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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaltung: 
SO. November 1880. 
sondere, wenigstens 4 m im lichten breite Zufahrt zu den Stallungen 
angelegt wird. 
§ 45. 
Für die Herstellung der äufseren und inneren Wände ist aufser 
Massivbau und Constructionen aus unverbrennlichem Material auch 
ausgemauertes Fachwerk zulässig. 
Balkendecken müssen mit Mörtel verputzt werden. 
Zur Herstellung der Decke oder des Daches über dem Zuschauer 
raum sind hölzerne "Unterstützungen zulässig. 
Die Dachconstructionen dürfen sichtbar bleiben. 
Das äufsere Deckmaterial der Dächer mufs gegen Uebertragung 
eines Feuers von aufsen her sicheren Schutz gewähren. 
Freiliegendes Holzwerk an Stützen, Deeken und Dächern mufs in 
den Ansichtsflächen gehobelt werden. 
Der Unterbau zur Unterstützung der Sitzreihen des Zuschauer 
raumes ist aus unverbrennlichem Material herzustellen. 
§46. 
Stallungen und Thierkäfige, sowie Räume für das Personal und 
für die Aufbewahrung von Decorationen, Requisiten und Futter- 
bestanden müssen vom Zuschauerraum durch unverbrennliche Wände 
und Decken getrennt werden. Die Thüren in diesen Wänden sind 
feuer- und rauchsicher herzustellen. 
§ 47. 
Die Räume unter den Sitzreihen des Zuschauerraumes dürfen als 
Garderoben für das Personal sowie zur Aufbewahrung von Deco 
rationen, Requisiten und Futterbeständen nur dann benutzt werden, 
wenn sie von massiven Wänden und Decken umschlossen sind und 
mit feuer- und rauchsicheren Thüren versehen werden. 
§48. 
Für die Anlage von Treppen gelten die in § 5 gegebenen Be 
stimmungen mit der Abänderung, dafs bei Treppen innerhalb des 
Zuschauerraumes Geländer nicht gefordert werden. 
§ 49. 
Auf jedem Circusgebäude sind Blitzableiter anzubringen. 
§50. 
Vermiethbare Räume und Wohnungen dürfen in einem Circus 
gebäude nur im Keller- oder im Erdgeschofs und nur unter der Be 
dingung eingerichtet werden, dafs sie durch massive Wände ohne 
Oeffnungen und unverbrennliche Decken von den zutu Circusbetrieb 
gehörigen Räumlichkeiten abgeschlossen und nur von aufsen zugäng 
lich gemacht werden. 
§51. 
Die im Zuschauerraum zulässige höchste Personenzahl ist von 
der Polizeibehörde nach folgenden Bestimmungen festzustellen: 
Die Sitze müssen mindestens 50 cm breit sein und die Abstände 
der Sitzreihen wenigstens 80 cm betragen, sofern nicht mehr als 
14 Plätze in ununterbrochener Reihe neben einem Seiten- oder 
Zwischengang angeordnet werden. Wird die Zahl 14 überschritten, 
so mufs der Abstand der Sitzreihen auf 1 m vergröfsert werden. 
Hierbei dürfen indessen höchstens 25 Sitze in ununterbrochener Reihe 
neben einem Seiten- oder Zwischengang angenommen werden. 
Auf allen Bänken müssen die einzelnen Plätze durch Leisten ab 
gegrenzt werden. 
Für Stehplätze dürfen höchstens 3 Personen auf 1 qm Grundfläche 
gerechnet werden. 
§52. 
Die Anzahl und Breite der Gänge, Treppen und Thüren im Zu 
schauerraum ist nach dem Verhältnifs von 1 m für 120 Personen zu 
bemessen, wobei die geringste Breite eines Ganges, einer Treppe 
oder einer Thür nicht unter 90 cm sein darf. 
§53. 
Corridore und Flure müssen mindestens 2 m breit sein, im übrigen 
ist ihre Breite sowie die Breite der aufserhalb des Zuschauerraumes 
belegenen Treppen und der Ausgänge nach dem Verhältnifs von 
1 m für 120 Personen bei einer Anzahl bis zu 900 Personen 
lm „ 135 „ „ „ „ von 900 bis 1500 „ 
lm „ 150 n „ „ „ von mehr als 1500 * 
zu bemessen. 
§54. 
In Bezug auf die Bezeichnung der Ausgänge, das Aufschlagen 
der Thüren und die Einrichtung der Thürverschlüsse finden die Be 
stimmungen der §§ 16 und 17 Anwendung. 
