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Volume Nr. 48A

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

464 Centralblatt der Bauverwaltung. 4. Deeember 1881 
-f-27°C. gemessen. Zwischen Heizrohren und Monierdecke ergaben 
sich Lufttemperaturen von 49 bis 57,5° C. In den Sälen wurde an 
mehreren Stellen die Temperatur des Fnfsbodens durch Thermometer 
gemessen, welche in einem Oelbade auf dem Stein'Estrich standen. 
Dieselben zeigten 24 bis 33° C. Die Raumtemperatur betrug, in 
Kopfhöhe gemessen, 16 bis 22° C. In der Nacht erfolgte naturgemäfs 
eine starke Abkühlung. Die angegebenen niedrigen Zahlen beziehen 
sich auf Beobachtungen, welche zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, 
d. h. drei Stunden nach Inbetriebsetzung der Heizung gemacht wurden* 
Die nächsten Beobachtungen wurden nachmittags von 3*/a bis 4 Uhr 
angestellt. Die dabei abgelesenen Wärmegrade wurden auch in den 
gpäteren Abendstunden beim Sinken der Aufsentemperatur nicht er 
heblich überschritten. Die Temperatur des Fufsbodens war nirgend 
so hoch, dafs sie, selbst bei unbekleideten Füfsen, lästig empfunden 
worden wäre. Sehr bemerkbar machte sich die Wärmestrahlung der 
Heizrohren, indem der Fufsboden, der Lage der Röhren entsprechend, 
streifenweis verschieden erwärmt war. Bei allen diesen Versuchen war 
die gesamte Heizfläche im Betriebe, die Lüftung wegen der schnelleren 
Austrocknung des Gebäudes in steter Benutzung. 
Wenn diese Probeheizung infolge der dabei obwaltenden Um 
stände ein abschliefsendes Urtheil nicht zuliefs, so bot der folgende 
Winter 1888/89 hierzu ausreichende Gelegenheit, da das Kranken 
haus fast ununterbrochen stark belegt und der Winter ungewöhnlich 
lang war. Während allerdings nicht mehr als —13,5° C. Aufsen 
temperatur beobachtet wurde, brauchten nie mehr als zwei Drittel 
der Heizfläche in den Heizkammern unter Dampf zu sein. Es ist 
deshalb bestimmt anzunehmen, dafs bei den niedrigsten hierorts beob 
achteten Kältegraden die Heizanlage vollkommen ausxeiehcn wird. 
In den ersten Wintermonaten wurde sogar nur am Tage geheizt, ob 
wohl die Temperatur im November unter —'4° sank. Bei einer 
Aufsentemperatur Yon —0,5° C., die der durchschnittlichen Winter 
temperatur Berlins nahe kommt, hätte rechnungsmäfsig die Hälfte 
der Heizfläche im Betriebe sein müssen. Es ergab sich jedoch, dafs, 
wenn nur mit einem Drittel der Heizfläche geheizt wurde, die Zimmer 
temperatur eine viel zu hohe war. Daher rnufste der Dampfdruck 
und damit die Temperatur der Heizfläche so niedrig als möglich ge 
halten werden. Erstercr betrug meistens nur 1 /io Atm. In Zukunft 
wird deshalb bei derartigen Anlagen darauf Bedacht zu nehmen sein, 
dafs eine Regelung der Wärmeabgabe in engeren Grenzen möglich ist* 
Das mit der Heizungsanlage gewonnene Ergebnis mufs um so 
mehr überraschen, als die Lüftungseinrichtung nicht immer die 
eine beabsichtigte Wirkung zeigte. Die oben erwähnte Luftbewegung 
in den Räumen von oben nach unten trat nur bei mittleren und 
höheren Aufsentemperaturen ein. Die metallene Dachconstruction 
und die Bewegungsvorrichtung der Oberlichte enthalten naturgemäfs, 
wenn auch nur kleine, immerhin aber Oeffnungen, die in ihrer Ge 
samtheit einen nicht unerheblichen Querschnitt darstellen, sodafs bei 
gröfserer Kälte der Auftrieb der warmen Zimmerluft im Raume ao 
stark wurde, dafs eine entgegengesetzte Luftbewegung, also von unten 
nach oben, eintrat. Diese wurde verstärkt durch die ebenfalls un 
vermeidlich gewesene Anordnung der Abluftcanäle, welche der ge 
ringen Höhe des Gebäudes wegen nur niedrig sein konnten, dabei 
frei über Dach geführt und aus leichtem Metall hergestellt werden 
mufsteu. Das alles bewirkt bei starker Kälte eine erhebliche Ab 
kühlung der Luftsäule in diesen Canälen, welche dann allzusehr 
geneigt ist, niederzusinken statt emporzusteigen. Solche Störungen 
im Betriebe der Lüftung hätten die Wirkung der Heizung stark beein 
trächtigen müssen, wäre diese nicht eine so über Erwarten kräftige 
und sichere gewesen. 
