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Volume Nr. 8

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltnng. 
21. Februar 1891. 
ergebenden Eisbildungen auf den Schienen und am Gewölbe gefähr 
lich geworden wäre und überdies der Mörtel aus den Gewölbfugen 
total ausgewaschen wurde, so stellte ich mir die Frage: ob es nicht 
möglich wäre, durch Einpumpen von Cement in die Gewölbfugen 
1. die Gewölbfugen wasserdicht zu machen und 
2. in die ausgewaschenen Gewölbfugen wieder ein erhärtendes 
Bindemittel zu bringen V 
Diese Frage ist folgendermaßen gelöst worden: Um an das Ge- 
wölb kommen zu können, war ein Gerüst erforderlich und da die 
Bahn bereits in Betrieb gesetzt war, so mufste dieses Gerüst leicht 
beseitigt und wieder hergestellt werden können. Zu diesem Zwecke 
Abwicklung des Gewölbestückes Nr. 1. 
Nach der Aufstellung des Gerüstes wurden nun in weniger nassen 
Stücken weniger, wie die Abwicklung des Stücks Nr. 1, und in sehr 
nassen Stücken mehr, wie die Abwicklung des Stücks Nr. 2 (Abb. 4) 
andeutet, Löeher von etwa 0,04 m Durchmesser mittels eines Kreuz 
bohrers in die Lagerfugen durch das Gewölb gebohrt, und dann wurden 
die Lagerfugen auf etwa 0,05 m Tiefe ausgekratzt und wo dieselben 
eng waren, auf die Weite von etwa 0,02 m ausgehauen bezw. erweitert; 
in diese Fugen wurde eine Werg-Kalfaterung bis auf die Tiefe von 
0,03 m von der Gewölbleibung — übrigens unter Auslassung der 
Bohrlöcher — eingetrieben und der übrige Theil der Fugen mit Cement 
vollständig ausgestrichen. Nachdem dies alles geschehen war, drang 
das Wasser blofs noch aus 
den Bohrlöchern, und es wurde 
nun mit dem Einpumpen des 
Cements begonnen. 
Die Pumpe ist in Abb. 5 
Abwicklung des Gewölbestückes Nr. 2. 
Abb. 4. 
wurde auf die Tunneldohle der Lange nach eine Schwelle a von 
etwa 7 m Länge gelegt (Abb. 1—3), in diese zwei Ständer b b 
in einer Entfernung von 6 m eingezapft und gestellt; in diese 
Ständer wurde in entsprechender Höhe ein Holz c horizontal 
eingezapft und mit eisernen Bändern verbunden; auf dieses 
Holz und auf die runden Höker d, welche durch die Streben e 
und die Halsbänder/“ getragen wurden, kamen leichte Bälk- 
chen g zu liegen, welche den Dielenbelag h trugen. Die 
Bälkchen g sind auf die runden Hölzer d aufgeschraubt. Um 
ein Umkippen des Gerüstes der Länge nach zu verhüten, 
wurden zwischen die Schwelle a und das horizontale Holz c 
zwei Büge eingestellt. Ferner wurden bei i und k Holzkeile 
eingetrieben, die Streben e, welche gegen das Schienengeleis 
ragten, waren durch eiserne Chamirbänder mit den Ständern b 
verbunden. 
Ehe nun ein Zug kam, wurde der Dielbelag von der Hälfte 
des Gebälkes, welches über daB Schienengeleis vorragte, auf die 
andere Hälfte geworfen, und das Bundholz mittels Stricken oder 
Stichem an die Ständer 6 herangezogen und befestigt, wodurch diese 
Hälfte des Gerüstes die in der Zeichnung (Abb. 1) punktirt angedeutete 
Abb. 1. 
Tunnelquerschnitt mit Gerüst. 
Abb. 3. 
Grundrifs des Gerüstes. 
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Abb. 5. Schnitt Abb. 6. 
