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Volume Nr. 52

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Central bl att der I|fui Verwaltung. 
26. toctfflber 1811. 
Fabricanten von Cementwaren, David Zisse ler in Wetzlar, patentirt. 
Da» Patent, soweit es für das deutsche Reich gültig (D. R.-P. 
Nr. 40173), ist von der Actiengesellschaft für Monierbauten in Berlin 
erworben. 
Durchniifste Schornsteiukasten können oft zu einer unerträg 
lichen Plage für die Bewohner eines Hauses werden. Es ist häufig 
der Fall, dafs in einem Zimmer, einem Flure, insbesondere in den 
wenig gelüfteten Eingangsfluren des Berliner typischen Mietshauses, 
you Zeit zu Zeit ein unerträglicher Geruch belästigt, der dem von 
abgewelltem Kohl oder von Canalgasen zum Verwechseln gleicht. 
Es wird dann gewöhnlich auch auf das Vorhandensein der letzteren 
geschlossen. Der Herd des Geruches ist aber fast immer ein nafs- 
gewordener Schornsteinkasten. Anzeichen dafür sind nasse Stellen 
am Kastenmauerwerk über Dach, braunrothe Flecke auf der Be- 
rappung des Kastens im Dachboden und auch ein Vorherrschen des 
üblen Geruches in unmittelbarer Nahe des nassen Rohres. Nach 
Aufstemmen des letzteren wird sich sogar seine Innenwandung beim 
Befühlen mit der Hand feucht zeigen. Die Abhülfemittel, welche 
von den Schornsteinfegern in der Regel empfohlen werden, nämlich 
Ausschwefeln oder Trockenheizen des Rohres von der Unteren 
Reinigungsöffnung aus, niitzen gar nichts, man wird stets baulich 
gegen das Uebel vorzugeben haben. Zunächst wird der Schornstein 
theil über Dach gegen den weiteren Einflufs der Witterung zu 
schützen sein, sei es durch Putzen mit Cementmörtel oder besser 
durch isolirende Ummantelungen irgend welcher Art (Wellblech, 
Monierplatten u. dgl.); besonders ist dafür zu sorgen, dafs der 
Schornsteinkasten gegen die Wetterseite keine einspringenden Winkel 
behält. Mit diesen leicht und billig zu bewirkenden Maßnahmen 
ist aber dem Uebel, namentlich wenn es schon älter ist, nicht immer 
beizukommen. Oftmals wird man gezwungen sein, den ganzen durch- 
näfsten Theil des Kastenmauerwerks, selbst bis in die bewohnten 
Geschosse hinunter, auszustemmen und zu erneuern, eine Mafsregel, 
die freilich mit vielen Unbequemlichkeiten und meist nicht unerheb 
lichen Kosten verknüpft ist, die aber immer sicher zum Ziele führen 
wird. 
Die Sehuppenpanzerfarbe von Dr. Graf n. Comp, in Berlin, über 
welche bereits auf S. 332 d. J. berichtet wurde, ist nunmehr von der 
Kgl. mechanisch-technischen Versuchsanstalt in Berlin-Charlottenburg 
eingehend geprüft worden, und zwar wurden vergleichende Versuche 
zwischen Bleimennige und Schuppenpanzerfarbe angestellt, die sich 
erstreckten auf: 1. die Dicke des Anstriches, 2. die Trocknungsdaner, 
3. die Deckfähigkeit als Rostschutzmittel und 4. die Widerstands 
fähigkeit des Anstriches gegen Formänderung der gestrichenen Theile. 
Aus der hier vorliegenden, sehr vielseitigen und eingehenden 
Prüfnngs-Bescheinigung über erste Versuchsreihen*) seien nur die 
jenigen Ergebnisse herausgegriffen, welche für die praktische Be 
deutung beider Anstrichmassen von Werth sind. 
Bei dem Anstrich von Blechstreifen mufste die am unteren Rande 
znsammengelaufeue Mennigefarbe mit dem Pinsel entfernt werden, 
bei dem Anstrich mit Grafscher Farbe wurde ein derartiges Zu 
sammenlaufen nicht beobachtet. Die Ermittlung der Dicke des 
Anstriches und die Trocknungsdauer wird durch nachstehende Tabelle 
veranschaulicht. 