Die Art und der Grad der Lüftung lassen übrigens nichts zu 
wünschen übrig, denn wiewohl für das Bett und die Stunde 80 cbm 
Luft ftngesetzt waren, so wurde doch bei mittlerer Wintertemperatur 
ungefähr die doppelte Luftmenge an der Einströmungsstelle gemessen. 
Ein lästiger Zug wurde nur in nächster Nähe einiger Abluftcanäle 
dicht über dem Fufsboden bemerkbar, wenn die erwähnte Rück 
strömung eintrat. Es wird in solchen Fällen die Oeffnung geschlossen, 
was der Wirkung der Lüftung keinen Eintrag thut. Die alte Er 
fahrung, dafs man dem für einen Raum erforderlichen Mindestbedarf 
an Wärme oder Heizfläche um so näher kommt, je gleichmäfsiger 
man die Wärmequelle vertheilt und je niedriger man dieselbe im 
Raume anordnet, findet sich bei der vorstehenden Anlage bestätigt. 
Hier ist für beides die Grenze erreicht und dementsprechend auch 
der Erfolg erzielt. 
Es mag zum Schlufs noch erwähnt werden, dafs die Kosten der 
Ileizungs- und Lüftungsanlagc keineswegs sehr hohe gewesen sind, 
wenn die Lage der Flügel zu einander, die ungewöhnlichen Ab 
kühlungsverhältnisse, die geringe Wärmeabgabe der mittelbar wirken 
den Heizfläche und die Stärke der Lüftung in Betracht gezogen wird. 
Mit Einschlufs der Einrichtung zur Erwärmung des Badewassers, der 
Rohrleitungen von und nach dem Kcsselhause und der zugehörigen 
Mauer- und Stemmarbeiten haben die Herstellungskosten der Heizungs 
und Lüftungsanlage rund 16 000 Mark betragen. Ausgeführt wurde 
diese durch die Firma Rud. Otto Meyer in Hamburg, welche ihren 
damaligen Vertreter in Berlin, Ingenieur Elbert, mit der besonderen 
Leitung der Ausführung betraut hatte. 
Berlin, im October 1889. II. Klutmann. 
Lieber die Annahmen bei Ermittlung der Zwischenpfeilerstärken gewölbter Brücken 
Zur Festsetzung der Stärke eines nur dem Schube der an- 
schliefsenden Gewölbe ausgesetzten Zwischenpfeilers ist die Lage der 
Drucklinie im Pfoiler mafsgebend. Da nun letztere durch die Lage 
der Stützlinien in den beiden anschließenden Gewölben bestimmt ist, 
so läfst sich die Beurtheilung der vorgenannten Annahmen auf die 
Beurtheilung der Wahl der Gewölbestützlinien zurückführen. Bevor 
wir hierauf naher eingehen, wird es jedoch zweckmäfsig sein, einige 
allgemeine Bemerkungen über den Verlauf der Stützlinie im ausge 
rüsteten Gewölbe vorauszuschicken. 
