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Volume Nr. 38

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Nr. 88. 
367 
Centralblatt der Bauverwaltnng. 
Yom Bau des Canals von Korinth. 
Die Arbeiten zur Durchstechung der Landenge von Korinth, 
welche nunmehr seit nahezu zehn Jahren im Gange sind, haben im 
Laufe der Zeit mannigfache Unterbrechungen und Verzögerungen 
erfahren, sodafs die ursprünglich auf fünf Jahre bemessene Bauzeit 
derselben sind 13 Locomotiven vorhanden, deren Zahl demnächst noch 
um zwei erhöht werden soll. Das ganze Arbeitsgerät hat die 
neue Gesellschaft von der alten übernommen und nur zwei Loco 
motiven von Creuzot dazu bezogen; die bisherigen Locomotiven waren 
Abb. 1. Uebersiehtsplan. 
sich inzwischen nahezu verdoppelt hat. Die bei der Bodenförderung 
bisher erreichten Leistungen lassen aber hoffen, dafs, wenn nicht 
neuerdings unerwartete Ereignisse eintreten, die Eröffnung des Canals 
von Kraufs in München geliefert. Im ganzen sind täglich gegen 
1200 Arbeiter beschäftigt, meist Montenegriner, Armenier und Unter- 
italiener (Calabresen), die am ausdauerndsten sind; die wenigsten 
Meerbasen von Karin ih 
Golf von Aegina 
Abb. 2. Längenschnitt des Canals. 
(Stand der Arbeiten am 1. Juli 1891.) 
in etwa zwei Jahren wird stattfinden können. Ueber die Anlage des 
Seecanals, die Bodenbeschaffenheit, den Arbeitsvorgang usw. finden 
sich nähere Angaben auf Seite 372 des Jahrgangs 1882 d. Bl., welche 
seitdem durch weitere Mit 
theilungen über den Fort 
gang des Baues in den 
Jahrgängen 1884 (S, 66 und 
426) und 1886 (S. 184) er 
gänzt worden sind. 
Von dem Gesamtinhalt 
der zu lösenden Einschnitts- 
massen, die nach den neu 
sten Aufnahmen 12 300 000 
cbm betragen, waren bis zum 
1. Juli d. J. etwa 10 500 000 
cbm gefördert, sodafs noch 
gegen 1 800 000 cbm — der 
in dem Längenschnitt, Ab 
bildung 2, Bchraffirt gezeich 
nete Einachnittskern — zu beseitigen bleiben. Da die neue griechi 
sche Gesellschaft, welche die Arbeiten mit Ernst und Eifer betreibt, 
monatlich ungefähr 100000 cbm Boden fördert, so wird man der 
Vollendung des Werkes zum Herbst 1893 entgegensehen dürfen. Die 
Förderung der Bodenmassen erfolgt mittels Kippwagen; zur Bewegung 
Arbeiter sind Griechen, welche an solchen Arbeiten erfahrungsmäfsig 
wenig Gefallen finden. 
Von der Ostseite, dem Golf von Aegina her, wo die neue Stadt 
Isthmia angelegt ist, ist der Canal auf etwa 1000 m weit ausgehoben, 
von der anderen, Korinth zunächst liegenden Seite, wo Poseidonia 
angelegt wird, auf 1180 m weit. Doch hat sich die Tiefe des Canals 
an seinen Ausgängen, wo sie 8 m betragen sollte, infolge Versan 
dungen um ein volles Meter verringert, sodafs zunächst hier die 
Anwendung von Baggermaschinen in Aussicht genommen ist. Die 
jenigen Böschungen, von denen die Gefahr der Versandung droht, 
sind durchgehends flacher gestellt, einige besonders sandige Stellen 
durch 40 bis 50 cm starke Bekleidungsmauern geschützt worden. 
Auf der Korinther Seite ist nördlich ein Sohlenschlitz AB angelegt, 
um die Bekleidungsmauern anzusetzen. Auf der Seite von Isthmia 
hat man, etwa bei Stat. 45, auf der Südseite des Canals einen bis 
zur Sohle reichenden Schacht mit anstofsender Galerie MN angelegt. 
In diese Galerie münden von oben her trichterförmige Oeffnungen, 
die zum Beladen der unten aufgestellten Förderwagen dienen, welche 
dann auf dem Wege NO hinausgeschafft werden. 
Die Oberleitung der Arbeiten ruht iu den Händen des griechi - 
sehen Ingenieurs Matsas, der auch bei dem Bau der schwierigsten 
Abtheilungen der Piräus-Peloponnesbahn thätig gewesen ist; den 
Posten eines Oberingenieurs bekleidet der französische Ingenieur 
Morin.
	        
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