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Volume Nr. 21A

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Nr. 21A. 
Centralblatt der Banverwaltung. 
211 
in der Stobcross- Abtheilung und 690 m der Kelvinside-Abtheilung 
werden im vollständigen Tunnelbetriebe ausgeführt. 
Die Lichthöhe über Schienen-Oberkante wird je nach der ver 
fügbaren Höhe von 4,26 —5,48 m schwanken, die Lichtweite im 
Mittel 7,93 m betragen. Wo die nöthige Höhe vorhanden ist, wird 
Ueberwölbung im ganzen hergestellt, im anderen Falle werden Ziegel 
kappen zwischen Stahlträgern zur Deckenbildung verwendet. Bei 
spiele der ersten Anordnung zeigt Abb. 1 und 2, der anderen An 
ordnung Abb. 3. 
Abb. 1 giebt den Querschnitt des Tunnels in der Argyle-Strafee, 
der wie oben beschrieben hergestellt wird. Abb. 2 zeigt den Quer 
schnitt in der Stobcross-Strafse. Hier ist der Verkehr nicht ein 
solcher, dafs Unterbrechung der Strafse nicht auf kurze Strecken ge 
stattet werden könnte. Hier beabsichtigt man daher als äufsere Be 
grenzung der Widerlager je eine starke Spund- oder Pfählwand zu 
rammen, zwischen welchen auf kurze Strecken das Erdreich bis zur 
inneren Gewölbeleibung zunächst 
ausgehoben werden soll. Dann 
wird das Gewölbe hergestellt, so 
dann an den Kämpfern mit star 
ken Hölzern unterfangen, sodafs 
die Widerlager ausgeführt wer 
den können. 
Wie auch in London gesche 
hen ist, wurden die in den Strafsen 
liegenden Entwässerungscanäle in 
die Tunnelwände gelegt, die Gas- 
und Wasserrohre, Kabel usw. da 
gegen mit besonderen, auf dem 
Gewölberücken aufgemauerten Pfei 
lern unterstützt. 
Die Bahn erhält 13 Haltestel 
len, davon liegen drei in der 
ersten, drei in der zweiten, zwei 
in der dritten, fünf in der vier 
ten Abtheilung. Die Anordnung 
der sämtlichen Haltestellen wird Bezeichn 
möglichst einfach und ziemlich Personenbahnhöfe. 
Übereinstimmend werden. Die l - Queen Street Station (North British R.). 
i „ i 1. . • 2. Bucbauau Str. St (Caledonian R). 
Fahrkartenschalter werden in 4 Caledonian central Station. 
Strafsenhöhe liegen, und Treppen- 5. St. Enocli Station (Great uad South 
anlagen führen zu den nach den Western ii.). 
beiden Fahrrichtungen getrennten ° 7 ; 
Bahnsteigen. Da die ganze Bahn- 8 . j oiat Station (C. R.) 
länge 10 km beträgt, so ist der 
mittlere Stationsabstand ~ — 0,83 km. An gröfseren Bauten sind 
aufser den Stationsanlagen der Um- und Neubau einiger Strafsen- 
brücken, Neubau einer Eisenbahnüberführung und sehliefslich drei 
Eisenbahnbrücken über den Kelvin-Flufs auszuführen. 
Die gröfste der letzteren hat zwei Stromöffnungen von je 30,48 m 
Spannweite und beiderseits auf den Uferböschungen je zehn kleinere, 
gewölbte Oeffnungen von je 10,66 m. Die gesamte Brückcnlänge be 
trägt 182,88 m, die Höhe über dem Wasserspiegel 12,19 m, die 
Brückenbreite 8,84 m. Die beiden Hauptöffnungen sind von je zwei 
Gitterträgern überspannt, welche bei 2,74 in Höhe in einem Abstande 
von 4,57 m verlegt sind. Eine zweite Brücke hat drei gewölbte Oeff 
nungen von je 11,57 m Lichtweite und beiderseits je eine 3,05 m 
weite Wölbung. Höhe über dem Wasserspiegel 13,71 m. Die dritte, 
den Flufs in geringer Höhe schief überschreitende Brücke hat zwei 
Oeffnungen von je 12,19 m. 
Die Ausführung der Bahn macht aufserdem den Umbau mehrerer 
grofser Entwässerungscanäle nöthig, welche dieselbe kreuzen. Im 
Trongate und in der Argyle-Strafse kreuzen sieben oder acht Canäle die 
Bahn. Dieselben werden von einem 
parallel zur Bahn neu zu bauen 
den Ilauptcanal aufgenommen, von 
welchem ein Canal von 2,13 m Licht 
höhe und 4,26 m Weite abzweigt, 
die Bahn kreuzt und in den Clyde 
mündet. Die gesamte Länge der 
neuen Hauptcanäle beträgt hier 
4,30 km. Die Verdingsumrne beträgt 
880000 Mark. Ebenso ist am Ost 
ende der Bahn ein solcher Umbau 
nöthig. Es sind daselbst 1,33 km 
neuer Hauptcanal von 1,52—2,13 m 
Durchmesser anzulegen. Die Ver 
dingsummebeträgt hier 240000 Mark. 
