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Volume Nr. 33

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
15. Anglist 1891. 
Abb. 1. 
Dittersbach und Glatz. Die Eohlengrubenstationen Gottesberg, 
Waldenburg und Altwasser konnten drei Tage lang nichts abfertigen. 
Die Bezeichnung «erheblich“ für jene Betriebstörungen halte ich 
daher aufrecht. Die Züge blieben also auf den gesperrten 
Strecken liegen, trotzdem rechts und links theure Schnee 
wehren angelegt sind und trotzdem die Ausrüstung jener 
Strecken mit angeblich «genügenden“ Schneeschutzanlagen bis auf 
ein Geringes vollendet ist. 
Ein noch stärkerer Beweis für die Nothwendigkeit, gute Schnee 
pflüge zu beschaffen, wird sich schwer erbringen lassen. Es ist 
daher, wie ich behauptet hatte, ein gefährlicher Irrweg, zu 
glauben, dafs mit Anlage seitlicher Schutzanlagen alles 
geschehen sei, um den Betrieb vor Störungen durch 
Schnee zu bewahren. 
In nachstehendem nehme ich vorläufig an, dafs der Schneefall 
thatsächlich bei vollkommener Windstille sich ereignet habe. Es 
werden alsdann die 2 m hohen, aus Flechtwerk oder Spriegelwerk 
bestehenden Schneezäune, welche auf der Strecke Euhbank-Alt 
wasser sowie Dittersbach-Glatz und Greiffenberg-Friedeberg vielfach 
zur Ausführung gelangt sind — vgl. «Organ“ S. 12 — und welche 
bei der Angabe der Gesamtlänge von 31 km Schutzwehren an 
scheinend nicht mitberechnet sind — «sämtliche Schutzwehren sind 
als Waldstreifen angelegt“ (Centralbl. S. 114) —, diese Schneezäune 
werden noch etwa 50 bis 80 cm aus dem Schnee hervorgeragt haben, 
als jener 36-stündige Schneefall bei Windstille vorüber war. Der 
Schnee lag nicht «sehr fest“, sondern lose, in den Einschnitten loser 
als auf den Dämmen (vgl. untenstehendes Schreiben aus Gottesberg). 
Eines besonderen Be 
weises durch That- 
sachen wird es nicht 
bedürfen, dafs ein 
etwa 1,3 m hoch ver 
schütteter Einschnitt, 
wie Abb. 1 zeigt, 
nicht nur bei erneu 
tem Schneefall, son 
dern auch bei einsetzendem Wind ohne neuen Schnee schnell 
wieder zugeweht worden wäre. 
Dafs «vollkommene Windstille“ herrschte, und dafs der Schnee 
fall nur 36 Stunden dauerte, war Zufall und kann eben nur als 
Glück bezeichnet werden; kommen doch sehr oft drei- bis viertägige 
Schneefälle vor! 
Eine Schneeschutzanlage, welche den Betrieb bei 
Schneefall vor Störungen nicht «schützt“, ist daher min 
destens unzureichend; es mufs also mehr geschehen. 
Die von mir über die Schneefälle auf der Schlesischen Gebirgs 
bahn angestellten genauen Ermittlungen haben ergeben, dafs die 
Angabe vollkommener Windstille auf Irrthum beruht. Auf den 
Stationen Sorgau, Conradsthal, Altwasser, Waldenburg, Dittersbach, 
Fellbammer und Gottesberg, als dem Haupttheil der Verwehungen, 
hat nicht einmal theilweise Windstille geherrscht, nur Kuhbank- 
Liebau hat geringen Wind gehabt; im Liebauer Thalkessel allein 
herrschte Windstille, Ich veröffentliche hier einige diesbezügliche 
Nachrichten, weil dieselben ein genaues Bild der Sache geben. 
„Conradsthal, 18. 1. 91. 
