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Volume Nr. 34A

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Nr, 34i* Centralblatt der Banver^valtnng. 
IKHALT: XXXII. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. — Eisenbahn-Vorarbeiten und neuere Anleitungen zu denselben. — Vermischtes; Begiun der 
Arbeiten zur Canalisirung der oberen Oder. — Preisbewerbung um Entwürfe für eine Main-Strafsenbrücke bei Wurzburg. — Preisbewegung für Pläne zu einem 
Rathhaus in Pforzheim. — Preisausschreiben für einen Ratbhausban in Schönebeck a, d. Elbe. — Einsturz der ßirsbrücke bei Möuchenstein, — Senkmine mit 
belastendem schalenartigen Deckel. 
[Alle Rechte Vorbehalten.] 
Die XXXII. Hauptversammlung 
wurde in der Zeit vom 17. bis 20. August d, J. in Düsseldorf und 
Duisburg abgehalten, Ueber die mannigfachen Veranstaltungen und 
die gepflogenen Verhandlungen sei in folgendem kurz das für unsere 
Leser bemerkenswertheste mitgetheilt. Nachdem bereits am Abend 
vorher eine Begrüfsung der Festtheilnehmer in der neuen städtischen 
Turnhalle erfolgt war, eröffnete der Vorsitzende, Fabricant Lwowski- 
Halle, am 17. August die Hauptversammlung unter einem Hinweis 
auf die Ziele, Zwecke und das stete erfreuliche Wachsthum des 
Vereins und rief den zahlreich erschienenen Verbandsmitgliedern, 
namentlich aber den als Gästen anwesenden Vertretern der Königl. 
Staatsregierung, der Provinz, der Stadt Düsseldorf und der Handels 
kammer (Ober-Regiemngsrath Dr. Scheffer, Landesdirector Klein, Ober 
bürgermeister Lindemann und Commercienrath Pfeifer) ein h erzliches 
„Willkommen“ zu, worauf die genannten Herren die Begrüfsung des 
Vorsitzenden im Namen ihrer Auftraggeber erwiderten. Den ge- 
äufserten Wünschen und Griifsen schlossen sich noch als Vertreter 
der Bezirksvereine von Düsseldorf und Duisburg Consul v, Schwarze 
und Director Liebig an. Der Vorsitzende sprach für alle freund 
lichen Worte seinen Dank aus und warf einen kurzen Rück 
blick auf das vergangene Vereinsjahr, während dessen der Tod 
unter andern den verdienstvollen Mitbegründer und das langjährige 
Ehrenmitglied des Vereins, Commercienrath Fr. Euler, hinweggerafft 
habe. Es folgte nunmehr der Geschäftsbericht des Directors Peters, 
ans welchem hier hervorgehoben werden mag, dafs die Zahl der Mit 
glieder, welche zu Ende 1889 noch 6462 betrug, jetzt bereits auf 7352 
angewachsen ist und sich über 32 Bezirksvereine vertheilt. Es sei 
ferner erwähnt, dafs der Verein die Verleihung der Corporations- 
reehte nachgesucht und in seiner Zeitschrift (Nr, 1 des Jahrganges 
1891) zwei Preisangaben, die Verminderung der Rauch- und Rufs 
plage betreffend, ausgeschrieben hat. Aus der Vereinskasse wurde 
der stadtkölnischen Maschinenbauschule ein jährlicher Zuschufs von 
3000 Mark gewährt. Vorschläge zur Abänderung des Patentgesetzes 
wurden der Reichsregierung eingereicht. Die Geschäftsstelle des 
Vereins ist mit 11 Beamten (1 Director, 2 Assistenten, 3 Bureau 
beamte und 5 Zeichner) besetzt. 
Hierauf sprach Ingenieur E. Schrödter in längerer Rede über 
die Industrie in und bei Düsseldorf und wies auf die mit 
80 Lichtdrucktafeln geschmückte prächtige Festschrift hin, welche 
den Theilnehmern einen trefflichen Einblick in das Getriebe des 
niederrheinisch-westfälischen Grofsgewerbes gewähre. 
