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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Hr. 48. 
Centralblatt der Bauverwaltung 
471 
liehe Dehnungsmafs um 40 v. H. unter der angenommenen Grenze 
(8 v. H.). Aehnlich ist der Stoff der Flacheisen der Streben, der 
Stehbleche und der wagerechten Platten der Hauptträgergurte be 
schaffen; er erreicht nur im Mittel die Zugfestigkeit, die man in der 
Längsrichtung von Eisensorten dieser Art als Klcinstwerth zu ver 
langen berechtigt ist. Bedeutende Schwankungen zeigen die Dehnungs 
verhältnisse und damit das Arbeitsvermögen dieser Theile. Ihre 
Mittelwerthe bleiben tief unter der zulässigen Grenze; diese wird 
selbst in den Einzelversuchen nur ausnahmsweise erreicht. Die 
Querfestigkeit der Flacheisen, an die in der Regel keine be 
sonderen Anforderungen gestellt werden — obschon sie mit Rück 
sicht auf den Umstand, dafs gerade an den Gurtungsstegen die ge 
spannten Streben hängen, auch angemessene Querfestigkeiten auf 
weisen sollten — ist von höchst zweifelhaftem Werthe. Sie sind 
offenbar aus Packcten ohne Deckel oder Rohschienenlagen über den 
äufseren Stofsfugen gewalzt. Folge hiervon ist das Auftreten der 
zahlreichen, langgestreck 
ten , geradlinigen, an 
den Oberflächen dieser 
Eisensorten auslaufenden 
Schweifsnähte von */2 
bis 1 mm und unganzer 
Stellen bis zu 5 mm 
Tiefe. An solchen Stel 
len sinkt die Querfestig 
keit des Eisens auf einen 
geradezu bedenklich nie 
drigen Werth (in einem 
Fall auf 1 t/qcm, in 
einem zweiten brach der 
Stab während der Zu 
richtung). An einer Gurt- 
platte dieser Art konnte 
das Eindringen des Was 
sers bis auf etwa 7 mm 
Tiefe nachgewiesen wer 
den. Von ebenfalls unter 
geordneter Beschaffenheit 
haben sich die Stehbleche 
der Quer- und Schwellen 
träger erwiesen. Die 
Gröfstwerthe ihrer Festig 
keit und Dehnung, und 
zwar sowohl in der Längs 
ais in der Querrichtung 
liegen tief unter den zu 
lässigen Kleinstwerthen 
der deutschen Vorschrif 
ten; es ist bemerkens- 
werth, dafs die Quer 
festigkeiten sowie die 
Dehnungen selbst die 
französischen Grenzwerthe 
nicht erreichen. 
Besser, ohne jedoch 
die vorsehriftsmäfsigen 
Kleinstwerthe der Deh 
nungen bezw. der Ar 
beitsziffern zu erreichen, 
ist das Eisen der Winkel 
und Gurtplatten der Quer 
träger-V erstärkungen aus 
dem Jahre 1890. 
Fafst man die gewon 
nenen Festigkeits- und Zä- 
higkeitswerthe zusammen, so erscheinen die Eisensorten der Mön- 
chensteincr Brücke mit Ausnahme des Niet-Eisens, der Streben-, 
Hängsäulen-, Quer- und Schwellenträgerwinkel, als minderwerthig und 
für Brückenbauzwecke ungeeignet. Die angetroffenen Längsschweifs 
nähte der breiten Flacheisen, namentlich der Gurtstehbleche, sowie die 
geringen Festigkeitszahlen der Quer- und Schwellenträgerbleche lassen 
die aus ihnen hergestellten Brüekenbestandtheile in einem bedenklichen 
Lichte erscheinen, und erklären zum grofsen Theil die Lage und Form 
der beim Einsturz entstandenen Risse. Zu bemerken ist indessen, dafs 
ausgesprochen alte Anrisse an den über Wasser gelegenen Brücken- 
bestandtheilen nicht gefunden wurden, und die aus dem Wasser ge 
hobenen Bruchflächen eine diesbezügliche Beurtheilung nicht mehr 
gestatteten. Es ist daher auch nicht möglich, den Einsturz aus der 
mangelhaften Beschaffenheit des Eisens allein abzuleiten. 
