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Volume Nr. 8

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Ir, 8. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
79 
eines nahtlosen Rohres für die Newarker Leitung, welche etwa 
10 0001 wiegt, eine Gewichtsersparnifs von 30001 ergeben haben. 
Hierdurch würden die Kosten für die Anfuhr und das Verlegen der 
Rohre wesentlich vermindert. Aufserdem konnte man den Rohr- 
durehmeBser infolge der geringeren Wasserreibung au der glatten 
Rohrwand für gleiche Leistung vermindern. Sehliefslich würde die 
Haltbarkeit der Leitung gTÖfser sein, da der Rost weniger Angriffs 
punkte findet. Petri. 
Eisbildung bei Frankfurt am Main. 
Die Gestaltung der Fahrrinne eines Flurslaufes zwischen parallelen 
Ufermauern als Serpentine brachte vor kurzem die Eisbildung auf 
dem Maine bei Frankfurt in selten gesehener Klarheit zur An 
schauung. Die mit einer Eisdecke überzogene Wasserfläche ist in 
der Abbildung durch 
Punktirung ange- 
deutet. 
Eine Eisbildung 
in dieser eigenartig 
ausgeprägten Weise 
ist durch das Zusam 
mentreffen der Um 
stände ermöglicht, dafs 
die Bildung bei Nie 
drigwasser vor sieb 
ging und in ihrem 
Verlaufe durch Treib 
eis nicht wesentlich 
beeinflufst wurde. 
Im Monat Decem- 
ber v. J. sank die Höhe 
des Wasserstandes ste 
tig, sodafs an den 
höchsten Stellen des 
Flufsbettes das Grund 
eis zu Tage tTat. Durch 
Frieren und Schollen- 
ansatz wuchs die Eisdecke von diesen Stellen aus, sodafs das Treib 
eis mehr und mehr den Weg de« tiefsten Wasser» nehmen mufste; zu 
gleich fand Eisansatz von den Brückenpfeilern aus statt. Ala dann 
am 28. December das Eis sieb bei Offenbach infolge Stopfung in 
einer scharfen Krümmung stellte, hörte der Zuflufs von Scholleueis 
bei Frankfurt auf und die Eisdecke erschien in der angedeuteten Form. 
Bis zur zweituntersten Brücke folgt die eisfreie Fläche der Lage 
der Schlepperkette (durch Strich ■ Punkte angedeutet). An dieser 
Brücke ist die Schiff 
fahrt auf eine Stelle 
mit geringerer Wasser 
tiefe angewiesen, da 
vor den Bögen der 
größten Wassertiefe 
Riffe Hegen, welche 
jetzt mit Grundeis be 
deckt zu Tage treten. 
Aua diesem Grunde 
fällt hier die Lage der 
Kette mit der freien 
Fläche nicht zusam 
men. 
Unterhalb der un 
tersten Brücke fällt 
der Flufs über den 
Rücken des Nadel 
wehrs. Das Eis hat 
an dieser Stelle den 
Schiffpafs frei gelas 
sen, während die Kette 
in den Schleusencanal 
leitet, vor welchem sich das Eis uaturgemäfs schon frühzeitig ge 
stellt hat. 
Der gröfseren Anschaulichkeit halber sind die Breiten im 
doppelten Mafsstab der Längen genommen. — r. 
Vermischtes. 
— In gewissen Organen der Berliner Presse sind wiederholt 
Klagen der Bauinteressenten über die lange Frist, welche von Seiten 
der Banpolizeiverwaltung für das Ausstellen der Bauerlaubnifsscheine 
in Anspruch genommen werde, zum Ausdruck gebracht, und ist neuer 
dings namentlich hervorgehoben werden, dafs mehrere Kirchenbauten 
dadurch angeblich ungerechtfertigte Verzögerungen erlitten hätten. 
Der Grund für diese letzteren liegt, wie wir hören, keineswegs in 
dem Mangel an geeigneten und ausreichenden Kräften bei den mit 
der Erledigung der betreffenden Arbeiten betrauten Behörden, sondern 
in dem Umstande, dafs die der Polizeibehörde vorgelegten Pläne und 
Berechnungen, namentlich soweit sie bestimmt waren, die gewählten, 
zum Theil ungewöhnlichen Constructionen darzusteUen, unzureichend 
waren und deshalb zum Theil mehrfach zur Ergänzung und Vervoll 
ständigung zurückgegeben werden mufsten. Die Prüfung der ver 
vollständigten umfangreichen Entwurfs -Arbeiten und die daran ge- - 
knüpften Verhandlungen mit dem ausführenden Architekten haben 
naturgemäß? einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen. 
