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Volume Nr. 34A

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Centralblatt der Banverwaltung. 
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zu messen, in welche der Bahnkörper für die Ausführung der Erd* 
und Felsarbeiten eingetragen wird. 
Das zuerst geschilderte fehlerhafte Verfahren leidet an grofser 
Ümständlichkeit und Unübersichtlichkeit. Man klebt so zu sagen 
an der zunächst gewählten Bahnachse, das Untersuchen einer anderen, 
etwas weitab gelegenen Linie verursacht grofse und zeitraubende 
Arbeit, vor der man leicht zurückscheut Aber das sind nicht die 
schlimmsten Seiten des Verfahrens: die schlimmste wahrscheinliche 
Folge desselben besteht hauptsächlich in der Geldverschwendung bei 
Anlage der Bahn, weil das Verfahren nicht allgemein genug ist, zu 
wenig Möglichkeiten untersucht und schließlich bei einer Lösung 
stehen bleibt, welche kaum die beste sein kann. Es wird dann eine 
Bahn gebaut, die man bei allgemeiner, folgerichtiger Untersuchung 
aller Möglichkeiten in anderer Lage weitaus billiger hätte bauen 
können. 
In den meisten Fällen kommen diese Verhältnisse gar nicht zum 
Bewusstsein des Bauherrn und des bauleitenden Beamten und lassen 
sich später nur schwer nachweisen. Dem Verfasser ist jedoch z. B. 
ein Fall bekannt, in welchem bei einer etwa 90 km langen Bahn 
7,2 Millionen Mark Baukosten zum nicht geringen Theil dadurch 
gespart wurden, daß entgegen einem früheren Entwürfe eine neue 
Bearbeitung auf Grund sehr umfassender, zu diesem Zwecke an 
gefertigter Lagepläne mit Höhenlinien vorgenommen worden ist. 
Diese Arbeit wurde von einer Anzahl Ingenieure und Feldmesser 
mit Hülfe des Barometers in wenigen Sommermonaten und unter 
Aufwendung geringer Mittel ausgeführt. Das Gelände war schwierig 
und wenig übersichtlich, sodafs erst in den Plänen alle Möglichkeiten 
abgewogen, alle Vortheile für die Bahnanlage wahrgenommen werden 
konnten. Dieses eine Beispiel wird genügen, um den großen Werth 
umfassender allgemeiner Vorarbeiten zu veranschaulichen. Nicht 
minder wichtig und von ebenso günstiger Wirkung ist es, wenn auch 
bei den ausführlichen Vorarbeiten die Grenzen für die Untersuchung 
nicht zu eng gezogen werden; auch hier handelt es sich in vielen 
Fällen oft um Ersparung großer Bausummen. 
Es muß als eine erfreuliche Thatsacbe bezeichnet werden, daß 
das fehlerhafte Verfahren bei Ausführung von Eisenbahn-Vorarbeiten, 
wie es am Eingänge dieses Aufsatzes gekennzeichnet worden ist, dem 
folgerichtigen, allein zum guten Ziele führenden Verfahren, welches 
sich auf Anfertigung umfassender Lagepläne mit Höhenlinien gründet, 
immer mehr das Feld räumt. Seit vielen Jahren ist der Verfasser 
dieser Zeilen in seinem Wirkungskreise bemüht gewesen, für die 
Ausführung allgemeiner und ausführlicher Vorarbeiten einen Arbeits 
vorgang auszubilden, welcher rasch und sicher zum gewünschten 
Ziele führt. Die gesammelten Erfahrungen sind in zwei Anleitungen 
tiiedergelegt worden, welche im Bezirke der Königlichen Eisenbahn- 
Direction (linksrheinischen) in Köln Anwendung finden und auch 
den anderen Königlich Preußischen Eisenbahn-Directionen gelegent 
lich mitgetheilt und zur Verfügung gestellt worden sind. 
