Publication:
1901
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14108803
Path:

436
Centralblatt der Bauyerwalfcung,
7. September 1901.
wähnt. Im Jahre 1583 bestand die Schule aus fünf Klassen, von
denen allor Schüler wurden als Primarii, Seeundarii, Tertiarii, Quartani und
Alpliabctarii (Abeeedarii) bezeichnet. Die Unterrichtsstunden waren
auf Vor- und Nachmittag vertheilt, derart, dafs der Unterricht früh
um um 1*2 Uhr wieder einsetzte.
Die vorstehenden urkundlichen Aufzeichnungen über die Ent
stehung und Entwicklung des Pädagogiums der alten freieu Reichs
stadt dürften einen nicht uninteressanten Beitrag zur Geschichte des
Schulwesens in der Reformationszoit. liefern, lieber die folgenden
Jahrzehnte und Jahrhunderte der Geschichte der Anstalt, soll rascher
liinw eggegangen worden..
Die Friedberger Lateinschule sollte noch mancherlei Wandlungen
durclmmchen. Zeiten hoher ßliithe wechselten mit solchen des
Niederganges. Dafs die Schule die schweren Stürme des 30jährigen
Krieges überdauert«;, war nur dem zähen Widerstand und dem
Opfermutli der wackeren Friedberger Bürgerschaft zu danken. Im
Jahre 1G9G war man, da im Laute der Jahre die (iebiünie des ehe
maligen Augustinerklostcrs baufällig geworden waren, an ihrer Stell«;
•/vir Errichtung eines neuen Sclmlhauses geschritten. Uoher das
Richtfest berichtet die Chronik: „Nach Vollendung dessen wurden
denen Schülern uud Kindern Zinn g<‘daehtnuss Meller und rot«;
Xestlen heruntergeworleu und hat, der tlmrn Man das Lied „Wo Mott
zu Ifauss" und ..Allein Mott in der Müh sei Ehr 4 * mit Uimpeln und
Trombeten auf dem Rau abgeblasmr. (Schluls folgt.)
Die Stadterweiterung und Bauordnung yoii Mannheim.
(Schluß.)
3, Jlie neue Bauordnung,
Den giwundheitlich und geldlich wichtigsten, aber auch strittigsten
Abschnitt ein«;r städtischen Bauordnung bilden heutzutage «lie Vor
schriften über Ra ndielit i gkoit, in wagereehter und senkrechter
Riebtuug. Um dieselben von innen nach aufsen abzustufen, sind «Irei
Zon en angenommen, deren Mrenzen der Lagopinn 8.423 zeigt. Zone T
umfafst die bereits grofstentheils bebauten Stadttheihg Zone H «lit;
in baulicher Entwicklung begriffenen oder bevorstehenden Bezirke,
Zone ITT das erst, vereinzelt besetzte Aufsengebiet, sowie die Vororte
von bisher vorwiegend ländlichem Charakter. Die Grenzen zwischen
den Zonen wurden nach Mafsgabe der gegenwärtigen Bodenpreise
gewählt, sodafs dieselben in jeder Zone nur zwischen einem be
stimmten KleLnst- und Tföchstbetrag schwanken. Jane gewisse Härle
des Uebcrganges von einer Zone in die audere, indem, daselbst «.Ue
bestehenden Preise allmählich, die Bauvorschriften aber plötzlich
wechseln, ist unvermeidlich, wird aber hier dadurch gemildert, dafs
die Stufen zwischen den Vorschriften nicht sehr grofs, und dafs
innerhalb jeder Zone noch -weitere Unterschiede angenommen sind.
