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Volume Nr. 13

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1891 (Public Domain)

28. März 1891. 
130 
Centralblatt der Bauverwaituug. 
angehenden Specialbearbeitung in dieser Richtung noch ein Mehreres 
mit Erfolg anzustreben ist, ob vielleicht auch der Marktthurm in der 
Entwicklung der Spitze noch etwas niedriger zu halten und etwa aus 
einem Umgänge mit flankirenden Thürmchen bei Anwendung einer 
flacheren Hauptdach-Neigung aufzubauen ist, kann mit Vertrauen 
der ferneren Beurtheilung des Architekten Vorbehalten werden. Die 
Akademie spricht sich dabei für die Ansicht des Architekten aus, 
daß es aus örtlichen Rücksichten und zur Vermeidung eines kirch 
lichen Eindruckes rathsam sei, den Marktthurm nicht zu einem unter 
geordneten Dachreiter zu reduciren, sondern ihn etwas mehr gleich- 
werthig zum Granusthurm abzumessen. 
Mit der von dem Project-Verfasser gewählten Ausbildung der 
Hauptdachfläche mit zwei Reihen Dachluken über einer untersten 
Reihe gröfscrer Dachfenster erklärt sich die Akademie einverstanden; 
ebenso findet sie zulässig die Andeutung der Krone auf dem Markt- 
thurmdach, da sie jetzt mehr aufgesetzt und weniger aufgespiefst 
erscheint als bei dem früheren Project, sich auch nicht bei dem 
Granusthurm wiederholt. 
Dafs im neuesten Project die beim vorangegangenen Project zu 
mager ausgebildet gewesene eiserne Bekrönung der Schornsteine 
ganz weggelassen, auch der First-Aufbau an der Südseite über dem 
Treppenhaus reicher gestaltet und der Form im ältesten Project 
mehr angenähert ist, findet die Billigung der Akademie. 
Mit der für den Laubengang an der Südseite von dem Verfasser 
jetzt gewählten Arcaden-Ausbildung könnte sich die Akademie mehr 
einverstanden erklären, wenn der Verfasser die eingefdgte Theilung 
durch Mafswerk schlösse und dadurch bei der Arcade den noch 
immer zu gestelzten Eindruck abminderte. 
Schliefslich wiederholt die Akademie in der Mehrheit der Mit 
glieder ihre schon früher geäufserte Ansicht, dafs mit Rücksicht auf 
das geringo Aligemein-Relief der Markt-Ansicht, ein mehr lauben- 
Uhnlich gehaltener Aufbau über dem Haupteingang von erwünschter 
Wirkung sein müfste. 
Königliche Akademie des Bauwesens. 
Schneider. 
[Allo Rechte Vorbehalten.} 
Nichtamtlicher Theil. 
Kedacteure: Otto Sarrazin und Oskar Hofsfeld. 
Das neue Rathhaus in 
Eine rom Archätektenverein in 
Berlin im Jahre 1887 unter seinen 
Mitgliedern veranstaltete Preisbe 
werbung für den Neubau eines Rath 
hauses in Münsterberg »./Schlesien hat 
den Erfolg gehabt, dafs einer der ein- 
gereichten Entwürfe zur Ausführung 
gekommen ist. Der Neubau ist auf 
der Stelle des alten Rathhauses an 
einer Ecke des hufeisenförmigen 
„Ringes“ errichtet. Das alte Gebäude 
war im Jahre 1561 vom Herzog 
Johann erbaut zu einer Zeit, als 
die Stadt noch als Hauptstadt des 
gleichnamigen Herzogthums mit 
ihren Mauern die Burg der Herzoge 
umschlofs. Während letztere längst 
zerfallen, war das Rathhaus bis auf 
unsere Zeit erhalten geblieben, nach 
dem es freilich mehrfachen Umbauten 
unterzogen worden war, den mannig 
fachsten Zwecken gedient hatte und 
erst 1879 seiner alten Bestimmung 
ganz hatte zurückgegeben werden 
können. Die letzte Gestalt des in 
Putzbau ausgeführten Hauses zeigt das vorstehende Kopfbildchen. 
Neben dem stattlichen Thurmc schlossen zwei Giebel die parallelen 
Dächer ab, eine Anordnung, welche sich noch vielfach an den Privat 
bauten der Renaissancezeit im benachbarten Brieg erhalten hat.*) 
An den Giebeln wie am Uebergange des Thurmes vom Viereck zum 
Achteck kehrt das für die Gegend bezeichnende Motiv der viertel 
kreisförmigen Zinnen wieder. 
Die Nothwendigkeit, das alte Schindeldach durch ein Steindach 
zu ersetzen, und die Erkcnntnifs, dafs der daraus folgende durch 
greifende Umbau deB Hauses sich kaum lohnen werde, -zeitigte den 
Entschlufs, auf der Stelle des alten Hauses einen Neubau zu errichten, 
Dem glücklichen Umstande, dafs eich die Stadtgemeinde wegen der 
Entwurfbearbeitung an den Berliner Architektenverein wandte, und 
dem thatkräftigen Eingreifen dieses Vereins ist cs zu danken, dafs 
die anfangs gehegte Absicht, einen Bau mit Ziegelverblendung und 
Cementputzverzierungen herzustellen, nicht zur Ausführung katn. 