Dicke des Anstriches 
Trocknungsdauer 
Ermittelte Meinte 
Versuchs- 
Mittlere 
Zusammensetzung 
d. Farbe f. d. qm 
bedmgwigen 
Trock- 
Bemcrkun- 
de» Anstrichs 
einmal. 
zweimal. 
Zimmer- 
Lnrtfeuch- 
mitigs- 
gen 
Anstrich 
Anstrich 
Wärme 
tigkeit 
ff 
s 
°C. 
v H. 
Minut. 
100 g Mennige 
12,8g Firnifs 
183 
352 
20—20,5 
67—72 
455 
100 g Schuppen- 
BeiZusatz 
panzeriarbe 
von Sicca- 
26,1g Firmfs(Han- 
dcla-Ware) 
39 
72 
20-20,5 
67-72 
375 
tiv trock 
net die 
100 g Schuppen- 
Grafscbe 
panzeriarbe 
23,7 gDr. Graf- 
Schuppen- 
scher drei 
fach gekoch 
ter ozonisir- 
terLeinölflr- 
nifs D. R.-P. 
26 
47 
20- 22,5 
65—68 
195 
panzer- 
farbe 
lang- 
samer. 
56 392 
*) Die Bescheinigung der Ergebnisse zweiter, nach längerer Ver 
suchsdauer aoftustellender Reihen behält sich die Prüfungsanstalt vor 
Ende des Jahrgangs 1891* Der Titel ist der Nr. 51k. 
Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin. Ffir die Redaction des nl 
Die Prüfung auf Deckfähigkeit erfolgte u. a. durch Ermittlung 
der Widerstandsfähigkeit der trocknen Anstriche gegen die Ein 
wirkungen von Salzwasser (Zusammensetzung des Meerwassers) und 
Kohlensäure führende feuchte Luft. Vor diesen Versuchen waren 
die gestrichenen Bleche um Dome mit den änfserst geringen Halb 
messern von 1—10 mm gebogen worden. Wenn eine derartige starke 
Biegung bereits gestrichener Bleche in der Praxis auch nicht Vor 
kommen kann, so kam die Versuchsanstalt, da infolge der starken 
Biegung die auf den Blechen befindliche Walzhaut abBprang und 
hierdurch feine, ein Rosten ermöglichende Risse in dem Anstrich 
hervorgerufen wurden, zu dem äufserst wichtigen Ergebnifs, dafs der 
Mennigeanstrich das unter dem Anstrich stattgehabte Rosten an dem 
Aussehen des Anstriches nicht erkennen liefe, während bei dein 
Anstrich mit Schuppenpanzerfarbe das Rosten des Bleches unter dem 
Anstrich an dem veränderten Aussehen der Farbe zu -Tage trat. 
Beim Biegen um 1—10 mm Radius bewährte die GrafBche Scbuppen- 
panzerfarbe ihre Deckfähigkeit besser als der Mennigeanstrich, be 
wies also, dafs sie elastischer ist als dieser. Selbst der einmalige 
Anstrich mit Schuppenpanzerfarbe erwies sich besser deckend, als 
ein zweimaliger Anstrich mit Bleimennige. Ueberdies ist der ein 
malige Anstrich mit Schuppenpanzerfarbe (Mischung mit Dr. Grafi 
schem dreifach gekochten ozonisirten Leinölfirnifs D. R.-P. 56 392) 
ungefähr 12mal leichter und, ohne die Zeitersparnis und den ver 
mindert!^ Arbeitslohn in Betracht zu ziehen, 6 mal billiger als zwei 
maliger Menmgeanstrich; der gleiche Anstrich mit Schappenpanzer- 
farbe trocknet etwa 2 i/ 2mal so schnell, und endlich ist letztere wegen 
ihres schönen, metallisch-grauen Aussehens zugleich eine sehr ge 
eignete Deckfarbe, während Mennige sich nur für Grundirungsswecke 
eignet, alles Eigenschaften, Welche der Schuppenpanzerfarbe den 
Vorrang vor dem Mennigeanstrich sichern dürften. —n—. 
