Path:
Volume Nr. 34

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

332 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
22. Ingnst 1821. 
Wahl des aus 5 Mitgliedern bestehenden Vorstandes durch die Ab* 
geordneten-Versammlung. Der Secretär soll ebenfalls anf vier Jahre 
durch die Abgeordeten-Versammlung gewählt und sein Verhältnis 
zum Verbände durch Vertrag geregelt werden; er wird Mitglied des 
Vorstandes. Hierauf wurde der Ausschufs für den Entwurf der danach 
aufzuetellenden neuen Satzungen gewählt, bestehend aus den Herren 
Baumeister, Bluth, Bubendey, Köhler, Schmidt, und Herr Baumeister 
beauftragt, die fünf Herren zusammenzuberufen. 
Damit war in neunstündiger anstrengender Sitzung die Tages 
ordnung bereits am Freitag Nachmittag erledigt, und die Herren 
konnten sich nunmehr der wohlverdienten Buhe hingeben. 
Zunächst fand das gemeinsame Festessen in den Bäumen der 
reizend gelegenen Bosenau statt. Die folgenden Tage waren der 
Besichtigung der Stadt Nürnberg gewidmet. Daran schlofs sich ein 
Ausflug nach Kloster Heilsbronn, für welchen von der Königl. 
bayerischen Eisenbahnverwaltung ein Sonderzug bereitgestellt war, 
und am Sonntag eine Fahrt nach Bayreuth zur Theilnahme an dem 
an diesem Tage stattflndenden Wagnerschen Weihefestspiel „Parsifal“. 
Die schönen Tage von Nürnberg werden noch lange im Ge 
dächtnis der Theilnehmer bleiben, und warmer Dank gebührt den 
bayerischen Fachgenossen, welche mit voller Hingebung ihres Amtes 
als Veranstalter gewaltet haben. Pbg. 
Vermischtes. 
Zur Preisbewegung fUr ein Kaiser Wilhelm-Museum in Crefeld 
(vgl. S. 283 d. J.) wird bekannt gegeben, dafs der Tag der Ein 
reichung der Entwürfe auf den 15. November d, J. verschoben ist. 
Besuch der technischen Hochschule in Darmstadt. Die Gesamt 
zahl der Studirenden und Hospitanten beträgt am Ende des gegen 
wärtigen Sommerhalbjahrs 392 (gegen 339 im Sommerhalbjahr 1890). 
Von dieser Zahl gehören 204 dem Grofsherzogthum Hessen, 115 dem 
Königreich Preufsen, 50 anderen deutschen Staaten, 23 dem Auslande 
an. Auf die einzelnen Abtheilungen rertheilt sich die Zahl folgender- 
mafsen: Summe 
Stndirende 
Hospitanten Sommer- 
Sommer- 
halbjahr 
halbjahr 
1891 
1890 
1) Bauschule 
43 
11 
54 
(48) 
2) Ingenieurschule 
49 
5 
54 
(46) 
3) Maschinenbauschule . . . 
4) Chemisch-technische Schule: 
64 
11 
75 
(67) 
Chemiker 
Pharmaceuten .... 
15 »30 
15/ M 
131 
6) 
19 
ä > 
5) Mathematisch - naturwissen- 
schaftliche Schule .... 
17 
15 
32 
(27) 
6) Elektrotechnische Schule 
114 
14 
128 
(97) 
Zusammen 
317 
75 
392 
(339) 
Eine neue Elsenfarbe, welche die meisten bisher bekannten 
und gebräuchlichen Eisenschutzmittel nach vielen Richtungen hin 
zu Ubertreffen scheint, ist in der Schuppenpanzerfarbe von 
Dr. Graf u. Comp, gefunden worden. Seit etwa 2*/2 Jahren sind 
seitens einer Anzahl Techniker und Gewerbtreibender Versuche ge 
macht worden, Eisen-Massen und -Constructionen der verschiedensten 
Art, selbst das Innere von Dampf- und Warmwasserkesseln gegen 
Kost zu Bchützen. Es hat sich dabei herausgestellt, dafs während 
dieser Zeit Kostbildungen sich weder unter dem Anstrich zeigten, 
noch auf abzumessende Zeit zu erwarten sein werden, da selbst unter 
den ungünstigsten Verhältnissen weder Luftrisse noch Abblätterungen 
entstanden. Die Erklärung für diese Eigentümlichkeit ist einfach. 