Nach, einer kurzen Pause erhielt der Kaiserliche Marine -Bau- 
inspector Prof. C. Busley das Wort zu einem Vortrage über Deutsch 
lands Schnelldampfer und ihre Besichtigung durch Kaiser 
Wilhelm II. Diejenigen unserer Leser, welche der vorjährigen 
Wander - Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und 
Ingenieur-Vereine in Hamburg beizuwohnen Gelegenheit hatten, 
werden sich noch mit Freuden der mit grofsem Beifall aufgenommenen 
lichtvollen Rede desselben Vortragenden über „Deutschlands Schnell 
dampfer“ erinnern. Indem wir hier auf diese im Centralblatt der 
Bauverw. 1890 S. 395 u. f. wiedergegebenen ausführlichen Mittheilungen 
verweisen, seien hier noch einige Punkte aus dem letzten Busleyschen 
Vortrage erwähnt. Deutschland habe in Bezug auf die Zahl der 
Dampfer Frankreich und die Vereinigten Staaten überflügelt und 
stehe jetzt unter allen Mächten an zweiter Stelle, während England 
den ersten Rang behaupte. Und doch seien den sieben prächtigen 
Schnelldampfern Columbia, Lahn, Normannia, Auguste Victoria, Spree, 
Havel und Fürst Bismarck nur vier englische Dampfer ebenbürtig. 
An die Beschreibung des neuesten, 1607 Personen an Bord nehmenden 
Doppel-Schraubendampfers „Fürst Bismarck“ der Americanischen 
Packetf&hrt-Actien-Gesellschaft knüpfte Redner Mittheilungen darüber 
an, dafs an der grof&artigen Entwicklung der deutschen Dampfschiff 
fahrt die weitesten Kreise theilnahmen und nicht an letzter Stelle 
unser jetziger Kaiser, der mit bewundemswerthem Interesse alle 
Neuerungen auf diesem Gebiete verfolge. Er schlofs mit den an 
erkennenden Worten, die der Kaiser nach Besichtigung des letzt 
genannten Dampfers am 29. Juni d, J, gesprochen habe: „Es hat mich 
gefreut, dieses stolze Schiff und seine mächtigen Maschinen in vollem 
Betriebe besichtigen zu können, aber eine noch viel lebhaftere Freude 
empfinde ich darüber, dafs nach den mir soeben gewordenen Ein 
drücken dieser deutschem Fleifs und deutscher Ausdauer entsprungene 
Dampfer sich allen gleichartigen Erzeugnissen anderer Völker an 
die Seite stellen kann. Möge Deutschlands Industrie auf den hier 
mit betretenen Pfaden weitersebreiten!“ 
Demnächst folgte der Vortrag des Ober-Ingenieurs B. Gerdau 
über Lösch- und Ladevorrichtungen für Schiffe und Eisen- 
des Vereins deutscher Ingenieure 
bahnen. Nach einer Besprechung der verschiedenen Arten von Hebe 
werken beleuchtete der Redner auch die in Deutschland (z. B. in 
Hamburg, Bremen, Frankfurt, Köln, Düsseldorf) neuerdings vielfach 
attsgeführten Anlagen centraler Kraftversorgungen für Lösch- und 
Ladezwecke. Bei einer Vergleichung der verschiedenen Systeme der 
Kraftübertragung (durch Druckwasser, Prefsluft, Elektricität und 
unmittelbare Dampfzuleitung) hinsichtlich ihres wirtschaftlichen 
Werthes kam er zu dem Schlüsse, dafs für die genannten Zwecke 
die Druckwasser-Uebertragung die günstigste sei; die Prefsluft 
un‘d Elektricität eigne sich mehr für die im Kleinmotorenbetriebe 
erforderliche drehende Bewegung; am wenigstens eigne sich die cen 
trale Dampfleitung. Schliefslich machte der Redner noch auf den 
Umstand aufmerksam, dafs bei unseren Häfen rascher und tat 
kräftiger mit dem Ausbau der Lösch- und Ladevorrichtungen vor 
gegangen worden sei, als bei unseren Bahnhöfen, welche fast durch 
gängig noch der einfachsten mechanischen Mittel zum Verladen und 
Umladen der Waren entbehrten. 