§ 55. 
Für die Beleuchtung eines Circusgebäudes ist aufser elektrischem 
auch Gaslicht, sowie die Verwendung von Pflanzenölen und Kerzen 
zulässig. 
Die Verwendung von Mineralölen ist verboten. 
Wird Gasbeleuchtung gewählt, so sollen dabei die im § 41 ge 
gebenen Vorschriften entsprechend befolgt werden und insbesondere 
die dort für das Bühnenhaus angeordneten Vorsichtsmafsregeln bei 
Circusgebäuden auf die Stallungen sowie auf die Räume für das 
Personal und für die Aufbewahrung von Decorationen und Requisiten 
Anwendung finden. 
§ 56. 
Eine ausreichende NothbeJeuchtung mittels Kerzen- oder Oel- 
Lampen ist nach näherer Anweisung der Polizeibehörde einzurichten. 
§57. 
In Bezug auf Heizung, Wasserversorgung und Feuerlösch-Ein- 
richtungen finden die für Theater gegebenen Vorschriften sinngemäfse 
Anwendung. 
§58. 
An Stroh, Heu und sonstigen Futterstoffen darf in einem Circus 
nur der für drei Tage erforderliche Vorrath gelagert werden. In 
Bezug auf das Rauchen im Gebäude, das Umgeben mit unverwahrtem 
Feuer oder Licht, die Verwendung von Feuerwerk, die Unterhaltung 
der Nothbeleuchtung, die Aushängung von Grundrifsplänen, die 
Einrichtung eines besonderen Feuerwehr- und Wächterdienstes, sowie 
auf die polizeiliche Ueberwachung der Vorstellungen sollen die für 
Theater in den §§ 31, 32, 36, 37, 38 und 39 gegebenen Bestimmungen 
sinngemäfse Anwendung finden. 
§ 59. 
Die Anlage eines zeitweilig aufzustellenden Circus darf nur auf 
einem freien Platze unter Beobachtung eines Abstandes von wenig 
stens 15 m von jeder Nachbargrenzc gestattet werden. 
Stallungen müssen vom Zuschauerraum getrennt derart angelegt 
werden, dafs die Aus- und Eingänge für das Publicum möglichst 
entfernt von den Hauptthüren der Stallungen liegen. 
Für die zulässige Anzahl von Sitz- und Stehplätzen, für die An 
ordnung der Gänge und Thüren im Zuschauerraum, für die Breite 
der Corridore, Treppen, Flure und Ausgänge sind die Bestimmungen 
der §§ 51, 52, 53 und 54 mafsgebend. 
Im übrigen soll die Polizeibehörde je nach den örtlichen Ver 
hältnissen und nach dem Umfang des Betriebes entscheiden, wie weit 
sonst die für Circusgebäude erlassenen Vorschriften in Bezug auf 
Bauart, innere Einrichtung und Betrieb auch bei Anlage eines zeit 
weilig aufzustellenden Circus und für den Fall, dafs ein Circus vor 
übergehend in einem sonst zu anderen Zwecken benutzten Gebäude 
eingerichtet wird, zu befolgen sind. 
C. Oeffentliche Versammlungsräume. 
§60. 
Als Öffentliche Versammlungsräume im Sinne dieser Verordnung 
gelten alle baulichen Anlagen, welche zur gleichzeitigen Aufnahme 
einer gröfaeren Anzahl von Personen zu öffentlichen Lustbarkeiten, 
öffentlichen Versammlungen oder zu ähnlichen Zwecken dienen sollen. 
Baulichkeiten, welche ausschliefslich für Gottesdienst oder Unter 
richtszwecke bestimmt sind, werden von dieser Verordnung nicht be 
troffen. 
§61. 
Wird für öffentliche Versammlungsräume ein selbständiges Ge 
bäude hergestellt, so mufs der Abstand der die Haupt-Ein- und 
Ausgänge enthaltenden Front von der gegenüberliegenden Strafßen- 
begrenzung mindestens 10 m betragen. 
Das Gebäude darf gegen die Nachbargrenzen nur an denjenigen 
Theilen der Umfassungswände Thür- oder Fensteröffnungen erhalten, 
welche von der Nachbargrenze oder von anderen Bauten auf dem 
selben Grundstück mindestens 6 m entfernt bleiben. 
§62. 
Für Versammlungsräume, welche Theile eines im übrigen für
	        
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