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Volume Nr. 49

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung. 
487 
Ir. 49. 
Künste und Wissenschaften die Herren Prof. P. Janas en-Düsseldorf, 
Prof. Keller, Prof. Kopp, Prof. Dr. Lemcke, Architekt Neckel- 
mann, Geh. Archivrath Dr. Stälin, sämtlich in Stuttgart, sowie 
Prof. W. v. Lindenschmidt und Prof, v, Rümann, beide in München. 
Einlieferungstag ist der 1. Juni 1892. Das Programm ist vom 
Secretariat des K. Finanzministeriums in Stuttgart zu beziehen. 
Ein Reisestipendium zum ehrenden Andenken an Gottfried 
Semper für deutsche Architekten, welche ihre Fachbildung im wesent 
lichen auf einer sächsischen Lehranstalt für die Baukunde erlangt 
und mindestens ein Jahr lang die Abtheilung für Architekten an der 
Dresdener Akademie der bildenden Künste besucht haben, ist von 
der Stadt Dresden gestiftet worden. Das im Jahre 1892 auszugebende 
Stipendium soll 1600 Mark betragen. Näheres über die Sache finden 
die Leser im Anzeiger Nr. 48^. d. Bl. 
Auf der Burg von Tangermünde sind vor einiger Zeit im Auf 
träge des Herrn Cultusministers durch den dortigen Apotheker Herrn 
Hartwich die Reste der seit langer Zeit vom Erdboden ver 
schwundenen St, Johanniscapelle aufgedeckt worden, Einem Be 
richte Hartwichs über seinen Fund entnehmen wir folgende Angaben. 
Nachdem Kaiser Karl IV. 1378 die Verwaltung der Mark Branden 
burg für seinen minderjährigen Sohn Wenzel übernommen hatte, 
baute er in Tangermünde, wo er sich mit Vorliebe aufhielt, die dort 
vorhandene Burg um und errichtete auf derselben mit grofser Pracht 
an Stelle der wahrscheinlich mit der Burg zerfallenen Capelle 
St. Johannis baptistae et evangelistae eine neue Capelle, die er nach 
dem Muster der Wenzelscapelle im Prager St. Veitsdome und anderer 
böhmischer Bauten mit geschliffenen böhmischen Steinen köstlich 
ausschmücken liefs, reich mit kostbaren Gefäßen und Reliquien aus- 
stattete und 1377 mit einem Collegiatstift verband. Im Jahre 1640 
wurde die Burg von schwe 
dischen Truppen einge 
nommen und zerstört; mit 
ihr wohl auch die Capelle, 
wenn auch noch bis zum 
Jahre 1751 Reste derselben 
sichtbar geblieben sind, an 
denen man die Stellen 
sehen konnte, „da die kost 
baren Steine neben einander 
gesetzet gewesen.“ Nach 
dieser Zeit ist jede Erinne- 
Tung, wo sich diese Capelle 
befunden haben könnte, 
geschwunden. Im Jahre 
1847 wurden Nachforschun 
gen nach ihren Resten vor 
genommen, doch anschei 
nend ohne Erfolg. Die 
Untersuchungen Hartwichs 
begannen 1888. Beim Auf 
graben des inneren Burg 
hofes (vgl. d. Abb.) wurden 
zunächst andere beachtens- 
werthe Reste alter Bau 
werke gefunden, die theil- 
weise der alten, von den Askaniern bewohnten Burg angehört haben 
mögen, und weiter sogar deutliche Spuren einer noch älteren, slavischen 
Ansiedluag an dieser Stelle aufgedeckt. Inzwischen war eine Urkunde 
aufgefunden worden, die Kurfürst Friedrich II. 1465 „in der grünen 
gewelbeten Dornze neden bei der Capellen ober der Silberkammer“ 
ausgestellt hatte, und wonach sich annehmen liefs, dafe die Capelle 
in unmittelbarer Nähe des Burghauses, jetzigen Amtsgerichts, sich 
befunden haben werde. Die Arbeiten führten nun schnell zum Ziele. 
Auf der Nordseite des Amtsgerichts, 6 m von demselben entfernt, 
wurden die Grundmauern eines viereckigen Gebäudes aufgedeckt, 
dessen Seiten je 8,25 m und 9,80 m messen. Sein Inneres war voll 
ständig zerstört und mit Schutt gefüllt, 1 m unter der Erdoberfläche 
befanden sich an der Südseite Reste eines Tonnengewölbes, und 
1,80 m tiefer Theile eines mit rothen, gebrannten Fliesen belegten 
Fufsbodens. Auf der Nordseite hatte das Bauwerk einen gleichfalls 
viereckigen Ausbau, 4,10 m breit und 2,30 m vorspringend, jünger als das 
übrige Gebäude, denn in den Ecken, die dieser Ausbau mit dem Gebäude 
bildete, fanden sich Formsteine mit Ziegelstempeln, die an dem 1470 be 
gonnenen Theile der StephanBkirche in Tangermünde wiederkehren. 
