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Volume Nr. 17

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung. 
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Sr. 17. 
saud den zu fordernden Bedingungen am vortheilhaftesten entsprach, 
weshalb diese Mischung für alle Mauerarbeiten innerhalb des Tunnels 
vorgeschrieben wurde. 
Die auf Grund dieses Ergebnisses und nach den eingangs 
aufgestellten Grundsätzen geschaffene Anlage hatte im wesentlichen 
folgende Einrichtung. Die Schuppen K (Abb. 1) für den Stückkalk 
und dd Sandlagerplatz S befanden sich neben einem um etwa 1 m 
erhöht liegenden Materialiengeleise, auf welches die beladenen, auf 
dem Tunuelbauplatz entsprechend geordneten Bauwegen durch die 
Arbeitslocomotive geschoben wurden, um dort gekippt und entleert 
zu werden. Zur Vermeidung von Streuverlusten hatten die Kalk 
schuppen auf der den Kippwagen zugekehrten Seite etwa 2 m breite 
Doppelklappen, von denen sich die obere gröfsere nach oben über 
legen, die untere kleinere gegen die Bäder der Wagen anlehnen liefs. 
Die Gröfse der Kalkschuppen war so bemessen, dafs in ihnen ein 
geschrieben, so zwar, dafs die Kammern A B‘ G‘ in Angriff ge 
nommen wurden, wenn die Löscharbeit in den Böden C A nnd B 
vor sich ging. Der gelöschte, noch in warmem Zustande in die 
Kammern eingebrachte Kalk konnte somit zwei Yolle Tage nach 
löschen, ehe er zur Verwendung kam, eine Zeit, die erfahrungsmäfsig 
wegen der auch in den besten Kalken vorkommenden schwerer lösch 
baren Stücke nothwendig ist. Der Betrieb regelte sieh auf diese 
Weise ganz von selbst, und die mit der Aufsicht betrauten Beamten 
konnten den Stand der Arbeiten jederzeit leicht überblicken und 
erkennen, ob der gelöschte Kalk immer aus der richtigen Kammer 
entnommen wurde. Die ganze Anlage war zum Schutze gegen Witte 
rungseinflüsse wasserdicht überbaut und nur über den Löschböden 
mit einzelnen Dachklappen versehen, um den Abzug der beim Löschen 
sich bildenden Wasserdämpfe und des für die Arbeiter schädlichen 
Kalkstaubes zu ermöglichen. 
Abb. 2. Schnitt a—&. 
Schnitt c—d. 
für etwa acht Tage reichender Vorrath aufgespeichert werden konnte. 
Vor den Kalkschuppen in ihrer ganzen, etwa 19 m betragenden Länge 
befanden sich drei durch schmale Fufswege von einander und von 
den Schuppen getrennte Löschböden von je 14 qm Grundfläche, auf 
welchen der Stückkalk, nachdem er vorher entsprechend zerkleinert 
war, je nach Bedarf in Lagen von 10—25 cm Höhe ausgebreitet und 
durch Brausen mit feinvertheiltem Wasser besprengt wurde. Die an 
4 m langen Schläuchen hängenden Brausen, deren je eine für jeden 
Löachboden vorhanden war und welche je besonders abgesperrt 
werden konnten, erhielten ihr Sprengwasser aus einer längs den 
Löschböden in 1,8 m Höhe angebrachten Rohrleitung, die ihrerseits 
mit dem durch Pulsometerbetrieb gespeisten Hauptwasserbottich in 
Verbindung stand. Die Gröfse der einzelnen Löschböden entsprach 
dem Höchstbedarf eines Tages. Den Löschböden gegenüber befanden 
sich drei Kammern, in welche das fertig gelöschte Kalkpulver, nach 
dem es in den Löschböden gehörig umgerührt worden war, mittels 
Fülltröge hinein getragen wurde. Aus diesen Kammern, die vor 
Feuchtigkeit durch rings umschliefsende Wände geschützt waren, 
wurde der Bedarf an Kalk für den Mörtel entnommen. 
DaB Löschen des Kalkes erfolgte jedesmal nur in einem Lösch 
boden, etwa in A. Der gelöschte Kalk wurde dann an demselben 
Tage noch in die zugehörige Kammer A‘ gebracht. Am zweiten 
Tage folgte das Löschen im Boden B und die Aufspeicherung des 
gelöschten Kalkes in Kammer B' usw. In derselben Reihenfolge 
war auch die Entnahme des Kalkes für die Mörtelbereitung vor- 
Die Züsammenführung der so vorbereiteten und gelagerten 
Materialien nach der für die Vermischung bestimmten Mörtelmaschine 
erfolgte durch vier in Abb. 3 und 4 dargestellte kleine Wagen, deren 
Inhalt durch eine unter 45 Grad geneigte Querwand entsprechend 
der gewählten Zusammensetzung des Mörtels in dem Verhältnis 1: 2 
getheilt war. Die Wagen waren zum Kippen eingerichtet und liefen 
auf einem 37 m langen Geleise von 40 cm Spurweite, deren 50 mm hohe 
Grubenschienen auf Flacheisen aufgenietet und mit diesen auf dem 
Bretterboden aufgenagelt waren. Am oberen Ende zunächst der 
Mörtelmaschine zweigte mittels einer in Abb. 1 bei m dargestellten 
festen Weiche ein kürzeres zweites Geleis ab, auf welchem die be 
ladenen Mörtelwagen Aufstellung fanden und vor dessen Kopfe eine 
bis an den Kopf des durchgehenden geraden Geleises reichende Platt 
form aus Eisenblech gebildet war. 
Die beiden Abtheilungen der Wagen wurden auf den Lager 
plätzen der Reihe nach mit Sand und Kalk gestrichen voll beladen 
und durch die Weiche in das Abzweiggeleis bezw. auf die Plattform 
gefahren, dort einzeln in die Mörtelmaschine ausgekippt und mit 
Hand über die Plattform in das gerade Geleis eingestellt, von wo 
sie nach den einzelnen Lagerplätzen zurückgefahren wurden, um aufs 
neue beladen zu werden. Wichtig ist hierbei, dafs die Wagen erst 
mit Kalk beladen werden konnten, nachdem sie die Sandfüllung er 
halten hatten. Freilich war die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, 
dafs die für Sand bestimmte Abtheilung der Wagen schon bei der 
Vorüberfahrt an dem Kalklager theilweise mit Kalk angefüllt wurde.
	        
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