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Volume Nr. 41

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
10. October 1801, 
und nur dadurch ermöglicht worden ist, dafs man in der ersten Zeit 
das Eis zersägte und später sprengte. Der tägliche Fortgang betrug 
im Mittel 1200 m. Im ganzen wurden 838 Schüsse abgefeuert, welche 
5026 kg Pulver erforderten. 
Nach den Erfahrungen konnte also der Nordsee-Canal durch 
starke Seedampfer allein nicht offengehalten werden. Wenn auch 
das beste Mittel zur Offenhaltung eines Canales bei Eiszeiten in dem 
fortwährenden Auf- und Abfahren von Dampfern besteht, so erscheint 
dieses Mittel doch nur so lange von Erfolg, als Beschädigungen der 
selben nicht zu befürchten sind. Bleibt ein Dampfer infolge Brechens 
der Schraube im Eise stecken, so ist die Rinne gesperrt, wie solches 
sich auf dem Nordsee-Canal öfters ereignete. 
Es erscheint daher für solche Eisstärken wie die genannten 
die Verwendung von sehr starken und zweckmäfsig gebauten Eis 
brechern, bei welchen Beschädigungen möglichst ausgeschlossen sind, 
als unerläfslicb. v. H. 
Vermischtes. 
Für die St. Lambertuskirche in Düsseldorf ßtellt der Kirchen 
vorstand der Pfarrgemeinde die nachfolgenden Aufgaben zur Preis 
bewerbung. Anzufertigen sind Pläne: 1) zu dem Hochaltäre, 2i zur 
Ergänzung der Stirnseiten des Chorgestühls, 3) zu dem Altäre „Der 
Mutter Gottes in der Noth“, 4) zu einer Communionbank, welche im 
Anschlüsse an das vorhandene Chorgestühl und im Geiste desselben 
zu entwerfen ist. Die Preise betragen 1000, 700 und 300 Mark. 
Unter den Preisrichtern befinden sich die Herren Dr. A. Reichen- 
sperger, der Herausgeber der Zeitschrift für christliche Kunst Dom- 
capitular Schniitgcn, und Baurath Vinc. Statz. Die näheren Be 
dingungen des Ausschreibens können vom Präsidenten des Kirchen 
vorstandes, Herrn E. v, Bouverot in Düsseldorf kostenfrei bezogen 
werden. Einlieferungstag ist der 15. Januar 1892. 
Zu dem Aufsatze „Fiorinis Prospectograph** in Nr. 38 d. Bl. 
erhalten wir die nachstehende Zuschrift: 
Auf Seite 370 des gegenwärtigen Jahrgangs d. Bl. ist der vom 
italienischen Ingenieur Fiorini erfundene Prospectograph einer Be 
sprechung unterzogen, welche zu der Annahme führen könnte, als hätte 
der Erfinder über die Leistungsfähigkeit seines Gerätbs unklar lassen 
wollen. Ans den Erläuterungen, welche er gelegentlich der Archi 
tekturausstellung in Turin und später im hiesigen Ingenieurverein 
gegeben hat, ebenso aus seinen Veröffentlichungen in den „Annalen“ 
dieses Vereins und in der Turiner Zeitschrift „L’Ingegneria civile e 
le Arti industriali“ habe ich jedoch diesen Eindruck nicht gewonnen. 
Dafs der Prospectograph nur die schaubildliche Darstellung einer 
Anzahl von Schichten (di una serie di piani paralleli) liefert, hat 
Fiorini keineswegs „vertuscht“. Nur ist er der Meinung, es sei das 
fUr den praktischen Gebrauch ausreichend, da sieh die vom Geräth 
nicht unmittelbar aufgezeichneten Linien mit dem Lineal oder aus 
freier Hand leicht und sicher ergänzen liefsen. Der Aufrifs eines 
schaubildlich darzustellenden Bauwerkes kann auch, wie der Erfinder 
besonders hervorhebt, durch einen senkrechten Schnitt ersetzt werden. 
„Ueberflüssig“ ist er aber doch nicht, dient vielmehr dazu, den 
senkrechten Abstand der einzelnen Schichten im Schaubild zu er 
halten und sofort zu übersehen, wo man die fehlenden Linien ein 
zeichnen mufs. 
Der Hauckaehc perspectivische Apparat war Fiorini allerdings 
nicht in der jetzigen Construction, „die wahrscheinlich in der Kürze 
veröffentlicht werden wird“, sondern nur' in der Form von 1884 be 
kannt. Gegeh diesen letzteren, theoretisch vollkommeneren, für den 
Handgebrauch aber weniger geeigneten Apparat glaubt Fiorini in 
praktischer Beziehung einen Fortschritt gemacht zu haben. Er ver 
hehlt durchaus nicht, dafs er zu Gunsten der leichteren Handlichkeit 
auf die gröfsere Vollständigkeit des Zeichengeräths verzichtet hat. 
Ueber den Werth der Erfindung kann sich jeder Leser der Mit- 
theilungen auf S. 370 d. J. sein eigenes Urtheil bilden. Um gerecht 
zu bleiben, möchten jedoch, wie gesagt, die Schlufsbemerkungen 
dahin berichtigt werden, dafs „eine Vertuschung des wahren Sach 
verhalts“ dem Erfinder des Prospectographen gewifs fern gelegen hat. 
Rom, im Oetober 1891, H, Keller. 