Bisher ist es nicht gelungen, die wirkliche Lage der Stützlinie 
in einem aus einzelnen Wölbsteinen zusammengesetzten und mit 
Mörtelbändern versehenen Gewölbe auf theoretischem Wege zu er 
mitteln, und zwar aus dem Grunde nicht, weil die nach und während 
der Ausrüstung auftretenden Formänderungen des Gewölbes, von 
denen die Lage der Stützlinie abhängig ist, in den meisten Fällen 
auf die Zusammenpressung der Mörtelbänder, das Ausweichen der 
Widerlager, bezw. Pfeiler u$w, zurückzufubren sind, also auf Ur 
sachen, die bei ihrer Veränderlichkeit keine Grundlage für eine 
theoretische Untersuchung bieten können. Es müssen daher die Er 
gebnisse der Beobachtungen über das Vorhalten der Gewölbe wäh 
rend und nach der Ausrüstung zu Hülfe genommen werden, um zur 
Kenntnifs der wahrscheinlichen Lage der Stützlinie im ausge 
rüsteten Gewölbe zu gelangen. Die Erfahrung lehrt, dafs die Stütz 
linie im Scheitel und in der Bruch- bezw. Kämpferfuge meist nicht 
im Kemdrittel des Gewölbequerschnittes liegt. Mit dem Beginn der 
Ausrüstung suchen sich nämlich die Gewölbehälften infolge ihrer 
Schwere gegeneinander zu bewegen bezw. um die innere Kante am 
Kämpfer zu drehen. Letztere würde somit einen Punkt der Stütz 
linie enthalten, wenn das Material unveränderlich wäre. Da nun 
aber die Wölbsteine auf zusammenprefsbaren Mörtelbändern ruhen, 
so geht die Drehkante in eine kleine Druckfläche über, was zur 
Folge hat, dafs der Angriffspunkt der Stützlinie in der Bruch- bezw. 
Kämpferfuge von der inneren Wölblinie mehr in das Innere des Ge 
wölbequerschnittes rückt. Im Scheitel findet infolge der Dreh 
bewegung der Gewölbehälften an der äufseren Leibung eine stärkere 
Pressung und somit ein Hinaufrücken der Stützlinie statt. Dafs 
letztere bei zusammenprefsbaren Mörtelbändern nicht immer im Kern 
drittel des Gewölbequerschnittes verläuft, wird durch das nach der 
Ausrüstung häufig eintretende Klaffen der Fugen in der Nähe des 
Scheitels an der inneren und am Kämpfer an der äufseren Leibung 
bestätigt. Erfahrungsmäfsig liegt der Angriffspunkt der Stützlinie in 
der Scheitelfuge im oberen und in der Bruch- bezw. Kämpferfuge im 
unteren Drittel des Gewölbequerschnittes und zwar nahe den Wölb 
linien. 
Bei zwei durch einen Zwischenpfeilcr getrennten Gewölben gilt 
im allgemeinen dasselbe bezüglich der Lage der Stützlinien. Hierbei 
ist jedoch zu berücksichtigen, dafs die Schübe in den anschliefsenden 
Gewölben auch bei gleichen Stützweiten und Pfeilhöhen, bei gleicher 
Ueberschüttung und gleichem Material infolge der verschiedenen 
Lage der beiden Stützlinien ungleich sind. Dies hat ein Ausweichen 
des Pfeilerkopfes nach der Seite des kleineren Schubes zur Folge, 
wodurch letzterer vergröfsert und die betreffende Stützlinie eine dem 
vergröfserten Schube entsprechende 
andere Lage einzunehmen gezwungen 
wird. 
Unter Berücksichtigung des Vor 
stehenden mögen nun die Annahmen 
näher besprochen werden, die bei der 
zeichnerischen Ermittlung der Pfeiler 
stärken üblich und in Abb. 1 dar 
gestellt sind. In beiden Gewölben wird 
die Stützlinie im Kerndrittel verlaufend 
angenommen, wobei in dem durch die 
Verkehrslast belasteten Gewölbe I der 
Angriffspunkt im Scheitel an der oberen und in der Bruch- bezw. 
Kämpferfuge an der unteren Grenze gewählt ist, während in dem 
anderen, nur durch die ruhende Last belasteten Gewölbe II die 
Stützlinie von der unteren Kerndrittelgrenze im Scheitel nach der 
oberen in der Bruchfuge verlaufend angenommen wird. Durch die
	        
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