Dafs der Bau die gesuchte Capelle ist, beweisen die in und un 
mittelbar neben demselben gemachten Funde. Unter ihnen befanden 
sich eine vollständige und eine nur noch in Bruchstücken vorhandene 
Altarplatte, die beide im Gebäude selbst lagen, ferner fünf kleine 
Platten geschliffener böhmischer Edelsteine, Carneole und Amethyste, 
theils in, theils neben dem Gebäude, weiter ein Bruchstück einer ge 
schliffenen Platte aus weifsem, rothge&dertem Marmor, zahlreiche 
Stücke gothischer Ornamente und ebensolchen Mafswerks, theilweise 
noch mit Resten von Vergoldung.*) Zwischen der Capelle und dem 
Burghause fand sich ein streckenweise noch erhaltener, gewölbter 
Gang, in den eine Treppe hinabgeführt zu haben scheint. An der 
Nordostecke der Capelle liegt eine mit fünf Stufen abwärts führende 
Treppe, die nach oben in einen neben der Capelle befindlichen Gang 
mündet und unten vielleicht in die in der genannten Urkunde des 
Kurfürsten Friedrich II. erwähnte Silberkammer geführt hat. 
Das Grofsherzogliche Theater ln Oldenburg i. G. ist in der Nacht 
vom 24. zum 25. v. M. abgebrannt. Ueber die Ursache des Feuers 
verlautet, dafs die im letzten Acte des am 24. aufgefübrten Trauer 
spiels „Zryni“ erfolgte Explosion des Pulverthurmes nicht mit der 
nöthigen Vorsicht ausgeführt worden sei. Ob dies zutrifft, wird die 
Untersuchung ergeben müssen, über die wir uns weitere Mittheilung 
Vorbehalten. Das Theater war in den Jahren 1880—81 mit einem 
Kostenaufwand© von rund 400000 Mark durch den damaligen Hof 
baumeister Schnitger erbaut worden. 
Die technische Hochschule in Karlsruhe wird im Winter-Halb 
jahr 1891/92 im ganzen von 640 Theilnehmern besucht. Diese ver 
theilen sich auf die einzelnen Abtheilungen wie folgt: 
Abtheilung 
für 
Aus 
Baden 
Aus 
anderen 
deutschen 
Staaten 
Ans 
anderen 
euro 
päischen 
Staaten 
Aus 
America 
und 
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(Java) 
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Mathematik und Natur 
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Ingenieurwesen.... 
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2 
4 
56 
2 
58 
Maschinenwesen . . . 
65 
4 
168 
5 
51 
— 
5 
289 
9 
298 
Architektur 
27 
2 
25 
2 
7 
1 
l 
60 
5 
65 
Chemie 
36 
2 
48 
4 
29 
1 
1 
— 
114 
7 
121 
Forstwesen 
44 
1 
2 
— 
2 
— 
_ 
48 
1 
49 
Keiner Abtheilung an 
gehörend 
— 
4 
3 
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Zusammen 
213 
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260 
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[578 
32 
610 
Dazu Hörer 
30 
Insgesamt: 640 
^ Aufserdem nehmen an den Vorlesungen über „die italienische 
Malerei des 16. Jahrhunderts“ 66 Damen und Herren Theil. 
Carrets Befestigungsringe. Ein einfaches und, wie es scheint, 
zweckmäfsiges Hülfsmittel zur Befestigung von Bolzen u. dergl. wird 
neuerdings in England in den Handel gebracht. Dasselbe besteht, 
wie nebenstehende, dem Engineering entnommene Abbildung an 
einem Beispiel zeigt, aus einem kegelförmi 
gen, federnden Stahlringe, der in eine Nuth 
des festzulegenden Bolzens eingefügt wird. 
Es soll hierzu ein leichter Druck der Hand 
genügen; auch die Entfernung des Ringes 
soll mit Hülfe irgend eines spitzen Werk 
zeuges leicht und ohne Beschädigung zu 
bewirken sein. Anderseits soll der Ring 
mehr Sicherheit bieten und auch billiger 
anzubringen sein, als der sonst für diesen 
Zweck gebräuchliche Splint. Bei umlaufen 
den Theilen besitzt der Ring aufserdem den Vorzug, dafs sich an 
ihm weniger leicht lose Körper, wie Putzlappen oder die Kleider 
der Arbeiter, fangen. 
Beschäftigung und Bezahlung der Eisenbahn‘Angestellten in 
den Vereinigten Staaten. Dem fünften Jahresbericht des Arbeits- 
Amtes in W ashington sind folgende Angaben über die Beschäftigungs 
und Lohn-Verhältnisse von 241 900 Angestellten 60 grofserer/Eisen 
bahnen der Vereinigten Staaten entnommen. 
Von 10052 Mitgliedern der „Brüderschaft“ der Eisenbahn-Bremser 
wurden im Jahre 1888 infolge von Unfällen im Dienst 53 dienst 
untauglich und 114 getödtet. Von 60 Mitgliedern wird daher eins 
im Jahre getödtet oder dienstuntauglich. Da iu derselben Zeit 
31 Todesfälle aus natürlichen Ursachen vorkamen, so hat von 
4,7 Bremsern nur einer Aussicht, eines natürlichen Todes zu sterben. 
Ein Bremser wird durchschnittlich einmal in 9 Dienetjahren verletzt. 
Von der Gesamtzahl der Angestellten erhielten 17 330 Bezahlung 
für die Meile oder nach Stückarbeit und 224 570 Monats- oder Tage- 
*) Die Funde sind dem altmarkischen. Museum in Stendal über 
wiesen worden. 
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