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Volume Nr. 15

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Sr. 15. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
149 
und nach aufsen führende Rutschflächen entstehen, und da« Ende des 
Versuchs läfst erkennen, wie der Bahnkörper durch das Geleia so 
zusagen auseinander gekeilt wird. Die Tragfähigkeit, welche zu 
Anfang 1,8 kg auf 1 qcm Schwellenfläche betragen hatte, war bis 
dahin auf 6,44 kg gestiegen (Abb. 1). 
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Abb. 1, Belastung 6,44 kg/qcm. 
Um den Einflufs zu ermitteln, den ein anhaltender Hegen auf 
die Tragfähigkeit des Bahnkörpers ausübt, wurde bei diesem Stande 
des Versuche das Geleis stark mit Wasser übergossen und eine 
mehrtägige Pause gemacht. Der darauf wieder vorgenommene Be- 
lastungsversuch ergab eine Tragfähigkeit von nur 3,3 kg, sodafs also 
diese starke Durchfeuchtung während der genannten Zeit genügt 
hatte, um die Tragfähigkeit auf die Hälfte zu vermindern. 
Verfasser schliefst aus den beschriebenen Vorgängen, dafs es 
viel Wahrscheinlichkeit für sich habe, dafs viele der Butschungen 
und Zusammenbrüche von Dämmen aus Thon oder ähnlichem 
Material ihren Ursprung in den nach Art des Versuches vorgegan 
genen Umbildungen des Planums zu suchen haben. Wenn, wie es 
z. B. in den Jahren 18T8—1860 der Fall gewesen ist, mehrere nasse 
Jahre auf einander folgen und sich grofsere Mengen Wasser in den 
unter den Geleisen gebildeten trogförmigen, über den ganzen Damm 
sich erstreckenden Maiden ansammeln, so mufs dadurch nach und 
nach die Durchweichung des ganzen Bahnkörpers bewirkt werden 
und die Abrutschung der einen Seite oder der Zusammensturz des 
ganzen Dammes erfolgen. Auf diese Weise, meint der Verfasser, sei 
sowohl der Zusammenbruch des Dammes im Aachener Walde am 
21. December 1860, als auch ein von ihm selbst beobachteter Damm 
rutsch vor Zittau am 19. Mai 1879 zu erklären. 
Hieran schliefsen sich Mittheilungen über Versuche mit Lang- 
schwellen-Oberbau auf einem eingeleisigen Damme (Abb. 2 zeigt den 
1.44. 
Belastung 4,20 kg/qcm 6,20 kg/qcm 
Abb. 2. 
Endzustand desselben), sowie solche auf zweigeleisigen Dämmen, bei 
denen das eine Geleis mit Langschwellen, das andere mit Quer 
schwellen belegt war. Bei der Vergleichung dieser Versuche wird 
dargelegt, dafs beim Querschwellenbau der Druck mehr nach der 
widerstandsfähigen Mitte des Dammes gerichtet sei, als wenn Lang 
schwellen darauf lägen. Auch sei es als ein Vorzug des Quer- 
schwellenbauee zu betrachten, dafs infolge der 
kreisenden Bewegung des Kieses jede Schwelle 
in gewissem Sinne ein Widerlager für die Nach- 
barsehwelle bilde (Abb. 3). 
Dem Langscbwellenbau ist dieser Vor 
theil nicht eigen, da nur zwei Schwellen vor 
handen sind und diese sich daher nur einseitig 
stützen können. Nach aufsen bildet nur der vorliegende Erdkörper 
das Widerlager, und dessen Einflufs ist beschränkt durch die benach 
barte Böschung. Soll daher das Langschwellengeleis ebenso trag 
fähig werden, wie das Geleis mit Querschwellen, so mufs ihm eine 
höhere Bettung und ein breiteres Planum gegeben werden. Die 
darauf mitgetheilten Belastungsversuche auf Eiaenbahndämmen aus 
Sand bestätigen die voraufgeführten Schlufsfolgenmgen und ergeben, 
dafs ein Querschwellengeleis auf einem zweigeleisigen Damme, dessen 
Geleismitte 2 m von der Kante abliegt, auf der äufseren Schiene 
29,6 t und auf der inneren 32 t auf 1 Meter Länge tragen kann, 
während ein Geleis mit Langschwellen erst hei 2,8 m Entfernung von 
der Dammkante 23,7 t auf der äufseren und 29,3 t auf der inneren 
Schiene trägt.. Um eine Tragfähigkeit wie beim Quetschwellenbau zu 
Abb. 3. 
erzielen, mufs die Verbreiteirung sogar 1 m betragen, die Mitte des 
Langschwellengeleises mufs also 3 in von der Bettungskante abliegen. 