Vielmehr wurde in dem Preisausschreiben zur Bedingung gemacht, 
das Haus in den Stilformen des alten Gebäudes und des bestehen 
bleibenden Thurmes mit geputzten Flächen und Hausteingliederungen 
zu entwerfen. Gerade durch seine Schlichtheit und durch richtig zu 
greifende Verhältnisse sollte der Bau seinen künstlerischen Reiz er 
halten. Die zweigieblige Anordnung des alten Hauses mufste wegen 
der vielen mit der eingesattelten Rinne verbundenen Unzuträglich 
keiten ausgeschlossen werden. 
Von den 19 eingesandten Entwürfen erhielt die Arbeit der da 
maligen Reg.-Baumeister Herren Rehorst u. Angelroth, welche 
*) Vergl. Lübke, Deutsche Ren. Band II. Cap. XIII. 
Münsterberg i. Sclil. 
die Forderungen des Programms auf knappstem Raum erfüllte, den 
Preis. Die Stadtgemeinde wählte jedoch den Entwurf der Unter 
zeichneten, dessen Grundrifs gröfsere Räume aufwies und die Be 
leuchtung des Sitzungssaales glücklicher löste, und übertrug uns die 
technische Oberleitung der Ausführung. 
Mit dem Abbruch des alten Rathhauses wurde im März 1888 be 
gonnen, mit dem Neubau im Juli desselben Jahres, und im September 
1890 konnte das fertige Haus in Benutzung genommen werden. 
Während des Abbruches stellten sich bereits Anzeichen ein, dafs die 
Erhaltung des Thurmes nur mit besonderen Sicherheitsmaßregeln 
ausführbar war. Die alten Risse, besonders am unteren, viereckigen 
Thurmschaft, der aus Bruchstein gemauert war und einem noch 
älteren Bau vor 1561 angchöron mufste, erweiterten sich bedenklich, 
und ängstliche Gcmüther befürchteten bereits den Einsturz. Durch 
starke Verankerungen, schleunige Ausführung der anschliefsenden 
neuen Rathhausmauern und Sicherung der alten, im Keller fast blofs- 
liegenden Thurmfundamente mittels einer starken Betonschicht wurde 
dem drohenden Unheil wirksam begegnet. An den ursprünglich beab 
sichtigten Durchbruch neuer Verbindungsöffnungen in den Thurm 
mauern war unter diesen Umständen allerdings nicht zu denken, und 
die Nutzbarmachung der Räume im Thurm ist nur mittels alter, vor 
handener Thüröffnungen möglich geworden. Die Baufälligkeit der 
durchbrochenen, mit Kupfer gedeckten Thurmspitze, sowie die Noth 
wendigkeit der Herstellung einer verbundenen Rüstung auch für das 
einfache Ausbessern der vorhandenen Schäden führten endlich zu 
dem Entschlüsse, den Thurm gleichzeitig mit dem Neubau des Rath 
hauses einer durchgreifenden Erneuerung zu unterziehen. Die Thurm- 
haube erhielt neue Kupferbedachung und einen neuen, aus Lerchen 
holz gefertigten Dacbstnhl, dessen Zimmerung genau der des alten 
baufälligen Dachstuhles entspricht und aus nebenstehender Abb. 2 
erhellt. Die neue Umrifslinie schliefst sich gleichfalls der der alten 
Haube an; nur wurde die über dem Umgänge befindliche Thurmstube 
um rund 1,5 m erhöht, um die Erscheinung des Thurmes von den 
nahen Standpunkten des Marktes aus günstiger zu gestalten. Inwie 
weit dies gelungen, ist aus dem Vergleich der Abb. 1 und Abb. 5 
auf Seite 133 ersichtlich. Weiter wurden die alten geputzten Gesimse 
durch Sandsteingesimse ersetzt, eine durchbrochene Hausteinbrüstung 
für den Umgang hergestellt und auch die viertelkreisförmigen Zinnen 
mit Werkstein abgedeckt. Die Thurmuhr, der innere Ausbau des 
Thurmes wurden erneuert, und die alte Sonnenuhr oberhalb des an 
schließenden Rathhausdaches an der RingBeite wiederhergestellt. 
Die endgültige Anordnung der Grundrisse des Rathhauses zeigen 
Abbildung 3 und 4. Das Erdgeschoß enthält neben der Castellan- 
Wohnung die Amtszimmer der Polizei und der Kassenverwaltung, 
zwei Gefangenzellen und das Eichamt. Im ersten Stockwerk liegen die 
Amtszimmer der Bürgermeisterei und die Sitzungssäle. Die zur Zeit 
noch zur Verfügung stehenden Räume sind für die Erweiterung der 
Amtszimmer bestimmt. Das Erdgeschoß ist vollständig überwölbt, im 
ersten Stock haben nur die Flure, die Treppe und die Registratur ge 
wölbte Decken erhalten. Die preußischen Kappen zwischen eisernen 
Trägem sind an den Enden muldenförmig ausgebildet. Die für den 
Grundriß bezeichnende Anlage der Treppe inmitten der sie umgeben 
den Flure hat sich bei der Ausführung als außerordentlich günstig er- 
Abb. 1.
	        
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