Dieses neue Bahnunternehmen 
ist wohl die bedeutendste Eisen 
bahnausführung in England für die 
nächste Zeit. Es verspricht jeden 
falls eine Ausführung von hervor 
tun gen: ragendem Interesse zu werden mit 
Güter- und Versohubbahnhöfe. Rücksicht auf die zu überwindenden 
3. St Rollox \ erschubbahnhof (C. R.), Schwierigkeiten, wenn auch bereits 
9. Guter-, Ivoblen- u. Mmeralbatmnof . . , TT . ,, , 
der caledonian u. South WesiernR.). der Londoner Untergrundbahn 
10. Güter-, Kohlen- u. Mineralbahnhof ein grofsartigeres Beispiel einer 
der North British u. Caledonian B. solchen Bahn vorliegt. Einige 
Oeffentliche Gebäude. nähere Angaben finden sich in 
11. Universität. „Engineering“ 1888, Bd. 46, S. 330 
und 1890, Bd. 49 (in der Mai 
nummer), denen auch die beigegebenen Querschnitte entnommen sind; 
ebenso findet sich daselbst ein Uebersichts-Längenschnitt der Bahn 
mit Angabe der Bodenbeschaffenheit. Fr. Ei seien. 
Vermischtes. 
Büclicrschau. 
Zur Entwicklungsgeschichte der Spamnverke des Bauwesens. 
Ein Anhang zu den Lehrbüchern über allgemeine Baukunde und 
Brückenbau von G. Lang, Professor an der technischen Hochschule 
in Hannover. Riga 1890, 200 Seiten in 8° mit 2 Tafeln. Preis A.M. 
Der Ausdruck „Spannwerke des Bauwesens“ ist von dem Ver 
fasser des vorliegenden Buches neu gebildet; es erscheint daher ge 
boten, die folgende kurze Besprechung mit einer Erklärung dieses 
leicht mifszuverstehenden Wortes einzuleiten. Das Wort „Spann- 
werke“ soll, wie der Verfasser sagt, ein Sammelname für alle die 
jenigen „Tragwerke“ sein, welche eine Spannweite besitzen, also zur 
Ueberspannung von Oeffnungen oder Hohlräumen irgend eines Bau 
werkes dienen. Dafs es auch Tragwerke ohne diese Eigenschaft 
giebt, lehrt ein Hinweis auf die Wände und Stützen.*) Unter Spann 
werken werden also die Gewölbe Und Träger aller Art verstanden, 
und zwar in den fünf wesentlich verschiedenen Gattungen als Balken 
werk, Sprengwerk, Hängwerk, Kragwerk und Wölbwerk. Die An 
fänge und die allmähliche Weiterbildung dieser Formen zu unter 
suchen, das ist die Aufgabe, welche sich der Verfasser gestellt hat, 
eine Aufgabe, von deren Schwierigkeit man erst durch die vor 
liegende Arbeit eine richtige Vorstellung bekommt. Für die Bauten 
des Alterthums sind die Quellen der Forschung gerade auf diesem 
*) Diese Unterscheidung ist selbstverständlich nicht überall 
streng durchzuführen; so kann z. B, bei manchen Gewölben nicht 
genau angegeben werden, wo das Spannwerk aufhört und die Wand 
oder Stütze beginnt.. Bei einer geschlossenen Tunnelröhre würde die 
in Rede stehende Eintheilung ganz versagen. 
Gebiete sehr spärliche; Holzbauten aus jener Zeit giebt es z. B. 
wohl überhaupt nicht mehr, und auch von Beschreibungen ist nur 
wenig Nutzbares vorhanden. Recht dunkel ist oft bei den alten 
Schriftstellern „der Rede Sinn“, und an eine Erläuterung durch 
Zeichnungen dachte man damals nicht. Bildliche Darstellungen 
finden sich nur noch auf Denkmälern in zweifelhafter Genauigkeit 
vor. Aber selbst in den uns näher liegenden Zeiten des Mittelalters 
und den darauf folgenden Jahrhunderten ist weder für die Erhaltung 
der Bauwerke selbst, noch für eine klare, sachgemäfse Beschreibung 
nennenswerthes gethan worden, sodafs der Forscher auch hier mit 
grofsen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Als eins der schlimmsten 
Uebel ist uns beim Studium des vorliegenden Buches die Un 
bestimmtheit der Bezeichnungen aufgefallen, die bis in die 
neueste Zeit hinein geherrscht hat. Mit ein und demselben Namen 
bezeichnete inan die verschiedensten Dinge, sodafs sich der Ver 
fasser z. B. bei der Untersuchung der Sprengwerke und der Häng 
werke genöthigt sieht, für eine bestimmte Art von Sprengwerken die 
Bezeichnung „imeigentliches Hängwerk“ einzuführen. Die Unklar 
heit in den Benennungen war allerdings meist bedingt durch die 
Unklarheit der Bauwerke selbst. Da unseren Vorfahren die Kennt- 
nifs der Gesetze fehlte, denen die äufseren und inneren Kräfte der 
Spannwerke folgen, so konnte von einer planmäfsigen Erfindung und 
stetigen Vervollkommnung nicht die Rede sein; und was entstand, ist 
nun sehr schwer nach bestimmten Regeln zu ordnen, zu beschreiben 
und — zu verstehen! Den Verfasser trifft hierfür natürlich keine 
Schuld; das einzige, was man an seiner Darstellung vielleicht aus 
setzen könnte, ist, dafs er nicht von jedem der besprochenen Bau 
werke eine — wenn auch nur ganz flüchtige — Zeichnung gegeben 
hat. Dadurch wäre freilich die zur Abfassung des Buches erforder-
	        
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