Path:
Volume Nr. 51

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

49(i 
Centralblatt der Banverwaltung. 
21. Deeember 1889. 
Die Fahrtdauer auf die ganze Länge betrug Vs Minute. Der Er 
bauer Barre beschreibt die Gleiteisenbahn in einer kleinen Schrift 
„Notice sur le chemin de fer glissant ä propulsion hydraulique 
1 
L 
L\ 
s) 
jf 
!l ... 
- „ . _ * Tr ~~ " 
Untere Ansicht. 
Abh. X. 
Systeme L. D, Girard^, wel 
cher die nachstehenden An 
gaben zum Theil entnom 
men sind. 
den Stützen tt und diese 
vermittelst Schuhen auf 
0,22 m breiten n-Schienen 
u u (Abb. 2). In der Einrich 
tung des die Reibung ver 
hindernden Schuhes, Abb.l, 
liegt das wesentliche der 
Erfindung. Der Schuh 
bildet über der Schiene einen dicht umschlossenen vierseitigen Hohl 
körper, in welchen das geprefste Wasser durch die Oeffnung s 
vermittelst der Leitungsröhren RR (Abb. 2) eingeführt wird und dort 
die Luft zusammen 
drückt. Die aufein 
anderfolgenden Ril 
len in der Auflager- 
flächc des Schuhes 
bewirken eine Ge 
schwindigkeitsver 
minderung des aus- 
qucllenden Wassers. 
Die Gröfse des inne 
ren Hohlraums ist 
*35/13 cm, die ganze 
Fläche des Schuhes 
mit den Rillen 44/22 
cm. Druckwasser und 
Prefsluft heben den 
Schuh sehr wenig an, 
sodafs der Wagen 
fast ohne Reibung 
schwebt und mithin 
einem geringen An 
stofs folgt. In der 
Abb. 2 sieht man 
auch die oberen 
Theile von vier An 
sätzen E durch 
welche der Schuh am 
seitlichen Herabglei 
ten von den Schienen 
gehindert wird. Ver 
suche haben gezeigt, 
dafs ein solcher 
Schuh, belastet mit 
1060 kg cinschliefs- 
lich seines Eigengewichts, bei 
Wasser in seinem Hohlraume 
wurde, wobei secundlich 0,063 
Abb. 2. 
Gleiteisenbahn auf der Pariser Weltausstellung. 
einer Spannung von Luft und 
von 1,8 Atmosphären, angehoben 
Liter Wasser 
Reibung in der Bewegung 0,5 kg, also war 
ausflofs und die 
Zur vollen 
1060 
1,8 
Druckwirkung ist also eine Fläche des Schuhes gekommen von 
— 589 qcm, da der Druck einer Atmosphäre 1 kg auf das Quadrat- 
eentimeter beträgt. Die Ilohlraumflache ist 35.13 = 455 qcm und 
die Gesamtfläche des Schuhes 44.22 — 968 qcm. 
Da der Schuh nicht vollkommen luftdicht auf der Schiene 
haftet, so ist der äufsere Luftdruck beiderseits aufgehoben. Bei 
Gleiteisenbahn-Zügen wird die Reibung wesentlich gröfser als vor- 
bemerkt, und zwar zu 1 kg für die Tonne, also auf angenommen, 
d. h. immer nur zu 1 /*> der für rollende Bahnzüge gewöhnlich an 
genommenen Reibung von /ijoo• Bei dem genannten Innendruck von 
1,8 Atin. im Schuh würde ein vierschuliiger Wagen von 4 . 1060 = 
4240 kg Gesamtgewicht angehoben werden. Das Eigengewicht eines 
Wagens ist 2500 kg, es bleiben also für die Belastung 4240 — 2500 = 
1740 kg, oder das Gewicht von = 25 erwachsenen Personen.. 
Die Schienenstöfse werden mit Kautschukwürsten gedichtet. 
Das Druckwasser befindet sich unter Prefsluft in einem Tender 
wagen vorn am Zuge. 
