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Volume Nr. 4

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
24. Januar 1891. 
der Umrifslinie bei 35 m Innendurchmesser und mit einer Gesamt 
höhe von rund 100 m über Erdboden. Das sind also die Verhältnisse 
von St, Paul in London, und es unterliegt keinem Zweifel, dafs sie 
für den Platz zu grofs gegriffen sind. Eine Zusammenstellung des 
Modelles mit denen des Alten Museums und des Schlosses — selbst 
verständlich in den der Wirklichkeit entsprechenden Abständen — 
wird das darthun. Eine derartige Zusammenstellung ist, wie wir 
vernehmen, beabsichtigt und dankbar zu begrüfsen. Es werden sich 
an ihr lehrreiche Studien machen lassen; vielleicht veranlassen sie 
uns, s. Z. auf den Punkt zurückzukommen. Zunächst fassen wir 
noch einmal das, was das vorliegende Modell an und für sich lehrt, 
in wenige Worte zusammen: Die Längsachse des Bauwerks wird 
unter Beseitigung des Lustgartenvorbaues in die Mittellinie des Bau 
platzes gerückt, und jenes Belbst in der Qnerrichtung gleichwertiger 
ausgebildet werden müssen. Auf Beseitigung der Traukirche, Ein 
schränkung der Abmessungen der Predigtkirche und wohl auch noch 
klarere Ausgestaltung der Grufthalle wird Bedacht zu nehmen sein; 
und endlich und vor allen Dingen müssen die beiden verbleibenden 
Hauptbautheile im Aeufseren deutlich ausgesprochen werden. Freilich 
wird bei Vornahme dieser einschneidenden Aenderungen von dem 
jetzigen Entwürfe viel nicht übrig bleiben. Besser aber, es wird an 
dieser Stelle ein kleinerer und bescheidenerer Bau geschaffen, welcher 
in voller Ausreifung dauernd den höchsten Kunstanforderungen ent 
spricht, als ein anspruchsvolles Werk, dessen Organismus krankt, 
und mit dem die deutsche Kunst kaum mehr als einen Achtungs 
erfolg erringt. Hd. 
Vermischtes. 
Ueber die bevorstehende Vermehrung der BaubeamtenateHen 
in Württemberg wird uns von dort geschrieben: 
In dem vor kurzem erschienenen Etat für 1891/93 sind bei der 
Domänenverwaltung sechs und bei dem Strafscn- und Wasserbauwesen 
zwei neue Stellen für Abtheilungsingenieure aufgenommen, ferner sind 
bei der Eisenbahnverwaltung zu Neubauausführungen vier Stellen für 
Baumspectoren vorgesehen. In den Erläuterungen ist die Wieder 
einführung dieser letzteren (sog. fliegenden) Baubeamten damit be 
gründet, dafs bei deren Mangel seit einer Reihe von Jahren für die 
Leitung von Eisenbahnbauten und wichtigen Ergänzungsbauten Bau 
inspectoren vom Betriebe verwendet werden mufsten, deren Aemter 
infolge dessen auftragweise besetzt wurden, was auf die Dauer nach 
theilig wirkte. Unerachtet dieses Zuwachses an Stellen und der 
regen Bautbätigkeit, welche den Mangel an jüngeren Regierungs-Bau 
meistern fühlbar macht, sind die Aussichten der höheren geprüften 
Bautechniker insbesondere bei der Eiseubahnverwaltung sehr un 
günstige. Daselbst sind nur 70 etatsmäfsige Stellen für Collegial- 
räthe, Oberbeamte, Bauinspectoren und Abtheilungsingenieure vor 
handen; diesen stehen zur Zeit 23 unständig verwendete und 16 zu 
Bahnmeistern ernannte Regierungs-Baumeister gegenüber, von welch 
letzteren übrigens nur drei den Bahnmeisterdienst versehen. Das 
Durchschnittsalter dieser 39 Beamten beträgt 88Va Jahre. Mit 
40 Jahren etwa findet gegenwärtig die Vorrückung zum Abtheilungs 
ingenieur statt, dessen pensionsberechtigtes Gehalt 2520 Mark be 
trägt, wozu noch ein Wohnungsgeldzuschufs von 140 bis 220 Mark 
kommt. Bautechnische Abtheilungsingenieure giebt es 29, ein weiteres 
Vorrücken erfolgt dementsprechend äufserst langsam. Tritt nicht 
eine durchgreifende Organisation ein, so werden die Verhältnisse 
noch schlimmer. In Preufsen scheinen die Aussichten wesentlich 
günstiger zu sein, da nach der Mittheilung auf S. 19 dieses Blattes 
daselbst die Regierung»-Baumeister bis zum Jahrgang 1882 dem 
nächst in Baumspectorsstellen einriieken werden. 