Die Anstrichmasse besteht nicht aus staubförmigen Metalloxyden oder 
Erden, welche mit dem Oel des beigemischten Firnisses eine Ver 
seifung eingehen und infolge von Austrocknung oder nasser Oxy 
dation rissig oder porig werden, wie das auch bei allen Lackan 
strichen der Fall ist, sondern das Farbematerial ist ein durch 
chemische Mittel kaum aufschliefsbarer Stoff. Er stellt sich dar als 
dünne Blättchen von etwa V*—Vs mm Breite, bei ungefähr i /to—-V$o mm 
Dicke. Der dabei verwandte, durch ein besonders der Ozon- 
herstellung nabeliegendes Mittel zu ganz besonderer Zähigkeit und 
Auftrocknnngsfähigkeit (ohne Zusatz irgend welcher Bleioxyde) ge 
brachte Firnifs lagert sich beim Anstrich zwischen diesen Blättchen 
derartig, dafs diese nur hundertstel Millimeter starken Fimifsschichten 
den Angriffen der Sonnenstrahlen, des Sauerstoffes der Luft, der 
Feuchtigkeit und deren Beimengungen*) nur eine allerkleinste Quer 
schnittsfläche bieten. Aber durch diesen Zwischenschlufs zwischen 
einzelne Blättchen kann auch der Firnifs nur allgemach die 
elasticitätserhaltenden flüchtigen Oelbestandtheile verlieren. Kurz 
gefafst kann man sagen, dafs, während alle anderen, vollständig aus 
einheitlicher Masse (Lacken) oder aus Mischung von seifebildenden 
Staubfarben und Oelfirnifs bestehenden (Oelfarben-)Anstriche stets in 
ihrer ganzen Oberfläche den zerstörenden Angriffen preisgegeben sind, 
diese letzteren auf die Schuppenfarbe nur allmählich und zwar auf 
deu aus der Sehuppenlagcrung sich ergebenden Umwegen auf das 
Eisen einwirken können. Hieraus kann man mit ziemlicher Sicher 
heit schliefsen, dafs im ungünstigsten Falle dem Schuppenfarben 
anstrich mindestens die 2 1 /sfache Dauer irgend eines aus Staubfarben 
*) Als solche sind z. B. bei Eisenbahnbauten das Schwefel- 
ammonium der heifsen Locomotivgase und die aus den Schlacken durch 
Niederschläge ausgewaschenen unterschwefligsauren Salze, bei Strafsen- 
brücken die harnsanren ammoniakaliscben Ausscheidungen der Zug- 
tbiere usw. als die schärfsten chemischen Lösungsmittel zu bezeichnen. 
hergeBtellten Anstriches beizumessen sein wird; bestätigt wird diese 
Schlußfolgerung durch die vom Fabric&nten angegebene Biegeprobe. 
Lieferten die eingangs erwähnten Erfahrungen sowie Versuche 
in den Laboratorien der Herren Prof. Dr. Fresenius und Dr. P. Jese- 
rieh den Beweis der grofsen Dauer, Deckkraft und Haftbarkeit des 
Schutzmittels, so erfuhr dieser Beweis jüngster Zeit durch einige in 
der Gasanstalt Ch&rlottenburg angestellte, sehr eingehende Ver 
suche volle Bekräftigung, und es werden daraufhin die an Innen- 
und Außenfläche rund 6000 qm messende Gasglocke sowie die rund 
1000 qm enthaltenden Flächen der Gasreiniger eines in Ausführung 
begriffenen Neubaues dieser Anstalt mit Schnppenpanzerfarbe ge 
strichen. Auch die Eisenbahn - Betriebsinspectiou Berlin (Berlin- 
Stettin) hat vor kurzem, sogar bei äußerst regnerischer Zeit, für den 
Anstrich einer Eisenbahn - UeberführuDg bei Eberswalde die neue 
Farbe angewandt und den Anstrich weiterer Brücken beschlossen. 