Es bestehen nämlich in. jeder Zon«; erhebliche Verschiedenheiten in
der thatsächlich vorhandenen Baudichtigkeit, In «kr Altstadt be
finden sich Grundstücke und ganze Blöcke, welche sehr eng bebaut
sind, daneben noch alte niedrige Häuser, grofso Märten, sowie .Fabriken,
welche im Fall ihrer mehr und mehr beliebten Verlegung uud der
AusschUveUtvmg ihres Gebindes zu Wohnhäusern eine weiträumige
Bebauung wirtschaftlich vertragen können. Selbst in den Vororten
linden sich einzelne Beispiel«; von ungewöhnlicher Baudichtigkeit. Um
diesen Umständen Rechnung zu tragen, sind für jede Zone zweierlei
Grade der ßaudichtigkeit festgesetzt worden; ein schwächerer a und
ein stärkerer b. Kommt nun ein Grundstück in Frage, welches noch
gar nicht oder weniger als der schwächere Grada bebaut war, so ist
der letztere mafsgebend. Für Baustellen aber, welche bereits «lichter
als a bebaut gewesen sind, gilt im Falle eines Neubaues oder Umbaues
der stärkere Grad b mit. der .Einschränkung, dafs keinesfalls eine
Verschlechterung der bisherigen Licht- und Lnftverhültmsse li«;rb<;i-
geführt werden darf.
In diesem Sinne lautet die Vorschrift über den zmn Bebauen
zugeUisseiien ’BrucUtheil eines Grundstücks:
1 II 111
u 0,6 0,5 «>,4
b 0,75 OJiä 0,f>5.
Handelt es sieh z. B. um ein Grundstück der Zone I, «lassen
Baulichkeiten 80 v. JI. der Fläch«; besetzt batten, so ist beim Neubau
diese Zahl auf 75 eiuzuscliräiiken; umfalwt«; die bisherig«; Bebauung
b5 v. H., so mufs es auch im Neubau hierbei sein Bewenden haben;
betrug sie endlich bisher nur 40 v. 11., so darf sie auf GO gesteigert
werden. Auf diese Art scheint mir den bestehenden "Verhältnissen
passender Rechnung getragen zu werden als mit der m;.ihch<;rorts
verkommenden Unterscheidung zwischen r nicht bebauten**' und „bisher
schon bebauten“ Grundstücken, wobei d«*r Grad dieser Bebauung
aufs(?r acht gelassen wird.
Ergänzt wird die angeführte Haupt,regcl noch durch einig«? auch
anderwärts ähnlich«; Nebenlx;stimmungon: z. ß. für Eckgrundstiicke
vergrüfsem sich die vorstehenden Zahlen bei geschlossener Bauweise
um 0,17), bei offener Bamveis«; um 0,1. Spitzwinklige Ecken gelten
als Ausnahmen. Ganz«; oder theilweise Uehcrdeckung des Hofrauins
dur«;h Glasdächer in Erdge.scholshölie ist, zu geschäftlichen Zwecken
zulässig bei genügemler Lufterneuerung für d«;n überdeckt««) und für
die anstofsend«;u Räume; hiervon würden u. a. Fabriken Gebrauch
machen können, um einen groi'sercn Bruchthcil des Geländes, als
ihn obiges Schema augiebt, mit Shedbauten zu besetzen.
Durch die vorstehend«; Flächenr«;gel ist zwar im allgemeinen
das Opfer festgestollt, welches jeder Baulustige dem Luftbediirfnifs
sowohl seiner Insassen als der ganz<;n Umgebung zu bringen schuldig
ist, allein immerhin könnte der geforderte Hoframn zum Nachtheil
«anzehwr Fenster zersplittert und verwinkelt werden. Deshall.) ist
eine Abstandsregel erforderlich, nach welcher jedem Fenster, be
sonders wenn es Räumen zum dauernden Aufenthalt, von Mensclnm
zugehört., ein gewisser Lichteinful.l z.ukoiumt, und eine solche, A bst um Is-
regel Ist. sogar noch wichtiger als «lie Fläehenregel. 7 ) 'Für Mannheim
sollen in dieser Bezi«;lmng hinfort folgende Grundsätze gelten.