Eisenbahnfahrt eines Torpedobootes durch Frankreich. Der 
Wunsch, die kleineren, zur Küstenvertheidiguog bestimmten Kriegs 
fahrzeuge trotz einer etwaigen Sperrung der Meerenge von Gibraltar 
nach Bedarf sowohl an den nördlichen als auch an den südlichen 
Küsten zu verwenden, hat die französische Regierung bewogen, einen 
Versuch mit der Ueberführung von Torpedobooten über das Binnen 
land zu machen. Die zunächst erprobte Benutzung des Wasserweges 
(Seine, Yonne, Canal von Burgund, Saone, Rhone mit 1300 m Länge 
und 0,9 m geringster Tiefe bei 38,5 zu 5,20 m kleinster Schleusen 
fläche) ging zwar ohne Unfall vor sich, erforderte aber 26 Tage 
Fahrzeit und erschien wegen der störenden Einflüsse besonders 
niedriger oder hoher Wasserstände nicht ausreichend sicher. Man 
verfiel daher auf die Benutzung der Eisenbahnen. Nach mannig 
fachen Berechnungen und Versuchen wurde dann in der That ein 
401 schweres, 33 m langes und 3,4 m breites Torpedoboot auf be 
sonders zu diesem Zwecke erbauten Fahrzeugen (einem Wagen mit 
zwei dreiachsigen Drehgestellen unter der Mitte und einem zweiachsigen 
Schutzwagen unter dem Heck des Bootes) von Toulon nach Cher 
bourg geschafft. Die Fahrt dauerte 6 Tage und 13 Stunden; sie 
ging vollständig nach Wunsch und ohne die geringste Beschädigung 
des (sehr dünnwandigen) Bootes von statten. Der Leiter des Unter 
nehmens, Generalinspector der Brücken und Chausseen Partiot, hat 
dasselbe in einem vor kurzem erschienenen Schriftchen eingehend 
beschrieben und durch zahlreiche Berechnungen und Abbildungen 
erläutert, sodafs das Buch dem Eisenbahnfachmann als Muster für 
die Lösung ähnlicher Aufgaben dienen kann.*) 
W* Loeillot de Mars +. Am 19. September d. J. starb in Berlin 
im Alter von 86 Jahren der Architektur-Lithograph K. F. Wilhelm 
Loeillot de Mars. Mit dem Hinscheiden dieses ausgezeichneten 
Meisters hat die Kunst des Steindruckes und insbesondere der 
farbigen Architektur-Lithographie einen ihrer hervorragendsten Ver 
treter verloren. Ursprünglich für das Baufach bestimmt, hatte 
Loeillot bereits die Staatsprüfung als Feldmesser bestanden, als der 
Vermögensverfall seines elterlichen Hauses in Stettin — der Vater 
war dort Steuerrath — ihn nöthigte, Anfang der zwanziger Jahre in 
Berlin eine zeichnerische Thätigkeit zu suchen. Hier hatte damals 
die nicht lange zuvor erfundene Lithographie ihren Einzug gehalten. 
Loeillot widmete sich der neuen Kunst und fand zunächst Beschäf 
tigung für verschiedene Berliner Kunsthandlungen. Dabei wurde 
Schinkel auf ihn aufmerksam, erkannte sein Talent und gab ihm bei 
Herausgabe seiner „Akropolis“ und „Orianda“ Gelegenheit, Proben 
seiner Geschicklichkeit abzulegen. Die unter den Augen Schinkels 
erzielten Erfolge bestimmten Loeillot, sich ganz der Architektur- 
Lithographie zu widmen, und es begann nun die Zeit, in welcher auf 
diesem Kunstgebiete eine lange Reihe hervorragender Leistungen aus 
den Händen des Verstorbenen hervorgegangen ist-. Angeführt seien 
nur seine Arbeiten für das Lepsiussche Werk über Aegypten und 
für v. Quasts Denkmäler der Baukunst, ferner die bekannten Hilde- 
brandtschen Aquarelle, vor allem aber die zahlreichen Farbendrucke, 
welche er für die umfassenden Unternehmungen der Verlagshandlung 
Ernst u, Korn fertigte, und unter denen hier besonders Stülers Schlofs 
Schwerin, Spielbergs Siena, Salzenbergs Hagia Sophia sowie endlich 
die zahlreichen farbigen Blätter genannt seien, welche Loeillot unter dem 
Einflüsse Gropius', Lucaes, Spielbergs u. a. für das „Architektonische 
Skizzenbuch“ fertigte. — Erst im Anfänge des Jahres 1880 legte der 
Verewigte den Zeichenstift aus der Hand, den er über 50 Jahre lang 
mit unermüdlichem Eifer und mit einem Erfolge geführt hatte, wie 
wenige neben ihm. 
Neue Patente. 
Backofen mit niederlegbarem Rost* Patent Nr. 57 940. Joseph 
Lenski in Kempen. — Der Rost D hat während des Heizens die in 
der Abbildung punktirt gezeichnete Lage. Die Flammen schlagen in 
den Herdraum A, und Rauch und Verbrennungsgase ziehen durch 
die Canäle a und b in den Schornstein. Ist der Herd genügend er 
wärmt, so wird der Rost D in die ausgezogen gezeichnete Lage 
niedergeklappt, der Herd ausgewischt, und es kann mit dem Ein 
schieben der Backware begonnen werden. Dieser Rost giebt also, 
obwohl unmittelbar hinter dem Mundloch angeordnet, doch nach dem 
Anheizen den vollen Arbeitsraum frei. 
*) Partiot, Transport d’un Torpilleur, Paris 1891. Librairie 
polytechnique, Baudry et Co. 
Verlag von Wilhelm Ernst fc Sohn, Berlin. Für die Redaction des nichtamtlichen Theiles verantwortlich: Otto Sarrazin, Berlin. Druck von J.Kerskes, Berlin.
	        
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