Den allgemeinen Vorarbeiten ist ein Heft gewidmet mit dem 
Titel: «Anleitung zur Ausführung von Landmessungen für allgemeine 
Eisenbahn-Vorarbeiten im Hügellande und Gebirge mH vorzugsweiser 
Benutzung des Aneroid-Barometers, Köln 1890, hierzu ein Heft, ent 
haltend 12 Tafeln“. Die ausführlichen Vorarbeiten sind behandelt in 
einem etwas älteren (von entbehrlichen Fremdwörtern noch nicht 
ganz gesäuberten) Hefte mit dem Titel; «Anleitung zur Ausführung 
von Terrainaufnahmen für, specielle Eisenbahn-Vorarbeiten mit Vor 
zugs weiser Benutzung des Tachymeters, Köln 1883.“ Diese letztere 
Anleitung ist bis auf ein paar Druckabzüge vergriffen und wird wohl 
bald eine neue umgearbeitete Auflage erfahren. 
Bei den allgemeinen Eisenbahn-Vorarbeiten kommt os 
darauf an, in kurzer Zeit und mit verhältnismäßig geringen Kosten 
grofse Flächengebiete so zu messen, daß für die Darstellung des 
Geländes ein Lageplan mit Höhenlinien gezeichnet werden kann, in 
welchem alle in Wettbewerb tretenden Bahnentwürfe gegeneinander 
auf ihre Vortheile und Nachtheile abgewogen werden können. Zu 
solchen Messungen sind Aneroid-Barometer in Verbindnng mit den 
gewöhnlichen genaueren Meßvorrichtungen die geeignetsten Instru 
mente. Ein sorgfältiger Beobachter erzielt mit ihnen leicht eine 
Genauigkeit von 1 bis 2 m in der Höbe, was bei dem für den Lage 
plan gewählten Maßstab von 1 : 2500, 1; 5000 oder gar 1:10 000 
weitaus genügend erscheint. Die oft vertretene Ansicht, daß das 
Aneroid für Eisenbahn-Vorarbeiten zu geringe Genauigkeit biete, ist, 
wie die Erfahrungen gezeigt haben, durchaus unbegründet Oft 
«chrecken auch die Ingenieure, welche das Aneroid anwenden wollen, 
von der zeitraubenden Berechnung der Höhen aus den am Instrument 
gemachten Beobachtungen zurück, was nicht ganz unbegründet ist, 
wenn diese sich sehr häufende Arbeit mit Tabellen und Rechen 
schiebern vorgenommen werden soll. Das ist jedoch nicht nöthig. 
Es ist das Verdienst des Ingenieurs Steinach, welcher bis znm 
Jahre 1881 im Dienste der Rheinischen Eisenbahn gestanden, ein 
.zeichnerisches Verfahren für die Höhenermittlung bei Aneroid- 
messungen erfunden zu haben, welches ohne alle Rechnung nur durch 
Anwendung von einigen vorher vorbereiteten Papiermafsstäben in 
übersichtlicher Weise die gewünschten Ergebnisse liefert. Dieses 
Verfahren, welches das Aneroid-Barometer erst für ausgedehnte Land 
messungen verwendbar macht, hat der Erfinder in der Zeitschrift des 
Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Hannover, Band XXVII, Jahr 
gang 1881, Heft 1 eingehend beschrieben, und wenn auch seitdem 
einige Verbesserungen und Vereinfachungen eingefiihrt worden sind, 
so ist das Verfahren doch im wesentlichen dasselbe geblieben und 
liegt auch der oben erwähnten «Anleitung“ zu Grunde. 
Alle, die einen Ueberblick über das Höhenmessen mit dem Baro 
meter gewinnen wollen, seien auf einen vortrefflichen Aufsatz von 
Dr. C. Koppe, Professor an der technischen Hochschule in Braun 
schweig, «Die Verfahren der Ausführung und Berechnung baro 
metrischer Höhenaufnahmen“, erschienen in Band XXXIV, Jahrgang 
1888 der Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Han 
nover, aufmerksam gemacht. 
Es würde zu weit führen, wollten wir hier auf eine Beschreibung 
der Instrumente und der Messungen fiir allgemeine Vorarbeiten näher 
eingeben, doch mag zur Uebersicht des Arbeitsganges folgendes aus 
dem Inhaltsverzeichnisse der genannten «Anleitung“ erwähnt sein: 
In Abschnitt I ist eine kurze Einleitung über Zweck und Art 
der Vermessung gegeben und gesagt, daß sich die Messungen mit 
dem Aneroid-Barometer an ein Netz von Höhenfestpunkten an- 
scbließen sollen, welche mit dem Nivellirinstrument bestimmt sind, 
Abschnitt II handelt von der Ausrüstung zur Vornahme der 
Messungen. 
