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Volume Nr. 1

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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\i t \ t Centralblatt der Bauverwaltung. 
müssen erst die Grundbedingungen einer gedeihlichen Entwicklung 
der Wasserstraßen wiedergewonnen werden» bevor an die Benutzung 
de« Wasser« für Schiffahrtsawecke gedaeht werden kann. Die 
Trockenlegung und Auflandung feuchter Niederungen, die Bewässe 
rung der an Wasser 
mangel leidenden Land 
flächen, der Schutz gegen 
die Hochfluthen, die 
Regelung der Wild 
bäche, die Ansnutzung 
der Wasserkräfte, die 
Wiederbewaldung ■ der 
Gebirge: das sind die 
Ziele, für welche der 
Staat seine Mittel Zu 
sammenhalten mufs. Von 
vielen Flüssen Italiens, 
deren Bett heutzutage 
aus einer breiten Stein- 
wüste besteht, das nur 
nach heftigen Rogen 
güssen mit reifsenden 
Wassermassen angefüllt 
wird, bezeugen die alten 
Schriftsteller die Schiff 
barkeit ausdrücklich. Als 
einer der Vorzüge des 
Landes wird die Gröfse 
und Menge seiner schiff 
baren Flüsse hervorge 
hoben, die an der gan- 
aen Küste die Ausfuhr 
und den Umtausch der 
Bodenerzeugnisse er 
leichterten. Die Tiber 
war bis Rom für tief 
gehende Fünfruderer zu 
gänglich und bis in ihr 
Quellgebiet dem Verkehr 
dienstbar, ebenso ihre 
gröfseren Nebenflüsse. 
„Die Lösung der 
Aufgaben [der Wasser 
wirtschaft] wurde durch den Fortgang der Cultur nicht er 
leichtert, vielmehr erschwert,* sagt Nissen in seiner vortreff 
lichen Italischen Landeskunde. „Allerdings war die ungleich- 
mäfsige Verteilung der Niederschläge auf die Jahreszeiten in allge 
meinen terrestrischen Verhältnissen begründet. Aber ohne Zweifel 
sind in einem bewaldeten Lande die Sommer weniger trocken als in 
einem waldlosen, und ist 
durch unablässige Ro 
dung der Gegensatz 
zwischen Dürre und Re- 
genperiode allmählich 
verschärft worden. Ein 
noch gröfseres Uebel 
als durch die Steige 
rung der Extreme von 
Hoch- und Tiefstand 
wurde durch die Geröll 
massen herbeigeführt, 
welche das Wasser zu 
Thal schwemmte, seit 
dem die Gehänge ihres 
durch den Forst ge 
währten natürlichen 
Schutzes beraubt waren. 
Der heutige Reisende 
mag sein Auge an den 
purpurnen Farben wei 
den, in welche die Sonne 
die nackten Steinwände 
des Appennin taucht; 
bei näherer Erwägung 
fühlt er sich zu dem 
Geständnifs gezwungen, 
dafs die Cultur hier ihr 
eigenes Grab gegraben 
hat. — Um die Ver 
gangenheit zu verstehen, 
wird man stets einge 
denk bleiben müssen, 
dafs der Mangel [an 
schiffbaren Flüssen] nicht 
in natürlichen, sondern 
künstlich geschaffenen 
Verhältnissen wurzelt.“ 
Wird an deren Besserung 
eifrig und nachhaltig gearbeitet, so kann die Zukunft jenen Zustand 
wiederbringen, den die Vergangenheit gekannt hat. Keller. 
Amtsgericht in Crefeld. 
Vermischtes. 
Neuerung an Recheiistäben. Bei den bisher allgemein gebräuch 
lichen Läufern der Rechenstäbe werden durch die Metallzähne, welche 
die Ablesestriche tragen, die Theilungen des Stabes in störender 
Weise verdeckt^ und Ablesungen an den kurzen, auf dem Metall 
grunde nicht scharf genug hervortretenden Strichen sind bei nicht 
sehr guter Beleuchtung viel zeitraubender und für die Angen an- 
greifender als solche an den Endstrichen der Schiebcrtheilungen. 