Die statischen Untersuchungen. Der erste Abschnitt ist 
der Besprechung der Hauptspannungen gewidmet. Die Gröfst 
werthe der Stabkräfte sind unter Zugrundelegung der wirklichen Be- 
lastungswerthe der über die Brücke fahrenden Fahrzeuge — zwei 
dreiachsige Locomotiven zu 66,29 und 66,981, ein Gepäckwagen zu 121 
und ein Personenwagen zu 17,90 t — berechnet, und aus denselben 
und den Querschnittsflächen, sowohl mit wie ohne Abzug der Niet 
löcher, die Einheitsspannungen ermittelt. Wie aus der dem Bericht 
beigegebenen Zusammenstellung zu ersehen, „liegen die ohne Rück 
sicht auf die Nietlöcher berechneten Spannungen meistens unter der 
als zulässig rorgeschriebenen Spannung von 0,6 t/qcm; wo diese Zahl 
überschritten wird, ist die Ueberschreitung eine geringfügige. Werden 
die Nietlöcher von den Querschnittsfläehen abgezogen, so ergeben sich 
Spannungen, welche unter 0,7 t oder nur wenig darüber liegen. Eine 
Spannung des Eisens von 0,7 t entspricht ungefähr einer fünffachen 
Bruchsicherheit und wird bei auf Zug beanspruchten Stäben allge 
mein als zulässig angesehen. Am stärksten (mit 0,75 t) werden die 
senkrechten Hängeisen beansprucht.“ 
Die auf Druck be 
anspruchten Stäbe 
werden noch einer wei 
teren Untersuchung auf 
Knicken unterzogen. Es 
ergiebt sich, „dafs die 
(Druck-) Gurtungen ge 
nügende Stärke besitzen, 
dafs dagegen die auf 
Druck beanspruchten 
Wandstäbe ihrer Auf 
gabe nicht gewachsen 
sind. Ganz besonders ge 
fährdet erscheinen die 
sechste und achte Strebe 
(die bei der gegebenen 
Fahrtrichtung auf Druck 
beanspruchten der beiden 
Mittelfelder). Es ist noth- 
wendig, diesen noch wei 
tere Aufmerksamkeit zu 
schenken“ .... „Die 
Strebe 6 (vom linken Ufer 
aus gezählt) besteht aus 
zwei über Eck gestellten 
Winkeleisen von 8.8.1,1 
cm, die etwa alle 1,2 m 
durch kleine Querbleche 
miteinander vernietet sind. 
Es ist schwer zu sagen, 
ob diese Verbindung im 
Hinblick auf die Knick 
gefahr die Zweitheilig 
keit des Stabes aufhebe. 
Wir wollen indessen die 
jedenfalls zu günstige An 
nahme machen, dafs die 
beiden Winkel gemeinsam 
arbeiten, und dafs daher 
ihr Gesamtträgheitsmo 
ment mafsgebend sei. 
Die Querschnittsfläche des 
Stabes mifst 32,8 oder, 
wenn die Nietlöcher ab 
gezogen werden, 28,4 qcm. 
Das Trägheitsmoment 
wird für eine unter 45° 
gelegte Achse am klein 
sten; es beträgt für diese 
Achsriehtung 305, bei Nietabzug 269 cm 4 . Nach der Eulerschen 
Formel, welche hier anzuwenden ist, kann ein solcher Stab 
71“ E J 
eine Kraft von —-ß— aufnehmen. Setzt man die Stablänge l = 
712 cm und den Elasticitätscoefficienten E = 2000 t, so ergiebt 
sieh die Tragkraft gleich 11,9 bezw, 10,5 t. Bei einer auch 
nur wenig gröfseren Kraft knickt der Stab seitlich aus und 
büfst damit seine Tragfähigkeit zum gröfsten Theile ein. Nach 
dem früheren stieg die Stabkraft am Tage des Einsturzes auf 
10.5 t.“ 
„Aehnlich verhält es sich mit Strebe 8. Sie besteht aus zwei übers 
Kreuz gestellten Winkeleisen von 10.10.1,4 cm. Die Querschnitts 
fläche mifst 52,1 bezw. 46,5 qcm, je nachdem man die Nietlöcher ver 
nachlässigt oder abzieht. Das kleinste Trägheitsmoment beträgt 
75.5 bezw. 67,4 cm 4 . Die Tragkraft ergiebt sich hiernach gleich 29,4 
bezw. 26,2 t, während die Beanspruchung auf 27,9 t anwuchs. Die 
Hoizstich y. O. Ebel, Berlin. 
Ratlxhaus in Gelsenkirchen. 
Abb. 2. Entwurf von Erdmann u. Spindler - Berlin (I. Preis). 
Südost-Ansicht.
	        
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