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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Är. 48. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
453 
anderweitige Zwecke bestimmten Gebäudes bilden, kann die Anlage 
besonderer Flure oder Durchfahrten vorgeschrieben werden, welche 
mit der Strafse in Verbindung stehen und von anderen Theilen des* 
selben Gebäudes durch massive Wände getrennt werden müssen. 
§ 63. 
Versammlungsräume, welche mehr als 2000 Personen aufzunehmen 
vermögen, müssen nach verschiedenen Strafsenzügen hin Ausgänge 
erhalten. Von dieser Forderung kann jedoch Abstand genommen 
werden, wenn zwischen den Hauptausgängen aus den Versammlungs 
räumen und einer Öffentlichen Strafse Vorplätze, Gärten oder Höfe 
von solchen Abmessungen liegen, dafs sie die gesamte Personenzabl 
bei Annahme von 4 Personen auf 1 qm Grundfläche aufzunehmen 
vermögen. 
§64. 
Die Umfassungswände und die inneren Wände, soweit sie Durch 
fahrten, Flure, Treppen und Versammlungssäle umschliefsen, sind in 
der Regel massiv oder unverhrennlich herzustellen. Hölzerne Fach- 
werksconstructionen sind zulässig, falls die Gefache ausgemauert 
•werden. 
Das äufsere Deckmaterial der Dächer mufs gegen Uebertragung 
eines Feuers von aufsen her sicheren Schutz gewähren. 
Die vorgeschriebenen Treppen (§ 71) müssen in besonderen 
Treppenräumen liegen und letztere Decken aus unverbrennlicbem 
Material erhalten. 
Etwaige die Decken der Säle durchbrechende Lüftungsöffnungen 
oder Oberlichter müssen mit unverbrennlichen, über die Dachfläche 
hinausgeführten Einfassungen versehen werden. Unterhalb der äufseren 
Oberlichter sind Drahtnetze anzubringen. 
§ 65 - 
Die Einrichtung von Lagerräumen für feuergefährliche Stoffe, von 
Fabriken oder Werkstätten für feuergefährliche Betriebe über oder 
unter Versammlungsräumen ist verboten. Auch dürfen derartige 
Räume nicht mit den für die Versammlungsräume dienenden Cor- 
ridoren, Treppen, Fluren oder Durchfahrten in Verbindung stehen. 
§ *>6. 
Der Fufsboden eines Versammlungsraumes darf nicht höher als 
12 m über der Strafse liegen. 
Ueber einem Saalparkett sind höchstens 2 Galerieen überein 
ander zulässig. 
§67. 
Wird in einem Versammlungsraum die dauernde Einrichtung von 
Sitzen beabsichtigt, so mufs die Breite eines Sitzes mindestens 50 cm 
und der Abstand der Sitzreihen wenigstens 90 cm betragen. 
Bei Anordnung von Klappsitzen und bei befestigten Bänken kann 
der Abstand der Reihen auf 80 cm ermäfsigt werden. 
Die Zahl der Sitze in ununterbrochener Reihe neben einem 
Seiten- oder Zwischengang darf im Saalparkett 14, auf Galerieen 12 
nicht übersteigen. 
Für Stehplätze dürfen höchstens 3 Personen auf 1 qm Grund 
fläche gerechnet werden. 
Die Breite der Gänge innerhalb des Saalparketts und auf Galerieen 
mufs mindestens 90 cm betragen und ist im übrigen nach dem Ver 
hältnis von 1 m für 120 Personen zu bemessen. 
Die nach vorstehenden Bestimmungen zulässige höchste Besucher 
zahl ist durch die Polizeibehörde festzustellen. 
§ 68. 
Für Versammlungsräume ohne feste Sitzreihen soll die Personen 
zahl, nach welcher die Breite der Thüren, Corridore, Treppen, Flure 
und Ausgänge zu bestimmen ist, so ermittelt werden, dafs in der Regel 
auf 1 qm Grundfläche des Saalparketts 2 Personen und auf 1 qm 
Grundfläche der Galerieen 3 Personen gerechnet werden, ln einzelnen 
Fällen können jedoch ausnahmsweise mit Rücksicht auf die Lage 
und Benntzungsart der Versammlungsräume auf je 10 qm Grund 
fläche für das Saalparkett 15, für die Galerieen 20 Personen gerechnet 
werden. 
Wenn mehrere Versammlungsräume in einem Geschofs oder in 
verschiedenen Stockwerken gemeinschaftliche Corridore, Treppen, 
Flure oder Ausgänge haben, so sollen die erforderlichen Breiten der 
selben der Regel nach in der Weise ermittelt werden, dafs die Per 
sonenzahl des gröfsten Raumes ganz und die Personenzahl der übrigen 
Räume zur Hälfte der Berechnung zu Grunde gelegt wird. Es kann 
jedoch in einzelnen Fällen ausnahmsweise mit Rücksicht auf die Be 
nutzungsart der Versammlungsräume eine geringere Gesamtziffer für 
die Berechnung zugelassen worden. 
