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Volume Nr. 40

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung, 
3. Oetober 1811. 
Was wir an Entwürfen kennen, ist im einzelnen folgendes: 
1) Nummer 42—45 der BröbesBchen Prospecte 17 ), 2) der Fayaden- 
aufrifs, den Wallö bereits veröffentlicht hat 18 * * * * ), den wir aber 
in genauerer, dem Originale unmittelbar nachgebildeter Dar- 
3tellung iy ) heute unsern Lesern bieten und den wir mit A 1 be 
zeichnen wollen, 3) der Grundrifs, bei Wallö auf Seite 442 an 
zweiter Stelle, der A 2 heifsen möge, da er unzweifelhaft zu A 1 
gehört 80 ), 4) der Fa^adenaufrifs, den wir heute“ zum ersten Male 
an das Licht bringen 81 ), der zu einem guten Drittel wirklich zur 
Ausführung gelangt ist und den Namen B 1 erhalten kann, 5) der 
Grtindrifs zn B1, also B 2 zu nennen, bei Wallö auf Seite 442 an 
oberer Stelle 98 ), 6) der Grundrifs für das Erdgescbofe des Mittel 
baues, bei Walle auf Seite 23, unstreitig auf Bl u. 2 zu beziehen, 
und endlich 7) die hier nicht in Betracht kommenden Pläne, die den 
Zustand des Schlosses im Jahre 1712 darstellen. 23 * * * * ) Sie alle sind, 
wie wir sogleich näher sehen werden, in zwei Theile zu gruppiren; 
den einen bilden die Bröbesschen Prospecte, den anderen sämtliche 
übrigen. 
Nach dem, was wir sonst über Bröbes wissen, darf es uns nicht 
verwundern, dafs uns Unklarheiten und Widersprüche aufstofseu, 
wenn wir die von ihm veröffentlichten Königsberger Schlofspläne 
untereinander vergleichen. Nr. 42 stellt die Aufsenfront des neu zu 
errichtenden Östflügels dar, eine im wesentlichen glatte und gerade 
Mauerfläche mit 21 Fenstern, die Mitte belebt durch vier korinthische 
Säulen und dreieckigen Dachgiebel. Die früheren Bauten sind voll 
ständig verschwunden, nur die Stelle des — übrigens recht schmalen 
— Einfabrtsthores erinnert noch an sie; dieses ist also seitlich an 
gebracht. Auf das DacbgeBims vertheilt sind 12 freistehende Stand 
bilder und 8 Vasen. Im Vordergrund des Prospektes sieht man die 
mächtigen Bogenstellungen einer schräg angelegten Brücke, die 
über den schlechten morastigen Grund und Boden bequem zur Stadt 
fühiren sollte. Nr. 43 zeigt uns die Innenfront eines neu zu erbauen 
der! Siidflngels, wiederum glatte Mauer, in der Mitte Treppe, drei 
ruqdbogige Portale und oben Dreieck-Giebel, in der Ecke einen 
niedrigen Thurm; da nur die Südseite gemeint sein kann, so wird 
nicht zu bestreiten sein, dafs sie erheblich zu kurz gerathen ist. 
Nr.- 44 führt uns die Innenfront des Ostflügels (s. Nr. 42) vor, gleich 
falls einfach, aber dadurch bemcrkenswertb, dafs man aus ihr erkennt, 
dafs an einen Neubau des Nordflügels nicht gedacht wurde 31 ) und 
dafs die bei Nr. 42 erwähnte Thoreinfahrt sich in der That an die alte, 
jetzt noch bestehende anschlofs. Nr. 45 giebt uns den Grundrifs des 
Schlosses mit der Jahreszahl 1701, merkwürdigerweise tritt aber 
hier an Stelle der unter Nr, 42—44 gedachten Neubauten ein ganz 
anderer, kleinerer, der nur die südlichen zwei Drittel des Ostflügels 
umfafst; ob die feinen geraden Linien, in denen Walle den Grundrifs 
für einen Neubau des gesamten Schlosses sehen will, wirklich so 
gedeutet werden müssen, oder ob sie nicht vielmehr nur zur zeich 
nerischen Orientirung dienten, lasse ich dahingestellt sein. 
