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Volume Nr. 13

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

llr. 13. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
131 
wiesen. Treppe und Flur haben volles Tageslicht, und der Eindruck 
der Flurhalle mit ihren gewölbten, von Sandsteinsäulen getragenen 
Decken und den ansteigenden Treppenläufen ist 
ein recht malerischer, hat trotz der kleinen 
Einzelabmessungen etwas Weiträumiges, Monu 
mentales und giebt dem Hause auch im Innern 
das Gepräge eines öffentlichen Gebäudes. Die 
Treppenläufe selbst, sind von einem zierlich ge 
schmiedeten und in mehreren Tönen gefärbten 
Geländer begrenzt; das Geländer der Treppen- 
öftnung zwischen den Säulen des ersten Stock 
werkes ist gleich den Thürgewänden im Flur aus 
gelbem Sandstein gemeifselt. Von den übrigen 
Innenräumen haben nur die Sitzungssäle der Stadt 
verordneten und des Stadtrathes, sowie das 
Bürgermeisterzimmer eine reichere Ausstattung 
durch sichtbar hölzerne, in einfacher Zimmer 
arbeit hergestellte Decken, Wand-Täfelungen und 
farbige Oefen, sowie durch mafsvolle Verwendung 
einfacher Bleiverglasungen erhalten. Weiterer 
Schmuck durch Gemälde und Glasmalereien ist 
späterer Zeit Vorbehalten geblieben. Auch der 
als Gastwirthschaft benutzte Rathhauskeller ist zu 
nächst nur in einfacher Weise ausgebaut. Das 
grofsere Gastzimmer ist durch ein einziges weit 
gespanntes Tonnengewölbe mit Stichkappen über 
deckt; im Herrenstüblein wird die gewölbte Decke 
durch eine aus rothem Schlegeler Sandstein ge 
fertigte, mit Hopfen und Weinrebe geschmückte 
Säule gestützt. 
Das Aeufsere des Baues, von der Ecke des 
Ringes aus gesehen, giebt Abbildung 5. Zur 
malerischen Wirkung des Ganzen tragen neben den Giebeln, dem 
Erkerthürmchen, den Luken und sonstigen Dachautbauten noch der 
weit in den Ring vor 
springende, ganz in Hau 
stein ausgeführte Portal 
bau bei, ebenso die dem 
Thurme vorgelegte über 
wölbte offene Halle. Der 
Flächenputz des Aeufse- 
ren ist aus verlängertem 
Cementmörtel und unter 
Verwendung gewaschenen 
Sandes hergestellt, hat 
keinen deckenden An 
strich erhalten und hebt 
Bich in seiner graugelben 
Farbe günstig von dem 
wärmeren Gelb des Sand 
steines der Gesimse und 
Fensterumrahmungen ab. 
Die farbige Wirkung wird 
noch durch den grün 
lichen Ton des Granit 
sockels und die graphit 
blaue Färbung der ge 
dämpften Dachziegel so 
wie durch das Roth der 
kupfernen Dachaufbauten 
gesteigert. Das Wappen 
schild der Stadt in der Hausteincartouche am Giebel ist auf blauem 
Grund farbig unter Verwendung von Silber gemalt. Der schlesische 
'«brt 
Ring 
Abb. 3. Erdgeschofs. 
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Adler über dem grofsen Saalfenster wurde in Keimsclien Mineralfarben 
auf Goldgrund ausgeführt. Die Füllungen über den Erkerfenstern 
und in den Thurmnischen haben Kratzmuster er 
halten, Das Dach ist mit Ziegeln der üblichen 
Form aus den Freywaldauer Werken als Kronen 
dach nach böhmischer Art unter Verwendung von 
Cementmörtel für die Fugendichtung gedeckt. 
Auch die Kehlen sind in Ziegeln ohne Anwen - 
düng von Metallblech nach Art der eingeschie- 
ferten Kehlen eingedeckt, wobei ein einziger be 
sonders geformter Kehlstein Verwendung fand. 
Diese Eindeckung, welche bekanntlich den Vorzug 
hat, dafs die Ziegeldachflächen durch kein anders 
geartetes Material unterbrochen werden, wurde ge 
wählt, nachdem mit ihr bei dem benachbarten 
