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Volume Nr. 37

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung. 
359 
Nr. 87, 
werden. Deshalb mufs auch mit einem Urtheile über den finaneiellen 
Erfolg der Ausstellung bis nach dem Schlüsse derselben zurück- 
gehalten werden. 
Einige nähere Mittheilungen über einzelne, den Leserkreis dieses 
Blattes besonders berührende elektrotechnische Neuheiten auf dem 
Gebiete des Ingenieurwesens sollen sich, von anderer Seite gebracht, 
später diesem allgemeinen Berichte anschliefsen. 
Frankfurt a. M,, im Juli 1891. Faust. 
Zur Ausführung der Eisenbahn-Vorarbeiten. 
Zu der von Herrn F. A. Gelbcke in Nr. 34^ (Seite 334) d. J. 
gegebenen Besprechung über Eisenbahn-Vorarbeiten mögen einige 
Bemerkungen gestattet sein. Es mufs dem Verfasser darin zugestimmt 
werden, dafs bei allgemeinen Vorarbeiten eine Absteckung der 
Bahnlinie im Felde überflüssig ist und insofern geradezu nachtheilig 
sein kann, als dadurch Speculationen begünstigt werden, welche die 
oft erst mehrere Jahre später erfolgende Ausführung der Bahn er 
schweren oder doch vertheuern können. Mit der in dem zweiten 
Absatz deB Gelbckeschen Aufsatzes erwähnten Linie, welche man in 
einer Uebersiehtskarte aufgesucht hat und dann auf Grund einer 
Bereisung sofort im 
Felde absteckenläfst, 
kann auch kaum die 
Bahnlinie selbst,son 
dern nur eine der 
Aufnahme des Ge 
ländes zu Grunde zu 
legende Hülfslinie 
(Polygonzug) ge 
meint sein. 
Dafs aber auch 
bei ausführlichen 
Eisenbahn-Vorarbei 
ten die Absteckung 
der Bahnlinie im 
Felde nicht erforder 
lich ist, wie der Ver 
fasser wiederholt her 
vorhebt, kann wenig 
stens für Gegenden 
mit vielfach zer 
schnittenem Grund 
besitz nicht ohne 
weiteres zugegeben 
werden. Die in der 
artigem Gelände be 
sonders zahlreichen 
Veränderungen an 
den vorhandenen 
Wegen werden viel 
mehr die Ab steckixng 
der Linie solange unentbehrlich machen, als die Bevölkerung 
nicht imstande ist, sich aus Karten und Plänen, namentlich solchen 
mit Höhenlinien, ein richtiges Bild des vorgelegten Entwurfes zu 
machen. Will man sieh also nicht der Unannehmlichkeit aussetzen, 
erst bei der endgültigen • Feststellung des Planes (§ 18 des Ent 
eignungs-Gesetzes), d, h. zu einem Zeitpunkte, in welchem der Bau 
in der Regel schon begonnen, ja zuweilen bereits recht weit vor 
geschritten ist, begründete Anträge auf Abänderung des Entwurfs 
auftauchen zu sehen, will man vielmehr diese Anträge noch während 
der Ausarbeitung des Entwurfs, spätestens aber bei der landes 
polizeilichen Prüfung desselben erörtern, so ist eine Absteckung der 
Linie im Felde unmittelbar nach ihrer Einzeichnung in die Lage 
pläne kaum zu entbehren; denn erst durch eine Begehung dieser 
Linie mit den Betheiligten kann, namentlich im Hügellande, den 
selben von der geplanten Anlage eine Vorstellung beigebracht wer 
den, welche es ihnen ermöglicht, die Tragweite der beabsichtigten 
Veränderungen an Wegen und Wasserläufen zu beurtheilen. 
