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Volume Nr. 37

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Nr. 87. Centralblatt der Bauverwaltung; 
genommen ist letzteres Verfahren eine Bückkehr zu dem alten 
Brardschen Vorschlag, die Materialien in einer Kältemischung abzu 
kühlen, denn eigentlich ist doch das verdampfende kohjenßaure 
Wasser weiter nichts als eine Kältemischung, 
Aus den vorstehend mitgetheilten Zahlen folgt, dafs das unter 
Wasser gefrierende Material ebenso durch den Frost zerstört wird, 
wie das in Luft gefrierende, denn der Gewichtsverlust bei den Ge 
frierungen durch Druck war nicht der Anzahl der Druckänderungen 
proportional, sondern diese war um 1 zu erhöhen, entsprechend einer 
Gefrierung im Wasser durch Abkühlung ohne Druck. Das mag auf 
den ersten' Blick vielleicht überraschen, aber folgende Ueberlegung 
wird es begreiflich erscheinen lassen. Denken wir uns eine mit 
Wasser gefüllte Pore eineß Materials. Befindet es sich in Luft, so 
bildet sich an der Porenmündung beim Abkühlen ein Eispfropfen, 
der, wenn der Druck des eingeschlossenen, unter 0° C. abgekühlten 
Wassers grofs gonug geworden ist, mit etwas anhaftendem Material 
Iiinausgedrückt wird.*) Befindet sich aber das abzukühlende Material 
unter Wasser, so setzt sich zunächst um dasselbe herum eine Eis 
kruste fest. Ein Wegdrängen der die Poren schliefsenden Pfropfen 
kann beim Abkülilcn nicht leicht stattfinden, sehr wohl aber, wenn 
von aufsen her die Eiskruste abthaut. Im Augenblicke, wo dieselbe 
gegen den im Material herrschenden Druck zu schwach wird, findet 
die Zerstörung statt. Der ganze Unterschied besteht also darin, dafs 
beim Frieren in Luft das Material bei sinkender Temperatur ver 
wittert, beim Frieren unter Wasser dagegen bei steigender. Zur 
Gontrole habe ich folgende Versuche gemacht: Eine Anzahl kleiner 
Sandsteinstücke wurde nafs gemacht uud an der Luft einmal dem 
Gefrieren unterworfen. Der Gewichtsverlust betrug 0,152 g. Die 
selben Stücke wurden hierauf in ein Blechgefäfs gethan und dasselbe 
mit Wasser hinlänglich gefüllt. Alsdann wurde das Gefäfs in eine 
Kältemischung gesteckt, wobei aeht gegeben wurde, dafs die Ab- 
*) Ich möchte hier erwähnen, dafs die im grofsen in der Natur 
vorkominende Erscheinung, die ich seinerzeit (Jahrg. 1888 S, 491 d. Bl.) 
beschrieben habe, die Kunstbezeichnung „Raulifrost“ führt (was ich 
damals noch nicht wufste). 
kühlung von unten her stattfand, damit nicht infolge einer sich 
an der Oberfläche des Wassers bildenden Eisdecke das Gefäfs zer 
sprengt. wurde. Nachdem die ganze Masse durchfroren war, wurde 
das Gefäfs erwärmt und so der Inhalt aufgethaut. Nach fünfmaliger 
Wiederholung des Verfahrens betrug der Gewichtsverlust 0,735 g = 
5.0,147 g, also fast fünfmal soviel wie beim Frieren in Luft. Es 
dürfte sich bei der üblichen Frostprobe empfehlen, die Probestücke 
einfach in Metallgefäfsen unterWasser gefrieren zu lassen, weil man 
sie dann nie behufs Einsetzen in den Gefrierkasten aus dem Wasser 
zu heben und anzufassen braucht. Auch kann mit Rücksicht darauf, 
dafs die Metällgefafse unmittelbar in die Kältemischung gesteckt 
werden können, die Gefriervorrichtung einfacher construirt werden. 
Zum Schlüsse möchte ich noch einiges über die Brardsche 
Alaunprobe bemerken. Ich hatte lange geglaubt, dafs der derselben 
zu Grunde liegende Gedanke in jeder Beziehung fehlerhaft sei. Das 
war ein Irrthum meinerseits, denn bei eingehender Prüfung scheint 
mir das doch nicht ganz bedingungslos der Fall zu sein. Denken 
wir uns eine mit Alaunlösung gefüllte Pore eines Materials. Wenn 
ein Auskrystallisiren beginnt, so wird zunächst die Mündung der 
Pore durch kleine Krystalle verstopft, das Innere bleibt mit flüssiger 
Lösung gefüllt. Findet nun eine Temperaturerhöhung statt, so wird 
die eingeschlosßcnc Lösung ausgedehnt und der Verschlufs mit an 
haftendem Material wird hinausgedrückt. Wir haben also bei ent 
sprechender Leitung des Versuchs eine ganz ähnliche Beanspruchung 
des Materials vor uns wie bei der Verwitterung durch gefrierendes 
Wasser. Quantitativ kann freilich ein merklicher Unterschied vor 
handen sein; aber wo es sich blofs um eine Vergleichung handelt, 
ist es wohl möglich, dafs die Alaunprobe brauchbare Ergebnisse 
liefert, wie es ja auch die von H^ricart de Thury mitgetheilten Zahlen 
beweisen. Ich beabsichtige durchaus nicht, der Alaunprobe das 
Wort zu reden; vielmehr möchte ich ausdrücklich bemerken, dafs 
ich mich durch mehrfache Versuche überzeugt habe, dafs die Frost 
probe, was Leichtigkeit und Sauberkeit der Ausführung anlangt, 
entschieden den Vorzug verdient. 