§69. 
Die Anzahl und Breite der Thüren ist nach dem Verhältnifs von 
1 m für 120 Personen bei einer Anzahl bis zu 600 Personen 
1 m rt 136 * , „ von 600 bis 900 
1 m „ 150 „ yt „ über 900 „ 
zu bestimmen. 
Wenn die zulässige Zahl der Besucher mehr als 600 Personen 
beträgt, mufs der Versammlungsraum auf mindestens 2 Wandseiten 
Thüren erhalten. 
Ausgangs-Thüren müssen nach aufsen aufschlagend derart an 
geordnet werden, dafs die geöffneten Flügel nicht in die Corridore 
und in die Treppenräume vortreten. Ist diese Forderung nicht zu 
zu erfüllen, so müssen die Thürflügel vollständig herumschlagen und 
an den Wänden durch selbstthätige Federn festgehalten werden. In 
solchen Fällen ist aber die vorgeschriebene Mindestbreite der Corridore 
(§ 70) um die Thürflügelbreite zu vergröfeern. Die Thürverschlüsse 
müssen so eingerichtet sein, dafs sie durch einen einzigen Griff in 
Höhe von etwa 1,20 m über dem Fufsboden von innen leicht zu 
öffnen sind. 
Die Ausgangs-Thüren sind als solche mit grofser Schrift kennt 
lich zu machen und dürfen wählend der Benutzung eines Versamm 
lungsraumes nicht verschlossen werden. 
§70. 
Die für die Entleerung eines Versammlungsraumes in Betracht 
kommenden Corridore und Flure müssen mindestens 2 m breit sein. 
Im übrigen gelten für ihre Breiten sowie auch für die Breiten der 
Ausgänge die im § 69 für die Thüren angegebenen Verhältnifszahlen. 
Flure oder Durchfahrten, welche zu Versammlungsräumen führen, 
müssen mindestens 3 m breit sein und im übrigen nach dem Ver 
hältnifs von 1 m für 200 Personen bemessen werden. 
Wenn die Ausgänge aus Versammlungsräumen in einem Seiten 
oder Hintergebäude auf einen Hof von solchen Abmessungen führen, 
dafs er die gesamte Personenzahl bei Annahme von 4 Personen auf 
1 qm Grundfläche aufzunehmen vermag, so kann die Breite der Flure 
oder Durchfahrten, welche diesen Hof mit der Strafse verbinden, 
ausnahmsweise dem vorgeschriebenen Verhältnifs von 1 m für 200 Per 
sonen gegenüber unter der Bedingung ermäfsigt werden, dafs der 
Hof in seiner ganzen Fläche lediglich für den Personenverkehr frei 
gehalten wird. Als äufserst zulässige Grenze soll dabei jedoch das 
Verhältnifs von 1 m für 300 Personen gelten. 
§71. 
Für Versammlungsräume, welche nicht mehr als 300 Personen im 
ganzen fassen, soll eine Treppe ausreichend sein, welche aus un- 
verbrennlichem Material hergestellt werden, mindestens 1,5 m breit 
sein, und im Übrigen nach dem Verhältnifs von 1 m für 120 Personen 
bemessen werden mufs. 
Für mehr als 300 Personen müssen mindestens zwei Treppen an 
gelegt werden. Die gesamte Treppenbreite ist dann bis zur Anzahl 
von 900 Personen nach dem Verhältnifs von 1 m für 150 und bei 
mehr als 900 Personen nach dem Verhältnifs von 1 in für 200 Per 
sonen zu bestimmen. 
Galerie-Treppen dürfen niemals unmittelbar in den Saal aus 
münden. Es sind vielmehr für solche Treppen stets besondere Flure 
oder Vorräume anzulegen und deren Ausgänge nach Lage und Ent 
fernung von einander derart anzuordnen, dafs bei gleichzeitiger Ent 
leerung von Saal und Galerieen Gegenströmungen nicht entstehen 
können. 
Bei Galerieen von höchstens 30 qm Grundfläche kann die Breite 
der Treppe bis auf 1 m ermäfsigt werden. 
Die Räume, in welchen die vorgeschriebenen Treppen liegen, 
dürfen mit Kellerräumen nicht in unmittelbarer Verbindung stehen. 
Im übrigen gelten für die Anlage der Treppen im einzelnen die 
Bestimmungen des § 5. 
§ 72, 
Für den Fall, dafs ein Versammlungsraum vorübergehend mit 
Bänken, Stühlen oder Tischen besetzt werden soll, sind die im § 67 
für feste Sitzreihen vorgeschriebenen Gänge freizuhalten und flest ab 
zugrenzen. Reihenweise gestellte Stühle oder Bänke sind mit Inno
	        
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