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Volume Nr. 27

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Sr. 27, 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
263 
gebildet. Von den Auflagern, die in der Abbildung nicht ersichtlich 
sind, war das eine ein festes, das andere ein Rollenlager. 
Mögliche und wahrscheinliche Ursache des Einsturzes 
der Brücke. Vor allem mufs gesagt werden, dafs die Widerlager 
ihre Lage in keiner Weise geändert haben und abgesehen von ober 
flächlichen Beschädigungen durchaus unversehrt waren; die Ursache 
des Einsturzes mufs also zweifellos in der Eisenconstruction gesucht 
werden. Es lassen sich verschiedene solcher Ursachen denken. 
Entweder die Bauart der Brücke war schlecht; oder die Querschnitte 
der tragenden Theile waren den verkehrenden Lasten nicht ange 
messen; oder das Material war schlecht oder durch mangelnden 
Unterhalt geschwächt; oder es waren noch von der Senkung der- 
des Cosinus vom Neigungswinkel derselben geringer ist als diejenige 
eines senkrechten Pfostens vom gleichen Trägheitsmoment. Im vor 
liegenden Fall kommt dieser Umstand einer Verschwächung der seit 
lichen Steifigkeit des Rahmens um 35 v. H. gleich. Wesentlich ab 
gemindert wurde diese ferner durch das Fehlen der gewöhnlich 
vorhandenen schiefen Riegel in den oberen EckeD, oberhalb des 
Lichtraumprofils. Des frei stehenden oberen Endknotens, im Hinblick 
auf die geringe Seitensteifigkeit nicht ohne Bedeutung, haben wir 
schon Erwähnung gethan. 
Der Umstand, dafs sich die Schwerachsen deT Streben so erheb 
lich über denjenigen der Gurtungen schnitten, mufste in diesen 
wie in jenen bedeutende Nebenspannungen zur Folge haben; ihre 
1 
2 
3 
Untere Gurtung. 
i. 
-1 
1. Stehblech 400/10 
2 Winkel 90/90/10 
1 Köpfplatte 400/8 
2. Stellblech 400/10 
2 Winkel 00/90/10 
2 Kopfplatten 400/8 
3. Stehblech 
2 Winkel 
1 Kopfplatte 
1 Kopfplattc 
400/10 
DOW/lO 
400/10 
400'8 
6 ± 
Obere Gurtung. 
4. Stehblech 400/10 
2 Winkel 90/9010 
1 Kopfplatte 400/8 
5. Stehblech 40010 
2 Winkel 90/0010 
1 Kopfplattc 400/8 
1 Kopfplatte 400'14 
G- Stehblech 400/10 
2 Winkel 90/90/10 
1 Kopfplattc 400/8 
1 Kopfplatte 400/14 
2Blechsticif, neb. d.Wiuk. 100/10 
Häugesäulen. _IL 
Steigende Streben. 
1 Blechstreifeu 400/10 
2 Blechstreifeu 210/10 
2 Winkel 80/80,11 
c 
k. 
1 
c. 
1 Blechstreifön 320/10 
2 Blechstreifeu 160/10 
2 Winkel 70/70/11 
E 
\L 2 Winkel 
100/100/14 
2 Winkel 70'70/8 
Fallende Streben. 
_ -it B. 1 Blechstreifeu ÄoO/lO 
B ir 2 Blechstreifeu 175/10 
1 2 Winkel 70/70/9 
n ■ ii D, I Blechstreifeu 260/10 
v r 2 Winkel 80/80/11 
F F. 2 Winkel 80/80/11 
Abb. 6. Querschnitte. 
Brücke Über die Birs bei Mönchenstein 
selben infolge der erwähnten Unterspülung eines Widerlagers ver 
steckte Riese vorhanden, die sich allmählich erweiterten und schliefs- 
lich zum Einsturz führten; oder aber diese oder andere in der 
Bauart der Brücke begründete Ursachen veranlassten ein heftiges 
Schwanken derselben und dieses eine Entgleisung des Zuges; oder 
endlich die Brücke befand sich in vollkommen tadellosem Zustand, 
und es fand eine Entgleisung statt, deren Gründe in aufser ihr 
liegenden Verhältnissen zu suchen sind. 
Was den ersten Punkt, die Bauart der Brücke, betrifft, so kann 
-das Dreiecksystem der Haupttragwände durchaus nicht als ungünstig 
bezeichnet werden; die Druckstreben werden zwar lang, bei richtiger 
Berücksichtigung der Knickgefahr ist dieser Umstand aber ganz 
unbedenklich. Gering war entschieden die seitliche Steifigkeit, ohne 
hin der schwache Punkt dieser ringförmig geschlossenen Brücken 
querschnitte. Da die senkrechten Pfosten fehlten — die Hängesäulen 
können nicht in Betracht kommen — mnfsten die schiefen Streben 
die Rolle der senkrechten Theile des Rahmens übernehmen. Die 
schiefe Lage derselben bedingt aber bekanntlich eine wesentliche 
Abschwächung ihrer Wirkung in der Weise, dafs die seitliche 
Steifigkeit einer schiefen Strebe im Verhältnis der dritten Potenz 
genaue Ermittlung wird jedenfalls Aufgabe der eidgenössischen Gut 
achter sein. 
Diese hier aufgezählten Unvollkommenheiten im Bau bedingten 
aber noch keine Gefahr für die Brücke, und die eidgenössischen 
Sachverständigen haben sich denn auch vorläufig dahin ausgesprochen, 
dafs sie der Construction die Ursache des Unfalls nicht zumessen 
könnten. Was die Stärke der einzelnen Brückentheile betrifft, so 
betrug nach augenäherter Berechnung beim Einsturz die Spannung 
infolge der statischen Belastung im Untergurt etwa 950 kg/qcm, im 
Obergurt 715 kg/qcm. Die erste Strebe mag mit etwa 845 kg/qcm 
belastet gewesen sein. Die beiden erstgenannten Spannungen sind 
ganz mäfsige, die letztere gewährt immer noch eine 2 l /sfache Sicher 
heit gegen Knicken. Den Einwirkungen der ruhenden Last gegen 
über — und unter normalen Verhältnissen ist die Vergröfserung der 
Einwirkung durch die Bewegung der Massen keine sehr erhebliche — 
war also das Bauwerk durchaus widerstandsfähig, wenn, wie kaum 
zu bezweifeln, auch die Fahrbahnträger nach den vorgenommenen 
Verstärkungen nicht in höherem Mafse beansprucht waren. Ob in 
den nach bei uns üblichen Anschauungen mit 7 mm durchgehend» 
schwach gewählten Stehblechstärken der Stauchdrück der Nietloch-
	        
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