Pumpe zum Einpumpen von Gement. 
Ansicht. 
Lage erhielt, sodafs der Zug sodann durchfahren konnte. Diese ganze 
Arbeit konnte durch einige Arbeiter innerhalb 5 Minuten verrichtet 
werden. Nach dem Durchgang des Zuges konnte die aufgezogene 
Hälfte des Gerüstes wieder ebenso leicht niedergelassen und der 
Belag aufgelegt werden. 
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Abb. 2. 
Mittelwand des Gerüstes. 
und 6 dargestellt; sie bestand 
aus einem hölzernen Cylinder, 
einem Kolben von Leder 
scheiben, einigen gußeisernen 
Stücken für die Ventilsitze und 
einem gußeisernen Stutzen zur Befestigung 
des Leinwandschlauchs, an dessen Ende ein 
Mundstück von Kupfer mit einer Lichtöffnung 
von 0,025 m angebracht war. 
Der Cement, welcher eingepumpt wurde, 
war Portland-Cement; von demselben wurden 
etwa 3 Ctr. in die hölzerne Kufe, zu einer 
Flüssigkeit von einer dicken Milch verdünnt, 
gebracht und unter beständigem Umrühren 
eingepumpt Das Einpumpen wurde im 
Scheitel begonnen, zuerst wurde das Mund 
stück mit Werg umwickelt und so fest in 
die Oeffnung eingedrückt, daß kein Cement 
neben dem Mundstück ausfließen konnte. 
Nach dem Beginn des Pumpens floß 
bald aus den benachbarten Bohrlöchern Ce- 
mentmilch aus und es wurde mit dem Pumpen 
aufgebört, sobald die Cementmilch etwas dick aus den benachbarten 
Bohrlöchern ausfloß. Ein bereitgebaltener, mit Werg umwickelter 
tannener Zapfen wurde an das Bohrloch, in welchem das Mundstück ein 
gesteckt war, gebracht, und dann rasch das Mundstück ausgezogen und 
der Zapfen eingeschlagen, in ähnlicher Weise wie ein Küfer ein volles 
Faß ansticht. Hierauf wurde die gleiche Operation an dem benach 
barten Bohrloch auf gleicher Höhe und, wenn in derselben Lagerfuge 
kein zweites Bohrloch angebracht war, mit dem nächst niedrigeren Bohr 
loch vorgenommen und so fort, bis die eine Hälfte des Gewölbes ver 
dichtet war. Dann wurde die andere Hälfte des Gewölbes ebenfalls, 
vom Scheitel aus beginnend und nach und nach gegen den Kämpfer 
absteigend, gedichtet. Zeigte sich, nachdem das ganze Gewölbstück 
ausgepumpt war, daß an der einen und andern Stelle noch Wasser 
austrat, so wurde an einer solchen Stelle ein weiteres Loch eingebohrt 
und ebenfalls Cement eingepumpt, bis das ganze Gewölbstück trocken 
genug war. Der Tunnel wurde in Stücken von 5 bis 7 m Länge aus 
gewölbt und am Zusammenstoß der Stücke eine durchlaufende Stoß 
fuge angebracht. 
Nachdem nun awei aneinander stoßende Gewölbstücke in der 
oben beschriebenen Weise behandelt waren, so drängte sich das 
Wasser gegen diese Stofsfuge und flofs in derselben aus. Diese Stoß 
fuge wurde dann in ähnlicher Weise wie die Gewölbstücke durch 
Einbohren von Löchern, Verdichten der Stofsfuge bis in Nähe des 
Kämpfers und Einpumpen von Cement wasserdicht hergestellt. 
Um durch das Verstopfen der früheren Wasserausflüß-Oeffniingen 
keinen hydrostatischen Druck auf das Tunnelgewölbe zu erhalten, 
wurden in der Nähe der Kämpferfuge zwischen den schon bei der
	        
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