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Volume Nr. 3

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Banverwaltung. 
17. Jannar 1891. 
Alterthume, sondern auch noch das ganze Mittelalter hindurch ein 
auf wissenschaftlicher Grundlage wirklicher Proportionalität beruhen 
des Verfahren. Es ging mit der Benaissancezeit, die Schultz übrigens 
als eine Zeit reicher wissenschaftlicher und künstlerischer Thätigkeit 
voll anerkennt, verloren, weil die Bauleute mit der Wiederaufnahme 
der antiken Formen nicht auch schon den Weg gefunden hatten, auf 
dem die Verhältnisse derselben bestimmt waren. Somit fehlte der 
feste gesetzliche Halt, obgleich man sich alle Mühe gab, auch den 
inneren Zusammenhang, das geistige Band der Verhältnisse, welches 
zur Harmonie führt, wieder aufzufinden. Unter solchen Versuchen 
erkannte man auch das Verhältnifs des goldenen Schnittes als ein 
sehr wichtiges; es kommt demselben nach Schultz jedoch nicht die 
Alleinherrschaft zu, sondern höchstens nur die Führerschaft. „Aber 
mit dem Führer allein ist doch wenig erreicht, und es gelang den 
Bestrebungen der Benaissancezeit nicht, sein Volk mit ihm zugleich 
wieder ins Leben zu rufen.“ Kann man sich unter solchen Um 
ständen wundern, wenn „neben einander engherzige und oft ent 
sprechend dünkelhafte, vermeintliche Klassicität in irgend einem 
historischen Stile, und, das Zerrbild der Freiheit, die schrankenlose 
Willkür herrschen. Das müfete mit Naturnotwendigkeit zu stetem 
Wechsel der künstlerischen Anschauungen, zum steten Haschen 
nach neuem, zur Herrschaft der Mode auf dem Gebiete der Bau 
kunst, mit einem Worte, zum künstlerischen Chaos führen, welches 
periodisch wiederkehrend zum wahren Hexensabbat sich steigerte, 
wie ja auch gegenwärtig auf einem solchen recht flott getanzt wird. 
Eine natürliche Folge dieses Zustandes ist die oben erwähnte Auf 
fassung der künstlerischen Thätigkeit als derjenigen eines über alle 
etwaigen Schönheitsgesetze erhabenen, gottähnlichen, seine Gesetze 
sich selbst vorschreibenden Genius, dessen Bedeutung nur daran 
gemessen werden kann, wie weit seine Leistungen dem jeweiligen, 
stets wechselnden, Geschmacke des Publicums entsprechen.“ Gegen 
über diesem in so bittern Worten gekennzeichneten Zustande hebt 
Schultz hervor, dafs trotz der das Schaffen außerordentlich er 
schwerenden Umstände seitdem und auch in neuester Zeit sehr viel 
Bedeutendes geschaffen ist, „was gerade dieserhalb auf Anerkennung 
doppelten Anspruch hat“. Es sei somit hohe Zeit, den festen Boden 
für alle Verhältnifsbestimmung wieder berzustellen, welcher nur in 
der mathematischen Proportionalität gefunden werden könne. Auf 
diesem gesetzlichen Boden sei jedoch freie selbständige Bewegung 
des Schaffenden nicht nur gestattet, sondern müsse geradezu ge 
fordert werden. Nur weil man den Begriff der Begel mit dem des 
Gesetzes verwechsele, befürchte man eine Beeinträchtigung des 
künstlerischen Schaffens. Ausdrücklich erklärt der Verfasser noch, 
dafs selbst durch die besten Harmoniegesetze bei dem Architekten 
die selbstverständlich nothwendige künstlerische Begabung nicht er 
setzt werden kann. „Davon kann ebensowenig die Bede sein, wie 
jemand hoffen darf, lediglich durch die Kenntnifs des Generalbasses 
und der gesetzlichen Grundlagen der musicalischen Harmonie allein 
zum Musiker zu werden.“ 
(Schlufs folgt.) 
Breitl’ulsschienc oder Stahlschiene? 
(Fortsetzung.) 
Um ein Bild von den durchschnittlichen Unterhaltungskosten 
für den deutschen Oberbau nach Abzug der Kosten für den Umbau 
der Geleise und die Erneuerung der Bettung zu liefern, seien nach 
stehend die Ergebnisse der von der Rheinischen Eisenbahn bezw. von 
der Königlichen Eisenbahn-Direction in Köln (linksrh.) angestellten 
Erhebungen mitgetheiit. 
