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Volume Nr. 46

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
14. November 1891. 
zogen und steht leer. Die aus Ruhrkohlensandstein bestehenden 
Aufsenwände sind derart verwittert, dafs ein Erhaltungs- oder Wieder 
herstellungsbau nicht anders zu ermöglichen wäre, als durch Nach 
bilden der alten Formen mit neuen Steinen. Dazu konnten sich die 
städtischen Behörden aber um so weniger entschliefsen, als der un 
gefüge Steinkolofs jede verständige Verwerthung des inzwischen durch 
Ankauf von 8 Nachbarhäusern erheblich erweiterten, immerhin aber 
verwickelten und schwierig auszunutzenden Bauplatzes unmöglich 
macht. Bereits 1847 wurde ein Neubau angeregt, 1868 sogar ein 
öffentlicher Wettbewerb für die Gewinnung von Plänen auf dem 
damals beschränkteren Bauplatz eröffnet. Mit der Erfüllung der Be 
dürfnisse einer Einwohnerzahl von 50000 glaubte man damals weit 
genug gegriffen zu haben. 1869 wurde nach langen Verhandlungen 
mit dem damaligen Conservator der Kunstdenkmäler, v. Quast, seitens 
des Ministeriums die Erlaubnifs zum Abbruch des alten Baues er- 
theilt. Ungünstige Steuerverhältnisse und sonstige städtische Be 
dürfnisse verzögerten aber die Ausführung eines Neubaues wiederholt. 
Die Verwaltung mufste in 
verschiedenen Häusern un 
tergebracht werden, welche 
theils im Besitze der Stadt 
stehen, theils gemiethet, 
fast ausnahmslos aber zu 
Verwaltungsräumen wenig 
geeignet sind. Sowohl die 
mit solchem Nothbehelf 
verbundenen Erschwerun 
gen des Dienstes, als auch 
das stetig anwachsende Be 
dürfnis der auf 90 000 Ein 
wohner gewachsenen Stadt 
drängten nun wieder seit 
Jahren zum Bau eines 
neuen Rathhauses für die 
werdende Grofsstadt. Wies 
der geschichtliche Sinn auf 
Beibehaltung des alten, 
durch eine ruhmreiche 
Vorgeschichte geweihten 
Platzes hin, und war der 
Entschluf8,den ehrwürdigen 
Bau, der über sechs Jahr 
hunderte das Marktgetriebe 
und Freud und Leid der 
Einwohner an sich vorbei 
ziehen gesehen hat, zu ent 
fernen, ein schwerer, so 
wurden doch die bereits 
erwähnte Behinderung des 
Platzes für den Neubau 
und der fast unerkennbare 
Zustand der Architektur- 
theile der erhaltenen Reste 
dafür bestimmend, die Be 
seitigung zu beschliefsen. 
Nachdem durch vorläufige 
Bearbeitung von Grundrifs- 
plänen dargethan war, dafs 
auf dem erweiterten und 
durch Abbruch der behin 
dernden alton Häuser frei 
zu legenden Platze am 
Markt der gröfste Theil der 
Verwaltung und die für 
städtische Zwecke erforderlichen Säle für lange Zeit hinaus reichlich 
untergebracht werden könnten, wurden im letzten Jahre die Grund 
risse durch das städtische Bauamt eingehender dahin bearbeitet, dafs 
in dem Neubau die gesamte Verwaltung, mit Ausnahme der Polizei - 
und Bauverwaltung, wie auch die Sitzungssäle, ein grofser Bürger- 
öaal und die für die Zukunft zur Verfügung zu haltenden Räume 
untergebracht werden sollen. Die eigentümliche Gestaltung des 
Bauplatzes, die Kenntnifs aller Nebenrücksichten, und die eigen 
artige Gruppirung der Verwaltungszweige gaben Veranlassung, 
die Aufstellung der Grundrifspläne dem Bauamt zu überlassen 
und nur die künstlerische Ausbildung der Schauseiten, der Saal- 
und Treppenhausräume zum Gegenstände eines engeren Wett 
bewerbes unter bewährten Künstlern zu machen. Die Absicht, den 
Neubau im Stile des alten Gebäudes und mit möglichster Anleh 
nung an die herübergeretteten Formen auszuführen, war bestimmend 
für die Auswahl der Bewerber. Hiervon ausgehend, wurden die 
Gothiker Keim in Dortmund, v. Schmidt in München, Stier in 
Hannover, Vollmer in Berlin und Wiethasc in Köln zum Wett 
bewerb aufgefordert, nachdem Prof. Schäfer in Berlin die Betheili 
gung wegen Erkrankung abgelehnt hatte. Die Aufgabe war soweit 
in bestimmte Grenzen gefafst, als die bereits ausgearbeiteten Grund 
risse als mafsgebend beibehalten und Abweichungen von denselben 
nur in unwesentlichen Dingen, soweit es die zu wählende architek 
tonische Gliederung erforderlich mache, gestattet werden sollten, 
Für die allgemeine Formengestaltung der Architektur sollten, wie 
bereits erwähnt, die Motive des alten Baues möglichst wieder ver 
wendet werden. Um an der einen Seite den Absehlufs gegen ein 
Privathaus (die Krone) zu bilden, welches nicht erworben werden 
konnte, soll ein Thurm angeordnet werden, der sich in seinen Formen 
als Rathhaustliurm zu erkennen giebt. Die Bewerber hatten zwei 
Schauseiten, Markt und Wifsstrafse, und die Innenarchitektur der 
Säle und des Treppenhauses zu bearbeiten, wofür eine Vergütung 
von je 500 Mark ausgesetzt war sowie die Anwartschaft auf die 
Zuerkennung eines ersten Preises von 1500 Mark und zweier zweiten 
Preise von je 1000 Mark. 
