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Volume Nr. 23

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Banverwaltung. 
6. hm 1891. 
trete das Wasser zwar von oben her in die Drains hinein, aber ein 
anderer Theil des Wassers müsse an der entgegengesetzten Seite 
wieder in den Boden zurückfliefsen, denn der Boden sei unterhalb 
der Drains ebenso durchlässig wie oberhalb derselben. Jeder 
Wassertropfen im Boden werde nothwendig bei der Längsdrainage 
in den Drain gelangen, denn er sei drei Wirkungen unterworfen: 
der Schwere, der Richtung des Gelände-Gefälles und der Richtung 
nach dem Drainstrange; er werde sonach einen Weg verfolgen, 
welcher als die Resultante dieser drei Bewegungsrichtungen be 
trachtet werden kann, und diese Resultante führt schräg abwärts in 
den Saugedrain. Die Wirkungen erstrecken sich demzufolge bei 
der Längsdrainage nach zwei Richtungen, bei der Querdrainage 
dagegen nur nach einer Richtung, nach aufwärts; denn die unterhalb 
der Drains entwässerte Fläche sei so gering, dafs sie nicht in Frage 
kommen könne: die Wirkung der Längsdrainagc sei daher ungleich 
gröfser als die der Querdrainage. Hieraus wird weiter gefolgert, 
dafs bei der Längsdrainage zufolge der beiderseitigen gleichmäfsigen 
Entwässerung eine gröfsere Strang-Entfernung zulässig sei als bei der 
Querdrainage, l’erels kommt in seinem Handbuch des landwirt 
schaftlichen Wasserbaues S. 382 sogar zu dem Schlufs, dafs die Ent 
fernung wagerecht gelegter Drains „nur etwas mehr als die Hälfte“ 
der im stärksten Gefälle liegenden betragen dürfe. 
Zweifellos hat die Längsdrainage ihre Verdienste. Mit ver 
schwindend wenig Ausnahmen sind alle Drainagen nach ihren Grund 
sätzen ausgefiihrt worden. Die segensreichen Wirkungen sind be 
kannt. Die Erfahrung scheint daher zu Gunsten der Längsdrainagc 
zu sprechen: dennoch wird sie verworfen werden müssen, sobald sich 
herausstellt, dafs der Zweck mit dem gleichen Erfolge durch die 
Querdrainage in zuverlässigerer und vor allen Drngen in wohlfeilerer 
Weise erreicht wer 
den kann. Dies 
nachzuweisen ist 
der Zweck dieser 
Abhandlung. 
In Einzel 
heiten ist der 
Grundsatz der 
Längsdrainagc 
schon seit län 
gerer Zeit ange 
griffen und ver 
lassen worden: 
1) Man hat erkannt, dafs es unzweckmafsig ist, die Vor 
schrift allzu ängstlich festzuhalten. Mulden und Thülcr, 
in welchen die Schichtenlinien kreisförmig verlaufen, werden jetzt 
wohl selten strahlenförmig nach Abb. 3 drainirt; man behalt viel 
mehr nach Abb. 4 die Richtung der Drains bei, und verlegt die 
höchsten Stränge quer gegen die Richtung des stärksten Gefälles. 
Durch die strahlenförmige Anordnung wird oft nur wenig Gefälle 
gewonnen — die für die kurzen Sauger nöthige geringe Neigung 
kann erforderlichenfalls durch eine unbedeutende Hebung des oberen 
Endes leicht erzielt werden —, immer aber entsteht der Nacbtheil, 
dafs ein gröfserer Verbrauch von Rohren sich einstellt. Pcrcls 
schreibt in den Abb. 228 und 230 seines Werkes die beschriebene 
strahlenförmige Anordnung der Sauger zwar noch vor: die Beispiele 
ausgeführter Drainagen, welche er in den Abb. 234, 235 und Tafel I 
giebt, lassen aber zutreffenderweise diesen Grundsatz vermissen. 
2) Alle Kopfdrains wirken gut, selbst da, wo ein ungewöhn 
licher Andrang von Grundwasser nicht eintritt. Viele Ingenieure 
pflegen daher grundsätzlich Kopfdrains überall anzuwenden. Solche 
Drains sind aber nach dem Grundsatz der Querdrainage, nicht 
der Längsdrainagc gebaut. 
3) Man hat erkannt, dafs bei starken Hängen es vortheil- 
hafter ist., die Saugedrains schräg anzulegen, nicht nach der Richtung 
des stärksten Gefälles. Die Nothstandsdrainagen in der Eiffcl sind 
fast sämtlich in dieser Weise ausgeführt worden und haben Bich 
gut bewährt. Auch in der Ebene hat sich bei Anwendung der 
Längsdrainage herausgestellt, dafs überall da, wo starke Hänge an 
flache Lagen anschliefsen, eine Trennung der Sauger derartig sich 
empfiehlt, dafs nur die flachen Lagen mit Saugern nach dem stärksten 
Gefälle, die anschliefsenden Hänge dagegen mit schräg gerichteten 
Saugern, die in besondere Sammler münden, entwässert werden. 
Diese schräge, praktisch bewährte Lage der Sauger ist Querdrainage, 
nicht Längsdrainage. 
4) Weiter ist allen Drainage-Ingenieuren sehr wohl bekannt, 
dafs eine zu grofse Länge der Sauger bei Anwendung der Längs- 
drainage nicht vortheilhaft ist. Wenn auch die Sauger fnach 
ihrer aus Durchmesser und Gefälle sich ergebenden Leistungsfähig 
keit eine erheblich gröfsere Fläche würden entwässern können, so 
pflegt man dennoch nach praktischen Erfahrungen ihre Länge nicht 
über 150 bis 250 m zu bemessen. Man erzielt eine bessere Wirkung, 
wenn die langen Sauger öfters durchschnitten werden, das will sagen: 
die Anordnung von Sammlern quer über den Abhang ist geboten, 
diese Sammler wirken wie Sauger nach dem Grundsatz der Quer 
drainage. 
