff.
bei  Co  —  Cu  aber

Io-A
4  '  2c

ff u  =  H  |

Cu
2

ff  ,
—  (Co '

■Ä),

ü-a>

Diese  beiden  für  Ho  und  Hu  entwickelten  Beziehungen  zeigen
aber,  daß  keineswegs  dem  Obergurtverband  die  Hälfte  oder  zwei
Drittel  und  dem  Untergurtverband  die  weitere  llälfte  oder  das
weitere  Drittel  zugeschrieben  werden  darf,  sondern  der  Obergurtverband ­
  erhält,  wenn  A  —  0,  bereits  drei  Viertel,  der  Untergurtc

verband  ein  Viertel  der  Seitenkraft  H.  Für  h  =  wird  ferner
Ho  =  H  und  Hu  =  0,
Im  allgemeinen  greift  aber  bei  Kisenbahnbriicken  die  Seitenkraft ­
  H  in  rund  h  =  2  m  über  dem  Obergurtverbande  an,  so  daß,
wenn  e=*
der  Quotient““  —
Ix

und

Hu
H

0,5

1,0

1,5

2,0

2,5

3,0

4,0  m

2,75

1,75

1,42

1,25

1,15

1,08

1,00

1,75  -

-  0,75  -

-  0,42  -

-  0  25  -

-  0,15

—  0,08

0.

H

K  00—4  \-X  ?)

I  —
Abb.  0.

Liegt  die  Fahrbahn  zwischen  den
beiden  Windverbäorten,  so  wird  h
mit  negativem  Vorzeichen  in  die  oben
abgeleiteten  Beziehungen  für  X  und
F,  Ho  und  H u  eingesetzt.
Daß  die  vorstehenden  Entwicklungen ­
  auch  fiir  den  vollwandigen
Blechträget  gelten,  zeigt  die  folgende
Untersuchung,  bei  welcher  zu  Trägermitte
  symmetrischer  Querschnitt  vorausgesetzt ­
  sein  soll,  sowie  daß
die  beiden  Windverbände  auf  den
Gurtungen  aufliegen  und  gleich
den  lotrechten  Tragwänden  in
den  Abständen  l  gestützt  werden
(Abb.  5).
Durch  das  im  vorstehenden  bereits
erläuterte  Kräftepaar  X,  X  werden  zwei
an  der  oberen  und  unteren  Gurtung  angreifende
  Längskräffce  jj,  Z  hervorgerufen,
und  zwar  ist  für  den  um  x  von  dem
einen  Auflager  entfernten  Querschnitt,  in
welchem  X  wirkt  (Abb.  6),
X  (l  —  JC)

Z  —  X

b.l

Dieses  Läugskräftepaar  Z,  Z  übt  das  Moment
C  .  X  (l  —-  x)

M x  =  Z.c=X

b.l

aus  und  hat  bei

Ö-  ~

M x .c  X.  c 8 .  x  (l  —  x)

2  .  J v  2  b.l.  J v
eine  seitliche  Ausbiegung  in  Richtung  der  Kraft  X  im  Werte  von
5  .l 2

cL  =

24  E.  b

5  .l.c 2 .x(l  —  x)
ff,  =  >-  J -

X  =  k  4 r  X

2.24  .E.b 2 .J v
zur  Folge,  während  die  entsprechende  senkrechte  Durchbiegung  infolge ­
  von  Y  sich  auf  dy  —  k.Y  beläuft
Die  Gleichung  2)  ergibt  nun  unter  Ausschaltung  des  für  die  Ausbiegungen ­
  des  oberen  und  unteren  Windverbandes  gleichen  Einflusses ­
  der  im  Schwerpunkt  S  angreifeuden  Kraft  H,  welche  eine
Verdrehung  nicht  berbeifiihrt,

2  a)

2<L

2  k  .  c a  .  X

2cT,
b  ’
2  k.Y

und  zwar

das  ist  aber

b*.  c  b
X.  c  —  Y.b,  was  zu  beweisen  war.
Im  übrigen  gilt  also  das  für  den  Fachwerkträger  Gesagte.
Haben  die  lotrechten  Tragwändc  und  die  Windverbände  nicht
dieselbe  Stützweite,  so  würde  bei  der  Ermittlung  des  Einflusses  der
Seitenkräfte  nach  ähnlichen  Gesichtspunkten  verfahren  werden  müssen,
nur  ist  der  Weg  bedeutend  umständlicher.
Jedenfalls  aber  lehrt  diese  Untersuchung,  daß  durch  vermehrte
Verbände  die  Sicherheit  des  Bauwerkes  nicht  erhöht  wird,  ein  Ergebnis, ­
  welches  dem  Gefühl  zwar  zu  widersprechen  scheint,  das  in
der  Praxis  bei  der  Verwendung  statisch  unbestimmter  Systeme  aber
öfter  beobachtet  wird.
Gelangen  im  vorliegenden  Fall  3  alle  Konstruktionsteile  zu  der
ihnen  zugedaebten,  aber  nicht  berechneten  Tätigkeit,  so  werden  einzelne ­
  derselben  —  vor  allem  also  der  dem  Angriffspunkt  der  Seitenkraffc
  H  zunächstliegende  Windverband  —  weit  höher  in  Anspruch
genommen,  als  vorgesehen.  Werden  dann  durch  Überbeauspruchung
            
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