Zur Beseitigung dieser Mängel, die besonders fühlbar geworden sind, 
seit durch die Verwendung von weifsen Zellhomplatten für die 
Theilungen letztere an Klarheit und Schärfe so sehr gewonnen haben, 
hat die bekannte Zeichenmaterialienhandlung (von Gebr. Wichmann 
in Berlin nach Angabe des Unterzeichneten neuerdings Rechenstäbe 
herstellen lassen, bei denen in den Metallrahmen des Läufers eine 
Glasplatte eingesetzt und auf der Unterseite der letzteren ein über 
sämtliche Theilungen hinwegreichender feiner Strich eingeritzt ist. 
Der mit leuchtend rother Oelfarbe ausgefüllte Strich fällt trotz seiner 
Feinheit auf den schwarzweifeen Theilungen rasch und scharf ins 
Auge, und da die Glasplatte fast unmittelbar auf der Fläche des 
■Stabes aufliegt, können auch durch etwas schräge Haltung desselben 
merkliche Ablesungsfehler nicht entstehen. Rechenstäbe mit dieser 
Einrichtung haben sich in längerem Gebrauche durchaus den Er 
wartungen entsprechend bewahrt und werden hiermit den zahlreichen 
Freunden dieses überaus nützlichen Hülfsgeräthes zur eigenen Prüfung 
•empfohlen. C. Ruprecht. 
Im Berliner Kunstgewerbe • Museum wird, wie seit einer Reihe 
von Jahren, so auch 1891 eine Anzahl öffentlicher, unentgeltlicher 
Vorlesungen stattfinden. Allmontaglich, vom 5. Januar ab zehnmal, 
■wird Herr Dr. A. G. Meyer über die Geschichte der Tracht 
vom 15. bis 19. Jahrundert lesen. Dienstag abends, ebenso oft und 
'mit dem ß. d. M. beginnend, giebt Dr. Max Schmid einen Ueber- 
blick über die Geschichte der decorativen Malerei in Italien, und an 
■acht Freitagen, vom 9. d. M. ab, wird Dr. O- von Falke über das 
Kunstgewerbe von China und Japan sprechen. Die Vorlesungen 
finden sämtlich abends 8 l /s bis 9Vs Uhr statt. 
Der Trennungswlderstand in den einzelnen Bodenarten. Die 
Kenntnifs des Widerstandes, welchen die einzelnen Bodenarten der 
Trennung ihrer Theile entgegensetzen, ist bei gröfseren Erdaus 
schachtungen behufs einer ungefähren Schätzung der Schwierigkeiten, 
der Zeitdauer und Kosten der Ausführung von Wichtigkeit. In der 
Praxis begnügt man sieb gröfstentheils mit einfachen Aufgrabungen, 
Bohrungen usw. und trifft nach dem Augenschein und dem Gefühl die 
übliche etwas rohe Unterscheidung von schwerem und leichtem Boden, 
Fine wissenschaftliche, auf Versuche gestützte Behandlung des für die 
Technik wichtigen Gegenstandes ist unseres Wissens noch nicht er 
folgt. Es sei deshalb gestattet, auf eine Veröffentlichung in Wollnys 
Forschungen auf dem Gebiete der Agriculturphysik Jahrgang 1889 
„Untersuchungen über die Cohärescenz der Bodenarten“ hier hinzu 
weisen und die Hauptergebnisse der eingehenden und die verschiedenen 
in der Natur Bich vorfindenden Bodenarten umfassenden Unter- 
suchnngen zusammenzustellen. Wenn auch die erwähnte Abhandlung 
vorwiegend den Zwecken der Landwirtschaft dienen soll, so kann 
doch auch die Technik aus ihren Ergebnissen Nutzen ziehen. 
Der hauptsächlichste Versuch wurde derartig ausgefiihrt, dafs' 
ein Keil mit einer Winkelöffnung von 13°, welcher an einer über 
eine Rolle geführten Schnur befestigt und dessen Gewicht durch ein 
Gegengewicht ausgeglichen war, durch Auflegen von Gewichten bis 
zu einer auf dem Keil vorgezeichneten Tiefe in die zu untersuchende, 
in ein Gefäfs eingebrachte Bodenart eingedrückt wurde. Die zur 
Verwendung gekommene Belastung ergab dann zahlenmäfeig den 
Widerstand, welchen die Bodenart dem Eindringen des Keiles ent 
gegensetzte. Durch vergleichende Untersuchungen der verschiedenen 
Bodenarten unter wechselnden Feuchtigkeitsverhältnissen konnte so 
mit ihr grösserer oder geringerer Trennungswiderstand im reinen und 
gemischten Zustand festgestellt werden.
	        
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