Seit dem Jahre 1879 sind zur Vergleichung des Unterhaltungs 
aufwandes für verschiedene Oberbau-Anordnungen, verschiedene 
Bettungsarten usw. besondere Versuchsstrecken eingerichtet, für 
welche die Leistungen für Stopfen, Richten usw. getrennt verzeichnet 
werden. Bis zum 1. April 1889 waren im ganzen 67 verschiedene 
Hauptgeleise-Strecken in einer Gesamtlänge von etwa 119 km durch 
schnittlich etwa 6 Jahre lang in Beobachtung. Die bis zu jenem 
Zeitpunkt erwachsenen Unterhaltungskosten gehen aus der folgenden 
Nachweisung hervor: 
im übrigen aber sind die verschiedensten älteren Oberbauarten ver 
treten, die einen durchschnittlichen Aufwand von 143,5 Tagewerken 
— 287 Mark jährlich auf 1 km erfordert haben. Dieser durchschnitt 
lich berechnete Aufwand kann selbstverständlich nicht als mafsr 
gebend für gröfsere oder andere Bezirke gelten, die Mittheilung 
dürfte aber doch einen ungefähren Anhalt bieten und dazu beitragen, 
die vielverbreitete Ansicht von dem grofsen Aufwande, den der deutsche 
Oberbau in dieser Beziehung jährlich erfordert, zu berichtigen. Zu 
gleich giebt die Zusammenstellung Gelegenheit, den Einfiufs der ver 
alteten Oberbauanordnungen auf das Gesamtergebnifs zu erkennen. 
Welchen Aufwand dem gegenüber erfordert nun ein neuerer guter 
deutscher Oberbau? 
Von dem Oberbau Nr. VI, jedoch mit nur 50 kg schweren, 2,5 m 
langen eisernen Schwellen (10 Stück auf 9 m)*) sind im Januar 1886 
vier Probestrecken von je 1 km Länge verlegt, welche zur Ver- 
Kosten der Unterhaltung der Hauptgeleise 
(ausschliefslich des Umbaues und der Erneuerung der Bettang) in 67 Versachsstrecken im Bezirke der Kgl. Eisenbahn-Direction Köln (linksrh.) 
bis 1. April 1889 (theilweise in Beobachtung seit 1. April 1879). 
Nr. 
Art des Oberbaues 
Zahl Länge 
der Versuchs 
strecken 
km 
In Beob 
achtung 
Kilo 
meter 
jahre 
Durchschnittlich 
jährlicher Aufwand 
für 1 km Geleise 
Arbeiter- 
Tage 
werke dt 
Zahl Länge 
der Versuchs 
strecken 
j km 
In Beob 
achtung 
Kilo 
meter 
jahre 
Durchschnittlich 
jährlicher Aufwand 
für 1 km Geleise 
Arbeiter- 
Tage 
werke dt 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
A. Langschwellen-Oberbau. 
Hilfscher Oberbau 
Rheinischer Oberbau 
Haarmannscher Oberbau 
8 
4 
1 
7 
9 
3 
78 
21 
Langschwellen 
B. Querschwellco. 
Eiserne Querschwellen . 35 kg . . 
215 
130 
93 
430 
260 
186 
13 
desgl. 
50 kg. 
desgl. gemischt 35 und 50 kg . 
Hölzerne (eichene) Qnerschwellen.... 
10 
19 
116 
224 
448 
33 
39 
| 151 
108 
216 
5 
24 
171 
121 
242 
6 
18 
; 128 
130 
260 
Querschwellen 
54 
Zusammen und durchschnittlich 
Unter diesen Versuchsstrecken befindet sich noch keine einzige 
mit dem jetzt gültigen preufsischen Oberbau Nr. VI oder VH der 
früber mitgetheilten Zusammenstellung bezw. mit 11 Schwellen auf 
9 m Länge oder mit 58,3 kg schweren, 2,7 m langen eisernen Schwellen; 
67 
19 
100 
119 
151 
154 
566 
141 
717 
143,5 
308 
282 
287 
gleichung des Verhaltens verschiedener Bettungsmaterialien seit dem 
*) Nach jetzt gültiger Vorschrift werden 11 Schwellen von 2,7 m 
Länge und je 58,3 kg Gewicht auf 9 m Geleise verwendet.
	        
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