W. Schillings Schraubenschlüssel mit Selbsteinstellung, dessen 
Beschreibung auf Seite 544 des vorigen Jahrgangs d. Bl. gegeben 
ist, kann, wie wir auf Anfrage mittheilen, von der Deutschen Werk- 
zeugmaschinenfabrik vormals Sondermann u. Stier in Chemnitz be 
zogen werden. 
Ober-Baurath Heinrich +. Infolge eines Herzleidens starb am 
17. d. M. im Alter von 60 Jahren der Grofsherzogliche Ober-Baurath 
Heinrich, Architekt der Hochbauten der Generaldirection der 
badischen Staatseisenbahnen und Mitglied der Grofsherzoglichen Bau- 
direction in Karlsruhe. In dieser Stellung war der Verwerthung der 
technischen Kenntnisse und des künstlerischen Urtheils des Ver 
storbenen sowie seinem Wirken in der Staatsbauverwaltung ein 
weites Gebiet geöffnet, auf dem segensreich zu schaffen er sicher be 
rufen war. Sein Blick in praktisch-baulichen Dingen war durch 
viele Ausführungen geschärft, er erkannte leicht, was zweckdienlich 
und was innerhalb gegebener Grenzen möglich, zulässig und gut 
war; sein scharfer Verstand ermöglichte ihm eine umfassende Mit 
wirkung bei der Lösung technisch-gesetzgeberischer Fragen, sein 
feinfühliges, gereiftes Urtheil in baukünstlerischen Dingen war un 
befangen und stets sachlich, das Gute und Schöne fest im Auge 
behaltend. Was er gebaut, trägt den Stempel reifen Studiums, tiefen 
Eingehens auf das Einzelne eines jeden Falles, und bei .gröfseren 
Aufgaben gediegenes künstlerisches Gepräge. Heinrich hielt dabei 
fest an den Lehren seines Meisters Hübsch, dem er mit Verehrung 
anhing und dessen Werke und Andenken er stets hoch in Ehren 
hielt. Nicht wenig trug zu seiner hervorragenden späteren Lebens- 
thätigkeit seine frühere Stellung als Lehrer an der technischen 
Hochschule in Karlsruhe bei, in welcher er sich die Liebe und An 
hänglichkeit der Studirenden in hohem Mafse zu erwerben wufste. 
Die letzten gröfseren Ausführungen des Verewigten waren der 
Umbau und die VergTÖfserung des Personenbahnhofes in Karlsruhe, 
eine Aufgabe, die er mit vielem Geschick löste, und die Hochbauten 
der sogenannten strategischen Bahn Stühlingen-Immendingen. Als 
vorwiegend künstlerische Aufgabe hatte ihn in den letzten Monaten 
die Bearbeitung von Plänen zu einem neuen grofsen Personenbahn 
höfe in Baden-Baden beschäftigt; ihre Ausführung liefs ihn das 
Schicksal nicht mehr erleben — die Erfüllung seines höchsten 
Herzenswunsches ward ihm versagt. 
Die badische Staatsverwaltung verliert an Heinrich einen aus 
gezeichneten Beamten und schaffenden Architekten, die Baudirection 
ein gerechtes, pflichttreues und künstlerisch begabtes Mitglied, dessen 
Andenken von allen, die in näherer Beziehung mit ihm standen, 
hochgehalten und geehrt werden wird. 
