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Volume Nr. 13

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

Sr. JS. 
Centralblatt der Bauverwaltung 
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sich genügend versteift, um gegenseitige Verschiebungen einzelner 
’Theile mit Sicherheit axtesußchliefsen. 
Die Einführung des ganzen Baues vom Rüstplatz bis in die 
Brücke war mit ferneren erheblichen Schwierigkeiten insofern ver 
bunden, als die Arbeit durch Sturm und häufigen Regen und durch 
beständiges vorsichtiges Steuern mit Hülfe der zahlreichen Zug- und 
Leitseile bedeutend aufgehalten wurde. Dennoch ging dieselbe ver* 
kältnifemäfsig schnell von statten. In den Engineering New$ t welchen 
bei der vorliegenden Darstellung im wesentlichen gefolgt ist, giebt 
der Oberingenieur der Keystone Brückengesellschaft, C. L. Strobel, 
noch die folgenden genauen Angaben über die auf die eigentliche 
Aufstellung des Ueberbauea verwendete Zeit. Et sagt, dafs die ganze 
Last bereits am 18. August v. J, auf den Prähmen zum Schwimmen 
Um 11 Uhr 15 Min. am 19. war die ganze Masse frei im 
Strome angelangt. Um 7 Uhr 30 Min. nachmittags war die Einfahrt 
in die Brückenöffnung vollendet. Die Träger-Enden befanden sich 
hierbei 25 bezw. 20 cm über den Lagern. Erst am andern Morgen 
wurde die Eisenconstruction auf die Lager vollends herabgesenkt, in 
der Nacht dagegen zur Sicherung gegen Fährlichkeiten durch Holz 
klötze unterstützt und durch Seile au den Pfeilern befestigt. Nach 
Beendigung dieser Arbeiten wurde der Gerüstbau, welcher nun zur 
Aufstellung auch des gröfseren Ueberbaues in der kleineren Neben 
öffnung des Ohio verwendet werden sollte, wieder an seine ursprüng 
liche Stelle zurückgefahren und hier entsprechend verkürzt. Da 
jedoch auf Freihaltung der Nebenöffnung besonderer Werth nicht 
zu legen war, hatte man in ähnlicher Weise wie am Ufer bei jBC 
Abb. 3. End-Abschlufs des Gerüstes, 
gebracht war, dafs aber erst am folgenden Tage um 8 Uhr 50 Min. 
vormittags mit dem Ausfahren begonnen wurde. Während der 
Nacht hatte man das Gerüst über den Jochreihen vorsichtig unter 
klotzt. 
der Abb. 1 Pfahljoche in dieser selbst errichtet, in welche das ver 
kürzte Gerüst hineingefahren, und hierauf auf die Joche dauernd 
herabgesenkt wurde. Die Aufstellung der Eisenconstruction konnte 
dann über diesem Gerüst ungehindert erfolgen. Km. 
Vermischtes. 
Nach dem Statut der Louis Boifsonnet-Stiftung für Archi 
tekten Und Bau-Ingenieure ist für das Jahr 1891 ein Stipendium von 
3000 Mark zum Zwecke einer gröfseren Studienreise, und zwar, der 
vorgeschriebenen Reihenfolge gemäfs, an einen Architekten zu ver 
geben. Als fachwissenachaftliche Aufgabe ist nachstehende von der 
Abtheilung für Architektur vorgeschlagene und von dem Senat der 
technischen Hochschule festgesetzte Aufgabe durch den Herrn 
Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten 
genehmigt worden; 
Der bisher theils unvollständig, theils in einer seiner Bedeutung 
wenig genügenden Weise publicirte Dom zu Lund soll in allen 
seinen Theilen genau aufgemessen und gezeichnet werden, um aus 
dem gewonnenen Materiale, sowie nach einer eingehenden bautech 
nischen Untersuchung aller Bautheile, unter kritischer Würdigung 
der vorhandenen Litteratur, eine kunstgeschichtliche Monographie zu 
veröffentlichen. 
Der Text soll eine genaue Beschreibung aller Bautheile, unter 
Hervorhebung der wichtigsten Structurcn, Details und Materialien, 
sowie eine baugeschichtliche Darstellung umfassen, in welcher der 
stilistische Zusammenhang des Domes zu Lund mit den Domen zu 
Eibe und Viborg in Jütland und dem Dome zu Roeskilde auf See 
land genauer erörtert und festgestellt werden mufs. 
An Zeichnungen werden verlangt: 
a. Ein Grundrifs der Kirche, in zwei verschiedenen Höhen ge 
nommen, im Mafsstabe von 1: 200, 
b. ein Grundrifs der Krypta, im Mafsstabe von 1:200, 
c. die West-, Süd- und Ostfapade, ferner Längs- wie Querschnitt, 
zusammen fünf Blätter im Mafsstabe von 1:100, 
d. ein Durchschnitt durch die Krypta im Mafsstabe von 1:50, 
e. die drei wichtigsten Portale in Grund- wie Aufrifs im Mafs- 
stabe von 1 : 20, 
f. die wichtigsten Details der Kryptasäulen, der Schiffspfeiler, 
der Säulen der Zwerggalerie und der Chorfenster im Mafs* 
stabe von 1 : 10, 
g. eine skizzirte Aufnahme der kleinen, aber wegen ihrer Archi 
tektur, ihres Materials und ihres sicheren Datums sehr wich 
tigen Kirche von Gumlöse in Schonen im Mafsstabe von 1: 200. 
Die Bewerber um dieses Stipendium haben an den Unterzeich 
neten Rector (Adresse: Technische Hochschule Charlottenburg) eine 
Beschreibung ihres Lebenslaufs und die über ihren Studiengang 
und über ihre praktische Beschäftigung sprechenden Zeugnisse bis 
spätestens zum 15. April 1891 einzureichen. Aufserdem haben 
die Bewerber durch Beibringung von schriftlichen Arbeiten, archi 
tektonischen Entwürfen, Zeichnungen nachzuweisen, dafs dieselben die 
zur Aufnahme monumentaler Bauwerke, auch in Bezug auf den figür 
lichen Schmuck, erforderliche Vorübung besitzen. Die Bewerber 
müssen einen wesentlichen Theil ihrer Ausbildung auf der früheren 
Bau-Akademie oder auf der technischen Hochschule in Berlin (Ab 
theilung für Architektur) erlangt haben und sich verpflichten, die 
Arbeit im Laufe dieses Sommers vorzunehmen und zu beendigen. 
Charlottenburg, den 19. März 1891. 
Der Rector der Königlichen technischen Hochschule in Berlin. 
Reuleaux. 
Ueber die Stellung der Bau Verwaltungen zur Bekämpfung der 
Trunksucht hielt der Oberbaudirector Franzius in Bremen am 
14, v, M, im dortigen Architekten- und Ingenieurverein einen Vor 
trag, dem wir folgendes entnehmen. Die Trunksucht fordert ihre 
schlimmsten Opfer bekanntlich in den unteren Schichten des Volkes, 
namentlich auch in den Kreisen der Bauarbeiter, sodafs sich die 
Frage, wie derselben zu begegnen sei, u. a. auch ganz vornehmlich 
an die Bauverwaltungen richtet, mögen es staatliche oder private 
sein. Dafs der übermäfsige Branntweingenufs den Bauarbeitern 
schädlich ist, wird durch das Zeugnifs aller tüchtigen Aerzte und 
Physiologen bestätigt. Das Trinken schwächt den Arbeiter nicht nur
	        
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