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Volume Nr. 30

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
25. Juli 1891. 
dächern gegenüber bietet, Laben zu der vorliegenden Anlage ge 
führt, und es kann dieselbe für ähnliche Fälle empfohlen werden. 
An dem dem Wartesaalgebäude gegenüberliegenden Ende der 
Bahnhalle ist ein kleines Gebäude für den Stationsdienst errichtet. 
Dazwischen, ungefähr in der Mitte der Halle, liegt die Treppe, mittels 
deren man von dem 6 m über Strafsenhöhe gelegenen Bahnsteige nach 
dem Ausgange gelangt. Der gewölbte Unterbau enthält den Fahr 
kartenverkauf, die Gepäckabfertigung und die Aborte. Ein Aufzug 
Für Gepäck ist für etwaige Erweiterung vorgesehen, aber vorläufig 
nicht ausgeführt. Das Gepäck wird deshalb zum Bahnsteig auf der 
Haupttreppe hinaufge 
tragen , dagegen vom 
Bahnsteig nach der un 
ten befindlichen Aus 
gabe durch eine But 
sche befördert. Sollte 
bei steigendem Ver 
kehr ein Aufzug er 
forderlich werden, so 
würde derselbe in dem 
rechts vom Treppen 
aufgang liegenden 
Raume angebracht wer 
den, welcher vorläufig 
unbenutzt ist. Der 
jetzt zur Gepäckab 
fertigung dienende 
Kaum würde dadurch 
frei werden und|könnte 
alsdann zur Erweite 
rung des Fahrkarten 
raumes benutzt werden. 
Eine Verbindung der 
sämtlichen Räume so 
wohl durch Thüren als 
durch einen gewölbten 
Gang unter dem Trep 
penabsatz ist vorge 
sehen. Es ist anzu 
nehmen, dafs bei einer 
derartigen Umände 
rung der Bahnhof ge 
nügenwürde, um selbst 
den durch das Anhal 
ten von Schnellzügen 
entstehenden Verkehr 
zu bewältigen. 
Beide Bahnhöfe 
sind bereits in Betrieb 
genommen und haben 
durch den regen Ver 
kehr, der daselbst 
stattfindet, bewiesen, 
dafs durch ihre Errich 
tung einem Bedürfnifs 
entsprochen worden ist. 
Sie haben sich in jeder 
Hinsicht bewährt und 
zeichnen sich durch 
grofse Uebersichtlich- 
keit aus. Es ist dies besonders dem Umstande zuzuschreiben, 
dafs dein gewölbten Viaductunterbau noch ein Vorbau von 5 m 
Tiefe vorgelegt worden ist, welcher die Räume des Unterbaues 
mit einander verbindet, sodafs der Reisende sofort beim Ein 
tritt in die Flurhalle die Schalter, den Aufgang und die Thüren 
zum Abortraume überblicken kann. Die Flurhalle nimmt die 
mittleren drei Achsen des Vorbaues ein und wird durch drei 
Glaswände, welche 1,10 m hinter der Viaductstirn liegen, gegen die 
dahinterliegenden Räume abgeschlossen. Bei dem Westbahnhofe ißt 
die Decke der Flurhalle als sichtbare Holzdecke hergestellt. Die 
Wände sind in gefugtem Ziegelrohbau gelassen, mit Verwendung von 
nur wenigen Form- und Werksteinen. Die Werksteine der Aufsen- 
ansichten des Vorbaues aus den Brüchen von Mehle sind ein an 
Festigkeit und Feinkörnigkeit dem Obernkircliener Sandstein gleich 
kommendes Material, jedoch von dunkelgrauer Farbe. Beim Süd 
bahnhof ist abweichend die Architektur des Vorbaues in Ziegelroh 
bau hergestellt, und wird die Flurhalle durch drei Kreuzgewölbe 
abgedeckt. 
