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Volume Nr. 46

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Ir. 46. 
Centralblatt der Banverwaltung. 
453 
ganzen werden eich gutes Holzpflaster und gutes Asphaltpflaster die 
Wage halten. Bei gleichen Preisen verdient unseres Erachtens aus 
national-wirtschaftlichen Gründen Holzpflaster den Vorzug. Beim 
Asphalt sind wir im wesentlichen auf das Ausland angewiesen. Beim 
Holzpflaster ist es der Stadt Paris schon nach wenigen Jahren 
gelungen, geeignetes einheimisches Holz zu finden. Dies wird sicher 
auch in Deutschland der Fall sein. 
Ob unser einheimisches Buchenholz hierbei in Frage kommen 
wird? Wir können diese Frage einstweilen noch nicht beantworten. 
Es ist bekannt, in welchen außerordentlichen Mengen dieses Holz 
in Deutschland vorhanden ist, und der Staat als Waldbesitzer ist in 
hohem Grade dabei betheiligt. Im ganzen ist aber die Verwendung 
des Buchenholzes noch nicht aus den Versuchen heraus. In Berlin 
verwies man das Buchenholz jahrelang ausschließlich auf Geleis 
Die Bautätigkeit des preußischen 
während des 
Aus den von den Regierungen erstatteten Jahresberichten ergeben 
sich für das Jahr 1890 im ganzen 675 Hochbau-Ausführungen 
gegen 525 im Jahre 1889. In diesen Zahlen sind alle Neubauten, 
Erweiterungs-, Wiederherstellungs- und Umbauten enthalten, sofern 
deren Anschlagssumme für das Hauptgebäude einer Anlage die Höhe 
von 10000 JC erreicht oder überschreitet. Neu begonnen wurden 
380 Bauwerke (298 im Vorjahre), fortgesetzt 245 in früheren Jahren 
angefangene. Vollendet wurden im Jahre 1890 von den neu begonnenen 
Bauten 106 und von den fortgesetzten 184. Unter den 285 unvollendet 
gebliebenen Bauwerken befinden sich auch einige, welche zwar bau 
lich fertiggestellt, aber im laufenden Jahre noch nicht vollständig 
abgerechnet werden konnten. 
Nach Gattung und Bestimmung gesondert sind in der oben ge 
nannten Zahl von 575 Bauwerken enthalten: 
46 Kirchen (darunter Kirche für die Nazareth-Gemeinde in Berlin, 
419 000 und Erlöser-Kirche in Rummelsburg bei Berlin, 
244000 JC); 
15 Ministerial- und Regierungsgebäude (darunter der Seitenflügel 
dos für Zwecke des Königl, Handels-Ministeriums und der 
Porcellan-Manufactur bestimmten Gebäudes, Leipzigerstrafse 
Nr. 2 in Berlin, 122000 JC, das Dienstgebäude für die Elb- 
strom-Bauverwaltung in Magdeburg, 203 700 J(, und das Dienst 
gebäude für das Consistorium in Münster, 164000 JC); 
2 Schlösser betreffende Bauten (Um- und Wiederherstellungs- 
bauten); 
28 Geschäftshäuser für Gerichte (darunter das amtsgerichtliche 
Geschäfts- und G efängnifsgebäude in Pr. Stargard, Regierungs 
bezirk Danzig, 452 000 Jt-, desgl. in Lublinitz, Regierungsbezirk 
Oppeln, 477 500 JK, das Geschäftshaus für das Oberlandesgericht 
in Kiel, Regierungsbezirk Schleswig, 400 000 JC, das Geschäfts 
gebäude für das Oberlandes- und Amtsgericht in Hamm, Re 
gierungsbezirk Arnsberg, 782 800 JC, die amtsgerichtlichen Ge 
schäftsgebäude in Crefeld und in Kempen, beide Regierungs 
bezirk Düsseldorf, 367 500 bezw. 115 000 Jt); 
3 Gebäude für wissenschaftliche Anstalten und Sammlungen 
(darunter das meteorologische Observatorium und das Obser 
vatorium für Winkelmessungen auf dem Telegraphenberge bei 
Potsdam, 296 000 JC bezw. 129 000 Jt); 
1 Baudenkmal; 
anlagen, und erst die Pflasterungen der Kaiser Wilhelmbrücke und 
am Bethanienufer dürfen als entscheidende Versuche angesehen 
werden. 
Es entsteht aber jetzt die neue Frage: wie wird sich die Buche 
bewähren, wenn sie in Pariser Weise als Pflaster verwendet 
wird? In Paris ist Buchenholz im Pflaster bis jetzt nicht benutzt 
worden. Die Frage ist also noch zu beantworten. Zu beachten ist 
allerdings dabei, daß in Bezug auf die Holztränkung dem Pariser 
Verfahren ohne Hochdruck kaum zu folgen sein wird. Sollte aber 
diese Frage, sei es auch unter entsprechender Abänderung des 
Gesamtverfahrens, zu einer bejahenden Antwort führen, so würden 
wir dies als das denkbar erfreulichste Ergebnifs unserer Studienreise 
ansehen. Wir hoffen aber, daß unsere Beobachtungen auch an sich 
für die Holzpflasterfrage von einigem Nutzen sein werden. 
Staates im Geriete des Hochbaues 
Jahres 1890. 
