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Volume Nr. 16

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung; 
163 
«r. IG. 
Budgets einzelne gröfsere zu schaffen, mit denen sich mehr An 
fängen läfst. 
Die Mittel, über welche die Schiffahrtskammem verfügen, sind 
die Einnahmen aus der peage und der taxe. Ihre Zusammensetzung 
erfolgt in der Weise, dafs 24 Mitglieder einer Hauptschiffahrtskammer 
aus den an der Binnenschiffahrt betheiligten Kreisen, wie deu Ver 
frachtern, den Empfängern und den Schiffseignern, durch die Handels 
kammern gewählt werden. Ein weiterer Interessent, der Staat, ernennt 
8 Mitglieder. Diese 32 Mitglieder, die den „Schiffahrtsrath“ bilden, 
haben an und für sich schon ein Interesse, dafs sich der Frachtensatz 
eo niedrig als möglich halt. Damit der Schitfahrtsratb nicht so oft zu 
sammenzutreten braucht, wählt er aus seiner Mitte einen „Schiffahrts- 
ausschufs“, der aus 7 Mitgliedern besteht, von denen zwei der Minister 
der öffentlichen Arbeiten aus den dem Schiffahrtsrathe angehörenden 
Staatsbeamten ernennt. 
Durch den vorliegenden Gesetzentwurf glaubt man die Haupt- 
ursachen der Langsamkeit des Betriebes und der dadurch bedingten 
unnütz hohen Frachtsätze zu beseitigen, und zwar, kurz wiederholt, 
durch Regelmäfsigkeit des Verkehrs, durch Abkürzung der Liegezeit 
in den Häfen sowie bessere Ausrüstung der letzteren und durch schnelle 
und sichere Auskunftectheilung über den Zustand der Wasserstr&fse 
und den Frachtenmarkt. 
Im allgemeinen will man also auf den französischen Wasser- 
strafsen einen ähnlich regelmäfsigen, wenn auch nicht monopolisirten 
Betrieb wie auf den Eisenbahnen einrichten und so die Selbstkosten 
des Transports thunlichst befestigen. Mat hi es. 
Lagerung der Träger auf mehreren Stützen. 
Zur Bestimmung der richtigen Höhenlage der Auflager durch 
gehender Träger ist die Kenntmfs der wirklichen Trägerform er 
forderlich, welche infolge von Ungenauigkeiten der Ausführung von 
dem Entwürfe mehr oder weniger abweicht. Da die Ermittlung 
dieser Form im epannungslosen Zustande der Träger erfolgen mufs, 
mithin nur an flach auf einem wagerechten Boden liegenden, fertig 
zusammengenieteten Trägern vorgenommen werden kann, so ist die 
selbe zeitraubend und erschwert und vertheuert die Aufstellung der 
Brücke. 
Ein anderes brauchbareres Verfahren, durchgehende Träger richtig 
zu lagern, besteht darin, mittels einer Wage oder einer entsprechen 
den Hebelvoirichtung die Höhenlage der Auflager so abzuwiegen, 
dafs die entstehenden Auflagerdrücke mit den rechnerisch dafür er 
mittelten Werthen übereinstimmen (vergl. Handbuch der Ingenieur- 
Wissenschaften, Band II Abth. 5, zweite Auflage, Seite 210). Die 
hierbei besonders zu beschaffenden Wiegevorrichtungen machen in 
dessen auch dieses Verfahren umständlich. 
Bei dem Erweiterungsbau der Unterführung der Berlin-Dresdener 
und der Wittenberg-Koblfurter Eisenbahn unter der Halle-Sorauer 
Eisenbahn auf dem 
Bahnhofe Falkenberg, ^ S 2 \ 
bei welchem es sich ^ * ■ . . 1 
um Träger auf vier j 
Stützen mit den drei 
Stützweiten von 5,30 m, 10,85 m, 5,30 m handelte, liefs der Unterzeich 
nete dieselben zur Bestimmung der richtigen Auflagerhöhe auf den 
beiden Mittelstützen frei schweben und hob darauf mittels einer ein 
fachen Schraubenwinde die beiden Träger-Enden um den rechne 
risch ermittelten Werth der Durchbiegungen (d) (Abb. 1), in wel 
cher Höhe die Endlager festgelegt wurden. Die Anwendung dieses 
Verfahrens bei einer 
oder mehr als zwei 
mittleren Stützen ist 
dem angegebenen ent 
sprechend*, immer sind 
zunächst die Träger 
auf zwei Lager zu 
bringen, worauf nach 
dem rechnerisch er 
mittelten Werthe der 
Durchbiegungen (d) 
(Abb. 2 u. 3) die Einrichtung der anderen Lager erfolgt. Selbstverständ 
lich sind dabei die Träger nur auf eine solche Länge frei zu lagern, 
wie dies ihre Festigkeit zuläfst, und weiter sind Vorkehrungen 
zu treffen, welche eine wagerechte Verschiebung der Träger und 
Säulen verhindern. Häufig wird man dies, ohne das Ergebnifs 
wesentlich zu beeinträchtigen, in der Weise erreichen können, dafs 
man zunächst nur einen oder eine Gruppe der Längsträger auf zwei 
Abb. 3. 