Hiermit war der geschäftliche und technische Theil der Tages 
ordnung erledigt und es folgte nunmehr unter Theilnahme von etwa 
500 Personen ein von vielen Trinksprüchen gewürztes Festmahl in 
der städtischen Tonhalle, welchem sich ein von der Stadt Düsseldorf 
gegebenes glänzendes Gartenfest anschlofs. 
Die zweite Sitzung am 18. August war den Geschäften des Ver 
eins gewidmet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hofrath Dr. Caro - 
Mannheim, zum stellvertretenden Vorsitzenden Regierungs- und Ge 
werberath Frief-Breslau gewählt, Von den weiteren Berathungs- 
gegenständen dürften folgende von allgemeinerem Interesse sein. 
Zu dem Entwürfe des bürgerlichen Gesetzbuches sollen von dem 
Vorstande unter Zuziehung geeigneter Sachverständigen die Wünsche 
des Vereins in einer Denkschrift zum Ausdruck gebracht werden. 
Zur Neugestaltung der Gewerbe-Inspcction in Preufsen 
begrüfst der Verein die Absicht der Regierung, Techniker, insbeson 
dere Maschineningenieure mit der Gewerbe-Inspection zu betrauen, 
mit Freuden, hält jedoch für diese Beamte eine akademische Vor 
bildung mit ausgiebiger Praxis für nothwendig, empfiehlt ferner 
die freiwilligen Dampfkesselvereine dem Wohlwollen der Regierung 
und bezeichnet schliefslich die in Aussicht genommene Verquickung 
der Berufsgenossenschaften und Gewerbe-Inspection in ihren Be 
amten als unzweckmäßig. 
Zur Reform des höheren Schulwesens werden folgende 
Sätze fast einstimmig angenommen *. 
I. Der Verein deutscher Ingenieure bestätigt seine früheren auf 
seiner XXVII, Hauptversammlung in Coblenz 1886 beschlossenen 
Aussprüche zur Schulreformfrage und hebt nochmals ausdrücklich 
hervor, dafs die höheren Schulen eine der Gegenwart entsprechende 
allgemeine Bildung, nicht die Fachbildung irgend eineB besonderen 
Berufes, also auch nicht des technischen, zu gewähren haben; 
dafs bei der jetzigen Gestaltung des höheren Schulwesens das 
Realgymnasium, und zwar mit vermehrten Berechtigungen, erhalten 
werden mufs; 
dafs aber schliefslich eine allseitig befriedigende Lösung der 
Schulreformfrage nur durch einen allen höheren Schulen gemeinsamen 
Unterbau auf neuspraeblicb-naturwissenschaftlicher Grundlage herbei- 
züfiihren ist. 
II. DeT Beschlufs der December-Conferenz, wonach nur „rein 
humanistische“ und „rein realistische“ Anstalten von Sexta an ge 
trennt nebeneinander bestehen sollen, ist ohne schwere Schädigung 
zahlreicher und wohlbegründeter Interessen nicht durchführbar. 
III. Viel zu wenig ist bei allen bisherigen Verhandlungen über 
die Schulfrage die Wichtigkeit des höheren Schulwesens für die 
gewerblichen Kreise, für die Leistungsfähigkeit der deutschen In 
dustrie zur Geltung gekommen. Auf dieser Leistungsfähigkeit beruht 
aber zum grofsen Theil Deutschlands Weltstellung in Frieden und 
Krieg, zu deren Erhaltung die Industrie die materiellen Mittel, die 
Technik die Waffen und Werkzeuge liefert. Deshalb ist es Aufgabe 
der Schulreform, in viel höherem Maße als bisher durch Pflege der 
neusprachlichen und naturwissenschaftlichen Bildungsmittel die ge 
werblichen Kreise der Bevölkerung zu hohen Leistungen zu befähigen. 
Nachdem noch die „Gesetzentwürfe über elektrische Anlagen 
und über das Telegrapheuwesen“, sowie die Veröffentlichungen des 
Kaiserlichen Patentamtes einer Besprechung unterzogen waren, wurde 
beschlossen, die nächstjährige Hauptversammlung in Hannover und 
Braunschweig abzuhalten. Den Schlufs des Tages bildete ein wohl- 
geiuagenes Gartenfest im Zoologischen Garten. 
Der dritte Tag vereinigte die Theilnehmer der Hauptversammlung
	        
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