Gleiteigenbahn auf der Weltausstellung ln Chicago. Eine un 
längst zusammengetretene Gesellschaft hat die Anlage einer 1600 m 
langen Gleiteisenbahn, wie sie seinerzeit auch auf der Pariser Welt 
ausstellung zu sehen war (vergl. S. 495 des J. 1669 d. Bl.), auf dem 
Ausstellungsplatze in Chicago ins Auge gefafst. Die Bahn wird 
zweispurig auf einem Yiaduct von 4,9 m lichter Höhe hergestellt 
werden. Die aus fünf Wagen bestehenden Züge sollen einander in 
Abständen von 30 Secunden folgen. 
Bücherschau, 
Denkmäler der Kunst. Zur Uebersicht ihres Entwicklungsganges 
von den ersten künstlerischen Versuchen bis zu den Standpunkten 
der Gegenwart. Bearbeitet von Professor Dr. W. Lübke und Professor 
Dr. C. v. Lützow. 6. Auflage. Stuttgart. Paul Neff. Mit etwa 
2500 Abbildungen und erklärendem Textband. Klassiker-Ausgabe 
(203 Tafeln in Lithographie, darunter 7 Farbentafeln) in Original- 
Prachtband 46 M, — Stahlstich-Ausgabe (185 Tafeln in Stahlstich, 
7 in Farbendruck und 11 Ergänzungstafeln in Photolithographie) in 
einem Original-Prachtband 86 M, in zwei Original-Prachtbänden 92 JK. 
Die neue Auflage des allgemein geschätzten Denkmälerwerke, 
über deren Erscheinen wir bereits im Vorjahre (Jahrg. 1890, S. 436) 
berichteten, liegt nunmehr fertig abgeschlossen und von erläuterndem 
Texte begleitet vor. Bezüglich der mit den Tafeln des Werkes vor 
genommenen technischen Veränderung, durch welche sein Absatz 
gebiet erheblich erweitert wird, ebenso bezüglich der Bereicherung 
seines Stoffes, dürfen wir auf jenen Bericht verweisen und bestätigen 
nur, dafs die im Laufe dieses Jahres erschienenen Lieferungen voll 
erfüllt haben, was die ersten versprachen. Der Text hat die Form 
der Tafelerklärung. Nach Angabe der geschichtliches Stellung des 
einzelnen Kunstwerkes wird dieses unter Hervorhebung seiner Eigen- 
thümlichkeiten kurz beschrieben, dann folgen meist seine knappe 
kritische Würdigung und der Quellennachweis. Für jeden gröfseren 
Stilabschnitt werden Architektur, Bildnerei und Malerei hinter 
einander gegeben, innerhalb der einzelnen Abschnitte ist der Stoff, 
wo erforderlich, geographisch und sachlich geordnet. Ueber den 
Zusammenhang der Entwicklung belehren kurze einleitende Be 
merkungen am Beginn der Abschnitte; ein Orts* und Künstler-Ver- 
zeichnifs erleichtern die Uebersicht. Der Stoff beginnt mit den 
Uranfängen der Kunst und reicht für die Architektur bis in die 
ersten 70er Jahre dieses Jahrhunderts, sodafs zu den vertretenen 
Künstlern nur wenige noch lebende Meister gehören; für die Malerei 
und Bildhauerkunst reicht er noch etwas weiter. Wir verkennen 
nicht die grofse Schwierigkeit, die neueste Zeit in einen solchen 
Denkmäler-Atlas einzubezieben, vielleicht gelingt es für die siebente 
Auflage aber doch, in dieser Beziehung noch einen Schritt weiter zu 
gehen ond dadurch dem Werke nach der kritischen Seite hip noch 
adere Anziehungskraft zu sichern. —d. 
Verzeichnis wird mit Nr. 52 a. Ausgegeben. 
'k: Otto Sarrazin, Berlin. Druck von J.Eerskes, Berlin
	        
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