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Volume Nr. 26

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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27. Juni 1891. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
tlieile des Staates im engeren SiDne, sondern auch zu Nutz und 
Frommen des übrigen heimischen Bauwesens, auf dessen Entwicklung 
jener Grundsatz fördernd und hebend eingewirkt hat. Soll aus der 
Summe des Geschaffenen einiges herausgegriffen werden, so sei liier 
nur an die grofsen Bahnhofsgebäude, die Bauten zur Durchführung 
der neuen Gerichtsordnung, an die Ausrüstung der Hochschulen mit 
Lehrgebäuden und Instituten aller Art erinnert. Aber nicht etwa 
allein die grofsen Ausführungen, wie ein Empfangsgebäude in Frank 
furt a./M., die Regierungen und Gcrichtsgebäude in Breslau, Köln usw. 
haben wir dabei im Auge; gerade die überall im Lande zerstreuten 
Staatsbauten geringeren Umfanges sind es, welche vielfach für weite 
Gebiete vorbildlich geworden sind und zur Fortentwicklung des Bau 
wesens in gesunden Bahnen in hervorragendem Mafse beigetragen haben. 
Das im vorstehenden in wenigen Strichen gezeichnete Bild von 
der Thütigkeit des bisherigen Leiters des Arbeitsministeriums in den 
verschiedenen Zweigen des Bauwesens würde eines wesentlichen 
Zuges entbehren» wollte man nicht derjenigen Mars regeln organisa 
torischer Natur Erwähnung thun, welche Herr von Maybach zur 
Hebung mancher Mängel und Mifsstände im Staatsbauwesen, zur 
Verbesserung der gesellschaftlichen und materiellen Lage der Bau- 
beamten, zur Hebung ihrer wissenschaftlichen, geschäftlichen und 
künstlerischen Tkätigkeit und damit zur Hebung des Ansehens des 
gesamten Baufachs und seiner Angehörigen ins Werk gesetzt und 
durchgeführt hat. Am schlagendsten würde eine ins einzelne gehende 
Vergleichung der Zustande vom Jahre 1878 mit den heutigen dies 
darthun und die gewonnenen Fortschritte erkennen lassen; indes 
müssen wir uns auch hier auf die Anführung einiger besonders her 
vortretenden Mafsnahmcn beschranken. Von denjenigen Aenderungen 
und Neueinrichtungen, die sich lediglich innerhalb der verschiedenen 
Behörden der Staatsbauverwaltung vollzogen haben und im wesent 
lichen innerdienstlicher Art sind, kann an dieser Stelle abgesehen 
werden. Aus der Reihe der übrigen liieher gehörigen Mafsnahmcn ist 
zunächst die im Jahre 1880 erfolgte Begründung der Akademie des 
Bauwesens zu nennen, einer Behörde, die aus den hervorragendsten 
bautechnischen und künstlerischen Fachmännern Preufsens und der 
übrigen deutschen Staaten gebildet ward und in zwei Abtheilungen, 
eine für den Hochbau und eine für das Ingenieur- und Maschinen 
bauwesen, zerfällt. Hieher gehört ferner die auch in der Landes 
vertretung freudig begrüfste Einrichtung der Stellen technischer At 
taches, welche zur Berichterstattung übeT die in anderen Staaten aus; 
geführten oder geplanten wichtigen Bauten und über die auf den 
Gebieten des Bauwesens dort gemachten Erfahrungen und Erfindungen 
entsandt werden. Eine Mafsregel von besonders einschneidender Be 
deutung, welche den in den Fachkreisen lebhaft kundgegebenen 
Wünschen Rechnung trug, war die im Jahre 1886 angeordnete Ab 
änderung der Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung für den 
Staatsdienst im Baufach. Durch diese Vorschriften wurde der bisher 
vielfach mangelhafte Vorbildungsgang nebst den Einzelheiten dev 
Staatsprüfungen in zweckentsprechender Weise neu geregelt und das 
bisherige lockere Verhältnis der angehenden Staatsbaubeamten in 
ein festes Beamtenverhältnifs umgewandelt, welches dann auch durch 
die mittels Allerhöchsten Erlasses vom 11. October 1886 erfolgte 
Verleihung eines bestimmten Ranges an die Königlichen Regie 
rungs - Bauführer und Regierungs - Baumeister aufserlich gekenn 
zeichnet ward. Die frohe Geougthuung über diese Anordnun 
gen, welche damals aus allen Kreisen des Baufachs, auch den 
nichtpreufsischen, in Abordnungen und warmen Dankschriften zu 
freudigem Ausdruck kam, lebt noch frisch in Aller Erinnerung. War 
doch hiermit der Grund gelegt zu einer der Bedeutung des Baufachs 
entsprechenden Stellung desselben innerhalb der Staatsverwaltung, 
die ihm früher versagt geblieben war. 