Ein fernerer Abschnitt führt uns Messungen vor, die zur Er 
mittlung der Druckvertheilung im Bahnkörper auf der Strecke unter 
dem Geleise selbst angestellt sind. An der Mefsstelle wurden un 
mittelbar an der Schwelle ein schmaler Schlitz bis 2 m tief 
senkrecht in den Bahnkörper hinabgetrieben, und in diesen 
in regelrechten Abständen scharfe 0,40 m lange Flacheisen 
so tief eingeschlagen, dafs sie, genau quer unter der Schwelle 
sitzend, alle Bewegungen des Erdkörpers vollständig mitmachen 
mufsten. In einer Entfernung von 3 m senkrecht zur Bahn 
wurden feste Stützpunkte geschaffen und dann durch Ueber- 
legen einer Wägelatte mittels einer Mikrometer-Libelle die 
Senkungen abgelesen, welche durch das Auffahren einer Loco- 
motive auf das Geleis an der Beobachtungsstelle hervorge 
rufen wurden. Es ergab sich hierbei z. B. für einen niedrigen, 
aus Kies geschütteten Damm eine Senkung der Schiene auf 
Hilfscher Langschwelle zu 3,197 mm; 0,11 m unter der Schwelle 
war die Senkung 2,089 mm, 0,25 m unter der Schwelle nur 
0,686 mm, nahm nun langsam ab und betrag 2 m unter dem Ge 
leise noch 0,199 mm. An einer anderen Stelle, wo der Damm 3 m hoch 
war und aus Sand, Mutterboden und Thon bestand, betrag nnter 
einem Haarmannschen Geleise die Senkung des mittleren Theiles der 
Langschwelle 1,726 mm, diejenige der äufseren Kante der Lang- 
schwelle cur 1,28 mm, sodafs die Langschwelle sich um 0,446 mm 
in sich verbog. Im Kies, 0,04 m unter der Schwelle, betrag die 
Abb. 4. Querscbwellenbau für 11 Schwellen von 2,70 m Länge 
auf die Schienenlänge von 9 m, 
Senkung 1,066 und in 2 m Tiefe 0,229 mm. An derselben Stelle 
des Dammes wurde unter dem anderen Geleise aus Stahlschienen 
und hölzernen Querschwellen gemessen, wobei sich wesentlich grofsere 
Senkungen ergaben. Die Schwelle selbst senkte sich um 2,608 mm, 
der Kies 0,06 m unter der Schwelle um 2,159 mm, und der Punkt 2 m 
unter Schwellen-Unterkante um 0,309 mm. Die Senkungen unter der 
Querschwelle waren somit 100 bezw. 35 pCt. gröfser als heim Lang- 
gchwellenbau, und somit wurden die schon anderweit ermittelten und 
theoretisch begründeten Thatsachen bestätigt, dafs beim Quer- 
schwellenbau der Druck auf die Einheit und auf die Kiesbettung 
bezw. den Bahnkörper bedeutend gröfser ist, als der, welcher beim 
Langschwellenbau durch die gleiche Belastung des Geleises hervor 
gerufen wird. 
Verfasser ermittelt nach den Ergebnissen dieser Versuche den 
Druck iu der Tiefe und benutzt die gewonnenen Zahlen dazu, um 
bei den am Schlüsse der Arbeit vorgeschlagenen neuen Querschnitten 
für Dämme ans Tbon nachzuweisen, dafs bei denselben Umbildungen 
des Planums nicht mehr Vorkommen können. Beim Entwurf dieser 
Querschnitte ist hauptsächlich (Be in den früheren Versuchen er 
mittelte Hegel benutzt, derzufolge die Bettung unter Schwellen-Unter 
kante mindestens so hoch sein mufs, als die benachbarten Schwellen 
auseinanderliegen. Danach ergiebt sich die Bettungshöhe tür einge 
leisiges Planum mit Schwellen in enger Lage (II Schwellen) zu 0,57 m, 
für zweigleisige Strecken zu 0,8 m. Beim Langschwellenbau erhält 
man für eingeleisiges Planum 1,30 m und für zweigeleisiges 1,70 m. 
Die Oberfläche des Planums ist dabei zur besseren Abführung des 
Wassers wesentlich steiler als früher angenommen, auch ist für 
seitliche Entwässerung noch in besonderer Weise gesorgt. Abb. 4 
giebt die Anordnung für eingeleisige Strecken mit Holzschwellen in 
enger Lage zu erkennen.
	        
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