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Volume Nr. 32

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Nr. 81 
307 
Centralblatt der Bauverwaltnng. 
Die internationale elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. II. 
(Fortsetzung aus Nr. 29.) 
Unter den Ausstellungshallen nimmt die nach dem Entwürfe des 
Professors Sommer errichtete Maschinenhalle durch ihre Gröfse 
und ihre Lage im Mittelpunkte des ganzen Platzes die erste Stelle 
ein. Sie besteht hei 128 m Länge und 28 m Breite aus einem 16 m 
weiten und 17 m hohen Mittelschiffe, welches von 24 bogenförmigen 
Bindern getragen wird, und aus zwei niedrigen, schmalen Seitenschiffen. 
In der Mitte wird die Halle durch ein kurzes Querschiff durchsetzt 
und trägt über der dadurch entstehenden Vierung eine stattliche. 
Kuppel, welche oben in das Achteck übergeführt wird und sich bis 
zu einer Höhe von über 40 m erhebt. Die 16 m weite Kuppel ist 
nach innen zu, abgesehen von einigen Verankerungen und Ver- 
Steifungen, bis zur höchsten Spitze vollkommen offen und frei ge 
blieben, wodurch die schöne Raumwirkung des Hallen-Innern in 
das Grofeartige ge 
steigert wird. Die 
drei Haupteingänge 
der Halle, in der 
Mitte und an den 
beiden Giebelseiten, 
sind durch seitlich 
angeordnete kleinere 
Kuppelthürme ausge 
zeichnet, welche zu 
sammen mit der hoch 
ragenden Mittelkup 
pel auch den äufse- 
ren Aufbau der lang 
gestreckten Halle in 
angenehmer Weise be 
leben.*) Die äufseren 
Wandflächen sind 
ebenso wie auch 
die Kuppclaufbauten 
ganz in Weifs mit 
sparsamer gelber Be 
malunggehalten, wäh 
rend die in Pappe 
gedeckten Dächer 
schwarz gestrichen 
sind. Diese Farben 
gebung kommt na 
mentlich des Abends 
zur Geltung, wenn 
nach Eintritt der 
Dunkelheit die Archi 
tekturlinien des gan 
zen Mittelbaues der 
Halle mit der grofsen 
und den begleitenden 
Kuppeln im Glanze von etwa 1500 Glühlampen erstrahlen. Besonders 
gut in der allabendlichen festlichen Beleuchtung wirkt auch der als 
Abschlufs des Querschiffes dienende freie Bogenbinder, welcher mit 
einem mehrfachen, reichen Kranze von abwechselnd verschieden ge 
färbten Glühlampen besetzt ist und eine zwischen den Eingangs 
öffnungen auf hoher Säule in schön gruppirtem Pflanzenschmuck auf 
gestellte mächtige Kaiserbüste umrahmt. — Auch das Innere der Halle 
kommt abends erst zur vollen Wirkung. Während bei Tage nur wenige 
Motoren und Dynamomaschinen in Thätigkeit sind, ist allabendlich 
dieses ganze Gewirr von Maschinen im vollen Betriebe. Der Construction 
nach dürfte hier alles vertreten sein, was in den letzten Jahren auf dem 
Gebiete der Dampf-, Gas- und Petroleum-Motoren an hervorragenden 
Verbesserungen erzielt worden ist, während, was die Leistungsfähigkeit 
betrifft, alle gangbaren Gröfsen, vom kleinen einpferdigen Motor bis zur 
Riesenmaschine von 600 Pferdestärken, im Betriebe vorgeführt werden. 
Die hervorragendste Bedeutung beanspruchen jedoch in Anbetracht 
des besonderen Zweckes der Ausstellung die Dynamomaschinen uud 
Elektromotoren, Bei ihnen springt sofort der aufserordentliche Fort 
schritt in die Augen, welcher seit den letzten elektrotechnischen 
Ausstellungen gemacht worden ist. Während 1881 in München die 
lOOpferdige Edison-Maschine noch für übertrieben grofs gegolten 
hatte, werden hier Maschinen von beträchtlich gröfserer Leistungs 
fähigkeit gezeigt. Als Beispiele mögen nur die Dynamomaschine von 
Schuckert u. Co.-Nürnberg von 270 Pferdestärken, die Wechselstrom 
maschine von Siemens u. Halske-Berlin von 400 P. S., die Gleich- 
*) Auf eine Abbildung der Halle müssen, wir leider verzichten, 
da es nicht gelungen ist, rechtzeitig eine geeignete Bildunterlage 
zu gewinnen. 