Die nebenstehende Ab 
bildung des Grundrisses 
vom Erdgeschosse nach 
der Bearbeitung des Bau 
amtes ergiebt die Anord 
nung der Haupteingänge, 
die Ueberbauung der Bal- 
kenstrafse, die Lage der 
Lichthöfe. Das erste Ober- 
geschofs soll vorzugsweise 
Verwaltungsräume und den 
Sitzungssaal des Magistrats 
enthalten, Ira zweiten Ober- 
gesebofs sind aufser weite 
ren Verwaltungsräumen ein 
Vorsaal, ein grofser Bürger 
saal von 370 qm Grund 
fläche und der Saal für 
die Stadtverordneten - Ver 
sammlung an der Markt 
seite im Zusammenhänge 
angeordnet. 
Die am ll. v. M. zu 
sammengetretenen Preis 
richter erkannten, wie auf 
S. 420 d. Bl. bereits mit- 
getheilt, den ersten Preis 
dem Architekten Wiet- 
hase, die zweiten Preise 
den Herren Prof. H. Stier 
und Arch. Vollmer zu und 
erklärten zugleich, dafs sie 
unter Vorbehalt unbeträcht 
licher Aenderungen die 
Ausführung des Baues nach 
dem Wietliaseschen Ent 
würfe sowohl wie nach den 
im wesentlichen beizube 
haltenden Grundrissen des 
Bauamtes warm empfehlen 
könnten. 
Ueber die Arbeit Wiet- 
hases, von der wir eine 
Abbildung der Hauptschau 
seite auf Seite 451 bringen, 
äufsern sich die Preisrichter 
wie folgt: „Abweichend von allen übrigen besitzt dieser Entwurf den 
besonderen Vorzug, dafs er die ganze Marktschauseite in fünf Achsen 
in allen Geschossen durchführt; unten fünf Arcaden, darüber ein 
vergleichsweise niedriges Gescliofs für die Geschäftsräume und im 
schönen Gegensätze dazu die wuchtigen Fenster der Fest- und 
Sitzungssäle, durch halbrunde Thürme wirkungsvoll hervorgehoben. 
Auch der an der Seite stehende Hauptthurm ist richtig abgemessen 
und in seinen unteren Theilen in wohltliuender Schlichtheit behandelt. 
Auch verdient das Bestreben des Verfassers, locale Architekturmotive 
mehrfach und geschickt zu verwenden, volle Anerkennung.“ 
Der Vollmersche Entwurf enthält aufser anerkennenswerther 
Leistung in der Darstellung und Formenbildung auch einen von 
den Preisrichtern zur Benutzung empfohlenen Abänderungsvorschlag 
für die Gestaltung des Typenhauses in den Grundrissen, Schliefs- 
lich sei noch erwähnt, dafs die Absicht besteht, die Marktschauseite 
des alten Baues oder deren wesentlichste Theile an geeigneter Stelle 
wieder aufzurichten Und zu erhalten. —a — 
A Eingangshalle. 
B Kanzlei i 
C Vorsteher > Standesamt. 
D Trauungen f 
E Pförtner. 
F Für alte Register. 
Q Vorzimmer. 
H Halle. 
J Kanzlei 1 
K Vorsteher > Bureau 11b, 
L Wartezimmer J 
M Wohn- u. Schlaf 
zimmer 
N Kammer 
0 Küche 
P Speisekammer 
des 
Itath- 
liaus- 
Wärters. 
Q u. Qi Durchfahrten. 
R S Kämmereikasse. 
T Kämmereikasse, Ausgabe. 
U Tresor. 
V Kämmereikasse, Einnahme. 
W Halle. 
X Treppe zur Sparkasse, 
a Eingänge zum Ratliskeller. 
Bathhausneubau in Dortmund. 
Grundrifs vom Erdgeschofs. (Vom Bauamte aufgestellt.)
	        
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