5 Bauten für technische Lehranstalten und Fachschulen; 
3 Eichämter; 
32 Anlagen für Universitätszwecke (darunter das pathologisch 
pharmakologische Institut in Königsberg, 260 285 Jt, und das 
mineralogische Institut daselbst, 121425 Jt, der Erweiterungsbau 
der Universitäts-Bibliothek in Greifswald, 160 550 JC, die Klinik 
für Hautkrankheiten in Breslau, 280000 JC, das pathologische 
Institut daselbst, 204 000 Jt, und die Regelung des Geländes für 
die klinischen Neubauten daselbst, 264420 Jt, das mineralogische 
Institut, 128 800 Jt, und der Erweiterungsbau der chirurgischen 
Klinik in Marburg, 101 700 JC, die Universitäts-Bibliothek in 
Bonn, 359 300 Jt); 
10 Gymnasien und Realschulen (darunter das Gymnasium in Pader 
born, Regierungsbezirk Minden, 144000 JC); 
9 Seminare (darunter der Umbau des Seminars in Büren, Re 
gierungsbezirk Minden, 267 660 JC); 
4 Turnhallen; 
48 Pfarrhäuser; 
114 Elementarschulen; 
3 Krankenhäuser; 
4 Bauten für Bäder (darunter das Schlammbadeh&us in Nenn 
dorf, Regierungsbezirk Cassel, 3Q390Q Jt); 
22 Gefängnifs- und Strafanstaltsbauten (darunter das Central- 
gefängnifs für die Provinz Posen in Wronke, 2100 000 JC, das 
Centralgefängniß für jugendliche Gefangene in Gr. Strehlitz, 
Regierungsbezirk Oppeln, 520 000 JC, und das Arresthaus in 
Düsseldorf, 1497 000 JC); 
3 Steueramtsgebäude; 
5 Grenzbeamtenwohnhäuser; 
13 Wohngebäude für Oberförster; 
67 Wohngebäude und Gehöfte für Förster; 
11 Wohnhäuser für Pächter auf Königlichen Domänen; 
26 Familienhäuser für Königliche Domänen; 
6 Wirthschaftsgebäude; 
30 Scheunen; 
36 Stallgebäude; 
7 Gebäude für technischen Betrieb; 
11 Bauten für Königliche Gestüte; 
11 Hochbauten im Gebiete des Wasserbaues. Hz. 
Die Wasserstraßen in Frankreich. 
Unter diesem Titel ist soeben eine Druckschrift im Buchhandel 
erschienen,*) die einen Auszug aus einer vortrefflichen Arbeit bringt, 
welche der auch vielen unserer Leser bekannte Oberingenieur H o 11 z 
in Paris auf Grund amtlicher Quellen dem internationalen Schiffahrts- 
congreß in Manchester im Jahre 1890 über den „Zustand, den 
Betrieb und die Betriebskosten der SchiffahrtBstr&fBen in 
Frankreich“ vorgelegt hat. Verfasser derselben ist der Baurath 
Doell in Saarburg i. L., der sich nicht damit begnügt hat, die 
Holtzschen Darlegungen im Auszug zu verdeutschen, sondern auch 
noch Betrachtungen und Nutzanwendungen für die deutschen Ver 
hältnisse beigefügt hat. Indem wir auf die Schrift verweisen, ent 
nehmen wir derselben folgende Mittheilungen. Die Geschichte 
des französischen Canalbaues erstreckt sich schon über drei Jahr 
hunderte. Sie beginnt 1639 mit dem Canal von Briare, der die 
Loire mit der Seine durch das Thal des Loing verbindet, und 
*) Die Wasserstrafsen in Frankreich. Nach einem Berichte 
des Oberiugenieurs Holtz in Paris von Baurath Doell in Saarburg i. L. 
Berlin 1891. Wilh. Ernst u. Sohn. 22 S. in gr. 8°. Preis IMark. 
endet unter der dritten Republik mit dem Bau des Ostcanals, der 
gegen 500 km lang sich von der belgischen Grenze bis zur Saone 
erstreckt. Wir sehen in dem Werden und Wachsen des Netzes der 
französischen Schiffahrtssttaßen sich die Schicksale Frankreichs 
widerspiegeln. In der Feudalzeit wurden Canalconcessionen als ein 
trägliche Geldquellen mit hoher, mittlerer und niederer Gerichts 
barkeit als herrschaftliche Lehen vergeben, die Erbauer des Canals 
von Briare geadelt. Bis zum Beginn der französischen Revolution 
waren für 1770 km Canäle Bauconcesßionen ertheilt worden, wovon 
aber nur gegen 1000 km mit Schiffen befahren werden konnten. Die 
große Revolution hob die Canalconcessionen als eine Veräußerung 
öffentlichen Eigenthums auf. . Ein Gesetz vom 20. Mai 1802 schrieb 
die Erhebung von Schiffahrtsabgaben vor, deren Ertrag der Fluffl- 
oder Canalstrecke zu gute kommen sollte, für deren Benutzung sie 
entrichtet worden waren. Den gröfsten Theil der erhobenen Gelder 
verschlangen aber die Kriege Napoleons L; derselbe verkaufte sogar 
zur Unterhaltung seiner Armeen fünf andere Canäle. Wurden auch 
unter seiner Regierung für etwa 1000 km Canäle Vorstudien gemacht, 
so wurden doch nur 200 km davon dem Verkehr überliefert.
	        
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