Anders liegt die Sache da, wo nur grofser Grundbesitz oder 
ausgedehnte Waldungen von der Bahnlinie berührt werden; denn 
dort wird den Betheiligten der Entwurf durch die Pläne allein hin 
reichend anschaulich gemacht werden können. Dennoch wird auch 
in diesem Falle die alsbaldige Absteckung der Linie und die Her 
stellung eines genauen Nivellements im Zuge derselben den Vortheil 
bieten, dafs man die Höhenlage der Wege und Wasserläufe an den 
Uebergangstellen der Bahn unmittelbar, also vollkommen genau 
erhält, während sie andernfalls aus den Lageplänen lediglich durch 
Schätzung des Abstandes zwischen den Höhenlinien ermittelt werden 
mufs. Auf Grund 
des genauen Nivelle 
ments der abgesteck 
ten Linie können 
dann durch geringe 
Aenderungen in der 
ursprünglich beab 
sichtigten Höhen 
lage leicht jene 
kleinen Mängel be 
seitigt werden, wel 
che dem aus einem 
noch so sorgfältig 
hergestellten Lage 
plane entnommenen 
Längenschnitte 
immer anhaften wer 
den, deren Hinüber 
nahme in die Rein 
pläne aber nach 
Möglichkeit vermie 
den werden sollte. 
Dem Grundgedanken 
des Gelbckeschen 
Aufsatzes, bei Eisen 
bahn - Vorarbeiten 
zunächst auf Her 
stellung thunlichst 
genauer Lagepläne 
mit Höhenlinien Be 
dacht zu nehmen, 
soll durch vorstehendes selbstverständlich nicht entgegengetreten 
werden. 
Das beschriebene Verfahren und namentlich die Anwendung von 
Tachymetern neuerer Bauart zur Aufnahme des Geländes kann viel 
mehr nur empfohlen werden. Mit einem Wagner-Fennelschen Tachy 
meter ist bei den ausführlichen Vorarbeiten für die Bahnlinie 
Ilsenburg-Harzburg in hügeligem Gelände von einem geübten Beamten 
mit vier Arbeitern ein Gebiet von nahezu 0,5 qkm täglich auf- 
genommen worden. Die bei den älteren Tachymetern erforderliche 
nachträgliche Ausführung von umständlichen Berechnungen fällt bei 
diesem Instrumente fort, die Höhen werden vielmehr, ebenso wie die 
Längen, unmittelbar gefunden, nachdem bei jeder Neuaufstellung 
der am Instrumente angebrachte Höhenmafsstab entsprechend ein 
gestellt worden ist. 
Harzburg, im September 1891. Janensch, 
Königl. Regierungs-Baumeister. 
Abb. 8. Pfungstädter Bierhalle. 
Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. 
Bestimmung der Frostfocständigkeit von Baustoffen. 
Von Ad. Bliinicke. 
Gelegentlich einer andern Untersuchung*) brachte ich ein Ver 
fahren zur Anwendung, um Gesteinproben der Verwitterung durch 
Frost zu unterwerfen, dessen Mittheilung an dieser Stelle vielleicht 
nicht ohne Interesse sein dürfte, weil es sich zur Prüfung von Bau 
stoffen auf Frostbeständigkeit verwenden läfst. Es unterscheidet sich 
von dem bei der Frostprobe ^’etzt wohl allgemein üblichen Verfahren 
*) Zur Frage der Gletschererosion von Ad. Blümcke u. S. Fin- 
sferwalder, Sitzungsbericht der Königl. bayer. Akademie der Wissen 
schaften. 1890. Bd. 20 Heft III Seite 435. 
insofern nicht, als auch bei ihm das Erstarren des in den Poren des 
Versuchstücks enthaltenen Wassers die Zerstörung veranlafst. Aber 
während dort diese Aenderung des AggregatzustandeB durch eine 
Teinperaturänderung hervorgerufen wird, wurde bei den mitzutheilen 
den Versuchen dieser Zweck durch Druckänderungen erreicht, und 
zwar wurden erst Gesteinproben in Eis eingefroren, dann das Eis 
durch Druck verflüssigt und durch Nachlassen des Druckes zum 
Wiedergefrieren gebracht Die Druckänderungen wurden mehrfach 
wiederholt und die dabei entstandenen Materialverluste des Gesteins 
mit denjenigen verglichen, welche bei gewöhnlicher Frostwirkung
	        
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