Wann und von wem diese Pläne entworfen sind, welche Stellung 
sie in dem königlichen Bauprogramm eingenommen haben und ob sie 
überhaupt je ernstlich in Frage gekommen sind, entzieht sich völlig 
meiner Kenntnifs, die schriftliche Ueberlieferung berichtet uns von 
ihnen kein Wort. Möglich, dafs dereinst ein glücklicher Archivalien 
fund die Frage löst; für jetzt mufs sie offen bleiben und nur das 
eine ist sicher, dafs sie zur Zeit der eigentlichen Baüthätigkeit nicht 
die mindeste Holle spielen und von den von mir äls A und B be- 
zeiebneteü Entwürfen iq jeder Hinsicht grundverschieden sind, ins 
besondere auch nicht für diese als Vorarbeit oder Grundlage benutzt 
wurden. 
17 ) J. B. Bröbes, Prospecte der Palläste und Lustschlösser Seiner 
Königlichen Majestät in Preufeen (Vue des palais etc.). Augs 
burg, 1733. 
,s ) Wochenblatt für Baukunde 1885 Nr. 89. 
iy ) Staatsarchiv Königsberg, Platte Nr. 458. 
*°) Staatsarchiv Königsberg, Pläne Nr. 456. Ein zweites Exemplar 
im Königlichen Hausarchiv 
*i) Ebenda Nr. 664d. 
a ) Ebenda Nr. 664 a. Dazu ein im Hausarcbiv befindlicher, dem 
Bericht vom 26. April 1706 beiliegender „Plan du rez de chaussee de 
pavillon du chäteau royal de Königsberg“, durch Königlichen Cabinets- 
befehl vom 4. Mai 1706 genehmigt. Derselbe ist eine sorgfältig und 
geschickt ausgeführte Tuschzeichnung von 25 X 80 cm Gröfse und 
enthalt neben dem Grundrifs fiir den zur Ausführung gelangten Pa 
villon ein Frontenstück desselben, und zwar die nach Norden be 
lesene Seite, also diejenige, in welcher sich der Thüreingang befindet. 
Die Architektur entspricht durchaus derjenigen von 664<1 im Königs 
berger Staatsarchiv. 
23 ) Ebenda Nr. 457, 664 b , c und e. Eine Copie auch bei der 
Schlofsbauin8pection und in der Sammlung der Alterthumsgesellschaft 
„Prussia“. 
M ) Das Geburtszimmer des Königs blieb auf diese Weise er 
halten. 
Entwurf A bezweckt lediglich eine Erneuerung des Ostflügels, 
und zwar unter möglichster Schonung des Bestehenden; es sollten 
eine einheitliche prächtige Aufsenfront und im Innern würdige und 
schöne Festräume gewonnen werden, ohne dafs das Ganze zu viel 
Kosten verursacht batte. Das Studium des Grundrisses. (A 2) und 
der Front (A1) lehrt, dafs der Architekt die alten Baulichkeiten 
wohl kannte; das Geschick, mit dem er insbesondere auf der einen 
Seite den mittelalterlichen, siebeneckigen, auf der anderen den vier 
eckigen Thurm verwerthen wollte, ist sehr beachtenswerth. Doch 
waren die Bedürfnisse des königlichen Hofhaltes zu gering veran 
schlagt, auch mufsten das Fehlen einer Wagendurchfahrt and der 
Mangel von seitlichen Eingängen gegen den Plan einnehmen. 
Entwurf B räumt dagegen mit den alten Gebäuden auf der Ostseite 
des Schlosses gründlich auf und bringt eine einheitliche, klare, in 
grofsem Stil gehaltene Anlage. Das Portal ermöglicht den Wagen 
die Durchfahrt, und an den beiden Flügeln sind kleinere, aber 
gleichfalls künstlerisch geschmückte Elingänge vorgesehen. Die Front 
darf man freilich nicht ohne weiteres nach der hier gebotenen 
Wiedergabe beurtheilen; nach meiner festen Ueberzeugung ist das 
Blatt, nach welchem der Holzschnitt angefertigt ist, nur eine Copie 
nach dem anscheinend verloren gegangenen Original, die in der 
ersten Hälfte unseres Jahrhunderts entstanden ißt.* 5 ) Der Nach 
zeichner hat vielfach seine Vorlage nicht mehr verstanden, z, B. sind 
die Figuren unmittelbar über der Thordurchfahrt gänzlich mifeglückt; 
sein Ungeschick ist aber nicht so grofs gewesen, als dafe man nicht 
doch noch die enge innere stilistische Verwandtschaft von B mit A 
erkennen könnte. Bei beiden Entwürfen finden wir, um nur einiges 
anzuführen, einen kräftig entwickelten Mittelbau mit 5 Fenstern 
und 3 Portal-Oeffnungen, bei beiden nach jeder ßichtung hin an- 
schUefsend 4 und 5 Fenster, bei beiden ein bedeutendes, und zwar 
ungefähr gleich grofses Vorspringen des rechten und des linken 
Flügels, bei beiden dieselbe Stellung und Haltung der Figuren, bei 
beiden ähnliches Ornament und ähnliche Fensterumrahmung. Ich 
möchte annehmen, dafs beide Arbeiten von Unfried gleichzeitig in 
Königsberg angefertigt und von ihm, als er 1704 zum König reisen 
mufste, demselben zur Auswahl vorgelegt wurden, und dafs der 
König sich hierbei für den den Bedürfnissen besser entsprechenden, 
aber auch theurerett Entwurf B entschied. Auf diese Weise erklärt 
sich das Schweigen der Acten am einfachsten und natürlichsten. 