Ihrem Wunsche gemäfs theile Ihnen ergebenst mit, dafs gestern, 
den 17, d, M,, zum gröfsten Theil der Betrieb auf der Strecke Sorgau- 
Halbst&dt eingestellt war. Gestern den ganzen Tag dichter Schnee- 
fall mit Wind; zum Glück sehr loser Schnee. Durchschnittliche 
Schneehöhe 40 bis 60 cm über Schienenoberkante. Die Verwehungen 
50 bis 200 m lang bei einer höchsten Schneehöhe von 1,50 m. Weiteres 
steht bevor, da Schnee im Gelände sehr lose liegt.“ 
Ein zweites Schreiben, aus Altwasser, lautet: 
„Der Tag des stärksten Schneefalles war der 17. Januar, nach 
dem schon vom 14. ab täglich stärkere Schneefälle bei Kälte bis 
10° E und besonders hier in der geschützten Lage der hiesigen 
Station bei nur mäfsigem Nord- und Nordwestwinde, niedergegangen 
waren. 
Am 17. Januar wurde der Wind bedeutend lebhafter und trat 
besonders in den Nachmittagstunden hier — mehr aber noch auf 
den höher gelegenen und mehr den Stürmen ausgesetzten Nachbar 
stationen GotteBberg, Dittersbach u. a. — sturmartig (dieses Wort 
ist in dem Schreiben unterstrichen) auf, sodafs der Zugverkehr ein 
gestellt worden mufste. Am 18. traten zwar noch starke Schneefälie, 
aber in mehr vereinzelten Stöfsen auf, der Wind war mäfsiger und 
mehr westlich, das Thermometer war bis auf — 3° E gestiegen. An 
vollständig windgeschützten Stellen gemessene Schneehöhe 85 cm.“ 
Eine dritte Nachricht, aus Gottesberg, lautet: 
„Im Laufe des Januars (1. bis 13.) waren hier erheblich Btarke 
Schneefalle mit abwechselndem Wind (Anm.: Dies ist das Gefähr 
liche für den Schneezaun. Sz.). Am 17. Januar mufste der Verkehr 
zwischen Dittersbach und Euhbank ganz eingestellt werden; an 
diesem Tage wüthete der Sturm am heftigsten. Der Schnee lag auf 
hiesigem Bahnhof bis 1 m hoch (nach örtlicher, daraufhin geschehener 
Erkundigung „längs der Wagenreihe“. Sz.); die Fahrzeuge standen bis 
an die Kasten im Schnee (bildeten also Schneeschutzwehren, welche 
die Verwehung der Bahnhofsgeleise gut beförderten, Sz.). Leer- 
fahrende Maschinen kamen mit voller Dampfkraft nicht von der 
Stelle. Der Schnee war an die Schienen festgetrieben, sodafs das 
Freilegen mit Spitzhauen erfolgen mufste (weil der Wind so heftig 
war, dafs der Schnee hier angedrückt wurde. Sz.). Die Einschnitte, 
welche mit Zäunen, Fichtenpflanzungen oder Waldstreifen besetzt 
sind, waren auch bis 1 m hoch verschneet (ungenauer Ausdruck. Sz ), 
nur lag der Schnee dort nicht so fest.“ 
Der Bahnhof Dittersbach war an der aufgeBchütteten Nordkante 
1,5 m hoch verschneit, und zwar die Geleise 6b, 6a und ö, während 
Geleis 1 nur 0,50 m hoch verschneit war. (Oertliche Erkundigung: 
knietief.) Hinter der 3 m hohen Hecke, welche vor der Drehscheibe 
westlich vor dem Empfangsgebäude liegt, reichte der Schnee bis an 
eine dort befindliche Laterne heran (vgl, Schubert S. 95, Abb. 43). 
Danach mufs auch auf Bahnhof Dittersbach bei dem Schneefall, 
wie mir dort auch versichert wurde, Wind geherrscht haben (Abb. 2). 
Der Verschubdienst soll daselbst vom 17. bis 22. geruht haben, 
cs sollen 1300 Arbeiter, darunter etwa 700 Bergleute, vier bis fünf Tage 
lang zu drei Mark täglich auf und nahe bei Bahnhof Dittersbach 
mit Schneeschaufeln beschäftigt worden sein. Die Freilegungs 
arbeiten sollen durch den herrschenden starken Wind überaus er 
schwert worden sein, weil sofort der lose Schnee wieder den Aushub 
anfüllte. In solchen Fällen bleibt also nur übrig, das Ende des 
Sturmes abzuwarten und den Verkehr tagelang einzustellen, wie 
Schubert, S. 90, empfiehlt? Durchaus nicht! sondern jeder ein 
zelne Personenzug ist mit einem für 2 m Schneehöhe gebauten, 
vor die Vorspannmaschine gekuppelten Schneepflug durchzuschleusen, 
wozu die Schneepflüge der Nachbarbetriebsämter hinzuzuholen wären. 