Abschnitt III ist der Beschreibung der Aneroid-Barometer nnd 
Bemerkungen über den Gebrauch derselben gewidmet, 
Abschnitt IV beschreibt den Bau und den Gebrauch der «Baro 
graphen“ oder selbstschreibenden Barometer, welche fiir die Auf 
zeichnungen der Luftdruckschwankungen benutzt worden sind. Hier 
mag gleich bemerkt werden, daß die Einrichtung der Barographen 
noch eine wenig vollkommene ist, sodafs viele Beobachter es vor 
ziehen, statt derselben einfache Barometer in kurzen Zeitabständen 
beobachten zu lassen, wobei man jedoch von der Gewissenhaftigkeit 
des Beobachters abhängig ist. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die 
mechanischen Werkstätten sich bemühen würden, die selbstschreiben 
den Barometer zu vervollkommnen. 
Abschnitt V der Anleitung beschreibt den Arbeitsvorgang bei 
Ausführung von Landmessungen, und zwar: 
1. die Beschaffung der Lagepläne, Eintheilung und Vervielfälti 
gung derselben; 
2. die Ausführung eines Hauptnivellements mit Nivellirinstru- 
menten; 
3. die Ausführung von Schleifennivellements im Bereiche der 
einzelnen Lagepläne; 
4. die Ausführung von Flächennivellements mit Aneroid-Baro- 
metem oder kurz «Barometermessung“; 
5. die Ermittlung der Höhen der Barometermessung auf zeichne 
rischem Wege, welches Verfahren als ein ganz eigentümliches in 
mehreren Unterabtheilungen eingehend beschrieben wird; 
6. die Eintragung der Höhenzablen und Höhenschichtenlinien in 
die Lagepläne und Ausstattung der letzteren. 
Der letzte Abschnitt VI giebt ein kurzes Verzeichnis der 
benutzten Werke und Abhandlungen. 
Die zur Anleitung gehörenden Tafeln enthalten verschiedene 
Tabellen, Maßstäbe, Abbildungen der Instrumente, die Einrichtung 
des Feldbuches, ein Beispiel für die zeichnerische Ermittlung der 
gemessenen Höhen und zwei Muster für die Anfertigung der Lage- 
und Höheupläne im Maßstabe 1: 2500 und 1; 10000. 
Bei den ausführlichen Eisenbahn-Vorarbeiten beginnen 
die Feldarbeiten mit der Absteckung eines Polygonzugs, welcher 
sich möglichst der bei den allgemeinen Vorarbeiten ermittelten Linie 
anschließt, und dessen Winkelpunkte die für die weitere Messung 
durch ein genaues Nivellement festzulegenden Höhenfestpunkte bilden. 
Die folgenden Messungen haben wieder den Zweck, einen Lageplan 
mit Höhenlinien zu erhalten, welcher gestattet, die vorteilhafteste 
Bahnlinie genau zu untersuchen und endgültig festzulegen. Zu dem 
Ende wird von demjenigen Flächenstreifen des Geländes, welcher den 
allgemeinen Vorarbeiten zufolge die zu wählende Linie enthalten 
wird und sich in der Regel nur auf die geringe Breite von 60 bis 
100 m zu beiden Seiten des Polygons erstreckt, am zweckmäßigsten 
mit dem Tachymeter, ein Lage- und Höhenplan gemessen, im Maß 
stabe von 1; 1000 bearbeitet und mit Schichtenlinien im Höhen 
abstande von 1 m versehen. Dieser Plan eignet sich vorzüglich zur 
genauen Untersuchung und Prüfung des Entwurfs, gestattet das 
Entnehmen beliebiger Längen- und Querschnitte fiir die Massen 
berechnungen und ermöglicht auch das Entwerfen sämtlicher Anlagen, 
als Wegübergänge, Brücken, Bahnhöfe usw., sodafs vor jeder Ueber- 
tragung der beabsichtigten Bahnachse ins Feld, vor der Messung
	        
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