Karlsruhe, den 19. Januar 1891. Dr. Josef Durm. 
Biiclierschau. 
Baudenkmäler des alten Rom, nach photographischen Original- 
aufnahmen, herausgegeben von Heinrich Strack, Professor an der 
Königlichen technischen Hochschule und der Königlichen Kunst 
schule in Berlin. Berlin 1890. Verlag von E. Wasmuth. Fol. Preis 
25 JC, 
Die für die Entwicklung der neueren Architektur so einflufsreichen 
Baudenkmäler des alten Roms sind bereits seit dem Ausgange des 
17. Jahrhunderts in Zeichnungen veröffentlicht worden; doch werden 
die Werke von Desgodetz, Piranesi, Canina u. a. ihrer Seltenheit und 
ihres hohen Preises wegen nur in wenigen, besonders bemittelten 
Bibliotheken zu finden sein, und bringen anderseits die neueren Ar 
beiten meist nur Untersuchungen und Beschreibungen der Denkmäler, 
seltener aber Abbildungen derselben. Dem Bedürfnisse nach einer 
wohlfeilen Veröffentlichung der antiken Bauwerke Roms sucht da» 
vorliegende Werk des durch seine Arbeiten über den Kuppelbau und 
die Backstein-Architektur Italiens bekannten Verfassers entgegen zu 
kommen. 
Auf 20 Blatt bestens gelungener Lichtdruck - Aufnahmen von 
handlichen Abmessungen bringt es in geschichtlicher Anordüng bei 
nahe alle diejenigen der aus dem Alterthume geretteten Denkmäler 
Roms, welche noch in ihrem heutigen Zustande künstlerische Gestalt 
besitzen, und gewährt so einen Ueberblick über die bauliche Ent 
wicklung der Stadt von der augusteischen bis zur constantinischen 
Zeit. Von der Mittheilung solcher Denkmäler, welche in ihren er 
haltenen Resten nur ein technisch-archäologisches Interesse besitzen, 
wie die Thermen des Caracalla, der sog. Tempel der Minerva Medica 
oder die zugleich malerisch reizvollen palatinischen Kaiserpaläste, 
und ebenso derjenigen, welche, obgleich wohlerhalten, doch künst 
lerisch ohne Belang sind, wie die Porta Maggiore, wurde Abstand 
genommen. Soweit es angänglich war, sind die Aufnahmen so ge 
wählt, dafs auch das Einzelne deutlich wird. Vom Pantheon, und 
zwar sowohl vom Aeufseren wie vom Inneren des Gebäudes, vom 
Colosseum und vom Titusbogen sind Bogar besondere Ansichten von 
Einzelheiten in gröfserem MafaBtabe beigefügt, sodafs die in den geo 
metrischen Zeichnungen nur schwer wiederzugebenden Wandlungen, 
welche die Profilirung, das Blattwerk und das Figürliche zeitlich, 
durchliefen, sieb trefflich beobachten lassen. Den Tafeln ist ein 
leicht verständlicher Text beigegeben, welcher auf Grund der besten 
Forschungen eine Geschichte und Beschreibung der Bauwerke giebt 
und bei jedem einzelnen auf den Ort der Veröffentlichung hinweißt; 
auch sind oftmals, besonders bei der Darstellung des Forum Romanum, 
topographische Nachrichten über den Standort und die Umgebung, 
der Denkmäler angeschlossen. 
Als Hülfsmittel für den Unterricht in der Formenlehre und der- 
Geschichte der antiken Baukunst wird das Werk sich bald Eingang 
verschaffen; dem Künstler und dem Kunstgelehrten wird es sich als- 
ein bequemes Handbuch bei seinen Studien erweisen und jedem Ge 
bildeten überhaupt, welcher Rom zu sehen Gelegenheit hatte, eine- 
licbe Erinnerung bieten. J. Kohte. 
Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin. Für die Redaction des nichtamtlichen Theiles verantwortlich: Otto Sarrazin. Berlin. Druck von J. Kerakes, Berlin.
	        
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