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Volume Nr. 52

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
26. Deceraber 1891. 
erreichen zu können. Sie sollte sich den Formen des Muttethurms 
nähern, aber schlanker und höher emporsteigeu. Bei eingehenderer 
Untersuchung der Stützen des Hauptschiffs unter dem Thurm und 
des Baugrundes erwies sich jedoch deren Tragfähigkeit nicht als ge 
nügend, und man sab sich gezwungen, von diesem Plane Abstand zu 
nehmen. Statt dessen wurde nun ein Dachreiter über der Vierung 
in Vorschlag gebracht. Im Sinne des Dachreiters von Notre Dame 
in Paris ausgeführt, würde dieser grofs genug ausfallen können, um 
den Mifsklang in der Gesamterscheinung des Domes zu beseitigen. 
Der bezügliche Entwurf Tornows 7 ) hat auch allseitig bedingungslose 
Zustimmung gefunden, und eine stattgehabte Bodenuntersuchung, 
welche eine Tiefe der Vierungspfeiler von 13 m und deren tadellosen 
Zustand ergab, hat die Möglichkeit seiner Ausführung zur genüge 
erwiesen. 
Wie im Aeufsem, so ist das Bauwerk auch im Innern noch 
7 ) Dombauheft Nr. 4, Tafel VI—VIII. 
mancher Verbesserung bedürftig. Noch haben viele Fenster nur 
einfache weifse Verglasnng, die sich im Gegensatz zu den reichen 
Glasgemälden der übrigen Fenster der Kirche sehr störend geltend 
macht. Ebenso wäre die Verbesserung der Möbelausstattung und 
noch vieler Einzelheiten in hohem Grade erwünscht. Zu allen 
diesen Arbeiten aber bedarf es noch bedeutender Geldsummen. Ihre 
Beschaffung hat sich bekanntlich seit dem Jahre 1886 ein Domban- 
Verein zur Aufgabe gemacht. Das Mittel, womit der edle Zweck er 
reicht werden soll, bildet die Veranstaltung von Geldlotterieen, deren 
eine bereits mit bedeutendem Erfolge stattgefunden hat. Nach den 
Ergebnissen von Köln und Ulm wird man sich der Hoffnung hin 
geben dürfen, dafs dieses Mittel zum Ziele führt, und dafs auf diese 
Weise der als deutsches Werk erstandene und wieder deutsch ge 
wordene Dom von Metz zum Ruhme des Vaterlandes wird eingereiht 
werden können unter die Zahl der berühmten Denkmalbauten, deren 
Vollendung im Geiste ihrer Erfinder unsere Zeit als eine ihrer edel 
sten und schönsten Aufgaben betrachtet. August Sens. 
Ueber die ausgedehntere Anwendung von Weichenverschlufsrollen. 
In neuerer Zeit sind die Eisenbahnverwaltungen bekanntlich 
mehr und mehr dazu übergegangen, die richtige Stellung namentlich 
derjenigen Weichen auf den Bahnhöfen, deren unrichtige Lage ein- 
oder durchfahrende Züge gefährden würde, nicht mehr lediglich von 
der Aufmerksamkeit des Weichenstellers abhängen zu lassen, sondern 
für die Sicherung der Ein- oder Durchfahrt eines Zuges eine 
mechanische Abhängigkeit zwischen Einfahrt-Signal und Weichen 
stellung anzuordnen. Infolge dieser Abhängigkeit kann ein Signal 
erst dann in die Fahrtstellung gebracht werden, wenn die für den 
Zug in Betracht kommenden Weichen sich in der richtigen Lage 
befinden, und mit dem Ziehen des Signals werden die Stellhebel 
jener Weichen oder die Weichen selbst in ihrer richtigen Lage ver 
schlossen. 
Auf ausgedehnten Bahnhöfen mit einer gröfseren Anzahl von 
Weichen und Signalen läfst sich die gegenseitige Abhängigkeit natur- 
gemäfs nur durch Vereinigung zahlreicher Hebel in Stellwerken her 
steilen. Auf mittleren und kleinen Bahnhöfen wendet man zu dem 
Zwecke mit gleichem Erfolge örtliche Weichen Verriegelungen mittel b 
einer entsprechenden Vorrichtung am Signalstellbock oder mittels 
sogenannter Verschlufsrollen an. Für eine grofse Zahl von mittleren 
und kleinen Bahnhöfen mit geringem Güterverkehr und Verschiebe 
dienste lassen sich diese Verriegelungen mit dem gleichen Vortheil 
wie Stellwerke anwenden, da die zur örtlichen Bedienung der Weichen 
erforderlichen Arbeitskräfte ohnehin zur Wahrnehmung des Stations 
oder Streckenbewachungs-Dienstes nöthig sind, zudem bei weit aufser- 
halb liegenden Weichen der Verschiebedienst infolge der leichteren 
Verständigung mit dem Weichensteller schneller vor sich geht und 
ferner die Verriegelungen zugleich den dichten Zungenschlufs der 
Weichen gewährleisten, was bei Stellwerken mit Drahtzug-Weichen- 
bedienung und den gewöhnlichen Hebel-Spannwerken nicht immer 
der Fall ist. 
