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Volume Nr. 16

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung. 
18. April 1891. 
aufgestellten Programmes eine Wettbewerbung zur Erlangung ge 
eigneter Entwürfe für die bauliche Anlage auszuschreiben. Dieser 
Wettbewerb hat, wie schon im Anzeiger mitgetheilt, das günstige Er- 
gebnifs gehabt, dafs unter den eingegangenen Entwürfen den Arbeiten 
des Architekten Heitmann in Königsberg und des Kreis-Bauinspec- 
tors Tieffenbach in Orteisburg die ausgesetzten Preise von 500 Mark 
und 300 Mark zuerkannt werden konnten (der Plan des Reg.-Bau- 
meisters Schulz-Steglitz wurde zum Ankauf empfohlen). Mit diesen 
Entwürfen ist, wennschon sie für die Ausführung noch nicht ohne wei 
teres geeignet erscheinen, ein werthvolles Material für die Förderung des 
grofs gedachten und gemeinnützigen Unternehmens gewonnen, welches 
wir demnächst noch eingehender zu besprechen gedenken. — H.— 
Der Mittheilung über (las Ergebnifs des Wettbewerbes um eine 
neue evangelische Kirche in Giefsen auf S. 151 d. J. fügen wir nach 
Einsichtnahme in die Verhandlungen des Preisgerichts noch hinzu, 
dafs zur engeren Wahl mit den vier preisgekrönten und zum An 
kauf empfohlenen Entwürfen gelangten die Arbeiten mit den Kenn 
worten „Eckthurm“ und „Eckplatz“ sowie der Plan mit dem 
Merkzeichen eines Sternes in zwei Kreisen. 
Selbstthütig abschließender Wnsserleitirngshalm, Unter der 
Bezeichnung „Neptunhahn“ wird von der Firma Thomas Goodson, 
Berlin W., Schöneberger Ufer 36c, ein Wasserleitungsbahn in den 
Handel gebracht, welcher auf Wasser-Ersparnifs und Verhütung von 
Hausüberschwemmungen dadurch hinzielt, dafs in bestimmten Zeit 
räumen (Secunden, Minuten) nur bestimmte Wassermengen (etwa 
ein oder mehrere Eimer) entnommen werden können, und dafs nach 
Abgabe einer solchen Wassermenge der Hahn so lange selbstthätig 
abschliefst, bis er von Hand niedergeschraubt wird. Erst dann 
wird er zur weiteren Abgabe von Wasser befähigt. Der unter 
Nr. 55134 patentirte Halm hat folgende Einrichtung: Wenn, wie die 
Abbildung zeigt, derselbe eben 
geöffnet ist, so verfolgt das 
Wasser den durch Pfeile an 
gedeuteten Weg. Gleichzeitig 
drückt es aber auf eine Leder 
platte B, hebt diese etwas vom 
Sitz ab und bahnt sich so einen 
Durchgang nach dem Canal C, 
von wo es durch die mit An- 
feilung versehene Stellschraube 
C l gedrosselt über den Diffe 
rentialkolben F tritt. Der Kolben F steht unter vollem Wasserdruck von 
unten und unter nahezu vollem Wasserdruck von oben. Denn der Raum 
D steht durch eine Anfeilung der Stellschraube E l und durch den Ca- 
nalFmit dem zwischen den beiden Stulpen liegenden Raum H und durch 
den Canal h mit dem freien Auslauf in Verbindung. Bei entsprechenden 
Abmessungen des Differential 
kolbens wird derselbe sich also 
nach abwärts bewegen mit einer 
Geschwindigkeit, welche durch 
die Drosselung des Wassers bei 
C 1 und das Verschleichen von 
Wasser bei E l bedingt ist. Hat 
der Kolben F den Sitz i erreicht, 
so hört die eigentliche Wasser 
abgabe auf, und nur das durch 
F l verschleichende Wasser ge 
langt noch zum Abflufs. Will 
man neuerdings Wasser haben, 
so mufs man durch Nieder 
schrauben des Ventils G die Le 
derplatte ß auf ihren Sitz pres 
sen, sodafs dem Wasser der Weg 
C C l J) abgeschnitten wird. Dann wird der Druck von unten den Kol 
ben F heben, mit einer Geschwindigkeit, die der Drosselung des aus D 
entweichenden Wassers bei F 1 entspricht, und ein neues Oeffnen des 
Hahnes bewirkt eine neue Wasserabgabe. — Der Hahn kostet, als 
Küchenzapfhahn ausgeführt, für 9 mm Oeffnung 9 Mark, für 13 mm 
Oeffnung 10 Mark. — m — 
Der Preis des Aluminiums ist infolge der fortwährenden Vervoll 
kommnung der verschiedenen Herstellungsverfahren in stetem Sinken 
begriffen und nach der Ankündigung eines Pittsburger Werkes zur 
Zeit auf der Höhe von 8 Mark für das Kilogramm angelangt. Das 
schöne, vielseitig verwendbare Metall ist also jetzt viel billiger als 
Nickel oder Neusilber. 
Die Befestigung des Baugrundes oder Ausführung sonstiger 
Griindnngsarbeiten, wie Senkkasten, Fangedämme u. dergl., durch 
Einpumpen von dünnflüssigem Cementmortel in den losen Baugrund 
wird von L. Harris in einem vor dem americanischen Verein der 
Civilingenieure gehaltenen Vortrage empfohlen. Das Verfahren zeigt 
eine gewisse Aehnlichkeit mit demjenigen von Pötsch. Nähere An 
gaben finden sich in den Engineering News vom 14. März d. J. 