Hätten die beiden so eng verwandten Entwürfe verschiedene Urheber 
oder wären sie zu verschiedenen Zeiten entstanden, so wiifste sich 
in den Acten, die gerade mit dem Jahr 1704 in besserer Vollständig 
keit einsetzen, irgendwo ein Wiederhall dieses Verhältnisses finden. 
Festzustehen scheint mir jedenfalls, dafs sofort von vornherein die 
Entscheidung zu Gunsten des Planes B gefallen und dafs nicht etwa 
während des Baues eine Aenderung beschlossen worden ist. Aus 
einem Schreiben Unfrieds an den König vom 26. April 1706, der über 
den Beginn des Baues berichtet, ergiebt sich nämlich, dafs das alte 
Gemäuer, das nach Entwurf A hatte gescholit und verwendet werden 
sollen, beseitigt worden war und ein neuer Grund gelegt wurde; 36 ) 
am 7. April d. J. ward, wie es in dem Bericht beifst, ungeachtet des 
stürmenden und noch frostigen Wetters „der Anfang gemachet, daß 
Fundament an dem Pavillon . , . zu graben; nach Ausbauhung über 
die 3 Fufs Frost in der Erde und Fortgrabung 30 Fufs tief hat man 
endlich den schönsten harten Topperleim-Gfurtd gefunden, auf 
welchen, sobald nur die gänzUche Linie wird gegraben sein, das 
Fundament, als übermorgen soll geleget werdend Noch im Jahr 
1712 beklagt sich Unfried, wie viel Mühe ihm der Baugrund und die 
uötbige Untermauerung gemacht habe, 13—16 Schuh hoch habe er 
die Flinte mit Sandstein aufführen müssen, der Bau an der Ecke sei 
der mühsamste und kostbarste. Aus diesen Aeufserungen erhellt 
also zweifellos, dafs bei Beginn des Baues nicht mehr an den Ent 
wurf A gedacht wurde. Es ergiebt sich aber aus ihnen weiter, dafs 
das rauhe Klima des Nordens und der abschüssige Baugrund dem 
Fortgang des Baues manches Hindernifs in den Weg legten; Auch 
der Mangel an guten Handwerkern und die Widerwilligkeit einiger 
derselben scheinen nicht förderlich gewesen zu sein, und, in einem 
Jahre (1709) mufste gar die Arbeit wegen des Ausbleibens der Gelder 
gänzlich ruhen; auch wird die Pest, die damals in Königsberg 
wütbete, wohl ihren Einflufs fühlbar gemacht haben. Im allgemeinen 
aber ging der Bau doch sicher vorwärts. Es kann nun nicht Aüf- 
K) Hierfür spricht schon, rein äufserlich betrachtet, Papier, 
Tusche und der Charakter der Schriftzüge der Mafsangabe. 
2t ) Auch vier Häuser der Altstadt hatten, nachdem sie zu dem 
Zwecke angekaoft waren, abgebrochen werden müssen. Der Zugang 
zur AltBtadt wurde dabei so angelegt, wie er im wesentlichen heute 
noch sich uns darbietet; auf den Brückenbau, den wir auf dem Bröbes 
schen Prospecte sehen, wurde also verzichtet. — Dafe übrigens im 
Innern des Schlosses einige alte Mauern für den Neubau verwendet 
worden sind, kann man vielleicht aus dem Bericht Unfrieds vom 
8. Januar 1712 schliefsen.
	        
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