Wenn gleichwohl die Anwendung der Verriegelungen bisher 
meist auf die spitzbefahrenen Endweichen kleiner Bahnhöfe beschränkt 
geblieben ist, so beruht dies wesentlich in dem Umstande, dafs 
mehrere der gewöhnlichen Verschlufsrollen sich nicht hintereinander 
in den Signaldrahtzug einschalten lassen, ohne die Bedienung der 
Signale selbst zu erschweren oder unsicher zu gestalten. — Die bis 
her fast allgemein angewendeten Verschlufsrollen bestehen aus ein 
fachen, mit einem Verechlufskranz versehenen Drahtseil- oder Ketten 
scheiben, welche entweder durch besonderen Drahtzug bedient, oder 
in den Signaldrahtzug eingeschaltet und mit dem Signal zusammen 
bewegt werden und dabei die Weichen verschliefsen. Erstere An 
ordnung entspricht den neuerdings zur Wahrung der Betriebssicherheit 
gestellten Anforderungen an völlige Zuverlässigkeit insofern nicht, 
als bei einem Bruche der nach den Verschlufsrollen führenden be 
sonderen Drahtleitung der Verriegelungshebel umgelegt und demnach 
das von demselben abhängig gemachte Signal auf »Fahrt“ gezogen 
werden kann, auch wenn die Weichen die richtige Lage nicht ein 
nehmen. Im andern Falle unterbricht die Verschlufsrolle die etwa 
vorhandene selbstthätige Spannungsausgleichung im Drahtzuge, oder 
es mufs zwischen Stellbock und Verschlufsrolle bezw. zwischen je 
zwei Verschlufsrollen ein besonderes Spannwerk eingeschaltet werden, 
wodurch jedoch ungleichmäfsige Spannungen in den einzelnen Theilen, 
schwerer Gang und unter Umständen nngleichmafsige Signalbilder 
entstehen. Noch weniger empfehlenswerth ist die Anwendung von 
Spannschrauben, da dieselben bei starkem Wärmewechsel (z. B. mor 
gens und mittags) sehr häufig verstellt werden müssen, wobei nicht 
selten ein ungleichmäßiges Anziehen des Drahtznges, ein Verstellen 
der Verschlufsrollen und ein unbeabsichtigtes Verriegeln der Weiche 
eintritt; letzteres hat schon wiederholt Entgleisungen zur Folge gehabt. 
Diese der Anwendung der Verschlufsrollen hinderlichen Umstände 
werden zuverlässig nur vermieden von den Verschlufsrollen mit 
sogenannten Zwisebencompensationsrädero, wie solche von der Firma 
C. Stahmer in Georgmarienhütte neuerdings in weiterem Umfange 
angewendet werden. 
Diese Verschlufsrollen (Abb. 1) bestehen, ebenso wie die Antrieb 
vorrichtungen an den mit Vorsignalen versehenen Abschlufssignalen, 
aus zwei Scheiben n 1 a- mit Zahnkränzen, zwischen welchen ein kleines, 
mit der Verschlufsscheibe c verbundenes konisches Rad r liegt. Um 
die Scheiben a 1 a 8 sind zwei in den Signaldoppeldrahtzug ein 
geschaltete Drahtseile in einander entgegengesetzter Richtung ge- 
Abb. 3, 
Riegelrolle mit Zwischencompensation. 
schlungen; infolge dessen drehen sich die beiden Scheiben ald* bei 
den durch Wärmewechsel hervorgerufenen, gleichgerichteten Längen 
änderungen im Drahtzuge in entgegengesetzter Richtung (Abb. 2) und 
drehen das kleine konische Rad r um Beine Achse, ohne den Ort 
desselben zu verändern. Werden dagegen die beiden Drähte des 
Doppeldrahtzuges durch Umlegen des Signal-Stellhebels in einander 
entgegengesetzter Richtung bewegt (Abb. 8), so drehen sich die 
Scheiben a l a* in gleicher Richtung; dabei kann eich das Rädchen r 
nicht drehen, sondern wird von a 1 d 2 milgenommen. Da das Rädchen r 
auf der Nabe der Verschlufsscheibe e festgekeilt ist, so wird auch 
letztere entsprechend weit mitgenommen und verriegelt dabei die 
Weiche durch Eintreten des Verschlufskranzes in einen Riegel d. 
Beim Zurücklegen des Signalhebels wiederholt sich der gleiche Vor-
	        
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