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Volume Nr. 9

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung 
28. Februar 1891. 
Arbeit wurde wahrend einer nächtlichen Betriebspause gleichzeitig 
mit der zeitweiligen Außerbetriebsetzung des nördlichen Ehein 
brückengeieises vorgenommen. Durch allmähliches Wegnehmen der 
Sattelhölzer wurde sodann die Eisenconstruction neben der noch be 
stehenden Brücke niedergelassen. Nunmehr wurden die das nördliche 
Geleis tragenden Constructionen der alten Werftbrücke soweit nieder- 
gelegtj dafs zur seitlichen Verschiebung und Aufstellung der neuen 
Ueberbauten der nothige Raum gewonnen wurde. Nach Höherführung 
der Pfeiler und Versetzen der neuen Auflager wurden letztere endlich 
in ihre richtige Lage seitlich herüborgezogen. Hierauf brachte 
man die Qucrschwellen auf, von welchen jede zweite zur Auf 
nahme eines Seitensteges über die Träger vorgekragt ist, verlegte 
und richtete das Gelcis und vernietete zuletzt die Scbienenträgor- 
Platten in ihrer beim Eichten des Geleises festgestellten genauen 
Lage mit den Querschwellcn. 
Das südliche über die Frankenwerft führende Geleis bedarf, wie 
die Geleise auf der Eheinbrücke, nur einer Hebung. Zu diesem 
Zweck wird der südliche Ueberbau der alten Werftbrücke mittels 
Wasserdruckpreasen angehoben werden. Es erübrigt dann nur die 
Höherführung der Pfeiler, die Umänderung der Auflager, welche 
durch die auszuführende Gegenneigung bedingt wird, sowie der Er 
satz der vorhandenen hölzernen Queischwellen durch eiserne. 
Die Hebung des nördlichen Geleises auf der Rbeinhrücke und 
der Umban der Brücke über die Frankenwerft erforderten einen 
Materialaufwand von 160 Tonnen Eisen, für das südliche Geleis 
bleiben sodann noch 65 Tonnen einzubauen. Die schwierigen 
Arbeiten, welche ohne jeden Unfall verlaufen sind, wurden seitens 
der Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade innerhalb 20 Arbeits 
tagen ausgeführt und stellen dem Können dieses deutschen Werkes 
ein rühmliches Zeugnifs aus. 
Köln, im November 1890. Eegierungs^umeister, 
Die Trockenlegung nasser Tunnel gewölbe und Widerlager, 
(Schluß.) 
Auf die vorbeschriebene Weise wurde zwar der Forst-TuDnel 
auf eine befriedigende Weise trocken gelegt; allein es blieb immer 
noch die Frage: Ist diese Dichtung des Gewölbes nicht ausschließlich 
der Verkalfaterung der Lagerfugen mit Werg und etwa noch dem 
in die Fugen auf das Werg aufgeatrichenen Ccment zu verdanken, 
hat das Einpumpen von Ceraentmilch in die mit Wasser gefüllten 
Lagerfugen überhaupt irgend einen Werth, da es fraglich ist, ob der 
Gement, in diesem flüssigen Zustande in die mit Wasser gefüllten 
Fugen eingepumpt, je erhärten wird? Um über diese Frage einige 
Aufklärung zu erhalten, begab ich mich am 2. November dieses Jahres 
in den Forsttunnel, nachdem die Arbeit der Verdichtung seit dem 25. Sep 
tember 1872 vollendet war, und liefs an drei verschiedenen. Stellen die 
eingetriebenen tannenen Zapfen herauszieben, und siehe da, es trat 
aus diesen Löchern kein Tropfen Wasser heraus. Um einige Vor 
stellung von dem Härtezustand des Cements zu erhalten, liefs ich mit 
dem umgekehrten Ende eines Spitzeisens (d. h. mit dem Ende, auf 
welches mit dem Handfäustel geschlagen wird) gegen den Cement im 
Bohrloche anpochen und es ergab sich hierbei ein ziemlich heller 
Ton, sodafs mit Sicherheit auf eine gute Erhärtung des Cements 
geschlossen werden konnte. 