Nach dem vorhergehenden haben sieb die erwähnten Schneefälle 
nicht bei vollständiger Windstille ereignet, sondern der 
„seltene“ Fall hat sich als ein ganz gewöhnlicher Schneesturm mit 
vorherigen Schneefällen und Schneetreiben entwickelt. Der Wind 
ist in Altwasser, Waldenburg und Gottesberg theilweis sehr heftig, 
auf dem freiliegenden Bahnhof Dittersbach minder heftig ge 
wesen, weil hier durch den Kranz von sehr hohen und steilen 
Bergen dicht hinter dem Bahnhof ein Kückstau eingetreten ist, 
welcher auch theilweiB Wirbelwinde erzeugt hat. 
Meine Voraussetzungen haben sich daher als ebenso richtig er 
wiesen, wie die Schlüsse, die ich aus denselben gezogen habe. Die 
Thatsachen sind: 
1) vorhandene Schneeunterlage, 
2) vereinzelte stärkere Schneefalle in der Zeit vom 14. bis 
16. Januar, 
3) am 17. Januar starkes Schneetreiben mit Wind, welcher theil 
weis eturmartig angewachsen ist, 
4) am 18. Januar vereinzelte, zeitweise Schneefälle, nachlassend. 
Die Wirkungen sind: „Verwehung bezw. Sperrung der Linien 
Ruhbank-Liebau, Kuhbank• Sorgau und Dittersbach-Glatz. Dies 
alles sind Strecken, deren Ausrüstung mit Schneeschutz 
anlagen neuester Art zu 31 Fünfunddreifsigsteln be 
endet ist! 
Vordem hatte ich gehofft, dafs nur die noch nicht geschützten 
Streckentheile verweht wurden. Nachdem sich diese Hoffnung als 
eitel gezeigt bat, bleibt nur übrig, einzugestehen, dafs sich die 
Schneeschutzzäune im vorliegenden Falle als unzuverlässig erwiesen 
haben. Ist der Schneezaun erst zum Theil im Schnee begraben, 
dann weht der neu hinzukommende Schnee auf der glatten gefrorenen 
Schnee-Ebene in den Einschnitt hinein; dies ist jetzt eine nicht mehr 
aus der Welt zu schaffende Thatsache, welche ich auch hier auf der 
Strecke Mocker-Wrotzlawken bei „richtig“ angelegten Schneezäunen 
an zwei Stellen beobachtet habe. Die Verwehung tritt ein, wenn 
der SchneeablagerungBßtreifen zum Theil verschneit ist, wenn 
mäfsiger Wind den Schnee erst gegen die eine Seite des Zaunes 
angetrieben hat und alsdann ein Umschlag des 'Windes in die ent 
gegengesetzte Richtung erfolgt, wie dies bei einem vorüberziehenden 
barometrischen Tief fast immer geschieht (vgl. auch Schubert, Taf. IV, 
die Querschnitte). 
Eine fernere Behauptung, die ich nicht unwiderlegt lassen 
möchte, ist die, dafs der frisch gefallene Schnee gewöhnlich sehr fest 
liege. Es hat sich dies in Dittersbach und Gottesberg gezeigt. Schnee 
von vier und mehr Grad Kälte fällt lose und bleibt bis zum Um 
schlag der Witterung lose. 
Ferner ist es irrig, dafs Schneepflüge 2 m hohen Schnee nicht 
mehr zu durchstofsen vermögen. Die ziemlich plump gebauten nor 
wegischen Schneepflüge durchstofsen jede Schneehöhe, allerdings 
manchmal mit sechs Locomotiven. Dies theilte Herr Professor Goering
	        
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