Path:
Volume Nr. 29

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

lfr. Mir: 
Centralblatt der *Bau Verwaltung. 
281 
am Knotenpunkt oder nach rechts zu im Fache 2—4 liegen. 
Für die Uebertragung in die. Deckplatten ist die »enkreckte Ver 
nietung da. Das Stehfiacheisen hat im Knotenpunkt somit zunächst 
die ganze wagorechte Kraft von 53,71 auf&unehmen. Als unmittel 
bar mitwirkend könnten höchstens $ bis 4 doppelschnittige Niete 
durch .Gurtwinkel und Stehflacheiaen mit 18 bis 25 qcm Querschnitt 
für, letzteres entlastend gerechnet werden. Man hat danach für 
ruhende Lakt: Im Gurtstäb 0 — 2: tq — “4*0,38St/qctn 
Spannung? hierzu die Mehrung im Stehdacheisen am Knoten 
punkts durch die Einführung der wagerechten Kraft -1-53,7 t 
53,7 t 
(40 — 10) .4- 25 
-f 0,976 t/qcm. 
Stebflacheisen 8 Nietquerschnitte 
Endlich entsteht durch die eicentrische Einführung der Diagonalen, 
wie schon erwähnt, ein Biegungsmoment, das im oberen Stehflach 
eisenrand die Spannung im gleichen Sinne erhöht. Die Gröfse dieses 
Momentes Ist, wie leicht ersichtlich, SK*= 53.24,8 = 1314tcm. Die 
werk der Birsbrücke so geduldig mehr als 15 Jahre lang ausgehalten 
hat. Sie ist ein Beweis nicht gegen, sondern für die Brauchbarkeit 
des Eisens zu Brücken, Wenn ein Werk wie das vorliegende so viel 
leistet, so kann man bei gut ungebildeten Brücken vollständig be 
ruhigt sein, auch wenn theilwelsC die Belastungen im Laufe der Zeit 
durch Verwendung schwerer Locömotiven etwas gesteigert werden, 
Hauptsache bei Eisenbrücken ist neben richtiger Berechnung der 
Stabkräfte eine peinlich genaue Durchbildung der Einzelheiten mit 
Berücksichtigung der Kräftewirkung in den einzelnen Anschlüssen 
und Verbindungen. Die Kunst, gut und richtig zu entwerfen, läfst 
sich aber nicht aus den Lehrbüchern oder durch kurze Uebung 
erwerben, und deshalb sollte man bei Errichtung gröfserer Eisenbauten 
die Verantwortlichkeit der ausführenden Brückenbauanstalten, die 
doch, wenn sie für UebertragUDg solcher Arbeiten in Betracht kommen 
sollen, zunächst tüchtige Sonderfachleute haben müssen, mehr heran- 
ziehen und ihnen aufgeben, nach Zutheilung des Auftrages selb 
ständige Bearbeitungen der Einzelheiten vorzulegen. Schon durch 
den dadurch bedingten Meinungsaustausch zwischen dem prüfenden 
sachverständigen Beamten und den im Fache bewanderten Fachleuten 
Querschnitt: 
1 . 350/10 ~ 35 - 8 
2 . 175/10 = 35 — 4 
2./70;9 =»24— 4 
94 p- 16 - 
J n — 4150 Wy 
Jr = 3980 Wr = 227 
Querschnitt: 
1. 400/10 = 40 
ä 
2 . /90 ; 10 =r 34 
1. 400/8 =*32 
2mm 
10 
•4 
106 — 14 = 92 qcm. — 
j<- -4©^—-*! 
Querschnitt: 
1 . 320/10 = 32 
2. 160/10 = 32 
2 . /70 : 9 '= 24 
Abb. 4, Knotenpunkt 2 der unteren Gurtung. 
Birsbrtlcke bei MÖnchenstem. 
88 qcm. 
J n = 3230 
Jr = 3140 
W n - 196 
W r = 196 
Querschnitt: 
1. 400/10 ■» 
2. /90 :10 ) 138 qcm 
2. 400/8 J 
J r = 14100 
415 
Widerstandsmomente der Gurt- und der Diagonalquerschnitte für die 
in Frage stehende Biegungsebene Bind: 
Gurt im Knotenpunkt 2: TFi = 415, 
Diagonale I — 2: Wi = 231, 
„ 2 —III: Ws = 196. 