Staatsbau des Amtsgerichtes in Neurode beson 
ders günstige Erfahrungen gemacht worden waren. 
Alle Luken, der Erkerthurm und der Hauptthurm 
sind mit sächsischem Kupfer gedeckt. Die Stein 
metzarbeiten wurden von den bewährten Bunzlauer 
Steinmetzen Schilling u. Comp, aus Alt-Warthauer 
gelbem Sandstein ausgeführt. Von den in Mün 
sterberg angesessenen Meistern seien der Haupt- 
untemehmer Maurermeister Wiesener, Zimmer 
meister Lorke, Tischlermeister Lindner und 
Schmiedemeister Nickel als diejenigen genannt, 
welche durch ihre Arbeiten zum Gelingen des Wer 
kes hauptsächlich beigetragen haben. Von den Ge 
samtbaukosten, welche rund 120000 Mark be 
tragen, entfallen 84000 Mark auf das Hauptgebäude, 
18 000 Mark auf den Ausbau des Thurmes, 6000 Mark 
auf die Nebenanlagen. Der Rest ist für die Ge 
winnung der Baustelle, für Vorarbeiten, Entwurf, Bauführung, 
Zinsen während der Bauzeit sowie für die innere 
Ausstattung mit Möbeln 
usw, verwendet. Auf 
1 qm Grundfläche des 
Neubaues entfallen bei 
450 qm Baufläche somit 
186,7 Mark, auf 1 cbm 
rund 16 Mark, auf 1 cbm 
des Thurm - Ausbaues 
9 Mark. Wenn diese Bau 
kosten unter Berücksichti 
gung der durchweg ge 
diegenen Ausführung in 
echten Baustoffen recht 
mäfsig erscheinen, so ist 
dies den niedrigen Ar 
beitslöhnen und Materia 
lienpreisen sowie dem Um 
stande zu verdanken, dafs 
fast ausschliefslich Mei 
ster der kleinen Stadt zu 
der Ausführung heran 
gezogen wurden und diese 
ihre Arbeiten an der 
Hand genauer Werk- 
„ „ „„ Zeichnungen mit grofser 
^ ^ Liebe zur Sache und 
ohne Anspruch auf be 
trächtlichen Unternehmergewinn ausgeführt haben. 
C. Mühlke, O. Poetsch. 
Miethen und 
Abb. 4. Obergeschofs. 
Das Mittelwasser der Ostsee. 
Von Harry 
Zweierlei Gründe sind es, welche jede Staatsverwaltung bestimmen 
müssen, die Bewegungen des Meeres mit aller zu Gebot stehenden 
Sorgfalt -dauernd beobachten und verfolgen zu lassen. Es liegt auf 
der Hand, welche praktischen Interessen es sind, die in erster Linie 
derartige Beobachtungen nothwendig machen. - An den grofsen 
offenen Oceanen, wo die Fluthwelle, durch den Druck des Windes 
in ihrer wirkenden Gewalt noch verstärkt, gegen die Küste anrollt, 
handelt es sich bei Anstellung von oceanometrischen Bestimmungen 
ganz offenbar nur um Schaffung bezw. Vorbereitung von Hülfsmitteln 
in dem grofsen Kampfe zwischen Meer und Festland. In denjenigen 
Meeren, welche Mittelmeercharakter haben, also dem Einflufs der 
Gezeiten wenig oder gar nicht ausgesetzt sind, fehlen natürlich jene 
grofsen und in kurzen Zeiträumen wiederkehrenden Anschwellungen 
Gravelius. 
und Senkungen des Wassers. Doch ist auch hier der Stand des Wassers 
noch keineswegs ein so unveränderlicher, dafs die Schwankungen, 
denen es unterworfen ist, bei Hafenanlagen Bowie auch beim Ufer 
schutz unberücksichtigt bleiben dürften. 
Wenn somit der hohe praktische Werth von Wasserstands 
beobachtungen an den Küsten namentlich an dieser Stelle gar keiner 
weiteren Erörterung bedarf, so möge vielmehr die allgemeine Be 
deutung dieser Messungen ins Auge gefafst werden, welche sie im 
Rahmen der wissenschaftlichen Erforschung der Erdgestalt bean 
spruchen. Wir können uns diese scheinbare Specialisirung um so 
eher gestatten, als gerade auf diesem Gebiete die Beziehungen zur 
Praxis sich uns fortwährend, ganz ungewollt und ungesucht, auf 
drängen werden.
	        
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