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Volume Nr. 33

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Är. 88, 
Gentralblatt der Bauverwaltung. 
323 
die Biegungsspahnungeu ausschliefsen, so hätte man den Pfählen.die 
in Abb. 4 gestrichelt angedeuteten Stellungen T bezw. II' geben 
müssen, denen in Abb. 5 b l 3 ]i = l>g = be bezw. ag entsprechen. 
Ebenso zeigt Abb. 5c den Kräfteplan für den Pall, dafs die an- 
greifende Kraft die Richtung R' in Abb. 4 hätte und die Pfähle I 
nicht imstande wären, den Druck ac aufzunehmen, sondern nur den 
jenigen P t =ad\ 
3) Die Richtung der Kraft fällt aufserhalb des spitzen 
Winkels, den die Pfähle bilden. (Abb. 6). Wir erhalten dann, 
wenn eine Beanspruchung der Pfähle I auf Zug möglich ist, den 
Kräfteplan (Abb. 7ft) abc, in welchem P f t=bc den Zug der Pfähle I 
darstellt. Ware die Verbindung der Pfähle I mit den Pfählen II 
c 
Abb. 6. Abb. 7 a. Abb. 7 b. 
eine derartige, dafs die Pfähle I eine Zugspannung nicht aufuehmeu 
könnten, wohl aber eine Biegungsspannung, wären die Pfähle I also 
z. B, nur in den Holm eingezapft, so würden wir den Kräfteplau 
abfe in Abb. 7a erhalten, in welchem die Druckspannung der 
Pfähle II zwar von ac auf ae gesunken ist, aber Bj und B n als 
Biegungskräfte auftreten. Hätte man anderseits die Pfähle I in den 
Holm nicht eingezapft, sondern nur stumpf aufgesetzt und durch 
Eisen mit demselben verbunden, so würde nach Zerstörung desselben 
der Kräfteplan abd (Abb. 7a) in Wirksamkeit treten, bei welchem 
die Druckspannung der Pfähle II zwar ebenfalls (von ac auf ad) ge 
sunken, aber die Biegungsspannung B' lt = db ausschließlich von den 
Pfählen II zu leisten wäre, während die Pfähle I ganz aufser Be 
anspruchung wären. Könnten endlich die Pfähle J zwar .Zug- und 
Biegungsspannungen aufnehmen, überstiege aber die Druckbean 
spruchung 1 J 12 — ac (Abb. 7a) die Tragfähigkeit der Pfähle II, und 
wäre diese etwa nur P n '~ad in Abb.7b, so würde der Kräfteplan 
abefd die Beanspruchung darstellen, in welchem wieder die Biegungs- 
spannungen (je nachdem mit oder ohne widerstehenden Erddruck) 
Bj und B u zur Herstellung des Gleichgewichtes erforderlich sind. 
Die Biegungspannungen lassen sich vermeiden, wenn man den 
Pfählen I die Richtung I' in Abb. 6 giebt, der in Kräfteplan Abb. 7 b 
die Zugbeanspruchung db entspricht. Durch diese Aenderung in 
der Stellung der Pfähle I vermindert man sowohl ihre eigene Zug 
spannung, als auch die Druckbelastung der Pfähle II gegenüber der 
früheren Stellung. 
Letztere Betrachtung zeigt, wie nützlich es bei wechselnder Lage 
der angreifenden Kraft R werden kann, wenn mau die Verbindungen 
der Pfähle so einrichtet, dafs dieselben auch Zugspannungen auf 
zunehmen vermögen, sowie auch, dafs es unter Umständen, zweck - 
mäfsig werden kann, einem Theile der Pfähle eine Richtung zu 
geben, welche von derjenigen der Kraft R möglichst abweicht (ge 
strichelte Lage I in Abb, 6 und Abb. 7b). Wenn also die Gröfee 
und Richtung der angreifenden Kraft R für die ungünstigsten oder 
besser für verschiedene Annahmen ermittelt sind, bietet das zeich 
nerische Verfahren einen bequemen und namentlich sehr übersicht 
lichen Weg, um für die Pfähle die günstigste Stellung zu ermitteln. 
Wir haben bei unserer Untersuchung nur zwei verschiedene Rich 
tungen der Pfähle angenommen, das Verfahren läfst sich aber offen 
bar ebenso gut anwenden, -wenn die Pfähle in drei oder mehr ver 
schiedenen Richtungen eingerammt werden sollen. 
Den Widerstand auf Ausziehen kann man =» 5 /$ bis 3 / 4 der Trag 
fähigkeit der Pfähle annehmen. Bei grofsen Bauausführungen thut 
man besser, beide Widerstände an Probepfählen zu ermitteln, die 
man in den vorliegenden Baugrund eintreibt und nach erfolgter 
Probebelastung wieder auszieht. Ueber den Biegungswiderstand von 
Pfählen mit und ohne widerstehenden Erddruck geben die Versuche 
von Sandemann Auskunft*). 
") Exc. Minut. of Proceed. of the Inst, of Civ. Eng., Band LIX 
1880. S, 282; sowie hjdskr. ran het Kon. Inst, van Ing., 1882, S. 217 
und im „Grundbau“ des Verfassers S,. 138, 
Vermischtes. 