strominaschine derselben Firma von 500 P. S. und endlich die 
600pferdige Wecliselstromtnaschine der Actiengesellschaft Helios-Köln 
angeführt werden. Auch fällt es auf, dafs die Wechselstrommaschine 
sich zur vollen Gleichberechtigung mit der im letzten Jahrzehnt fast 
alleinherrsehenden Gleiehstrommaschine emporgearbeitet hat. Auf 
eine Reihe wichtiger Neuerungen und Verbesserungen in den Einzel 
heiten der Maschinen kann hier nicht näher eingegangen werden, da 
es nicht die Aufgabe dieses Blattes ist, derartige dem besonderen 
Gebiete des Elektrotechnikers und Maschinenbauers angehörigen 
Neuheiten zu verfolgen. Doch mag ausdrücklich anerkannt werden, 
dafs sowohl hier wie auf den übrigen elektrotechnischen Sonder 
gebieten seit den letzten Fachausstellungen grofsartige Fortschritte 
gemacht worden sind, welche in Frankfurt zum ersten Mal öffentlich 
dargelegt werden und 
den wissenschaftli 
chen wie technischen 
Erfolg der Ausstellung 
unzweifelhaft sicher 
stellen. Unser Bericht 
soll jedoch auf die 
den Bautechniker nä 
her berührenden Fra 
gen beschränkt wer 
den. 
Vier grofsc An 
bauten an der Rück 
seite der Maschinen 
halle dienen zur Auf 
nahme einer grofsen 
Anzahl verschiedener 
Accumulatoren-Batte- 
rieen, welche von 
mehreren Fabriken 
ausgestellt worden 
sind und eine Ge 
samtleistungsfähig 
keit von etwa 400 
P. S. besitzen. Die 
Sammler werden tags 
über geladen und 
dienen einestheils zum 
Betriebe der elektri 
schen Boote und Ae- 
cumulatorwagen der 
Strafsenbahn, andem- 
theils abends zur 
Unterstützung der Dy 
namomaschinen und 
zur Ausgleichung der 
Stromspannung. Sie werden mit den Maschinen zusammengeschaltet 
und halten dadurch die Stromspannung und demzufolge auch die 
Helligkeit der Lampen auf gleichmäfsiger Höhe selbst dann noch, 
wenn starke Schwankungen in der Umdrehungszahl der Maschinen 
und im Stromverbrauche eintreten. 
Unmittelbar hinter der Maschinenhalle und parallel derselben liegt 
das Kesselhaus, in welchem, nebeneinander gelagert, 20Dampfkessel 
der verschiedensten Formen den Dampf für weit über 3000 Pferde 
kräfte zu liefern imstande sind. Besonders zahlreich vertreten sind 
die Wasserröhrenkessel, welche bei geringem Raumerfordernifs sich 
gerade für elektrische Betriebe als zweckmäfsig erwiesen haben und 
daher in neuerer Zeit vielfach bevorzugt werden. Daneben finden 
sich jedoch auch mächtige Flammrohrkessel von vorzüglichen Lei 
stungen. Vor den Feuerungsöffmmgen der Kessel zieht sich ein 
zweigeschossiger Gang hin, von welchem der untere Tlieil zur Kohlen 
lagerung dient und unmittelbar neben dem Kohlengeleise liegt, 
während der obere die bequeme Besichtigung der Kessel gestattet. 
Im Anschlufs an das Kesselhaus erheben sich vier Schornsteine von 
40 m Höhe, welche von Gebrüder Hof - Frankenthal ohne Aufsen 
gerüste gebaut sind und durch ihre gefällige Form und Musterung 
zur Hebung des Ausstellungsbildes beitragen. Einige Kesselaussteller 
leiten die Verbrennungsgase in besondere eiserne Rauchschlote, um 
die vollständige Rauchverbrennung zu zeigen, welche bei den meisten 
der übrigen Kessel, nach den mächtigen, den Schornsteinen ent 
strömenden Rauchwolken zu schliefsen, den zu stellenden Anforde 
rungen nicht sonderlich entspricht. In dem westlichen Anbau des 
Kesselhauses, welcher äufserlich durch Professor Luthmer als altes 
Frankfurter Bürgerhaus mit beschieferten Wand- und Dachflächen 
anmuthend ausgestattet wurde, ist eine grofsc Locomobile von
	        
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