Die Kosten der beiden Bahnhöfe waren für jeden derselben auf 
rund 180 000 Mark veranschlagt. Die architektonische Ausbildung 
ist lediglich auf eine sparsame Ausschmückung der durch die Con- 
struction gegebenen Flächen beschränkt worden, um den Bauwerken 
den Charakter des Nutzbaues möglichst zu wahren. Die Bahnhallen 
wände bestehen aus einem unteren feststehend eingespannten und 
einem oberen über den Gelenken der Binderfüfse befindlichen Theile 
und sind in Eisenfachwerk hergestellt, welches zur Erzielung des 
erwünschten Reliefs in den äufseren Flächen abwechselnd einen 
halben und einen ganzen Stein starke Ziegelausmauerung erhalten 
hat, wobei die zurücktretenden Spiegel mit einem Profilstein umrahmt 
worden sind. Der obere Theil der Hallenwände hat in den äufseren 
Wandflächen Sgraffito - Malereien erhalten. Die Innenflächen der 
Hallenwände sind we 
gen der Schwierig 
keiten , welche eine 
beiderseitige Verblen 
dung von Vs Stein 
starken Mauern ver 
ursacht hätte, durch 
weg geputzt, und die 
Putzflächen mit Mu 
stern , welche durch 
Abwechslung von glat 
ten und rauhen Flächen 
hergestellt wurden, 
belebt worden. Das 
Innere der Bahnhallen 
macht einen besonders 
gefälligen Eindruck 
durch die äufserst 
leichte Construetion, 
durch die hohe Ueber- 
wölbung des Raumes 
und vor allem durch 
die gute Vertheilung 
des Lichtes. Es ist 
ein Vorzug der hoch 
in das Dach hineinge 
zogenen Fenster, dafs 
sie die Halle beleuch 
ten, auch wenn Züge 
von beiden Seiten ein- 
gefahren sind. Das 
kleine Gebäude auf 
dem Bahnsteig für den 
Stationsdienst ist nach 
Zeichnungen der Ber 
liner Stadtbahn in dop* 
pelten Holzwänden 
mit zwischengelegter 
Dachpappe sowie mit 
Doppelfenstern ausge 
führt. 
Von Interesse dürfte 
die Construetion der 
Gepäckrutsche sein, 
welche auf preufsi- 
schen Bahnen noch 
nicht angewandt wor 
den ist; Vorbilder für 
dieselbe waren daher 
beim Entwerfen nicht 
zu erlangen. Die Herstellung geschah in der Weise, dafs ein in star 
kem getheerten Kreuzholz und Bohlen gezimmerter Kasten mit einer 
Neigung von 25°, also ungefähr der Treppensteigung folgend, unter 
letzterer in den Damm eingeschüttet wurde. Der Querschnitt des 
Kastens beträgt 1,5 m im Quadrat. Die Rutschfläche wurde aus 
eichenen gehobelten Bohlen hergestellt und läuft am oberen und 
unteren Ende wagerecht, und zwar in der Höhe eines Gepäcktisches 
über dem Fufsboden aus. Am unteren Ende ist zur Erzielung eines 
sanfteren Ablaufens der Stücke eine Gegensteigung angefügt. Da 
die schwersten Gepäckstücke mit zu grofser Geschwindigkeit herab 
gleiten, mufste nachträglich zur Hemmung eine Leine angebracht 
werden, an welcher dieselben herabgelassen werden. 
Für das Wartesaalgebäude war ein Entwurf in Eisenfachwerk 
mit Verblendung von glasirten weifsen und blauen Steinen aus 
gearbeitet worden, welcher jedoch, da die Mittel dazu fehlten, nicht 
zur Ausführung kam. Es ist statt seiner ein einfacher Holzfachwerk 
bau mit Ausmauerung von Schwemmsteinen hergestellt worden. Die 
Aufsenwände haben über den Flächen der Gefache einen Putzüber 
zug erhalten, während die Stiele sichtbar geblieben sind. Die Innen 
seiten der Aufsenwände haben zur Herstellung einer Luftisolirung 
Rabitzverkleidung erhalten. Die Gründung ist auf dem auf- 
Querschnitt. 
Längenschnitt der Gepäckrutsche. 
Westbahnhof in Köln.
	        
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