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Volume Nr. 38

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Nr. 88. 
Centralblatt der Bauverwaltung 
369 
zwei getrennte Treppenhäuser an der Ost- und Westfront verlegt 
wurden. Vier weitere Treppen dienen den besonderen Zwecken des 
Hauses: zwei sind zum Vorfiihren der Angeklagten aus den im Kellcr- 
geschofs belegenen Wartezellen nach den Sälen der Strafkammer 
und des Schwurgerichts bestimmt, eine dritte, mit besonderem Zu 
gang von der Ostseite her, dient dem den Schwurgerichtsitzungen 
beiwohnenden Publicum, 
welches auf diese Weise 
mit dem übrigen Verkehr 
im Gebäude nicht in 
Berührung kommt. Die 
vierte, auf der Westseite 
belegene Treppe ist bis 
zum Dachgeschofs ge 
führt und hat, wie die 
auf der Ostseite, Ober 
licht erhalten. 
Ueber die Raumver- 
theilung in den beiden 
nicht dargestellten Ge 
schossen ist zu bemer 
ken, dafs im Kellerge- 
schofs ein Theil der 
Wohnung des Pförtners, 
die erforderlichen Räume 
für die Centralheizung 
sowie die erwähnten je 
3 Wartezellen für die 
Angeklagten angeordnet 
sind. Im zweiten Stock 
werk liegen an der Nord 
front die Räume für die 
Staatsanwaltschaft, an den 
Seitenfronten Gerichts 
weiche ursprünglich in Eisen ausgeführt werden sollten, aber zur 
Vermeidung einer Anschlagsüberschreitung aus Holz construirt 
werden mufsten, sind mit Moselschiefer, das eiserne, von doppelter 
Rinnenanlage umgebene Dach über der Wartehalle mit Rohglas ein 
gedeckt. Vorhalle, Plure, Treppenhäuser werden überwölbt, die 
Geschäftsräume erhalten profilirte Gement-Betonkappen zwischen 
eisernen Trägern, die 
Sitzungssäle Gipsgufs- 
decken mit darüber lie 
gendem Beton. Die Ge- 
sehofshöhen betragen für 
das Kellergeschors 3 m, 
für das Erdgeschofs 4,75 m, 
für das erste Stockwerk 
4,80 m, für das zweite 
4,55 m einschliefslich einer 
doppelten Flach schicht 
von Schwemmsteinen, wel 
che zur Verhütung einer 
zu grofsen Wärmeabgabe 
über den Betonkappen zur 
Ausführung gelangt. 
Die Baukosten sind, 
einschliefslich 25 500 Mark 
für Nebenanlagen, aber 
ausschliefslich 50 000 Mark 
Einrichtungskosten, auf 
450000 Mark veranschlagt. 
Als Einheitspreise er 
geben sich dabei 353,8 
Mark für 1 qm und 19 
Mark für 1 cbm. Die 
V . . . 1 ,° Bauausführung ist unter 
Haupt - Ansicht. Oberleitung des Geheimen 
10 
Grundrifs vom Erdgeschofs, 
Landgericht in Bochum. 
Grundrifs vom I. Stock. 
Schreibereien, an der Südfront der zweite Civilkammersaal nebst 
Berathungszimmer usw. Für alle Räume, mit Ausnahme des Schwur 
gerichtsaales, welcher durch Luftheizung erwärmt wird, kommt eine 
Warmwasserheizung zur Ausführung. 
Die Fronten, in den Formen deutscher Renaissance entworfen, 
sind in den Flächen mit ledergelben Ziegeln verblendet, während 
sämtliche Architekturtheile, mit Ausnahme des Basaltlava-Sockels, 
aus rothem Eifelsandstein hergestellt sind. Die steilen Dächer, 
Baurathes Geifsler in Arnsberg dem Kreis - Bauinspector Kifs 
in Bochum übertragen, während mit der besonderen Bauleitung 
der Regierungs - Baumeister Kullrich beauftragt ist. Die Ent 
wurfbearbeitung erfolgte auf Grund der im Ministerium der öffent 
lichen Arbeiten durch den verstorbenen Oberbaudirector End eil 
aufgestellten Skizzen seitens des in den Ruhestand getretenen 
Bauraths Haar mann unter Hülfeleistung des genannten Regierungs- 
Baumeisters. 
Die Ruine der Marienkirche in Inowrazlaw. 
Die Provinz Posen steht in der Zahl und dem Werthe ihrer 
kunstgeschichtlichen Denkmäler gegen die übrigen deutschen Landes- 
theile zwar erheblich zurück, dennoch besitzt sie eine, wenn auch 
beschränkte Zahl von Denkmälern, die auf besondere Beachtung 
Anspruch erheben dürfen. Die Culturarbeit reicht in der Provinz 
Posen, welche den wichtigsten Theil des ehemaligen Grofspolens 
begreift, bis in die romanische Zeit zurück. Besonders in Kujawien, 
dem Landstrich auf dem linken Weichselufer, hat sich eine bemerkens- 
werthe Gruppe von Bauwerken des 12. und 13. Jahrhunderts erhalten, 
wie die Kirche des alten Kruschwitz am Goplosee, die Rundkirche
	        
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