Den Entwurf za einem Kaiser Wilhelm-Denkmal beabsichtigt 
die Stadt Ruhrort durch eine Preisbewerbung unter den 
deutschen Künstlern zu gewinnen. Als Standort für das Denkmal 
ist ein Platz am Alten Hafen, nahe der Vinke-Brücke und gegenüber 
der Vinkesäule gewählt. Die Aufgabe ist eine besonders eigenartige 
infolge der Forderung, dafs das Denkmal des Kaisers gleichzeitig 
dem Fürsten Bismarck gelten soll, auch wird sie die Aufmerksamkeit 
der Architekten besonders erregen, weil in anbetracht des Stand 
ortes des Denkmals am Hafen mit seinem Mastenwalde und wegen 
des Fernblicks vom Rheine her eine HöhenentwickVung des archi 
tektonischen Theiles von wenigstens 18 Meter über der Krone der 
angrenzenden Strafsen für erforderlich erachtet wird. Die verfügbare 
Ausführungssumme beträgt 100000 Mark. Für die drei besten Ent 
würfe werden Preise von 3000 Mark, 2000 Mark und 1000 Mark ge 
währt. Dem Preisgericht gehören aufser vier Nichtkünstlern an die 
Herren Baurath Pflaume in Köln sowie Professor Schill, Bildhauer 
C. Jansen und Maler G, Deder in Düsseldorf. Ablieferungstag 
der Entwürfe ist der 1. März 1892. 
Eine Preisbewerbung zur Erlangung von Entwürfen für den 
Bau von Wohnhäusern schreibt auf Ersuchen des Commercienraths 
v. Cölln in Hannover der dortige Architekten- und Ingenieur-Verein 
unter seinen Mitgliedern sowie dem Vereine zwar nicht angehörenden, 
aber in Hannover und Linden wohnenden Architekten aus. (Vgl. 
den Anzeiger Nr. 32 d. Bl.) Die zur Verfügung stehende Bau- 
summe beläuft sich auf 235000 Mark. Die Preise betragen 1600 Mark 
und 1000 Mark. Preisrichter sind die Herren Geh. Reg.-Rath Prof. 
Hase, Baurath Prof. Köhler, Architekt Chr. Hehl, Intcndantur- 
und Baurath Schuster und der Bauherr. Die Entwürfe sind bis 
zum 1. December 1891 einzureichen. 
Zur Erlangung eines Planes für einen neuen Hafen iu Malmö 
wird von dieser Stadt ein Preisausschreiben erlassen (vgl. den 
Anzeiger Nr. 32A. d. Bl.). Für die in technischer und praktischer 
Hinsicht besten drei Entwürfe sind Preise von 8000 , 5000 und 
3000 Kronen (etwa 9000 , 5600 und 3400 Mark) ausgesetzt. Ein in 
deutscher Sprache abgefafstes Programm, welches auch die Namen 
der in- und ausländischen Mitglieder des Preisgerichts enthält, ist 
bei der Hafendirection in Malmö gegen Einsendung von 2 Mark zu 
beziehen. 
Gefsingniftbauten iu Grofs-Strehlitz. Die vor einiger Zeit voll 
endete neue Strafanstalt in Grofs - Strchlitz (vgl. Jahrg. 1886, S. 124 
d. Bl.) erhält gewissermafsen einen Zuwachs durch die neuerdings 
dort in Ausführung begriffenen Anlagen einer Centralstation 
für jugendliche männliche Gefangene und eines Gerichts 
gefängnisses. Die Centralstation soll 113 jugendliche Gefangene 
aufnehmen, von denen 57 in Einzelzellen von je 20 cbm Rauminhalt 
untergebracht werden, während 56 in gemeinschaftlichen Räumen ar 
beiten und nur die Nacht sowie die Sonn- und Feiertage in kleineren, 
nur je 11 cbm Inhalt bietenden Eiuzelzelleu verbringen. Zur Besserung 
und Fortbildung der jungen Gefangenen wird regelmäfsiger Schul- 
und Religionsunterricht vorgesehen; die für diese Zwecke bestimmten 
Räumlichkeiten befinden sich ebenso wie die Verwaltuugs- und 
Krankenräume in einem dem Zellenflügel vorgelegten Querbau des 
Hauptgebäudes der Station. 
Das dreigeschossige Amtsgerichtegefangnifs ist zur Unterbringung 
von 46 Männern und 14 Weibern bestimmt. Die Anordnung der 
Räumlichkeiten ist derjenigen der Centralstation ähnlich, nur liegen 
hier im Querbau auch die Haftzeiten für Weiber. Die ZellengTÖfse 
beträgt in diesem Gefängnisse 21,7 cbm. — Vervollständigt wird die 
Gesamtanlage durch ein Wirthschaftsgebäude, mehrere ÄTbeits- 
sebuppen und die in Gärten gelegenen Beamtenwohnungen mit ihren 
Stallungen. Die Baukosten werden für das Hauptgebäude der 
Centralstation 208 000 Mark, für da$ Gericbtsgefängnife 88000 Mark 
und für die Neben-Gebäude und -Anlagen 224500 Mark, im ganzen 
also 520500 Mark betragen. Das Quadratmeter Grundfläche be 
rechnet sich dabei für das Gefangnifs auf 185,4 Mark, das Cübik-
	        
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