Schlicfslich möge als ebenfalls hierher gehörig noch die eingangs 
bereits erwähnte Begründung des Centralblattes der Bauverwaltung 
genannt worden. Wir haben cs uns angelegen Bein lassen — eignen 
Gefühlen schuldiger Dankbarkeit, aber auch zahlreichen Anregungen 
aus unseren Leserkreisen folgend —, ein möglichst gutes und ge 
treues Bildnifs des Herrn Ministers von Maybach herstellen zu lassen, 
das die Züge des Schöpfers dieses Blattes in einem Titelbilde zu dem 
gegenwärtigen Jahrgange festzuhalten bestimmt ist.*) Wir sind über 
zeugt, unsern Lesern hiermit eine Gabe zu bieten, die von allen herz 
lich willkommen geheifsen wird, und wir sind ebenso überzeugt, dafs 
sie alle — und nicht nur sie, sondern das ganze Land, soweit un 
eigennützige und rastlose Arbeit im Dienste des Gemeinwohls, soweit 
in einem thatenreichen Leben erworbene hohe Verdienste um das 
Vaterland Anerkennung finden —, dafs sie alle sich in dem innigen 
Wunsch vereinigen werden: möge der nunmehr ans dem Amte ge 
schiedene Minister sich der Erfolge seiner segensreichen Thätigkeit 
noch lange Jahre in wohlverdienter Ruhe und neu gekräftigter Ge 
sundheit erfreuen, möge ihm ein wolkenloser und freundlicher Lebens 
abend beschieden sein! 
*] Da der Druck des Bildes, eines in der Kaiserlichen Reichs- 
druckerei hergestellten Lichtkupferstichs, aufserordentlich viel Zeit 
beansprucht (wöchentlich können nur 8—400 Abzüge gedruckt 
werden), so kann dasselbe nur nach und nach im Verlaufe mehrerer 
Wochen in die Hände der Leser kommen. 
Amtliche Mittheilungen. 
Preufsen. 
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, deu 
Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten v, Maybach 
seinem wiederholten Ansuchen gemäfs von seinem Amt unter Be- 
lassung des Titels und Ranges eines Staatsministers zu entbinden, so 
wie den Eisenbahn-Directions-Präsidenten Thielen in Hannover zum 
Staatsminister und Minister der Öffentlichen Arbeiten zu ernennen. 
Die Kreis-Bauinspection Oppeln IT ist nach Tarnowitz verlegt und 
demzufolge der Kreis - BftuinBpectoT Baurath Bachmann in Oppeln 
in gleicher Amtseigenscbaft nach Tarnowitz versetzt worden. Aufser- 
dem sind versetzt: der bisher beim Bau des Schiffahrtscanals von Dort 
mund nach den Emshafen beschäftigte Wasser-Bauinspector Weber in 
Dortmund als Iliilfsarbeiter an die KÖnigl. Regierung in Oppeln und 
der bisher der Kaiserlich Deutschen Botschaft in Paris zugetheilte 
Wasser-Bauinspector Mathies an dessen Stelle nach Dortmund. 
Zu Königlichen Regierungs-Baumeistern sind ernannt: die Re 
gierungs-Bauführer Moritz May aus Hundsfeld und Otto Herrnring 
aus Schippenbeil (Hochbaufach). 
Der Eisenbahn-Bau- und Betriebsinepector Ernst Assmann 
ist in Bangkok gestorben. 
Deutsches Reich. 
Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, den 
Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten v. Maybach 
von dem Amt als Chef des Reichsamts für die Verwaltung der 
Reichs-Eisenbahnen zu entbinden sowie ferner dem Regierungsrath 
und Mitglied der General - Direction der Eisenbahnen in Elsafa- 
Lothringen Hering den Charakter als Geheimer Regierung6rath zu 
verleihen. 
Zu Marine-Bauführern des Schiffbaufachs sind ernannt: der Can- 
didat des Schiffbaufaclis Bergemann und der Hülfsarbeiter im 
Schiffbau-Construetions-Burcau des Reichs-Marine-Amts, Wellen- 
kamp; letzterer ist mit dem 1. Juli 1891 nach Kiel versetzt. 
(Alle Rechte Vorbehalten.] 
Nichtamtlicher Theil. 
Redacteure: Otto Sarrazin und Oskar Hofsfeld. 
Der neue Hafen 
In Nr. 10 und 11 des gegenwärtigen Jahrgangs dieses Blattes 
ist eine Abhandlung „Der nene Hafen bei Strafsburg i. E.“ enthalten, 
zu welcher einige Ergänzungen betreffs der Verhältnisse, unter denen 
sich gegenwärtig die Ausführung vollzieht, erwünscht sein dürften. 
Der in dieser Abhandlung in Zeichnung mitgetheilte, alle Erforder 
nisse einer solchen Anlage in ausgezeichneterWeise berücksichtigende 
Entwurf zu einem Hafen ist von der Kaiserlichen Wasserbauverwal 
tung im Zusammenhang mit dem bekannten Entwürfe eines Ober 
rheinischen Schiffahrtscanals Speyer bezw. Ludwigshafen-Strafsburg 
aufgestellt worden. Leider hat der Entwurf, da die Ausführung 
bei Strafsburg. 
dieses Canals noch nicht in naher Aussicht steht, vorläufig noch eine 
mehr akademische Bedeutung. 
Der gegenwärtig unter Leitung des Unterzeichneten in Aus 
führung begriffene Hafen bei Strafsburg wird zwar auf dem für den 
künftigen Canal-Endhafen in Aussicht genommenen Gelände angelegt, 
aber nach dem nebenstehenden, von dem Unterzeichneten bearbeiteten 
Entwurf (Abb, 1 u. 2) und auf Kosten der Stadt Strafsburg, welche 
dabei einen Zuschufs von der Landesverwaltung erhält. Die letztere 
hat aufserdem die Herstellung des Zufahrtscanals zu diesem Hafen 
und die Erweiterung der Rheinschleuse übernommen.
	        
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