Im übrigen darf nicht übersehen werden, dafs die mit der 
Prüfung der Entwürfe betrauten Beamten durch Genehmigung der 
selben eine grofse persönliche Verantwortlichkeit übernehmen. Wenn 
dieselben daher bei solchen Entwürfen, welche ungewöhnliche und 
leicht zu Gefahren Anlafs gebende Constructionen aufweisen, mit 
gröfster Vorsicht verfahren, so wird ihnen dies nicht zum Vorwurf 
zu machen, vielmehr ein besonnenes Vorgehen besonders anzuer- 
kennen sein. 
lieber den Sturm vom 1. und 2* October 1890» Am 1. und 
2. October 1890 herrschte an den Nord- und Ostseeküsten ein schwerer 
Sturm, der in der Nacht zwischen 2 und 4 Uhr am heftigsten auftrat 
und nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Lande bedeutenden 
Schaden angerichtet hat Dieser Sturm ist den schwersten gleich 
zu achten, die vorzukommen pflegen. Seine im folgenden beschriebene 
Wirkung dürfte von allgemeinem Interesse sein und die Gröfse des 
Winddrucks deutlich veranschaulichen. 
Auf dem GrofsherzogHchen Kammergute Bredenfelde in Mecklen- 
burg-Strelitz war kurz vor Eintritt des Sturmes das 46,30 m lange 
und 17 m tiefe Viehhaus vollständig ausgebrannt. Es standen 1 ' von 
demselben nur noeh die massiven Umfassungsmauern bis zur Höhe 
der Balkenlage sowie die beiden massiven Giebelmauern mit den 
oberen Giebeldreiecken, während die Drempelmauem abgestürzt 
waren. Die Mauern der beiden Giebel waren unten 0,40 m, oben, in 
Höbe der Drempel und im oberen Dreieck, nur 0,25 m stark; sie 
hatten aber oben je zwei Verstärkuagspfeiler von 0,13 m Stärke und 
0,64 m Breite. Die beiden Obergiebel standen also, da der ganze 
Dachverband herausgebrannt war, vollständig frei und ohne jede 
feste Verbindung untereinander. 
Der Sturm hat nun in der Nacht 
vom 1. auf den 2. October v, J. 
zwischen 3 und 4 Uhr nicht nur 
beide Obergiebel umgestürzt, son 
dern auch noch den gröfsten Theil 
der beiden Untergiebel mit Aus- 
schlufs der Ecken bis auf das im 
Mittel 1,75 m über dem Boden He 
gende Felsensockelmauerwerk her 
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ausgebrochen, wie vorstehende kleine Skizze zeigt. Jeder Giebel bot 
■ 156 qm. Mithin hat auf 
17 9 afi 
eine Angriffsfläche von 17.7,90 V— « 
J 
jeden Giebel bei der herrschenden Geschwindigkeit des Windes 
v = 23 m ein Luftdruck von: 
( bei £ — rd * 2 > r = rd. 1,3kg, 2^9,81), 
_ Q tQ 156.23* 156.529 , 
-s»I,o. ^ q-q', —2,6. 1Qfi4 , oderj 
gewirkt, also 
2.9,81 19,62 
P=10 936 kg 
10936 , , 
156 = 70 kg/qm. 
Diesem bedeutenden Druck hätte unter sonst gleichen Bedin 
gungen kaum ein Giebel von der doppelten Mauerstärke d. h. ein 
solcher von 0,77 und 0,50 m Stärke Widerstand leisten können, wie 
die folgende Rechnung zeigt. 
Mo ment des Winddrucks =(156—29,75)=126,25.70.3,70 = 32699 kgm 
Moment d. Mauergewichts == 1600 * (17.6,15.0,40 + . 0,25) . 0,2 
=$15117 kgm. | 
Es bleibt noch binzuzufügen, dafs das Viehhaus seiner Länge 
nach fast genau von Westen nach Osten gelegen ist, sodafs also die
	        
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