Nürnberg, im Januar 1891. 
Die Untergrundberieselung (System Grove). 
Die Entwässerung ländlicher Wohngebäude und öffentlicher An 
stalten verschiedenster Art ist gewöhnlich insofern mit grofsen 
Schwierigkeiten verknüpft, als mangels einer Canalisation des be 
treffenden Ortes für die endliche, unschädliche Unterbringung der 
flüssigen Abgänge der Küchen und Aborte kaum ein Ausweg zu sein 
scheint. Denn die Ableitung 
solcher Wässer in die öffent- sira««e 
liehen Flüsse wird von den Be- «"•-1*^= 
liörden verboten, die Reinigung 
der Abwässer durch Desinfection 
oder künstliche Filterung ist 
mit Unzuträglichkeiten und 
dauernden Kosten verknüpft, 
ihre Aufspeicherung in Gruben 
und deren Entleerung durch 
Abfuhr ist technisch schwierig, 
in gesundheitlicher Beziehung 
sehr gefährlich und zudem mit 
dauernden, erheblichen Unkosten 
verknüpft; endlich verbietet sich 
die Entlassung dieser Wässer 
aus absichtlich undicht ge 
machten oder undicht gelassenen 
Schwindgruben in die Tiefe, der 
womöglich gar das Nutz- und 
Trinkwasser des Hauses ent 
nommen wird, aus den ersten 
Grundsätzen der öffentlichen 
und privaten Gesundheitspflege. 
Dennoch ist es oft, d. h. 
wenn cfie Flächengestältung, die 
Gpfälleverhältnisse und die 
Bodenbeschaflenheit des Gelän 
de^ einigen^afsen günstig sind, 
möglich, solche Abwässer, mit 
oder ohne Auswurfstoffe, auf dem Grundstück selbst fast kostenlos 
zu reinigen und unschädlich unterzubringen: man führe nur die zu 
reinigenden Abwässer dem Erdboden in zweckentsprechender Weise 
.zu. Dieser kann und wird dann, wie bekannt, die Reinigung der Ab 
wässer dauernd bewirken, vorausgesetzt, dafs deren Menge mit der zur 
Verfügung stehenden Bodenfläche in günstigem Verhältnifs steht. 
Es wäre nun, namentlich bei kleinen Verhältnissen, vielfach ver 
fehlt, wenn die Wässer dem Boden oberirdisch zugeführt würden, wenn 
man also eine gewöhnliche Berieselung einrichtete. Denn diese ist 
auf dem Grundstück selbst des Geruches und des Anblicks wegen 
belästigend, auch gesundheitlich nicht ganz unbedenklich. Anders 
stellt sich die Sache, wenn die Abwässer dem reinigenden Boden 
unterirdisch vermittelst eines Systems entsprechend verlegter Röhren 
(Drains) zugeführt werden. Dann werden die verschmutzten Wässer 
dem Auge völlig entzogen, und die Erfahrung hat gezeigt, dafs auch 
irgend welche andere Belästigung der Umgebung des Hauses nicht 
eintritt. Denn es liegt auf der Hand, dafs nach oben hin sich die 
Wässer weder schädlich noch belästigend fühlbar machen können, 
während sie, in die Nähe der Wurzeln der zu ernährenden Pflanzen 
geleitet, ihre Düngstoffe an geeigneter Stelle abgeben. 
Das System einer unterirdischen Berieselungsanlage oder der 
„Untergrundberieselung“ besteht aus einer Doppelgrube, welche die 
Abwässer zur völligen Verdünnung der Auswurfstoffe aufuimmt, 
und aus welcher jene dem Zulaufe entsprechend in gleichmäfsigem 
Strome dem Vertheilungsrohre und den Drainsträngen zugeführt 
werden. Wie sich danach die Entwässerung eines Grundstücks 
gestaltet, dürfte die nebenstehende Abbildung zur Genüge erläutern. 
In ibr ist die eigentliche Entwässerungsanlage in vollen Linien 
angedeutet, während die Drain stränge, die oft freilich eine ganz andere 
Lage zu dem Vertheilungsrohre erhalten müssen, punktixt sind. 
Es würde zu weit führen, die technische Ausführung einer der 
artigen Berieselung liier eingehender zu erörtern. Wiederholt sei 
nur, dafs in jedem Falle ein Hauptaugenmerk auf die örtlichen Ver 
hältnisse zu richten ist, da von ihnen die Tiefenlage der Drains, die 
Art der Verlegung derselben, ihr Längengefälle, ihre Entfernung von 
einander sowie die gelegentliche und beliebige Ausschaltung einzelner 
derselben abhängig ist. Nur durch eine in diesen Beziehungen sach- 
gemäfse Anordnung der Untergrundberieselung wird die sonst leicht 
eintretende Verschlammung der Drains, die Verstopfung der Poren 
des Bodens und dessen völlige Durchnässung und Uebersättigung 
vermieden werden. Wo aber bei Anordnung von Untergrund 
berieselung allseitig mit Umsicht und Sachkenntnifs verfahren wurde, 
hat sich diese Art der Schmutzwasserreinigung durchaus bowährt; 
auch im Winter führt sie zu keinerlei Belästigungen, da die Haus 
wässer durch die Abortstoffe erwärmt werden und infolgedessen 
erfahrungsgemäfs ein Einfrieren der Drains und des Rieselfeldes nicht 
eintritt. — Bemerkt werden möge schliefslich noch, dafs die Kosten
	        
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