Nimmt man an, dafs diese drei Querschnitte gleichmäfsig Zusammen 
wirken, so wird die Vermehrung der Spannung im oberen Stehflach- 
1314 
eisenrand: ff s — Jri+Wa~+Wt = 1,06 t / qcm ‘ Somit er ^ ebt sich 
als Gesamtspftnnung im oberen Rand des Stehflacheisens 
<q 4* 02 + <% — + 0,388 4- 0,976 +1,560 = 2,924 t/qcm, 
■und zwar gilt diese für ruhende Last, d. h. unter der Annahme, 
dafs der Zug ruhig auf der Brücke steht. Zur Berücksichtigung der 
Stofswirkungen erhöht man gewöhnlich die Stabkräfte aus den be 
wegten Lasten um 50 v. H. Zieht man jedoch nur 25 v. H. in Be 
tracht, so erhält man: 
10,2 -f 1,25.25,5 
“ 106 - 14 
- (25,0-10,2) 4- 1,25 (64,4 ■ 
<** = 
<T 8 — 
•25,5). 
(40 ^ 10) 4- 25 
(15,1 -f 1,25.37,9) 24,8 
~ Wi -f W 3 4- Ws 
42,1 
92 
63,4 _ 
: 55“ “ 
155,0 
: ~842 ' 
; 4- 0,456 t/qcm 
4-1,153 
«4-1,841 
Summe <f x + 0g + Ö3 = 4- 3,450 t/qcm. 
Für die gewifs nicht ungünstig gemachten Annahmen kommt 
man somit bereits auf die Beanspruchung des Eisens bis zur Zerreifs- 
festigkeit. Ich bin auch keinen Augenblick im Zweifel, dafs sich 
durch eine genaue Untersuchung ältere Einrisse an den Stehflach 
ersen in. den .Knotenpunkten werden feststellen lassen. 
Die Einzelausbildung des Knotenpunktes 2 ist eine anfser- 
-ordentlich schlechte, und-.ebenso sinnlos sind-die oberen Knoten 
punkte ausgebildei. _Auf den gänzlichen Mangel steifer Rahmen bei 
den Punkten! und II füt Menmterfdhruög-der wagerechten Kräfte 
aus dem oböfeil Windverbftttd in den unteren brauche ich nicht be 
sonder» bitizuweisen. Man kann sich nur wundern, dafs das Eisen 
des Werkes, die auch die Arbeitsmittel in Betracht ziehen, würde 
sich ein Nutzen für die Ausführung ergeben. Bei dem jetzt noch 
vielfach geübten Verfahren, wonach die ausführende Brückenbau- 
anstalt vollständige Einzelzeichnungen erhält, wird diese kein grofses 
Interesse daran haben, Verbesserungsvorschläge za machen, da sie 
sich selbst möglicherweise Unannehmlichkeiten und jedenfalls Zeit 
verlust bereitet. Wird aber die selbständige Ausarbeitung des ge 
nauen Entwurfes von vornherein durch die Bedingungen gefordert, 
so hat die Fabrik vollen Anlafs, mit ihren Erfahrungen hervorzutreten. 
Durch dieses Verfahren würde es auch Fabriken, die den Brücken 
bau nicht als besonderes Fach betreiben und die fast immer ohne 
genügende Einrichtungen sind, zum Vortheil der Sache beinahe un 
möglich gemacht, sich an gröfsere Arbeiten zu wagen» während bei 
der heutigen Vergebungs weise jede Maschinenfabrik oder Kessel 
schmiede, möge sie hinsichtlich ihrer Einrichtungen und ihrer 
Arbeitskräfte noch so wenig dazu geeignet sein, bei Arbeitsmangel 
in die Versuchung kommt, auch einmal Brückenbau au treiben. 
Nürnberg, den 7. Juli 1891. A. Rieppel. 
II. 
„Hat die Brücke nicht einen Constructionsfehler gehabt, der 
in besonderer Weise gefahrbringend war?“ Diese Frage glaubt 
Unterzeichneter auf Grund der in Nr. 27 des Centralblatts der Bau 
verwaltung gebrachten Zeichnungen mit Ja beantworten zu müssen. 
Der zu besprechende Punkt ist zwar in der betreffenden Darlegung 
mit erwähnt, scheint mir jedoch nicht genügend herrorgehoben und 
klargestellt zu sein. Es ist dies der Punkt, wo die obere Gurtung 
in die Endstrebe übergeht. Nach der Zeichnung auf Seite 264 be 
steht gar keine unmittelbare Verbindung des Kopfblechs der oberen 
Gurtung mit dem senkrecht zur Brückenachse gerichteten Haupt 
blech der Endstrebe. Nach der Zeichnung ist die einzige dort Über 
haupt vorhandene Verbindung das senkrechte Knotenblech. Somit 
würde die sich als Endstrebe fortsetzende Dnickgurtung hier jeg 
licher Seiteneteifigkeit entbehren. 
Da überdies jede wirklich steife Verbindung mit einem Quer 
träger fehlt, so erscheint es*fast wunderbar, dafs an dem Endknoten-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.