Verwendung eines Eisenbahnwagens als wandernde Kirche. 
Auf der Strecke Baku - Tiflis der Transkaukasischen Eisenbahn ist 
seit einiger Zeit ein als fahrbare Kirche eingerichteter Eisenbahn 
wagen in Gebrauch. Wie das in Kiew erscheinende Fachblatt „Der 
Ingenieur“ berichtet, wurde dieser Wagen am 15./3. Juli v. J. in 
Tiflis in den Hauptwerkstätten der Transkaukasischen Bahn fertig 
gestellt und, nachdem er in feierlicher Weise eingeweiht worden war, 
seiner Bestimmung übergeben. Die bezeichnete Eisenbahnstrecke 
ist 550 km lang und durchschneidet ein Gebiet, welches neben seiner 
einheimischen, fanatisch-mohamedanischen Bevölkerung seit dem Bau 
der Eisenbahn auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Anhängern 
der rechtgläubigen Kirche aufweist. Letztere, die vorwiegend im 
Dienste der Eisenbahn stehen, würden jeder Möglichkeit beraubt 
sein, sich an den Tröstungen der Religion zu stärken, wenn nicht die 
Bahnverwaltung für die Befriedigung dieses Bedürfnisses ihrer Be 
diensteten Sorge getragen hätte. Zu diesem Zweck wurde bald nach 
Eröffnung des Bakuschen Bahnabschnittes eine bewegliche Kirchen 
einrichtung angeschafft, und ein besonderer Geistlicher angestellt, 
welcher mit Hülfe dieser Einrichtung bald auf dieser, bald auf jener 
Station einen geeigneten Raum des Bahnhofsgebäudes den Anforde 
rungen des Gottesdienstes entsprechend auszustatten und demnächst 
in der also improvisirten Kirche den christlichen Bewohnern der 
Umgebung das Wort Gottes zu verkünden hatte. Die mit dem Ver 
packen, Befördern, Auf bauen und Wiederabnehmen der Kirchen 
einrichtung verbundenen Unbequemlichkeiten und Störungen machten 
sich jedesmal sehr unaugenehm fühlbar. Auch war es unvermeidlich, 
dafs die bestimmungsmäfsige Benutzung der sonstigen Räume des 
Bahnhofsgebäudes während des Gottesdienstes mehr oder minder zu 
leiden hatte. Als daher dem ehemaligen Verkehrsminister, Admiral 
Possjet, seitens der Verwaltung der Transkaukasischen Eisenbahn 
ein vom zuständigen Geistlichen unterstütztes Gesuch um Genehmi 
gung der Einführung eines besonderen Kirchenwagens unterbreitet 
wurde, fand diese Vorstellung geneigtes Gehör, und wurde infolge 
dessen im Jahre 1888 zur Ausführung des beantragten Fahrzeuges 
geschritten. 
Die fahrbare Kirche ist ein achträderiger Eisenbahnwagen von 
14,7 m Länge, in welchem ein 3,3 m langer Raum für den Altar ab- 
getheilt ist. Die Innenflächen der Wände und der Decke des Zuhörer 
raumes sind mit weifser Farbe angestrichen; im Altarraum sind die 
Wände ebenfalls weifs gehalten, während die Decke mit himmel 
blauem Grund und aufgesäten goldenen Sternen geschmückt ist. 
Aufserdem ist auf der Hinterwand des Altarraumes, in dem unter 
der halbrunden Decke befindlichen, segmentförmigen Abschnitt eine 
bildliche Darstellung des Heiligen Geistes angebracht. Der Inko- 
nostäs, d. i. die der griechischen Kirche eigenthümliche, mit Heiligen 
bildern verzierte Wand vor dem Allerheiligsten, besteht aus ge 
schnitztem Eichenholz; die Heiligenbilder sind auf Goldgrund gemalt. 
Im übrigen ist das Innere der Kirche bescheiden gehalten, macht 
aber nichts destoweniger einen würdigen und freundlichen Eindruck 
auf den Besucher. 
Von aufsen zeigen die Seitenwände des Wagens aufser den üb 
lichen Anfangsbuchstaben der Eisenbahn und dem Reichswappen 
ein aufgemaltes Kreuz. Endlich ist das Dach des Wagens an dem 
einen Kopf-Ende, über dem Altarraum, mit einem vergoldclten 
griechischen Kreuz — und am anderen Kopf-Ende mit einem für drei 
Glocken eingerichteten Glockenthürmchen versehen. 
Der auf Kosten der Bahnverwaltung erbaute Kirchenwagen ist 
in allen seinen Theilen, mit Ausnahme der Heiligenbilder, von 
Meistern und Arbeitern der Eisenbahn hergestellt. Die Einweihung 
des fahrbaren Heiligthums wurde vom Exarchen von Grusien voll 
zogen. Wiewohl die neue Einrichtung noch nicht lange in Benutzung 
ist, so hat sie dennoch bereits recht häufig zur Befriedigung des 
religiösen Bedürfnisses der auf die wandernde Kirche angewiesenen 
rechtgläubigen Bevölkerung gedient; unter anderem hat das eigen 
artige Fahrzeug am 28./16. September v. J. bei der feierlichen Ein 
weihung des Ssuramtunnels gute Dienste geleistet. — V. — 
Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin. Für die Redactiou des nichtamtlichen Theiles verantwortlich: Otto Sarrazin, Berlin. Drück von J, Kerskes, Berlin.
	        
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