Der Rittergutsbesitzer v. Küster in Lomnitz bei Hirschberg be 
richtet in der Zeitschrift für deutsche Drainirung 1856 (Seite 104) 
sogar, dafs es ihm nicht gelungen war, die vollkommene Trockenlegung 
einer Fläche durch tiefes Verlegen der nach dem stärksten Gefälle 
angeordneten Sauger zu erreichen; dafs dieser Zweck aber sofort 
durch einen einzigen Querstrang erzielt wurde, welchen er nur 1,25 m 
tief quer über die darunter liegenden parallelen Drains und ohne 
Verbindung mit denselben verlegte. Er fährt dann fort: „Die 
Wichtigkeit der Anwendung einer transversalen Richtung der Drains 
stellt sich beim Vorrücken der hiesigen Drain - Anlagen immer mehr 
heraus. Nicht nur Kopfdrains werden hier, wo es nüthig ist, stets 
angelegt, sondern überhaupt die transversale Richtung der Drains 
sehr häufig angewendet. Es erweist eich nämlich hier oft als noth 
wendig, die in der Richtung des stärksten Gefälles laufenden Parallel 
drains in kurzen Entfernungen durch transversal laufende Drains 
unterbrechen und aufnehmen zu lassen, weil ohne die letzteren die 
undurchlasscnden Bodenschichten, welche im Untergründe häufig in 
schmalen Streifen in der Richtung des stärksten Gefälles Vorkommen, 
zuweilen aber auch den Untergrund ganz unregclmäfsig durchkreuzen, 
undurchetochen bleiben und den Abflufs des Wassers im Unter 
gründe und damit eine vollständige Trockenlegung verhindern 
würden.“ 
Mit diesen Einzelfällen von Drainage-Ausführungen, welche auf 
die bessere Wirkung der Querdrainage hinweisen, stehen die Er 
fahrungen im Einklang, welche da gemacht wurden, wo der Grund 
satz der Querdrainage unbedingt, selbst auf flachem Gelände, zur 
Abb. 5. Abb. 6. 
Anwendung gekommen ist. Von so wenig Technikern dies Verfahren 
auch geübt wurde: in den seltenen Fällen, in welchen es geschah, 
hat sich erwiesen, dafs die Querdrainage — sachgemäfs ausgeführt — 
bei gröfserer Strang-Entfernung die gleiche oder eine bessere 
Wirkung auszuüben vermochte als die Längsdrainage. Neben Lord 
Berners, Toussaint, dem Drainage-Ingenieur Esser der Berliner 
Rieselfelder und einigen anderen ist es ganz besonders das Ver 
dienst des Draintechnikers C, Heiuzc in Kletzko, Provinz Posen, 
diesen Grundsatz — unbeirrt um die herrschenden Theorieen hart 
näckig verfolgt und in zahlreichen Beispielen ausgefühlter Drainagen 
seine Richtigkeit erwiesen zu haben. 
Durch diese praktischen Erfolge wird die Leclerc-Vin- 
centsche Lehre erschüttert. Untersuchen wir die Stichhaltig 
keit der Gründe, welche zu ihrer Verteidigung angeführt werden. 
Es ist zuzugeben, dafs der Wassertropfen leichter in die stark ge 
neigten Saugedrains der Längsdrainage eindringt, und schneller sie 
durchfliefst als die Sauger der Querdrainage. Aber dieser Umstand 
ist keineswegs als ein Vorzug, vielmehr als ein Nachtheil anzusehen. 
Denn wenn das in dem Gelände vorhandene Gefälle hauptsächlich 
für die Saugedrains in Anspruch genommen wird, so bleibt für die 
Sammeldrains nur wenig Gefälle übrig. Letztere haben daher bei 
der Längsdrainage vorwiegend ein schwaches Gefälle. Damit die 
Drains das zufliefsende Wasser abführen können, erhalten solche 
Sammler in der Regel grofse Rohrweiten. Ißt die Geschwindigkeit 
in den Saugern grofs, so werden Sand und Scblammtheile hier 
kräftig durch die Fugen gerissen und in die Drainage eingeführt. 
An denjenigen Stellen der Sammler, wo die Geschwindigkeit sich 
ermäfsigt, müssen diese Sinkstoffe zum Absetzen gelangen. Daher 
pflegen bei der Längsdrainagc sich überall da Verstopfungen einzu 
stellen, wo Sammler mit geringem Gefälle und grofsem Durchmesser 
angelegt wurden. 
Viel besser ist es für die Reinhaltung der Drainage, wenn an 
den Fugen der Sauger eine geringe Geschwindigkeit herrscht, die 
Geschwindigkeit des WaBsers aber auf dem Wege durch die Sammler 
bis zu den Ausmündungen stetig zunimmt. Dann ist eine erheblich 
gröfsere Sicherheit dafür vorhanden, dafs die in die Drainage ein* 
gedrungenen Sinkstoffe auch wirklich bis zur Ausmündung gelangen. 
Dazu ist es nöthig, in den oberen Theilen der Drainage, also in den 
Saugern, thunlichst geringe Gefalle anzuwenden, für die Sammler 
aber zur Erhöhung der Wassergeschwindigkeit gutes Gefälle zur
	        
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