Es kann wohl der Fall eintreten, dafs der Portland-Cement an 
denjenigen Stellen, wo er nicht gehörig hingeflossen, oder wo er in 
allzu verdünntem oder ausgewaschenem Zustande hingekommen ist, 
nicht mehr erhärtet, und dafs an diesen Stellen früher oder später 
wieder Wasser durchbrechen wird, allein für die meisten Stellen und 
namentlich für die Nahe der Bohrlöcher erhärtet Portland-Cement, in 
dieser Form eingebracht, und gewährt somit die Sicherheit, daß die 
Verdichtung an denjenigen Stellen, wohin derselbe geflossen ist, auf 
die Dauer hergestellt ist, und dafs die Solidität des Gewölbes an 
diesen Stellen beträchtlich gewonnen bat. 
Ergebnisse der Trockenlegung nasser Tunnelgewölbe nach Dasers Verfahren des Oement-Einpumpcns. 
Lfde. 
Nr. 
Bezeichnung 
des 
Tunnels 
Arbeitsjahre 
der Trocken 
legung 
Gebirge 
Nach dem Ver 
fahren behandelte 
und trocken- 
gelegte Gewölbe* 
fläche 
qcu 
Kosten der 
Trockenlegung 
von 1 qm im 
Durchschnitt 
Jt 
Cementver- 
branch auf 1 qm 
Gewölbeflktbe 
kg 
Bemerkungen 
1. 
Forst-Tunnel der würt- 
tcmbergischen Schwarz 
waldbann Stuttgart- 
Calw 
1871-1872 
Wellendolomit mit auf 
gelagertem Salzthon. 
Sehr nafs 
1660 
4,63 
22,6 
vollständiger Erfolg 
2. 
Schwelmer Tunnel der 
Rheinischen Bahn Düs 
seldorf-Hörde 
1880 
Lenueschiefer 
220 
7,71 
? 
vollkommener Erfolg 
3. 
Ender Tunnel der Rhei 
nischen Bahn Düssel 
dorf-Hörde 
1880 
Steinkohlengebirge 
1300 
11,80 
98 
günstiger Erfolg 
4*) 
Heinzkyller Tunnel 
der Eisenbahn Köln- 
Trier 
1883—1885 
Zerklüfteter Buntsand 
stein. Sehr nafs 
2028 
11,74 
73,5 
durchschlagender Erfolg 
5. 
Mettericher Tunnel 
der Eisenbahn Köln- 
Trier 
1882—1890 
(noch nicht ab 
geschlossen) 
Eifelkalk und Mergel. 
Schlammablagcrungen 
auf dem Gewölbe 
6065 
14,93 
61,5 
befriedigender Erfolg 
6. 
LooskyllcrTunnel der 
Eisenbahn Köln-Trier 
1886—1889 
Buntsandstein mit erdi 
gen und thonigen Bei 
mengungen, deshalb 
stellenweise Schlamm- 
ablagerungen 
3893 
7,46 
36 
guter Erfolg 
7. 
Kuckukslay Tunnel 
der Eisenbahn Köln- 
Trier 
1889 begonnen 
und 1890 noch 
nicht abge 
schlossen 
Buntsandstein mit vielen 
Thonlagcrn. Ausge 
dehnte stark tropfende 
Stellen 
378 
(davon erst 
78 qm 
trocken) 
15,77 
123 
Ergebnifs noch kein end 
gültiges und befriedi 
gendes 
8. 
Nitteler Tunnel der 
Moselbahn Coblenz- 
Trier 
1885—1890 
Muschelkalk und Sand 
stein 
2366 
13,73 
58,5 
erst mangelhafter, dann 
guter Erfolg 
9. 
Meulewald-Tunnel der 
Moselbahu Coblenz- 
Trier 
1887 begonnen 
und bis 1890 
alle Jahre 
wiederholt 
Buntsandstein mit vielen 
Thonlagern. Stark 
feucht mit langsamem 
Tropffall 
? 
22,14 
142,5 
Kein Erfolg. Wahrschein 
lich geringe Sachkennt 
nis des Unternehmers. 
Auch binderte eine vor 
her angebrachte ganz 
nutzlose Asphaltschicht 
auf dem Gewölbe 
*) Die Angaben für die Tunnel unter Nr. 4 bis 9 sind dem obene 
rw&hnten Aufsatze des Herrn Blum in Trier entnommen.
	        
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