Die Fortbewegung des Bahnzuges geschieht ebenfalls durch Druck 
wasser. In gewissen Abständen ragen innerhalb des Geleises Ausflufs- 
ansätze A aus einer unter dem Geleise auf dessen ganze Lange ange 
ordneten, von eingeschalteten Windkesseln W häufig erweiterten 
Druckrohrleitung I) empor, wie die dem Genie civil Nr. 22 vom 
28. Scpt, d. J. entnommene Gesamtansicht in Abb. 2 zeigt. 
Jeder der erwähnten Ausflufsansätze entsendet einen wagerechten 
Wasserstrahl gegen eine unter dem Zuge fortlaufende Stofsschaufel 
stange T. Die Stofs sch aufein sind in Abb. 2 bei SS\ zu sehen. Der 
Vorgang erinnert an die Bewegung der Turbinenräder, weshalb die 
Stange auch als geradlinige Turbine bezeichnet wird. 
Das Oeffnen und Schliefsen der Ausflufsansätze erfolgt sclbst- 
wirkend durch den laufenden Bahnzug. Für jede Fahrrichtung ist eine 
besondere Reihe solcher Ausflufsansätze und demgemäfs die Ausbildung 
der Triebstange gewissermafsen als Doppelturbine nothwendig (S S 
bezw. N, iS,). Es müssen mindestens so viel Ausflufsansätze vor 
handen sein, dafs der Zug auf einen folgenden trifft, wenn er den 
vorhergehenden verläfst, Beim Betriebe einer solchen Gleiteisenbahn 
ist also eine geringste Zuglänge im Zusammenhänge mit einem be 
stimmten Abstand der Ansätze festzusetzen. Wäre z. B. die geringste 
Zuglänge 100 m, so müfste alle 99 m ein Ausflufsansatz für jede 
Fahrrichtung vorhanden sein. Alle Züge würden, von derselben 
treibenden Kraft be 
wegt, mit gleicher Ge 
schwindigkeit laufen. 
Alles entweichen 
de Wasser ist zu 
sammeln und dcu 
Druckpumpen zuzu 
leiten, welche es wie 
der in die Leitung 
pressen. Dies macht 
aufser der Anord 
nung besonderer Auf 
fangvorrichtungen 
FF gegenüber den 
Ausflufsansätzen AA 
und besondererBlech- 
schirme Bß neben 
den Schuhen, einen 
fortlaufenden Sam 
meltrog M und zwei 
Sammelrinnen N oder 
eine fortlaufende Bu- 
tonirung des Bahn 
körpers nothwendig. 
Gegen das Gefrieren 
des Wassers wird 
eine Beimischung von 
Vs Glycerin in Vor 
schlag gebracht. 
Zum Bremsen 
braucht man nur das 
Druckwasser vom 
Schuh abzusperren, 
was natürlich augen 
blicklich sehr starke Reibung nach sich zieht. Dieser von 
selbst gegebenen ureinfaehen starken Bremsung dürfte als Nach 
theil gegenüber stehen, dafs beim zufälligen Versagen des Wasser- 
Mechanismus der Zug auch gleich gründlich festliegen würde. 
Aufser dieser sicheren Bremsung sind offenbare Vortheile der 
Gleiteisenbahn: Sehr angenehmes Fahren, ähnlich wie im Schlitten, 
keine Erschütterung und Schwankung, kein Staub, kein Rauch, 
kein Dampf, kein Geräusch, kein Schmieren, keine Achsen 
und Räder und daher leichte Fahrzeuge, feststehende Maschinen 
für die Druckpumpen anstatt mitlaufender Locomotiven, kein 
Bettungsmaterial des Oberbaues wegen des Wegfalls aller Erschütte 
rungen, was den Nachtheil der vorerwähnten fortlaufenden Betonirung 
des Bahnkörpers ausgleicht. 
Die Anlage von Weichen soll keine Schwierigkeiten machen 
wenn die Schienen mit T-Eisen armirt werden. Zufällige sehr starke 
Steigungen, 45 mm auf 1 m (1 : 22) und darüber würden keine Be 
lästigungen des Bahnbetriebes nach sich ziehen, weil man auf solcher 
Steigung die Stofskraft durch Vermehrung der Ausflufsansätze und
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.