Bei letztgenannten größeren Ausführungen ergab sich, daß für einen 
einmaligen Anstrich bei sehr ebenen Blechflächen ungefähr 1 kg 
fertige Farbe für 10 qm Anstrichfläche genügt, während Dir sehr un 
ebene, viel vernietete, stark mit Winkeleisen besäumte Bautheile 1 kg 
nur für rund 7,5 qm ausreicht. Der Preis deB Farbestoffes beträgt 
im ersteren Falle etwa 20 Pf. für den zweimaligen Anstrich, im 
zweiten Falle 27 Pf. Danach berechnete sich der zweimalige An 
strich für 1 qm auf höchstens 80 bezw. 37—40 Pf., vorausgesetzt, 
dafs der Anstrich durch die betreffenden Fabrik- oder Eisenbahn 
arbeiter geschieht und die Kosten für Büstung usw. nicht einge 
schlossen sind. Bei Anstrich durch „Berufsanstreicher“ werden die 
Kosten für 1 qm sich um etwa 5—10 Pf. höher stellen. 
Anzuführen ist schließlich noch, was unter Umständen von 
großem Werthe sein kann, daß die Farbe und der dazu verwendete 
Firniß vollständig „giftfrei“ sind, dafs der Anstrich Temperaturen 
bis 120° C. und in Dampfkesseln noch weit höhere erträgt, sowie dafs 
er, auf Heizkörpern angewandt, deren Strahlungsfähigkeit nur in ge 
ringem Maße beeinträchtigt. — n —. 
Selbstthätige Briefmarken - Austheiler in London. Wenn im 
allgemeinen die selbstthätigen Austheilmaschinen (Automaten) bisher 
weniger zu nutzbringender Thätigkeit errichtet wurden als vielmehr 
zum ausschließlichen Vortheil der Geschäftsleute und Erfinder, in 
dem sie das Publicum zum Kauf von Dingen verlocken, die gröfsten- 
theils sehr entbehrlich sind, so hat man doch in London angefangen, 
diese Maschinen auch zu nützlicheren Zwecken zu verwenden. So 
sind unlängst mit Genehmigung der Postbehörden probeweise an 
verschiedenen Briefpfosten — eiserne Strafsenpfosten an Stelle der 
Briefkasten sind in London sehr üblich —, und zwar in der Brücken- 
strafse gegenüber dem Parlament, ferner in der Pimlico gegenüber 
dem Grosvenor-Hotel und an anderen Stellen des Westends und der 
Vorstädte solche Maschinen als Briefmarken-Austheiler angebracht 
worden. Bei Einwurf eines Penny in einen Spalt giebt der Aus 
theiler eine in einem Notizbüchelchen befestigte Briefmarke heraus. 
So kann sich ein jeder beim Einwurf seines Briefes in den betreffen 
den Briefkasten unmittelbar die erforderliche Marke verschaffen. 
Die Einrichtung ist das Eigenthum des „Briefmarken • Austheil- 
Syndicats“, welches seinen Gewinn lediglich aus dem Ertrage der in 
den Notizbüchern enthaltenen Anzeigen zieht. Wenn, was erwartet 
wird, die Einrichtung sich bewährt, soll sie in London allgemeine 
Anwendung finden. 
Architekt Pietro Rosa f. Am 15. d. M. ist in Rom im Alter 
von 71 Jahren der Architekt Senator Pietro Rosa verschieden. Er 
wirkte neben Fiorelli als Beamter der Generaldirection der Museen 
und Ausgrabungen und hat sich schon vordem, seit 1861, durch die 
unter Napoleon 111. begonnenen, von der Regierung des Königreichs 
fortgeführten planmäfsigen Ausgrabungen der Ruinen der Kaiser 
paläste am Palatin wie des Forums bekannt gemacht und ein 
dauerndes Verdienst geschaffen. Seine Ausgrabungsberichte sind 
namentlich in den Schriften des Kaiserlich Deutschen Archäologischen 
Instituts n. a. O. niedergelegt. F. O. S. 
Verlag tob Wilhelm Ernst a Sohn, Berlin. T6r die Bedaction des nichtamtlichen Theiles verantwortlich: Otto Sarrazin, Berlin. Drnci von J.Eerskes, Berlin.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.