Die Höhe eines Gebäudes an der Strafse darf nicht gröfser sein
als der Abstand «lesseiben voll der gegenüberliegenden Bauflucht,
ausnahmsweise in der Altstadt die Strafsenbreite um ein Viertel
überschreiten, Umfassuiigswände von Vordergründen dürfen liöeli-
st«;ns 20 in, yoji llintvr- und Scihmgobäuden niclit höher, als heim
Vord«*rhaus zulässig wäre, hergestellt werden. Zwischen allen nicht,
unmittelbar hoi einander stehenden Baulichkeiten eines Grundstücks
mufs durchweg ein freier Raum von mindestens 4 m Breite bleiben;
diese Vorschrift giebt insbesondere untergeordneten Fernstem ihr
Recht, und erhält Sauberkeit und Zugänglichkeit, auch vor solchen
AVänd«»n, welche keine Fenster «mthalten. Ferner soll jede Gebämle-
waud, welche Fenster von zu dauerndem Aufenthalt dienenden
Räumen enthält, von einer auf demselben Grundstück gegenüber-
stehenden "Wand, deren Höhe h, einen Abstand c besitzen, dessen
Mimlestgrölse durch folgende Vdrhältuifszahlen für , zu lx;rechnen ist.
a
1)
H.
3c
h
Hl
1
,3 ,2 7 3*
Mit- d«;r Zahl zu lila ist wenigstens auf dein noch jungfräulichen
Aufs«mgebi«;t der hygienische Grundsatz «lurchgesetzt worden, dafs
Fenstern an der Rückseite und an Hintergebäuden die gleiche Rück
sicht gebührt wie Fenstern an «der Strafst;, nämlich piu Lichtointall
unter 45°. W enn und soweit den Fenstern glemhzeitig Licht aus
einem s kommen kann, welche im Grundrif,s einen Winkel von mindestens
45° mit «ler Wand einschU«;fst, soll das Verliältnifs stets
h
nach der
Es kommen hinzu einige nebensächliche
geringer Tiefe,
Reihe b berechnet werdtm.
B«;stiminungen fiir Eckzimmer, Grundstücke
Fenst«;r in verwickelt«^ Lag«; usw.
All«; vorstehei.nl «;rörterten \'orschrift(;n sind selbstverständlich iu
der Weise imzmvemlen, dafs nicht nur einem beabsichtigten neuen
Bau die g«*ford«;rt<; Menge von lacht und Luft zukoimnt, sondern
dafs amdi besttdiend«- Bauten daran nicht, IxHuiitrlichtigt werden.
Auch «Ifirfon. bei der späterem Erhöhung «diier Wand, bei «ler Um
wandlung unbewohnter in bewohnte Räume, beim Durchbrechen
neuer Feusti'r di«* R<*gr«len. Schwierig fällt die
Ihmrtheilung aber 1 xkan ntlu-h gegenii ber ei nom n a c h b a r 1 i oh e n
Grundstück, wo ein Bauwesen vmlleielit noch gar nicht» besteht- oder
spater wieder geändert w«;r«len will, datier «;in«; „gegenüberstehende
Wand“ nicht in Rcxknurig gezogen werden kann. Um dennoch den-
j«mig«m Abstand zu IxcstinniMm, welclxm eine Wand mit /.um längeren
Aufenthalt, dieu«md«:n Räumen, von der Naehbargrenze einzuhalten
hat, sind im Laufe der Zeit mancherlei Verfahren ersonuen. 8 ) Am
angemessensten gebt, man wohl von dem Rechtsgrundsatze aus, dafs
j(»der «len wogen Feuersveherhiüt und Gesundheit, erforderlichen freien
Raum auf seinem eig«;nen Grundstück zu beschaffen habe. Dem
entsprechend hat schon bisher in Mannheim «lie Regel gegolten, dafs
die obigen Verhältnifszahlen -- auf die
h
eigene Hohe der "Wand zu
b<‘zi<;hen seien. Hierdurch entst«:lit ein Abstand c von «ler Grenze,
welcher der Bedeutung des beabsichtigten Bauwerks entspricht.
Allerdings könn«;n unter Umständen dennoch Unbilligkeiten entstehen,
7 ) Vgl. einen Aufsatz des Verfassers im Ceutralbl. d. Bauverw.
1894, S. 421.
8 ) Baumeister, Stad ter Weiterungen, 1876, S. 338,
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