Stützen zum Schweben bringt, wobei dieselben durch die noch fest 
gelagerten Träger in wagerecbteT Richtung durch die Querver 
bindungen gegen Verschiebung gesichert werden. 
Das angegebene Verfahren, durchgehende Träger zu lagern, ist 
durchaus einfach und auch hinlänglich genau für die hier vor allem 
in Betracht kommenden vollwandigen Träger, welche wohl allein 
noch durchgehend ohne Gelenke zur Ausführung kommen, da bei 
diesen einfachen. Trägem der berechnete Werth der Durchbiegungen 
unter genügender Berücksichtigung sämtlicher Querschnittsänderungen 
nicht sehr von den wirklich eintretenden Durchbiegungen abweicht.*) 
Es leuchtet ein, dafs man mit Hülfe des hier mitgetheilten Ver 
fahrens auch imstande ist, bestehende Brücken, bei welchen — wie 
dies bei älteren Bauwerken wohl meist der Fall sein wird — die 
ursprüngliche Lage der Auflager durch Höhenmarken nicht fest 
gelegt ist, nach vorübergehender Fortnahme einer entsprechenden 
Anzahl von Stützen in Bezug auf die Höhenlage ihrer Lager zu 
prüfen und zu berichtigen. Um aber iederzeit die richtige Lage 
durchgehender Träger in einfacher Weise prüfen zu können, er 
scheint bei denselben die Anwendung besonderer auslösbarer Lager, 
wie solche in Abb. 4 angegeben sind, zweckmäfsig. Die Auslösung 
dieser Lager erfolgt bei der Untersuchung der Brücke in der Weise, 
dafs die Träger mittels einer Winde etwas angeboben werden, worauf 
das Zwischenstück a, 
dessen Stärke mit 
Rücksicht auf die 
Gröfse der Durchbie 
gung zu bemessen ist, 
und die Bleiplättchen b 
herausgenommen wer 
den. Hat man auf 
solche Weise die Trä 
ger auf zwei Lager 
Festes Auflager. Bewegliches Auflager, gebracht, so findet 
Abb. 4. die Berichtigung der 
Höhenlage der übrigen 
Lager entsprechend den berechneten Durchbiegungswerthen (d) durch 
Ein- und Ausschalten von Bleiplättchen statt. 
Da man mit Hülfe solcher auslösbaren LageT die richtige Lage 
durchgehender Träger selbständig, ohne eich auf voraufgegangene, 
nicht mehr zu prüfende Messungen stützen zu müssen, leicht be 
stimmen kann, so dürften diese den an den Mittclstützen ange 
brachten Bericbtigunga-Vorrichtungen vorzuziehen sein, deren An 
wendung die genaue Festlegung der anfänglichen Lage der Träger 
durch Höhenmarken voraussetzt. 
Bromberg, im November 1890. Marloh. 
*) Ueber die Bestimmung der Durchbiegung eines Balkens mit 
sprungweise sich ändernden Querschnitten möge hier noch angeführt 
werden: Centralblatt der Bauverwaltung 1885, S. 140 und S. 249. 
Vermischtes. 
Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine Anstalt zur [ 
Körperpflege der Studirenden ln Königsberg, Ein ehemaliger 
Student der Albertus-Universität in Königsberg, gegenwärtig einer 
der angesehensten Aerzte in New-York, hat es sich zur Aufgabe ge 
stellt, dahin, zu wirken, dafs das Vorbild dev vortrefflichen Einrich 
tungen, welche an den höheren americanischen Lehranstalten für die 
Pflege aller Leibes-Uebungen bestehen, auch an deutschen Hochschulen 
Nachahmung findet. Er wünscht zu diesem Zweck Anstalten er 
richtet zu sehen, welche eine Tum- und Festhalle, Räume für 
Unterricht und Uebung im Fechten, Bäder, eine Reitbahn, auch 
Speisehallen mit Billardsälen, Kegelbahnen, Ballspielplätze usw. in 
rieh vereinigen und den Studirenden für ein geringes Entgelt die 
[ Möglichkeit bieten, sowohl in ernsten Uebungen als in heiterer Ge 
selligkeit die Muskelkraft des Körpers zu pflegen und zu stählen. 
Er hat durch die hochherzige Schenkung eines grofeen, passend ge 
legenen Grundstücks den ersten Schritt dazu gethan, dafs dieser 
schöne Gedanke zunächst an der Universität Königsberg zut Ver 
wirklichung gelangt. 
Zur weiteren Verfolgung seines planes, welcher seitens des 
Cultusministeriums mit wärmster Tbeilnahme aufgenommen worden 
ist, trat im vorigen Winter ein Ausschufs zusammen, dem die ange 
sehensten Männer der Provinz Ostpreufsen angehören. Dasselbe be- 
schlofs zuvörderst unter den Mitgliedern des Ostpreufsischen Archi 
tekten- und Ingenieur-Vereins auf Grund eines von Sachverständigen
	        
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